Beschreibung des Ortes Guest, der imMonat Juli des Jahres 1697 vermessen wurde1
Guest liegt im Distrikt Greifswald und gehört zu dem Abschnitt, der Horster Vogtei heißt. Die Einwohner gehen nach Weitenhagen zur Kirche, an dieses Dorf grenzt der Ort im Westen, an Schönwalde im Norden, an Diedrichshagen im Osten, dann im Süden an Groß-Kiesow und Sanz. Der Ort ist ein altes Lehen der Familie Schmatzhagen und gehört nun Major Peterswald2 von Seiten seiner Ehefrau.
Namen der Einwohner
1 . Frantz Bull, Verwalter.
Einlieger
2 . Hindrich
Müller, ein Kostknecht, der auf die Schafe achtet.
3 . Jochim
Lüth, Haker.
4 . Ertman
Trachtlijhn, Tagelöhner.
5 . Eine Frau, die auf die Kühe
achtet.
Geometrische Ausrechnung für das Dorf Guest
Über Acker
[A]
53M 195R
Aa
ein Stück Gerstenfeld, besteht aus schwachem Sandhumusacker, ist
besonders in trockenen Jahren nicht sehr ertragreich
50M 270R
Ab
ein Stück niedriger, sandiger Humus
2M 225R
Ba ein Stück Roggenfeld, von der Beschaffenheit wie Aa 61M 30R
[C]
57M 90R
Ca
zwei Stücke Sandhumus, zumeist mittelmäßig gut
45M 150R
Cb
ein Stück neu aufgepflügterSandacker
3M 150R
Cc
ein Stück, Hinnen Kamp, Sand
8M 90R
D vier Stücke,Ackerstellen 10M 60R
Wüster Acker
Da
vier Stücke ebenes, sandiges Heideland, alter wüster Acker3
2M 60R
Db
ein Stück hügeliges Heideland, von klarem Sand, mitten darauf einige
kleine Kiefern, alter Acker
26M 30R
Wiese
[E]
[Ertrag] 4 Heufuder
7M
Ea
ein Stück sumpfige, flacheWiese
5M
Eb
zwei Stücke sumpfigeWiese
2M
Wald undWeide
[Fa-Fe]
408M 60R
Fa
drei Stücke festes, flachesWeideland
6M 180R
Fb
acht Stücke Heideland, flacheWeide
46M
Fc
vier Stücke Morast mit einigen kleinenBirken
33M 180R
Fd
ein Stück morastiger Wald mit Erlen, Birken, Weiden und teilweise mit Eichen bewachsen, sowieEschen
276M 60R
Fe
ein Stück, Köther Mohr, sumpfiger, meist flacher
Morast
45M 240R
Ff ein Stück Land, niedrige Heidekrautweide an der Grenze zu Groß-Kiesow, auf das sie von keiner Seite können 11M 90R
Hofstellen
Fischgewässer
g drei Fischteiche 2M 240R
Summe
Acker: 182M 75R
Wüster Acker: [108M 90R]4
Wiese: 7M
Heu: 4 Fuder
Wald undWeideland: 419M
150R
Hofstellen: 3M 60R
Fischgewässer: 2M 240R
Im Mai des Jahres 1705 habe ich unterzeichnet, das Dorf Guest revidiert und wie folgt befunden zu haben.
Neuer Acker seit der vorigen Messung
[D1,D2,F3]
17M 15R
D 1
zwei Stücke, von Da aufgebrochen, bestehen aus einem magerem Sandland, können alle zwei bis
drei Jahre bestellt werden
15M 180R
D 2
ein Stück von Db aufgebrochen, besteht aus etwas humosen Sandboden, wird in den üblichen
Schlägen bei Ca bestellt
1M 30R
F 3
ein Stück von Fd aufgebrochen, ist magerer Sandgrund, kann jedoch in den üblichen Schlägen
bei Cc bestellt werden
105R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Da
von Da, ein Stück mit Nr. 4
bezeichnet und an der Grenze zu Weitenhagen gelegen, besteht aus etwas hochgelegenem,
magerem Sandland, mit Heide bewachsen. Es kann als Acker aufgebrochen werden
und wenn dasselbe in Kultur gebracht würde, könnte es nicht häufiger als jedes zweite, dritte oder vierte Jahr besät
werden
7M 150R
Noch zwei Stücke von Da, mit
Nr. 5 bezeichnet, bestehen aus
einem ebenen Sandland, mit Heide bewachsen und sind am Graben zum Weide RRev 107 URev 380 land Fb etwas niedrig. Sie scheinen zur Not wohl aufgebrochen werden zu können,
aber wenn sie aufgebrochen würden, können sie nicht häufiger als jedes vierte bis sechste Jahr genutzt werden
27M 30R
Das übrige von Da sind teils Sandhügel, teils ist es sehr
tiefliegend und kaltgründig. Alles ist von einem sandigen Boden, mit Heide bewachsen, als Acker nicht besonders brauchbar.
