R 148   U 100 

Beschreibung des Ackerwerkes1  Helmshagen2 

Helmshagen ist ein städtisches Gut Greifswalds und liegt im Distrikt Greifswald und im Kirchspiel Weitenhagen. Hier gibt es zwölf Hufen, die in früheren Zeiten mit Bauern besetzt waren, doch nun ist hier ein Verwalter, der samt zweier Kossaten3  auf dem Hof lebt. Im Osten grenzt der Hof an Weitenhagen, im Süden an Grubenhagen, im Westen an Subzow und Hinrichshagen, im Norden an Hohenmühl und die Stadt Greifswald.

Namen der Einwohner

1 . Refunck, der Verwalter
2 . Raphan, Kossat, ist letztes Jahr von hier weg gezogen
3 . Die Kossatenstelle, deren Kossat letztens gestorben ist.

 R 149   U 101 

Arealausrechnung von Helmshagen

Das Getreidefeld

[A]   65M 240R
Aa , ein Stück, teils reiner Sand, teils sandiger Humus, an den Seiten meist kaltgründig und schwächererAcker  39M 90R
Ab , vier Stücke, meist sandiger und niedriger schwacher Acker in kaltenSandhügeln  26M 150R

Das Brachfeld

Ba , zwei Stücke, durchschnittlich guter Humus, südlich am Weg hoch und sandig, aber im Norden niedrig und etwas kaltgründig, ziemlich ertragreich  58M 120R

[C]   52M 180R
Ca , zwei Stücke, mitten darauf durchschnittlicher hoch gelegener Lehmhumus, doch an den Seiten niedrig, kaltgründig und schwächer  27M 30R
Cb , vier Stücke, durchschnittlich ertragreicher Humus, in etwas trockenen Jahren an den Seiten jedoch meist kalt  25M 150R

Wüster Acker

[D,Da,Db]   255M
D , drei Stücke, Heideland, teils etwas hoch, teils auch niedriger  194M 30R
Da , hügeliger wüster Acker, sandiger Heideboden, schwach  40M 150R
Db , niedrig liegendes flaches Heideland  20M 120R

Wiese

[E]  [Ertrag] 30 Heufuder  31M 150R
Ea , ein Stück, buschige, sumpfige Wiese  4M 60R
Eb , zehn Stücke, durchschnittlich ertragreiche niedrigeWiese  27M 90R

 R 150 

Wald und Weide

[F]   282M 150R
Fa , sieben Stücke, fester Boden, buschige Weide mit Eichen undErlen  29M
Fb , ein Stück, teils fester teils niedriger Boden mit Erlen-, Hasel- undEichenbüschen  45M 210R
Fc , niedrig liegende Heidelandweide  52M 150R
Fd , neun Stücke, sumpfiger, morastiger Boden mit Erlen- undWeidenwald  34M 240R
Fe , ein Stück, flache Weidekoppel beim Hof  4M 270R
Ff , ein Stück, flacher Morast, an den Grenzen sehr sumpfig und als Weide unbrauchbar, doch zur Heide hin fester und leidlich als Weide nutzbar. Früher haben sie hier Torf gestochen  115M 180R

Symbol 68 Die Hofstellen mit der Drift4   14M 90R

Summe

Acker: 176M 240R
Wüster Acker: 255M
Wiese: 31M 50R
Heufuder: 30M
Wald undWeide: 282M 150R
Hofstellen: 14M 90R

 RRev 151   URev 295 

Am 13. Mai des Jahres 1705 habe ich unterzeichnet, das Dorf Helmshagen revidiert und wie folgt befunden zu haben

Neuer Acker, der seit der früheren Vermessung aufgebrochen wurde

[D1-D4, F5]   33M 240R
D1 , zwei Stücke, vom wüsten Acker D aufgebrochen. Bestehen aus magerem Sandhumus, der aber durchschnittlich Winter- und Sommergetreide trägt. Liegt in drei Schlägen bei Feld A  8M 180R
D2 , zwei Stücke, von D aufgebrochen, teils niedrig und kalt, liegen ebenfalls in drei Schlägen, wenn sie beim Feld C gedüngt werden  10M 270R
D3 , fünf Stücke, von Db aufgebrochen, bestehen meist aus Sand und eisenrostiger Erde, die lediglich alle drei Jahre mit Wicken und Hafer besät werden  6M 120R
D4 , ein Stück, von Da aufgebrochen, reiner Sand, der jedes vierte Jahr mit Roggen besät wird  210R
F5 , zwei Stücke, von der Weide F aufgebrochen, bestehen aus magerer Sanderde, werden jedoch gewöhnlich so behandelt, dass sie in drei Schlägen bei Feld C besät werden können  7M 60R

