R 1043   U 941 

Beschreibung Klein-Kiesows oder Kietzhoff, das zum Teil zum Amt Wolgast gehört und im Jahr 1694 vermessen wurde.1 

Klein-Kiesow liegt im Distrikt Wolgast, etwa drei Meile von Anklam und über eine Meile von Greifswald entfernt direkt am Landweg, der hier verläuft. Das Dorf grenzt an Sanz, Groß-Kiesow, Schlagtow, Kessin, Radelow, Strellin und Dambeck. Das Gut besteht aus 26 Landhufen, die zwei Herrschaften gehören, zehn Landhufen hiervon sind fürstlich und gehören zum königlichen Besitz. Von diesen Hufen sind ungefähr zwei Hufen aufgebrochen, die teils von den Bauern im Dorf und teils von denen in Groß Kiesow bewirtschaftet werden. Hier haben früher vier Bauern gewohnt. Die anderen Hufen sollen seit uralten Zeiten der Familie Wakenitz2  gehört haben, von denen Johan Axel Engelke den Teil zu 16 Landhufen für 4000 Rthl in Pacht hat. Davon sind acht Ritterhufen, die zu zwei Rittersitzen hier im Dorf gehörten, die anderen sind steuerbare Hufen. Auf diesen steuerbaren Hufen haben früher vier Bauern und ein Kossate3  gewohnt. Sie gehören zum Kirchspiel Groß-Kiesow.

Namen der Einwohner

1 . Johan Axel Engelke

2 . Jochom Stilow
3 . Jochom Cernik
4 . Petter Skröder
5 . Hans Dulwan
Diese sind Bauern bei Engelke und haben alle gleichviel Land

Auf dem Teil, der dem König zukommt wohnen keine Einwohner.
Symbol 56  Hier hat eine Kirche gestanden.

 R 1044   U 942 

Arealausrechnung von Klein-Kiesow

[A,B,C]   288M

Der Acker A, dasRoggenfeld

Aa  mittelmäßig guter, sandiger, lehmvermischter Humus, je näher am südlichen Ende, desto sandiger, meist ebenes Land  53M 240R
Ab  Ackerstücke aus sandigerem Humus, mit kleinen Steinen vermischt  56M 210R

Das Sommerfeld B

Ba  mittelmäßig guter, sandiger, lehmvermischter Humus, etwas ebenes Land  61M
Bb  sandiger Humus  20M

Das Brachfeld C

Ca  etwas sandiges und humoses, ebenes Land, guterAcker  35M
Cb  Sandhumus  2M 270R
Cc  Sandhumus zumeist überall mit kleinen Steinen vermischt  51M 90R
d.  Ackerstück beim Dorf, besteht aus etwas sandigem Humus  7M 90R

 R 1045   U 943 

Wüster Acker

[D]   423M 120R
D  flacher, wüster Acker, mit Heide bewachsen, ziemlich sandig, jedoch brauchbar zur Bewirtschaftung  397M
Da  ebenes Heideland, ist ein Stück ziemlich guter wüster Acker, welcher, wie sie in Klein-Kiesow bei der Grenzausweisung sagten, zu Strellin gehört. Die Bauern in Strellin sagten, als das Dorf vermessen wurde, es gehöre nach Klein-Kiesow, das ist am größten.  26M 120R

Wiese

[E]   11M
Ea  gute, sumpfige und flacheWiese  8M
Eb  sumpfige Wiese mit Erlenbüschen bewachsen  3M

Heu

Heufuder können sie insgesamt bekommen 14 Fuder

 R 1046   U 944 

Weideland

[F]   68M
Fa  Weideland etwas sumpfig und bültig, mit Heide bewachsen, war früher Acker gewesen  24M 120R
Fb  eine kleine Pferdekoppel, südwestlich vom Dorf, von festem Boden, etwas bewachsen  1M 180R
Fc  flacher Morast, der zu einem Teil an der Seite als Weide genutzt werden kann, jedoch zumeist unbrauchbar  42M

Wald

[ga-gb]   52M
ga  sumpfiger Morast an den Seiten mit kleine Erlen, Birken zusammen mit großen Eichen bewachsen  47M
gb  fester Boden mit Eichen bewachsen  5M

Fischgewässer

#  Fischgewässer  5M

Symbol 27 Symbol 72 Symbol 29  eine eingezäunte Koppel an der Straße 1M 90R, Gemüse- und Obstgärten 180R. Diese ergeben zusammen mit den Hofstellen undStraßen  13M

Summe

Acker: 288M
Wüster Acker: 423M 120R
Wiese: 11M
Heu: 14 Heufuder
Weide: 68M
Wald: 52M
Fischgewässer: 5M
Hofstellen undGärten: 13M

 R 1047   U 945 

Annotationen von Klein-Kiesow

Über den Acker

Dieser Acker ist zum Teil wie Aa, Ba, Ca ziemlich gut und ertragreich, aber der andere ist schwächer und benötigt guten Dünger. Da er gute Saat trägt rechnen sie gewöhnlich drei Scheffel Roggen Aussaat auf einen Morgen. Insgesamt sind letztes Jahr in das Feld A neun Drömt eineinhalb Sch Roggen sowie ein Scheffel Weizen gesät worden, der vier wieder gab. In das Feld B wurden sechs Drömt Gerste, neun Sch Hafer, vier Drömt und sechs Sch gesät. Von einem Scheffel ausgesäten Roggen haben sie vier wieder bekommen, sagen sie, aber Gerste und Hafer sollen nicht soviel geben.
Die Bauern hier im Dorf bekommen vom Königsacker laut ihren Aussagen wie folgt:

