Beschreibung Kessins, das am11. August des Jahres 1694vermessen wurde 1
Kessin ist ein Kron- und steuerpflichtiger
Hof im Distrikt Wolgast und gehört zum Kirchspiel Hanshagen. Nach Meilenrechnung der Einwohner
liegt dieser zweieinviertel Meilen von Anklam, eineinhalb Meilen von Greifswald und eineinhalb Meilen von Wolgast entfernt.
Im
Norden grenzt er an die Kronheide Benthorst, im Osten an Krebzow, im Süden an Radelow und
im Westen an Klein Kiesow sowie Schlagtow. Dieses Dorf hat größtenteils zu Wrangelsdorf gehört, außer dass das Amt Eldena und die Universität Greifswald hier einen Vollbauernhof und eine Kossatenstelle haben. Nach Aussage der Einwohner soll der Teil
Wrangelsburgs2 aus sechs Bauernhöfen bestehen, sie sagen, früher haben hier sieben Vollbauern und einKossat3 , der Land hatte, gewohnt. Von den erwähnten Grundstücken liegen zwei unbebaut, sie haben wohl an die 60 Jahre wüst gelegen,
doch deren Land wird nun zum größten Teil von den Einwohner bewirtschaftet. Dieser Teil, wie ich sagen hörte, hat in früheren Zeiten zum Amt Wolgast gehört, aber ein Bürger aus Wolgast, Philipp Adelhelm
genannt, bekam es vomHerzog4 , von welchem R 555 schließlich Feldherr
Wrangel5 den betreffenden Anteil erstanden hat. U 393 Jetzt ist dieser durch die Königliche Reduktion6 an das Amt zurückgefallen, was jedoch bei selbiger Vermessung noch nicht geschehen war, deshalb bezieht sich bei
diesem Werk alles auf den damaligen Zustand des Dorfes. Zu bemerken ist, dass zwei Katen- oder
Kossatenstellen seit alters her bei diesem Teil lagen, die nun wüst liegen. Die Einwohner
sagen, kein Land wird dabei gelegen haben. Jetzt findet man hier im Dorf folgende Einwohner:
1 . Jochom Låhrman,Heidereiter7 .
2 . Christian Bötzke, Pächter.
| 3 . Jochom
Ruubak 4 . Jochom Skarping 5 . Frentz Holtz |
Dienstbauern |
6 . Casten Kuubaak
7 . Petter Nils, Viehhirte.
R 556 Nr. 1 hat mit der Kronheide Benthorst zu tun, für die Aufsicht bekommt er an jährlichem Lohn 24 Rthl, kann inzwischen aus dem Wald einige kleine Nebeneinkünfte haben wie trockenes Holz, verfallene und
verdorbene Bäume zum Verkauf, das ist ihm gestattet. Er hat hier vier Jahre gewohnt und von Wrangelsburg drei Grundstücke
angenommen
und gibt eine jährliche Pacht von 40 Rthl. Zwei Grundstücke liegen wüst und auf dem dritten hat er seinen
Wohnsitz, der vor dem letzten Krieg8 von einem Untertänigen bewohnt war, aber damals wurde er wüst gelegt und dann ließ ihn die
Wrangelsburger Herrschaft wieder aufbauen. Einen der wüsten Höfe bewirtschaftet Nr. 1 selbst
zusammen mit seinem eigenen. Aber den anderen hat er hingegen an die anderen Einwohner gegen Pacht abgegeben:
die Hälfte an Nr. 3, 4 und 5 und die andere Hälfte an Nr. 6. Ungeachtet dessen liegt doch ein großer Teil des Landes dieser
drei Höfe unbestellt und wüst. Der vorige Heidereiter saß dort, wo nun Nr.
6 wohnt, der eine Stelle und etwas mehr Land frei hatte.
