R 128   U 90 

Beschreibung des Dorfes Grubenhagen, das im Jahr 1697 vermessen wurde1 

Grubenhagen liegt im Distrikt Greifswald und im Kirchspiel Weitenhagen, es grenzt im Norden an Helmshagen, im Osten an Weitenhagen und Behrenhof, im Süden an Dargelin und im Westen an Subzow. Es gehört zum Amt Eldena.

Hier haben früher Bauern gewohnt, doch nun ist hier ein Ackerwerk2  angelegt, auf dem jetzt ein Verwalter lebt.
1 . Paul Döhn, Verwalter
2 . Andreas Bambarg, ist Holzvogt des Amtswaldes und wohnt hier. Er besitzt außerdem etwas Acker und Wiese hier auf den Feldern, die alle mit Ausnahme der vier Plätze, die er bei seinem Haus hat, zur Kossatenstelle3  gehören.
Auf Nr. 3  lebt nun niemand, aber er hat es für eine Pacht von 25 fl vom Amt gepachtet.

Der Ort gehört zum Kirchspiel Weitenhagen.

 R 129   U 91 

Arealausrechnung von Grubenhagen

Der Acker liegt in drei Schlägen, von denen dieses Jahr das Lange Feld genannte das Roggenfeld war. Es besteht aus

A1 , einem Stück Lehmhumus zur östlichen Seite hin, das ein eher kaltgründiger, in fruchtbaren Jahren durchschnittlich tragender Acker ist  41M 240R

Das Brachfeld

[A2-A5]   43M 45R
A2 , zwei Stücke, Möllen Kamp, niedriger, kaltgründiger, schwacher Acker, eben und etwas sandig  18M 270R

A3 , ein Stück, Mittel Kamp 8M 60R
A4 , ein Stück, Wulfs Kamp 10M 45R
vor derselben Beschaffenheit

A5 , ein Stück, Sandhumus, schwacher Acker  5M 270R

Das Gerstenfeld

[A6-A9]   40M 165R
A6 , ein Stück, ebener Humus, in fruchtbaren Jahren durchschnittlich tragend  14M 135R
A7 , zwei Stücke, durchschnittlich guter Lehmhumus am Weg, überall niedrig und kaltgründig  18M 150R
A8 , fünf Stücke, durchschnittlich guter Humus  5M 120R
A9 , ein Stück, schwacher, kalter Acker, der jedes dritte Jahr besät wird  2M 60R

A , Ackerstellen, die jährlich besät wereden  8M 180R

 R 130 

Wüster Acker

[B,Ba, Bb]   92M 270R
B , ein Stück, Smal Winkel, ein Kamp von schwachem, kalten Acker, der in den letzten zehn bis zwölf Jahren nicht umgepflügt worden ist  3M 240R
Ba , drei Stücke, flaches Heideland, das Acker gewesen ist, aber nun allein als Weide gebraucht wird  70M 30R
Bb , ein Stück, fester Heideboden, teils bewachsen, wüster Acker  19M

 U 92 

Wiese

[C, Ca,Cb]  [Ertrag:] 30 Heufuder  25M 30R
C , drei Stücke, Wiesenflecken bei den Ackerstellen  4M 150R
Ca , 8 Stücke, durchschnittlich gute Wiese beim Acker, die jedes dritte Jahr mit dem Acker zur Weide zusammen gelegt werden  16M 240R
Cb , sumpfige, gute Wiese, die jedes Jahr umzäunt wird  3M 240R

Weide undWald

[Da-Dg]   726M
Da , zwei Stücke, flaches Heideland, Weide  11M 150R
Db , ein Stück, Weidekoppel, meist flach aber teils bewachsen  10M 30R
Dc , zwei Stücke, Weidekoppeln von festem Boden  4M 60R
Dd , ein Stück, Weidekoppel, wird bisweilen besät  2M 60R
 R 131 De , ein Stück, flaches, sumpfiges Moor, an den Grenzen tief und als Weide unbrauchbar, früher wurde hier Torf gestochen  84M
Df , zwei Stücke, sumpfiges, morastiges Land mit Erlen, Birken, Weiden usw. 141M
Dg , vier Stücke, teils fester Heideboden, teils niedrig, teils morastig, mit Eichen-, Haseln-, Birken- und Erlenwald bewachsen.  473M

Hofstellen

Hofstellen mit derStraße  2M 240R

Summe

Acker: 134M 30R
Wüster Acker: 92M 270R
Wiesen: 25M 30R
Heufuder: 30
Wald undWeiden: 726M
Hofstellen: 2M 240R

 RRev 132   URev 299 

Am 9. Juni des Jahres 1705 habe ich unterzeichnet, das Dorf Grubenhagen revidiert und wie folgt befunden zu haben

Neuer Acker seit der früheren Vermessung

[B1-B3]   2M 195R
B1 , ein Stück, vom wüsten Acker B aufgebrochen. Besteht aus magerer tief liegender Sanderde, die recht guten Dünger braucht, wenn sie einige gute Saat tragen soll, wird gewöhnlich in drei Schlägen genutzt  255R
B2 , zwei Stücke, vom wüsten Land Ba aufgebrochen, bestehen aus etwas humoser Sanderde, doch dagegen tief liegend und kaltgründig, trug im vorigen Jahr recht gute Saat und wird in drei Schlägen bei A2 bewirtschaftet  1M 30R
B3 , ein Stück, vom Waldland Dg, das früher ebenfalls Acker war, aufgebrochen. Besteht aus losem Sand, liegt vollständig in drei Schlägen bei A5, ist aber wegen seines mageren Bodens nicht sehr ertragreich  210R