Cernik hat einen Morgen im Brachfeld
dreiviertel Morgen im Roggenfeld
ein einviertel Morgen im Gerstenfeld

Stilow hat ein einviertel Morgen im Sommerfeld
dreiviertel Morgen im Roggenfeld

Skröder hat zweieinhalb im Roggenfeld
einen Morgen im Sommerfeld
sowie zwei Wurten oder Stücke beim Dorf, eines von zwei und eines von drei Scheffeln Aussaat

Bulwan hat zwei Morgen imRoggenfeld
einen Morgen im Sommerfeld
eineinhalb Morgen imBrachfeld

Die Bauern rechnen überall drei Sch Roggenaussaat auf einem Morgen.
Die Aussaat der Bauern auf dem anderen Teil, der dem Adligen gehört:

Cernik sät in das Roggenfeld eineinhalb Drömt
Kornfeld 14 Sch
Brachfeld 19 Sch

Stilow sät in das Kornfeld 19 Sch
Brachfeld16 Sch

Skröder sät in das Kornfeld 14 Sch
Brachfeld 14 Sch

 R 1048   U 945 

ÜberWiese

Wiese ist hier nicht sehr viel beim Dorf, daher müssen sie, wenn sie Gerste sparen wollen, Heu anderswo kaufen. Der Adlige bekommt von seinem Teil jährlich drei bis vier Fuder, und die Wiesen werden nicht jedes Jahr gemäht, außer wenn sie brach liegen. Aber die Bauern müssen alle ihr Heu kaufen.

Weideland

Die Weide ist hier etwas knapp, deshalb können sie nicht mehr Vieh halten, als sie jetzt haben, der Adlige besitzt zwölf Kühe sowie acht Pferde für die Ackerbewirtschaftung und acht Ochsen. Die Bauern haben gemeinsam ein paar Kühe, Ochsen und Pferde sowie manchmal drei, vier oder fünf Schafe.

Wald

Holz haben sie den Sommer über genug, welches auch im Winter für den Hausbedarf genügt. Doch es sind nichts anderes als kleine Büsche, die nicht sehr gegen die Kälte ausreichen.

Fischgewässer

In den Seen beim Dorf sind wohl einige Fische, jedoch nur für den Hausbedarf.

 RRev 138   URev 222 

Im Jahr1704 ist das Dorf Klein-Kiesow revidiert und wie folgt befunden worden.

Im Feld A

[Ac,Ad]   13M 240R
Ac  zwölf Stücke im wüsten Acker und unter symbol D, ist Sandboden und dreischlägig  12M 90R
Ad  ein Stück des strittigen wüsten Ackers Da, ist von gleicher Beschaffenheit wie Ac  1M 150R

Im Feld C

[Cd-Cf]   17M 45R
Cd  zwei Stücke des wüsten Ackers und dem symbol D, ist Sandboden und dreischlägigerAcker  8M 60R
Ce  zwei Stücke des wüsten Ackers D, ist Sandland, das jedes fünfte Jahr besät werden kann  4M 45R
Cf  drei Stücke des wüsten Ackers D, Sandhumus und etwas lehmvermischt und in drei Schlägen  4M 270R

Im Feld D

Bc  vier Stücke des wüsten Ackers D, Sandhumus und dreischlägigerAcker  2M 180R

Notiz

Im Feld Aa liegt ein Stück Acker mit dem symbol K 1  bezeichnet, das eine Kapelle gewesen war, aber nun besitzt es der Pastor in Groß-Kiesow. Es umfasst  2M 90R

 RRev 139 

Über den wüsten Acker

D 1  ist als Acker unbrauchbar, besteht aus hohen Hügeln und tiefen Tälern. Es sind  10M 30R
D 2  ist auch als Acker unbrauchbar, ist sumpfig und bültig  1M 180R
D 3  ist auch als Acker unbrauchbar, ist niedrig und mit kleinen Dornenbüschen bewachsen  195R
Pb  zwei Stücke mit kleinen Büschen sind  270R
 URev 223  Der übrige wüste Acker ist überall als Acker brauchbar und besteht meistens aus Sandboden, aber der wüste Acker an der Grenze zu Groß-Kiesow ist von etwas besserem Sandboden als die anderen. Die Einwohner sagen, wegen der Weide könnte nichts mehr aufgebrochen werden.

Summe

NeuerAcker: 33M 165R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2009, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.

2  Schreibweise nach Vitae Pomm. S. 359. Zu den ältesten und auch angesehensten pommerschen Adelsgeschlechtern gehört die Familie von Wakenitz. Im Raum Wolgast war sie wohlbegütert, viele männliche Familienmitglieder zeichneten sich im preußischen und dänischen Militärdienst aus. Es erfolgte ein Zusammenschluss mit der Familie von Lancken, die ebenfalls alt und angesehen war. Die von Lancken besaßen u.a. Kiesow, Klotzow, Boltenhagen und Rappenhagen. Von dem Hauptmann von Torgelow und Oberjägermeister Otto von Wakenitz ist überliefert, dass er am 20. April 1620 heiratete. Krünitz, Johannes Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 1, Berlin 1782, Sp. 825.

3  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.