U 394 Nr. 2 wohnt auf einem Universitätshof, den
er zugleich mit einer der Kossatenstellen 14 Jahren lang gegen Pacht
gehabt hat, die sich jährlich auf 35 Rthl beläuft. Bei dem Bauernhof, sagte er, war nur soviel
Acker wie bei einem der anderen Höfe, aber bei den
Kossatengrundstücken nur ungefähr ein fünftel gegenüber einem anderen. R 557
Er wusste weder, wie viele Hufen und Morgen zu diesem Anteil gehören, noch wie hoch er in den Abgaben steht, weil er mit derHufensteuer9 nichts zu tun hat.Nr. 3, 4 und 5 sind zu Wrangelsburg gehörende Dienstbauern, die alle auf ganzen
Höfen sitzen. Außerdem haben sie zusammen einen halben wüsten Hof zu bewirtschaften, den sie vom Heidereiter pachten. Sie leisten
ihren Dienst auf dem Ackerwerk Krebzow. Diese Höfe sind meistens ständig bebaut und bewohnt, nur der, auf dem Nr. 4 sitzt, lag früher wüst und
wurde vor 20 Jahren aufgebaut. Nr. 6 wohnt auf einem Kossatenhof bei Nr. 2, den er von ihm pachtet, außerdem hat er einen halben wüsten Hof vom Heidereiter
gepachtet. Dieser ist auch ein Untertäniger.
Die Hufenzahl
Die Einwohner meinten nicht kundig zu sein, wie viele Hufen seit alters her bei diesem Dorf liegen, aber ihnen sei gesagt worden, zwei Hakenhufen bei jedem Hof. Aber drei Hakenhufen stimmen mit der Ausrechnung doch besser überein. Und wie es um die Abgaben steht, wussten sie nicht, sondern sagten, dass jeder Dienstbauer 28 ß gibt, die sie nach Wrangelsburg abliefern, wenn ein Rthl für eine reduzierte Hufe abgekündigt wird. Die anderen Einwohner haben mit der Hufensteuer nichts zu tun.
R 558 U 395Arealausrechnung für Kessin
Der Acker
liegt hier in drei Schlägen und jährlich werden nur einige kleine Stellen im Dorf bestellt
A
tiefes Feld
75M 195R
Aa
mittelmäßig gelegenerHumusacker
36M 150R
Ab
tiefgelegener und etwas kaltgründigerAckerboden
32M 210R
Ac
Humusland
3M 150R
Ad
junger und niedriger Brachacker
2M 285R
B
Hohenfeld, das als Brache lag
99M 60R
Ba
hochgelegener Acker meist aus Lehmhumus bestehend, teils sandvermischt
34M 60R
Bb
lehmig-humoser Acker, etwas sandvermischt, wovon nun unweit des Feldes C 2 Morgen und
240 Ruten besät waren
27M 150R
Bc
tiefgelegener lehmvermischter Boden 13M 240R Bd Sandhumus
23M 210R
C
das Feld nach Klein Kiesow hin
93M 60R
Ca
Humusboden
12M 105R
Cb
meist flaches Humusland, etwas sandvermischt
36M 180R
Cc
Sandhumus
31M 135R
Cd
Sandhumus und magerer Acker in einigen Stücken bei der Grenze
12M 240R
D bezeichnet einige kleine Ackerstellen innerhalb der Hofstellen und des Dorfes, sind meist jedes Jahr besät, es sind auch zwei kleine Stücke, die sonst zur Trift oder Straße gehören 6M 240R
E: wüstes Land
[E]
102M 45R
Ea
im Feld A zwei Stücke kahles wüstes Land und ein kleines bisschen
dazu
8M
Eb
alter wüster Acker mit kleinen Birkenbüschen
darauf
6M
Ec
im Feld B, altes wüstes Land, teils von niedrigem Grund
11M 240R
Ed
in dessen südlichem Teil, kahles wüstes Land, zumeist mit kleinem
Heidekraut bewachsen
27M 255R
Ee
im Feld C Heidekraut, uralter wüster Acker,
von sandig-humosem Grund, teils etwas niedrig
47M 150R
Notiz: Sonst findet man wohl etwas mehr hier auf den Besitzungen, was früher aufgebrochen war, man kann es an den Furchen
sehen, aber da dieses hier von so nassem und niedrigem Boden ist, scheint es am brauchbarsten als Viehweide
zu sein; es wird auch unter jenem Abschnitt als symbol Ga aufgeführt.
