Beschreibung Klein-Kiesows oder Kietzhoff, das zum Teil zum Amt Wolgast gehört und im Jahr 1694 vermessen wurde.1
Klein-Kiesow liegt im Distrikt Wolgast, etwa drei Meile von Anklam und über eine Meile von Greifswald entfernt direkt am Landweg, der hier verläuft. Das Dorf grenzt an Sanz, Groß-Kiesow, Schlagtow, Kessin, Radelow, Strellin und Dambeck. Das Gut besteht aus 26 Landhufen, die zwei Herrschaften gehören, zehn Landhufen hiervon sind fürstlich und gehören zum königlichen Besitz. Von diesen Hufen sind ungefähr zwei Hufen aufgebrochen, die teils von den Bauern im Dorf und teils von denen in Groß Kiesow bewirtschaftet werden. Hier haben früher vier Bauern gewohnt. Die anderen Hufen sollen seit uralten Zeiten der Familie Wakenitz2 gehört haben, von denen Johan Axel Engelke den Teil zu 16 Landhufen für 4000 Rthl in Pacht hat. Davon sind acht Ritterhufen, die zu zwei Rittersitzen hier im Dorf gehörten, die anderen sind steuerbare Hufen. Auf diesen steuerbaren Hufen haben früher vier Bauern und ein Kossate3 gewohnt. Sie gehören zum Kirchspiel Groß-Kiesow.
Namen der Einwohner
1 . Johan Axel Engelke
| 2 . Jochom
Stilow 3 . Jochom Cernik 4 . Petter Skröder 5 . Hans Dulwan |
Diese sind Bauern bei Engelke und haben alle gleichviel Land |
Auf dem Teil, der dem König zukommt wohnen keine Einwohner.
Hier hat eine Kirche gestanden.
Arealausrechnung von Klein-Kiesow
[A,B,C] 288M
Der Acker A, dasRoggenfeld
Aa
mittelmäßig guter, sandiger, lehmvermischter Humus, je näher am südlichen Ende, desto
sandiger, meist ebenes Land
53M 240R
Ab
Ackerstücke aus sandigerem Humus, mit kleinen Steinen
vermischt
56M 210R
Das Sommerfeld B
Ba
mittelmäßig guter, sandiger, lehmvermischter Humus, etwas ebenes Land
61M
Bb
sandiger Humus
20M
Das Brachfeld C
Ca
etwas sandiges und humoses, ebenes Land, guterAcker
35M
Cb
Sandhumus
2M 270R
Cc
Sandhumus zumeist überall mit kleinen Steinen vermischt
51M 90R
d.
Ackerstück beim Dorf, besteht aus etwas sandigem Humus
7M 90R
Wüster Acker
[D]
423M 120R
D
flacher, wüster Acker, mit Heide bewachsen,
ziemlich sandig, jedoch brauchbar zur Bewirtschaftung
397M
Da
ebenes Heideland, ist ein Stück ziemlich guter wüster Acker, welcher, wie sie in Klein-Kiesow bei der Grenzausweisung sagten, zu Strellin gehört. Die Bauern in Strellin sagten, als das Dorf vermessen wurde, es gehöre nach Klein-Kiesow, das ist am
größten.
26M 120R
Wiese
[E]
11M
Ea
gute, sumpfige und flacheWiese
8M
Eb
sumpfige Wiese mit Erlenbüschen bewachsen
3M
Heu
Heufuder können sie insgesamt bekommen 14 Fuder
R 1046 U 944Weideland
[F]
68M
Fa
Weideland etwas sumpfig und bültig, mit Heide bewachsen, war früher Acker gewesen
24M 120R
Fb
eine kleine Pferdekoppel, südwestlich vom Dorf, von festem Boden,
etwas bewachsen
1M 180R
Fc
flacher Morast, der zu einem Teil an der Seite als Weide genutzt werden kann, jedoch zumeist unbrauchbar
42M
Wald
[ga-gb]
52M
ga
sumpfiger Morast an den Seiten mit kleine Erlen, Birken zusammen mit großen Eichen bewachsen
47M
gb
fester Boden mit Eichen bewachsen
5M
Fischgewässer
#
Fischgewässer
5M
eine eingezäunte Koppel an der Straße
1M 90R, Gemüse- und Obstgärten 180R. Diese ergeben zusammen mit den Hofstellen undStraßen
13M
Summe
Acker: 288M
Wüster Acker: 423M 120R
Wiese: 11M
Heu: 14 Heufuder
Weide: 68M
Wald: 52M
Fischgewässer: 5M
Hofstellen undGärten: 13M
Annotationen von Klein-Kiesow
Über den Acker
Dieser Acker ist zum Teil wie Aa, Ba, Ca ziemlich gut und ertragreich, aber der andere ist schwächer und benötigt guten Dünger. Da
er gute Saat trägt rechnen sie gewöhnlich drei Scheffel Roggen Aussaat auf einen Morgen. Insgesamt sind letztes Jahr in das Feld A
neun Drömt eineinhalb Sch Roggen sowie ein Scheffel Weizen gesät worden, der vier wieder gab. In das Feld B wurden sechs Drömt
Gerste, neun Sch Hafer, vier Drömt und sechs Sch gesät. Von einem Scheffel ausgesäten Roggen haben sie vier wieder bekommen, sagen
sie, aber Gerste und Hafer sollen nicht soviel geben.