 URev 300 

Beschreibung des restlichen wüsten Ackers

B , Das Übrige des wüsten Ackers B kann nicht nutzbringend bewirtschaftet werden, da der Boden aus magerer, tief liegender und kalter Sanderde besteht. Es würde kaum die Aussaat wiedergeben,  RRev 133  wenn es aufgepflügt würde
[Ba, Bb]   25M 210R
Ba , All das restliche wüste Land Ba liegt noch immer wie früher öde und ist mit Heidekraut bewachsen. Es ist von geringem Wert, teils tief liegend und morastig, teils viel zu sandig, es kann kaum kultiviert werden, abgesehen von den beiden Stücken, die mit Nr. 4 bezeichnet sind, und nicht so niedrig sind, sondern von ebenem Grund und mit besserem Boden. Doch sind sie zu abgelegen um sie zu düngen. Darüber hinaus gibt der Bewohner an, wegen der Wildschweine keinen Nutzen aus ihnen ziehen zu können. Die Tiere gehen hier mit Rotten von zehn bis dreißig Tieren in die Felder, so dass er jede Nacht seine Saat bewachen müsse  10M 210R
 URev 301  Bb , Der wüste Acker Bb liegt noch vollständig öde und ist mit kleinem Heidekraut bewachsen. Er besteht aus magerer, tief liegender Sanderde. Wären hier nicht so elende und tiefe Wege zu den Ackerfeldern, könnte davon das mit Nr. 5 bezeichnete Stück durchaus aufgebrochen werden und jedes fünfte oder sechste Jahr tragen  14M 210R
 RRev 134  Das mit Nr. 6 bezeichnete Stück ist ein schlechter, mit kleinem Heidekraut bewachsener Platz, der in früheren Zeiten Acker gewesen ist. Doch der Boden besteht aus magerem und losem Sand, der die Bewirtschaftung nicht lohnt

 R 135   U 93 

Annotationen über Grubenhagen

VomAcker

Der Acker liegt in drei Schlägen, nicht besonders gut sondern meist braunfleckig und kaltgründig. Er trägt nach Aussage des Verwalters sowohl in nassen als auch in trockenen Jahren schwache Saat. Der Verwalter hält das Roggenfeld dieses Jahres für das beste, dann folgt das Gerstenfeld, zum Schluss das Brachfeld. Er sät eine Last Roggen, vier Drömt Gerste und drei Drömt Hafer. Der Holzvogt sät neuneinviertel Scheffel Roggen, acht Scheffel Gerste und vier Scheffel Hafer in den Kossatenacker, in die kleinen Wurten4  beim Haus anderthalb Scheffel Bohnen, anderthalb Scheffel Roggen und drei Scheffel Weizen.

Wiese

Die Wiesen hier sind in trockenen Jahren durchschnittlich gut und etwas feucht. Der Verwalter erhält, wenn dieses Jahr der Sommerschlag in der Saat ist, 20 Last, andernfalls lediglich zwölf Last. Der Holzvogt hat dieses Jahr sechs bis sieben Last, die mit zwei bis drei Pferden gezogen weden, bekommen.

Weide und Wald

Weide ist hier recht gut, besteht jedoch zumeist aus Wald, der teils morastig, teils mit festem Grund ist. Er ist mit Erlen, Birken, Haseln, Eichen und Eschen bestanden. Es wird hier nichts vom Wald verkauft, nur das, was für die Bediensteten der Greifswalder Universität geschlagen wird. Der Verwalter hat das nötige Brennholz.  R 136  Der Verwalter hält acht Pferde, vier Ochsen und 30 Stück Vieh.  U 94  Über den Sommer können hier durchaus 80 Stück gehalten werden, aber über den Winter können sie nicht durchgefüttert werden. Der Holzvogt besitzt sieben Stück Vieh und drei Pferde. Die Schafherde hat eine Größe von 230 Tieren. Sie werden nicht besonders auf die niedrigen Ackerfelder getrieben.

Gesinde

Der Verwalter hat zwei Knechte, einen Jungen und zwei Mägde, sowie einen Schäferknecht.

Abgaben

Der Verwalter gibt 100 Rtlr. Pacht. Der Pastor erhält einen Drömt Roggen und fünf Gulden, der Küster einen Drömt Hafer und einen Gulden. Der Holzvogt gibt 25 fl für den Kossatenacker.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2009, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision: A. Norrdahl, M. Hesselgreen
Anmerkungen:

1 Laut Urkarte vermessen von Johan Gabriel Höök.

2  Ackerhof (auch Ackerwerk oder Vorhof): ein Nebenhof, der zu einem Gutshof gehört und zum Ackerbau oder zur Viehwirtschaft genutzt wird.  Der Ackerhof, In: Adelung, Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Bd. 1. Wien 1811. Sp. 159.

3  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

4  Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist.  Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.