F: Wiesen
[F]
[Ertrag:] 40 Heufuder
57M 30R
Fa
sumpfige Wiese im Ackerfeld A, zumeist von ziemlich gutem Graswuchs
30M 150R
Fb
ebenfalls sumpfigeWiese
4M 180R
R 560 U 397
Fc
teils sumpfige Wiesenflecken im Feld B, teils sumpfige andere Wiese an der Grenze
5M 180R
Fd
bei der Grenze zu Krebzow, ein Teil wird im selben Feld südlich des Weges gemäht, wenn der
Acker bestellt wird; an der Grenze ist er sumpfiger und sonst zumeist fest, von geringem Wuchs
9M
Fe
KleineWisch, sumpfige Wiese, etwas bewachsen,
wozu auch eine sumpfigere Wiese beim Dorf gelegt wird
7M 120R
Notiz:
1. Sonst mähen die Einwohner wenig zwischen den Büschen und Stellen Gb, die jedoch unter dem Wald aufgeführt
sind, weil das sehr wenig zur Sache beitragen kann.
2. Die Wiesen werden jedes dritte Jahr mit den Feldern zusammen als Weide
genutzt, außer KleineWisch oder Fe, die jährlich eingezäunt wird. Nach Angaben der
Einwohner haben diejenigen, die dieses Jahr gemäht wurden 40 Fuder gegeben, was aus den Annotationen ersichtlich ist.
G: Wald undWeideland
[G]
163M 150R
Ga
niedriges und kahles Land, teils grasig, teils mit Heidekraut
bewachsen, war in früheren Zeiten als Acker genutzt worden, aber jetzt es am brauchbarsten alsViehweide
18M 150R
Gb
sumpfiger Boden an zwei Stellen mit Erlenbüschen bewachsen, auf
welchen manchmal zwischen den Büschen ein wenig gemäht wird
5M 210R
R 561 U 398
Gc
teils fester, teils sumpfiger Boden, an zwei Stellen mit Eichen, Espen, Hasel und Erlenwald
bewachsen
Gd
dicht an der Grenze zu Krebzow, zum Benthorst hin
liegt sumpfiges und festesWeideland
durcheinander;
teils kahl doch zumeist mit Erlenwald bewachsen. Man findet auch auf der
höheren Seite innen nach Ba zu etwas Eichen- und Haselwald. Hierunter einbezogen sind alle anderen Wald- und Wiesenflecken im Feld und beim Dorf; sind zumeist von nassem Boden und mit Weiden, Espen und Erlen bewachsen, die meistens unter Symbol
auf der Karte zu finden sind
72M
Ge
kleine Koppeln im Dorf
2M 90R
unbrauchbarer Morast. Pfützen und sumpfiger Boden, mit Riedgras bewachsen, wenig nützlich. Sowie Tümpel
40M
Umfang des Dorfes
[Das Dorf]
11M 120R
T. K.
alle kleine Obst-
Gemüsegärten im Dorf
1M 90 R
alle Grundstücke und Wege undTriften
6M 210R
alle Triften und Wege außerhalb auf den Besitzungen 3M 120R
Notiz: Die Obstgärten können nicht besonders viel einbringen.
Summe
Acker: 274m 255R
Wüstes Land: 101M 45R
Wiesen:
57M 30R
Viehweide undWald:163M 150R
Das Dorf: 11M 120R
Heufuder: 40
Annotationen von Kessin
Über die Beschaffenheit der Felder
Dieses Jahr war das Feld A Winterfeld, B lag als Brache und C war mit Sommersaat besät, B oder Hohenfelt ist von denen an Bodenart, Lage und Größe das beste. C, oder das Feld nach Gützkow, ist an Güte das mittlere, denn der Acker ist größtenteils sandvermischt, doch so gelegen, dass Wasser ihm nicht schadet. Aber A oder das tiefgelegene Feld ist das schlechteste, weil es zu einem großen Teil so niedrig und tief gelegen ist, dass Wasser oft schlechten Wuchs verursacht, besonders wenn Frühling und Herbst nass sind.