Db , das übrige von Db, besteht aus einem teils hochgelegenen, teils niedrigen und morastigen Sandland, mit Heide bewachsen, wird als Acker als unbrauchbar eingeschätzt.
Außer dem Stück, das mit
Nr. 6 bezeichnet ist, welches ebenfalls aus einem sandigen Boden besteht und mit Heide bewachsen ist,
das jedoch einigermaßen als Acker brauchbar erscheint. Aber wenn dasselbe aufgebrochen würde, könnte
es nicht häufiger als jedes fünfte oder sechste Jahr einmal genutzt werden
4M 150R
Summe
NeuerAcker: 17M 15R
übriger wüster Acker: 39M 30R
Annotationen von Guest
Über den Acker
Der Acker liegt in drei Schlägen, ist meistens kahler Sand und durchweg schwacher Acker. In das jetzige Roggenfeld sind dieses Jahr 13 Drömt gesät worden: Roggen dreieinhalb Drömt, Hafer sieben Drömt, Buchweizen vier Scheffel, Erbsen ein Drömt. In den jetzigen Brachschlag können nur neuneinhalb Drömt Roggen gesät werden, dieses ist auch das beste Feld. Heideland ist hier wohl etwas, welches jedoch kaum brauchbar ist, um aufgebrochen zu werden.
Wiese
Wiese ist hier sehr wenig, wie aus der Ausrechnung zu ersehen ist. In guten Jahren kann man also vier Fuder bekommen, sonst, wenn unfruchtbare Jahre sind, nur die Hälfte.
Weideland und Wald
Weideland ist hier schließlich ausreichend, besonders im Wald, der ganz morastig ist, wenn man über die Wölfe, die hier schlimm sind, wachen könnte. Der Verwalter hält acht Pferde, acht Ochsen, einige 20 Stück Rinder. Schafe könnten hier allerhöchstens 300 Stück gehalten werden. Der Wald besteht aus Erlen, Birken, Weiden sowie Eschen, Hasel und jungen Eichen dazwischen. Zum Verkaufen ist hier im Wald genug, doch sollte man aus dem Verkauf der Erlen, Eichen etc. einen kleinen Nutzen ziehen können, wenn sie so lange gehegt würden.
Fischgewässer
Hier sind ein paar kleine Fischtümpel, die mit Karauschen besetzt sind und zum Hausbedarf genutzt werden können.
R 109Über Dienstleute
Hier sind gewöhnlich ein Knecht, zwei Mägde, ein Junge, aber in der Erntezeit muss man fremde Leute dazu haben.
U 78Abgaben
Der Verwalter hat hierfür 270 Gulden gegeben, aber dazu die Wiesen gehabt, die
beim wüsten Ort Kammin liegen. Da ihm diese abgenommen wurden, beantragt er Minderung seiner Pacht. Kopfsteuer5 15 Rthl, vier einhalb lß hat er für sich und seine Leute am 28. April 1697 gegeben.
Der Pastor bekommt neun Sch Roggen und einen Christin
Der Küster bekommt neun Sch Hafer und einen Christin.
Im Jahr
1696 gegeben am 20. April: fünf Rthl, 31 ß Kopfgeld.
Nebenmodus6 im selben Jahr elf Rthl, 28 ß.
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Major von Peterswald lebte auf Gut Divitz bei Barth, zu seinen Besitzungen gehörte Gahlkow. Im Jahr 1691 wird er als der Hauptmann von Wrangelsburg vermerkt. Asmus, Ivo, Das Testament des Grafen. Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels nach Tod, förmyndarräfst und Reduktion. Asmus, Ivo; Droste, Heiko; Olesen Jens: (Hg.) Gemeinsame Bekannte. Schweden und Deutschland in der Frühen Neuzeit, Berlin 2003, S. 217; 219.
3 In der Urschrift beträgt die Angabe für Da 82M 60R.
4 In der Reinschrift fehlt die Summe, in der Urschrift beträgt sie 108M 90R
5 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
6 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.