Die Bauern hier im Dorf bekommen vom Königsacker laut ihren Aussagen wie
folgt:
| Cernik hat | einen Morgen im Brachfeld dreiviertel Morgen im Roggenfeld ein einviertel Morgen im Gerstenfeld |
| Stilow hat | ein einviertel Morgen im Sommerfeld dreiviertel Morgen im Roggenfeld |
| Skröder hat | zweieinhalb im Roggenfeld einen Morgen im Sommerfeld sowie zwei Wurten oder Stücke beim Dorf, eines von zwei und eines von drei Scheffeln Aussaat |
| Bulwan hat | zwei Morgen imRoggenfeld einen Morgen im Sommerfeld eineinhalb Morgen imBrachfeld |
Die Bauern rechnen überall drei Sch Roggenaussaat auf einem Morgen.
Die Aussaat der Bauern auf dem anderen Teil, der dem
Adligen gehört:
| Cernik sät in das | Roggenfeld eineinhalb Drömt Kornfeld 14 Sch Brachfeld 19 Sch |
| Stilow sät in das | Kornfeld 19 Sch Brachfeld16 Sch |
| Skröder sät in das | Kornfeld 14 Sch Brachfeld 14 Sch |
R 1048 U 945
ÜberWiese
Wiese ist hier nicht sehr viel beim Dorf, daher müssen sie, wenn sie Gerste sparen wollen, Heu anderswo kaufen. Der Adlige bekommt von seinem Teil jährlich drei bis vier Fuder, und die Wiesen werden nicht jedes Jahr gemäht, außer wenn sie brach liegen. Aber die Bauern müssen alle ihr Heu kaufen.
Weideland
Die Weide ist hier etwas knapp, deshalb können sie nicht mehr Vieh halten, als sie jetzt haben, der Adlige besitzt zwölf Kühe sowie acht Pferde für die Ackerbewirtschaftung und acht Ochsen. Die Bauern haben gemeinsam ein paar Kühe, Ochsen und Pferde sowie manchmal drei, vier oder fünf Schafe.
Wald
Holz haben sie den Sommer über genug, welches auch im Winter für den Hausbedarf genügt. Doch es sind nichts anderes als kleine Büsche, die nicht sehr gegen die Kälte ausreichen.
Fischgewässer
In den Seen beim Dorf sind wohl einige Fische, jedoch nur für den Hausbedarf.
RRev 138 URev 222Im Jahr1704 ist das Dorf Klein-Kiesow revidiert und wie folgt befunden worden.
Im Feld A
[Ac,Ad]
13M 240R
Ac
zwölf Stücke im wüsten Acker und unter symbol D, ist Sandboden
und dreischlägig
12M 90R
Ad
ein Stück des strittigen wüsten Ackers Da, ist von gleicher
Beschaffenheit wie Ac
1M 150R
Im Feld C
[Cd-Cf]
17M 45R
Cd
zwei Stücke des wüsten Ackers und dem symbol D, ist Sandboden und
dreischlägigerAcker
8M 60R
Ce
zwei Stücke des wüsten Ackers D, ist Sandland, das jedes fünfte Jahr besät werden kann
4M 45R
Cf
drei Stücke des wüsten Ackers D, Sandhumus und etwas lehmvermischt
und in drei Schlägen
4M 270R
Im Feld D
Bc vier Stücke des wüsten Ackers D, Sandhumus und dreischlägigerAcker 2M 180R
Notiz
Im Feld Aa liegt ein Stück Acker mit dem symbol K 1 bezeichnet, das eine Kapelle gewesen war, aber nun besitzt es der
Pastor in Groß-Kiesow. Es umfasst
2M 90R
Über den wüsten Acker
D 1
ist als Acker unbrauchbar, besteht aus hohen Hügeln und tiefen Tälern. Es sind
10M 30R
D 2
ist auch als Acker unbrauchbar, ist sumpfig und bültig
1M 180R
D 3
ist auch als Acker unbrauchbar, ist niedrig und mit kleinen Dornenbüschen bewachsen
195R
Pb
zwei Stücke mit kleinen Büschen sind
270R
URev 223 Der übrige wüste Acker ist überall als Acker brauchbar und besteht meistens aus Sandboden,
aber der wüste Acker an der Grenze zu Groß-Kiesow ist von etwas besserem Sandboden als die anderen. Die
Einwohner sagen, wegen der Weide könnte nichts mehr aufgebrochen werden.
Summe
NeuerAcker: 33M 165R
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Schreibweise nach Vitae Pomm. S. 359. Zu den ältesten und auch angesehensten pommerschen Adelsgeschlechtern gehört die Familie von Wakenitz. Im Raum Wolgast war sie wohlbegütert, viele männliche Familienmitglieder zeichneten sich im preußischen und dänischen Militärdienst aus. Es erfolgte ein Zusammenschluss mit der Familie von Lancken, die ebenfalls alt und angesehen war. Die von Lancken besaßen u.a. Kiesow, Klotzow, Boltenhagen und Rappenhagen. Von dem Hauptmann von Torgelow und Oberjägermeister Otto von Wakenitz ist überliefert, dass er am 20. April 1620 heiratete. Krünitz, Johannes Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 1, Berlin 1782, Sp. 825.
3 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.