Die Aussaat nach Angaben derBauern
In das Feld A kann Nr. 1 zwei Drömt Wintersaat einsäen, Nr. 2 vier Drömt, Nr. 3 zwei Drömt, Nr. 4 sät 22 Sch, Nr. 5 sät 23
Sch und
Nr. 6 ein Drömt. In das Feld B, wenn es mit Wintersaat besät wird, kann Nr. 1 zweieinhalb Drömt Roggen
aussäen, Nr. 2 vier Drömt, Nr. 3 zweieinhalb Drömt, Nr. 4 zwei Drömt, Nr. 5 zweieinhalb Drömt und Nr. 6 14 Sch. In das Feld
B hat
Nr. 1 dieses Jahr an Sommersaat 18 Sch Gerste, zwölf Sch Hafer, einen Sch Buchweizen gesät. Nr. 2 hat zwei Drömt Gerste, zwei Drömt Hafer,
zwei Sch Buchweizen gesät. Er hat dieses Jahr auch fünf Sch Roggen in das kürzlich
aufgebrochene Land oben im Feld gesät. Nr. 3 hat 20 Sch R 563
Gerste, einen Drömt Hafer, einen Sch Buchweizen und fünf Sch Roggen in das neue Land gesät. Nr. 4 hat 14 Sch Gerste, acht Sch Hafer, einen Sch Buchweizen und vier Sch Roggen gesät. Nr. 5 hat 14 Sch Gerste, sieben Sch Hafer, einen Sch Buchweizen und drei Sch Roggen gesät. Nr. 6 hat drei Sch Gerste, sieben Sch Hafer, einen
Sch Buchweizen und zwei Sch Roggen gesät.
Notiz: Die Einwohner haben von ihrem Land
nicht gleichviel aufgebrochen, deswegen ist die Aussaat so unterschiedlich.
Wüstes Land
Das wüste Land ist meist von sandig-humosen Boden und zum größten Teil so gelegen, dass es scheinbar wieder aufgebrochen werden kann.Obwohl es mager ist und ein Teil davon etwas niedrig, wird es inzwischen als Viehweide genutzt, die überall mit Heide bewachsen ist.
ÜberWiesen
U 400 Weil die Wiesen, wie vorhin berichtet, meistenteils jedes dritte Jahr besät werden, nicht eingezäunt
werden und außerdem von geringem Graswuchs sind, sagten die Einwohner, sie können nicht mehr Heu bekommen als folgendermaßen:
Nr. 1 erntet im tiefgelegenen Feld, wo die meiste und beste Wiese ist, fünf gute Fuder Heu. Nr. 2
erhält sechs Fuder und die drei Dienstbauern jeder fünf Fuder. Nr. 6 erntet zwei Fuder.
R 564 Von KleineWisch können sie, wie sie sagten, nur vier bis fünf Fuder Heu bekommen, die vier Pferde
ziehen. Im Feld B soll jeder ein gutes Fuder bekommen, wenn es eingezäunt ist.
Wald
Mit dem kleinen Wald, den man hier auf dem Grund und Boden findet, behelfen sich die Einwohner mit dem notwendigen Brennholz. Sie haben daneben eine seit alters her gestattete Freiheit aus der naheliegenden Kronheide Benthorst trockene und verfallene Bäume zu holen, die sonst unbrauchbar sind. Sie nutzen diese als Brennholz. Gleichwohl haben sie die Freiheit von dort Zaunhölzer und Pfähle zu holen. Für die Grundstücke Wrangelsburgs ist das Bauholz aus der WrangelsburgischenHeide genommen worden. Aber der Universitätshof hat Bäume aus Benthorst bekommen, als er vor einiger Zeit abgebrannt war.
Weideland
Außer der Viehweide, die das Dorf innerhalb seiner Grenzen hat, ist es ihm seit alters her erlaubt worden, seine Viehweide frei in der Kronheide hier neben Benthorst zu haben. Das beanspruchen auch die Einwohner Hanshagens als ein altes Recht.
Vieh
1. Nun hatten die Einwohner Vieh wie folgt:
Nr. 1 hat zwei Ochsen und vier Pferde. R 565 Nr. 2 hat 20 Stück Hornvieh und vier Pferde. Nr. 3 hat sechs Kühe, vier Ochsen
und sieben Pferde. Nr. 4 hat sechs Pferde, zwei Ochsen und vier Kühe. Nr. 5 hat drei Kühe, fünf Pferde und drei Ochsen. Nr. 6 hat
zwei Kühe, einen Ochsen, zwei Pferde und vier Schafe. Nr. 7 hat nur zwei Kühe.
U 401 2. Bienen oder Bienenstöcke, die hier gute Nahrung finden können, haben die
Einwohner auch einige. Nr. 1 hat vier Stück, Nr. 2 hat sechs Stück und Nr. 3 hat zwei Stück, aber die anderen haben keine.
Hofdienst
Die Bauern dienen beim Ackerwerk Krebzow, das hier nebenan liegt, jeder vier Tage in der Woche mit vier Pferden und zwei Personen und am fünften Tag mit zwei Personen zu Fuß, aber den sechsten Tag haben sie frei. In der Erntezeit dienen sie alle sechs Tage, wenn der Roggen gemäht wird, geht es meistens zu Viert zum Dienst, zwei zum Mähen und zwei zum Binden. Dann leisten in der Erntezeit drei Personen und drei Pferde täglich Dienst. Zur Saatzeit, sowohl im Herbst als auch im Frühling, dienen für jeden täglich zwei Personen und vier Pferde; zur Heuernte zwei Personen die ganze Woche und außerdem ein Wagen, wenn das Heu eingefahren wird. Tagesverpflegung bringen sie sich selbst mit zum Dienst, nur wenn der Roggen gemäht wird, R 566 gibt das Ackerwerk täglich eine halbe Tonne Bier an alle dazugehörigen Dienstleute aus, und wenn die Gerste gemäht wird, bekommen sie alle Tage eine viertel Tonne Bier.
Dienstleute
Nr. 1, 2 und 3 haben jeder einen Knecht und eine Magd in Diensten. Nr. 4 hat einen Knecht. Nr. 5 hat einen Knecht und einen Jungen. Ansonsten helfen die Kinder der Einwohner bei der Arbeit.
Abgaben
1.Akzise10 gibt der Heidereiter jährlich sieben Mark, er sagte, das geben alle Heidereiter. Nr. 2 gibt jedes Vierteljahr 43 einen halben Schilling, Nr. 3, 4 und 5 geben jedes Vierteljahr 28 Schilling,
Nr. 6 gibt neuneinhalb Schilling und Nr. 7 gibt sieben Schilling.
2. Die drei Dienstbauern geben
jeder 19 einhalb Schilling für dieReiterverpflegung, anMagazinkorn11 werden jedes Jahr vier Sch gegeben, die anderen haben damit nichts zu tun.
3. Jeder der drei Dienstbauern gibt jährlich zwei Rthl Pacht und einen Fuder Heu an Wrangelsburg.
U 402 4.Kopfsteuer12 gab jeder der Dienstbauern dieses Jahr an zwei Terminen zweieinhalb Rthl, der Pächter gab seine Kopfsteuer an das Amt Eldena, zuerst zwei Rthl und jetzt R 567 danach einen halben Rthl für sich und zwölf Schilling für seine Frau.
Er gab dieses Jahr acht SchillingViehsteuer13 für jedes Stück Vieh.
5. Für jeden Bienenstock sind zwei Schilling gegeben worden.Messkorn14 wird an den Pastor in Hanshagen gegeben: Nr. 1, 2, 3, 4 und 5 geben jeder jährlich zweieinhalb
Sch; an den Küster geben sie fünfviertel Sch Hafer. Nr. 6 gibt gegenüber den
anderen die Hälfte. Die Saat, die der Pastor bekommt beträgt eine Hälfte Roggen,
eine Hälfte Gerste.
Die Beschaffenheit der Grenzen
Die Grenzen des Dorfes sind zumeist richtig; außer bei Radlow, dort ist die Grenze nicht ganz zweifelsfrei. Insbesondere konnte ich über ihren Verlauf durch den großen Morast keine Gewissheit erlangen. Deswegen ließ ich sie direkt auf die Grenze Züssows zu verlaufen, das sollte in einem unbrauchbaren Morast wenig Streitigkeiten verursachen.
Es folgt hier eine Beschreibung der Kronheide Benthorst
1. Benthorst ist ein Kron- oder Amtswald, er besteht zumeist aus
festem Land, dazwischen sind jedoch etwas Morast und sumpfige Brüche zu
finden. Er ist spärlich mit großen Eichen bewachsen, aber dazwischen wachsen eng kleine Eichen-, oder Haselbüsche. R 568 Zugleich
findet man dazwischen einige Hagebuchen und an einigen Stellen Erlen und anderen kleinen
Laubwald, aber selten sind hier und da die eine oder andere Kiefer zu sehen. Der
Wald grenzt im Norden an Hanshagen, im Osten an Gladrow und Krebzow, im Süden an Kessin und Schlagtow
und im Westen trifft er mit einem Weideland zusammen. Hier und da ist er zwischen der Grenze Schlagtows,
Groß Kiesows und Hanshagens mit Büschen bewachsen. Wie ich in Gladrow erzählen hörte, soll hier in genanntem
Benthorst in der Gegend des Hanshagener Weges in uralten
Zeiten ein Dorf gelegen haben, das Puppenmühl hieß. So wird der Wald auch auf der Seite genannt, wo auch noch Zeichen sichtbar sein sollen. U 403 Desgleichen sieht man in der Heide an einigen Stellen alte
Ackerfurchen, zu der Zeit ist hier kein Wald gewesen. Sonst ist zu bemerken, dass der frühere Heidereiter, der hier in Kessin 40 Jahre lang wohnte, unter sich einen Waldaufseher hatte. Dieser hatte eine kleine Wohnstelle im Wald an der Grenze zu Krebzow, die nun
verfallen ist und Kossatenstedt genannt wird.
2. Im Benthorst ist ein Ackerkamp nach Hanshagen hin gelegen, der ist von etwas tiefgelegenen und lehmartigen Boden, der Myllencamp genannt wird und früher ständig von der Hanshagener Mühle bestellt wurde. Davon wird vorgegeben, dass es R 569 aufgrund
eines alten Rechts geschehen war. Aber vor zwei Jahren hat ihn der Heidereiter auf Geheiß des Oberjagdmeisters übernommen, um ihn zu bestellen, der Ackerkamp soll ungefähr von
sechs Sch Aussaat sein. Nach seiner Angabe, sei der Acker nicht fruchtbar, sondern es gäbe immer Misswuchs,
was der umliegende Wald zu verursachen scheine.Außerdem verderben die Wildschweine
die Saat. Sonst liegt hier im Wald eine kleine Wiese an der Grenze zu Gladrow, die
im Jahr ungefähr sechs Fuder Heu geben können soll und von dem Heidereiter genutzt wird.
3. Der Mastwald trägt selten Frucht, aber in fruchtbaren Jahren können hier 100 Schweine
gefüttert werden. Der Pächter in Hanshagen pflegt die Mast zu pachten, wenn etwas vorhanden ist, er gibt
jährlich 20 bis 30 Rthl, je nachdem, ob es mehr oder weniger Frucht gibt.
4.Der Heidereiter
verkauft etwas Holz aus der Heide, dafür bekommt er einen Groschen, für jedes Pferd, welches das Holz fort bringt. Meistens wird es nach Greifswald gebracht, denn
die anderen Dörfer hier vor Ort kaufen ihr Holz anderswo. Für dieses Geld macht der
Heidereiter Rechnung beim Oberjägermeister. Wenn aber einige Bäume oder Eichenblöcke verkauft werden sollen, kommt der Holzförster hierher und kennzeichnet sie zuerst,
die der Heidereiter dann verkauft und für das Stück bekommt er vier Mark oder einen Rthl nach Güte des
Baumes.
R 570 5. Wild findet man hier im Wald, sowohl Rehe, Wildschweine als auch Hirsche, aber
in keiner großen Menge. Diese wechseln auch schnell in den nächstliegenden Adelsforst, wo sie keinen
Frieden haben. Der Heidereiter schießt manchmal Wild, wenn er dafür Befehl erhält.
6. Die Pastoren in Gützkow, Züssow und Hanshagen haben hier im Wald
Brennholz, wie Erlen, Hasel und Hagebuche
frei, um es nach Hause fahren zu lassen. Diese Freiheit haben sie seit alters her gehabt.
7. Die Viehweide in der Heide nutzen Hanshagen und Kessin frei, die war ihnen seit
alters her gestattet. Schlagtow hatte auch seit alters her Viehweide nördlich seiner Grenze für eine
bestimmte jährliche Zahlung. Notiz: Die große Fülle kleiner Eichen und anderen Buschwerkes, die den Wald jetzt füllt, wird mit der Zeit mehr und mehr werden und dessen Nutzen
und Wuchs verhindern, wenn er nicht mehr licht und nach Gelegenheit teils ausgehauen und verändert wird.
Anmerkung: Wenn
Hanshagen vermessen wird, sollen die Karte und die Ausrechnung hierüber daneben angefertigt werden.
Im Jahre 1704 ist das Dorf Kessin revidiert und wie folgt befunden worden
Das Feld A
Ae ein Stück vom wüsten Acker Ea aufgebrochen und besteht aus Sand, etwas schwärzlich 1M
Das Feld B
[Bg,Bf]
10M 270R
Bg
zwei Stücke sind vom wüsten Acker Ec aufgebrochen und Sandhumus
180R
Bf
zehn Stücke Sandhumus vom wüsten Acker Ed aufgebrochen
10M 90R
Das Feld C
Ce elf Stücke vom wüsten Acker Ee aufgebrochen und Sandhumus, etwas niedrig 8M 120R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Ed und Ee können als Acker genutzt werden, denn sie bestehen aus Sandhumus, sind jedoch etwas niedrig. Aber Eb und Ec sind sehr kaltgründig und das Wasser soll dort zumeist überall im Frühling und Herbst stehen.
Summe
NeuerAcker: 20M 120R
1 Wurde laut Urschrift von Brynolph Hesselgreen vermessen.
2 Königin Christina verlieh 1643 das Gut Vorwerk mit seinen Ackerhöfen Groß Ernsthof und Spandowerhagen 1643 dem Herman Wrangel, dem Generalgouverneur von Livland für seine Dienste. Nach seinem Tode im selben Jahr erhielten es seine unmündigen Kinder aus dritter Ehe als Erbe. Seit 1649 verwalte Carl Gustav Wrangel die Güter und tauschte sie 1653 gegen seine Besitzungen in Livland ein. Um dem Gut Vorwerk einen repräsentativeren Charakter zu verleihen, benannte er es in Wrangelsburg um. Das Gut Nonnendorf u.a. mit dem Dorf Vierow war schon 1652 von dem Generalgouverneur gekauft worden. Asmus, Ivo: Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels. In: Wernicke, Horst und Werlich, Ralf Gunnar (Hg.): (Pommern. Geschichte-Kultur-Wissenschaft. 3. Kolloquium zur pommerschen Geschichte. 13. und 14. Oktober 1993), Greifswald 1996, S. 131-133. Derselbe: Das Testament des Grafen-Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels nach Tod, förmyndarräfst und Reduktion. In: Asmus, Ivo, Droste Heiko (Hg.): Gemeinsame Bekannte: Schweden und Deutschland in der frühen Neuzeit, Berlin, Hamburg, Münster 2005, S. 204-f.
3 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
4 Herzog Philipp Julius (1584-1625), von 1603 bis zu seinem Tod 1625 führte er die Regierung des Herzogtums Pommern-Wolgast. Wehrmann, Martin: Genealogie des pommerschen Herzogshauses. (Veröffentlichenungen der landesgeschichtlichen Forschungsstelle für Pommern. Bd. 1, H. 5) Stettin 1937. S. 130f.
5 Carl Gustaf Wrangel: Der bekannte schwedische Feldherr Carl Gustaf Wrangel wurde am 13. Dezember 1613 geboren, seine Eltern waren der Sohn des baltisch-stämmigen Adligen Hermann Wrangel und der Margareta Grip (eine Cousine Gustav II. Adolfs). Wrangel erhielt die übliche Ausbildung eines jungen Adligen jener Zeit, wozu auch die Bildungsreise in andere europäische Länder zählte. Nach Aufenthalten in den Niederlanden und Frankreich schloss er sich den schwedischen Truppen in Deutschland an und durchlief eine außerordentliche militärische Karriere. Schon 1645 wird er Feldmarschall, sechs Jahre später erhält Wrangel einen Grafentitel, im Jahr 1657 ist er Admiral und 1664 Reichsmarschall. Außerdem gehört er in der Zeit 1660-1672 zur Vormundschaftsregierung Karls XI. Als Generalgouverneur Schwedisch-Pommerns (1648-1650 und 1661-1676) übernimmt er die Mittlerfunktion zwischen dem schwedischen Reich und dem Kontinent, wobei es ihm gelang, recht unabhängig in seiner Position zu wirken - schon seine Zeitgenossen nannten ihn, wegen seines Auftretens einen "norddeutschen Prinzen". Neben seinen umfangreichen Besitzungen in Pommern, besaß der Feldherr auch u. a. große Anwesen in Schweden und Finnland, und wirkte als einer der großen Bauherrn seiner Epoche. Wrangels glanzvolle militärische Laufbahn endete1675 wenig ruhmvoll mit der Niederlage bei Fehrbellin, wo er der Oberbefehlshaber über die schwedischen Truppen war. Schwer krank starb er am 25. Juni 1676 auf seinem Sitz Spyker auf Rügen. Da er keine überlebenden Söhne hatte, vererbte Wrangel seinen umfangreichen Nachlass seinen Schwiegersöhnen. Hofberg, Herman: Svenskt biografiskt handlexikon, Bd.II, Stockholm 1906, S. 746
6 Vor allem während des Dreißigjährigen Krieges und auch danach durch Königin Christina waren viele Domänengüter auf Rügen und in Vorpommern verpfändet worden. Um die früheren Verhältnisse wiederherzustellen, ordnete der schwedische König Karl XI. die Reduktion, das heißt die Wiederzurückführung, der verpfändeten Kammer- und Tafelgüter für Rügen und Vorpommern an. 1692 wurde diese Aufgabe einer Reduktions – Kommission übertragen. Königl. Instruction, an die Reductions-Commißion in Pommern. Vom 8. März 1692. In: Dähnert, Johann Carl (Hg.): Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landesurkunden. Gesetze, Privilegien, Verträge, Constitutionen und Ordnungen. Erster Band. Stralsund 1765; No. 18, Seite 953 ff.
7 Heidereiter: ein Förster zu Pferde mit der Aufgabe, die Heide zu bereiten. Darüber hinaus hatte er ebenfalls die Aufsicht über den Wald. Krünitz, Johannes Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 22, Berlin,1789, Sp. 739; LAGreifswald Rep6a Band 4, Beschreibung von Karbow, Fol. 421.
8 Der Brandenburgische Krieg (Schonenkrieg) 1675-1679: Trotz des Großmachtstatus war die Situation Schwedens unsicher, im Osten bedrängte Russland die schwedischen Provinzen, Polen war ein Unsicherheitsfaktor, Brandenburg spähte nach Schwedisch-Pommern während Dänemark die verloren Gebiete in Südschweden zurückgewinnen wollte. Bereits 1672 ging Schweden ein Bündnis mit Frankreich ein, das gegen die Niederlande gerichtet war. Dafür sagte Frankreich seinem Bündnispartner finanzielle Unterstützung für die kontinentalen Truppen zu und versprach im Falle eines dänischen Angriffs militärische Hilfe. Im selben Jahr fiel Frankreich in die Niederlande ein, die sich daraufhin mit Brandenburg verbündeten. Dänemark tat sich mit dem Kaiser zusammen und war bereit, in den Krieg einzugreifen, sobald eine andere Macht Frankreich zur Hilfe eilen sollte. Dennoch stationierte Schweden auf Drängen des französischen Bündnispartners Truppen in Pommern. Allerdings suchte Schweden erfolglos den Ausgleich mit seinem nordischen Nachbarn. Im Dezember 1674 fiel der Reichsmarschall Wrangel ohne Angriffsbefehl in brandenburgisches Gebiet ein. Das Vorhaben endete mit der Niederlage bei Fehrbellin 1675. Daraufhin erklärten der Kaiser und einige Zeit später auch Dänemark dem schwedischen Reich den Krieg. Für Schweden sah die Lage kritisch aus, trotzdem gelang Schweden im Dezember 1676 bei der blutigen Schlacht um Lund ein knapper Sieg. Weitere Erfolge schließen sich an. Im Jahr 1679 kommt es zu Friedensschlüssen, dabei verpflichtete sich Brandenburg, die in Schwedisch-Pommern eroberten Gebiete zurückzugeben. Die beiden skandinavischen Reiche verhandelten ihren Frieden allein, das Schutz- und Trutzbündnis ratifizierte Karl XI. schließlich am 8. Oktober 1679. In: Busch, Michael: Krieg – Krise – Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden.
9 Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.
10 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
11 Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.
12 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
13 Viehsteuer, auch Viehschatz genannt, ist in einigen Orten eine Abgabe für das Vieh, das gehalten wird. Adelung; Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, bd. 4, Wien 1811, Sp. 1196.
14 Kirchenkorn oder Priesterkorn