Beschreibung des restlichen wüsten Ackers

D , Vom wüsten Acker D können sie drei Stücke, die mit Nr. 6  bezeichnet sind, aufbrechen, da diese auf recht ebenen Plätzen liegen. Allerdings gehört guter Dünger dazu, da sie aus magerer Sanderde bestehen  41M
 RRev 152  Mit Nr. 7  bezeichnet, ebenfalls von derselben Bodengüte, aber niedriger liegend und kalt. Könnte aber zur Not jedes vierte oder fünfte Jahr tragen  36M 210R
Das Übrige von D ist als Acker unbrauchbar, denn das mit Nr. 8 bezeichnete ist voll mit Tümpeln und niedrig liegend, Nr. 9 besteht aus reinen Sandhügeln, muss außerdem als Weide für die Schafe liegen bleiben.

Da , der Rest von Da besteht aus reinem Sand und ist wegen seines sandigen Bodens vollständig unbrauchbar.

Db , das Übrige von Db kann nicht aufgebrochen werden, weil es aus tief liegender kaltgründiger Sanderde besteht. Es wird als Wiese genutzt, wozu es wohl auch am besten taugt.

Anmerkung: Der Verwalter sagt, er habe alles ausgesucht, was hier nur irgendwie zu kultivieren sei, und es aufgebrochen. Der Rest lohne nicht die Mühe und kann auch nicht als Weide entbehrt werden.

Summe

NeuerAcker: 33M 240R
restlicher wüster Acker: 77M 210R

M. Hesselgreen
Geprüft von A. Norrdahl

 R 153   U 103 

Annotationen über das Stadtgut Helmshagen

VomAcker

Der Acker liegt in drei Schlägen, von denen das diesjährige Brachfeld das beste ist und zumeist durchschnittlichen Acker aufweist. Es folgt das Roggenfeld, das zumeist an den Seiten, wo Wiesenflecken liegen, niedrig und kaltgründig ist, sonst aber über recht guten Lehmhumus verfügt. Das Sommerfeld ist das schlechteste und hat recht schwachen Acker; es besteht zumeist aus kaltgründigem Sandacker. Die Aussaat des Ackerwerkes betrug dieses Jahr an Roggen 13 Drömt. In das diesjährige Sommerfeld können anderthalb Last Roggen gesät werden. In das Brachfeld werden nach Angaben der Bauern zwei Last Roggen gesät. Gerste wurde dieses Jahr ein Scheffel weniger als acht Drömt gesät, Hafer fünf Drömt, Erbsen im Brachfeld ein Drömt. Die Kossaten haben jeder in jedes Feld acht bis zehn Scheffel gesät.
Wüsten Acker gibt es hier genug, er ist eben, mit Heide bewachsen, teils hoch liegend und sandig, teils auch tief liegend und kaltgrundig, nicht besonders fruchtbar. Könnte dem Ansehen nach aber doch mit Nutzen aufgepflügt werden.

Wiese

Wiesen gibt es hier gerade ausreichend, doch sind alle niedrig und teils bewachsen. Sie werden jedes dritte Jahr als Weide genutzt, wenn das anliegende Feld brach liegt. Der Verwalter kann jährlich 20 Fuder Heu bekommen. Bei der Stadt Greifswald liegt ebenfalls ein Stück Wiese sowie ein Stück Wald, das hierher gehört.

 R 154   U 104 

Über Weide, Vieh und Wald

Weide gibt es hier nicht besonders, aber gerade ausreichend. Der Verwalter hält zum Ackerbau sieben bis acht Pferde, acht Ochsen, 30 Stück Vieh und 500 Schafe. Brennholz gibt es hier kaum.

Über Dienste und Gesinde

Der Verwalter hat zwei Knechte, zwei Jungen, drei Mägde, einen Häker. Früher haben die beiden Kossaten Fußdienst geleistet, aber nun ist der eine gestorben, der andere wurde von hier weggenommen und auf einen anderen Hof gesetzt. Der Verwalter übernimmt die Äcker der beiden.

Abgaben

Der Pächter gibt 342 vorpommersche Gulden Pacht. Der Pastor zwölf Scheffel Roggen, der Küster zwölf Scheffel Hafer.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2009, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision: A. Norrdahl, M. Hesselgreen
Anmerkungen:

1  Ackerhof (auch Ackerwerk oder Vorhof): ein Nebenhof, der zu einem Gutshof gehört und zum Ackerbau oder zur Viehwirtschaft genutzt wird.  Der Ackerhof, In: Adelung, Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Bd. 1. Wien 1811. Sp. 159.

2 Laut Urkarte vermessen von Johan Gabriel Höök.

3  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

4  In der Landwirtschaft ein breiter, gemeiniglich eingeschlossener Weg, auf welchem das Vieh von der Weide getrieben wird, in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen am gewöhnlichsten ist: Die Viehtrift, der Viehweg, Treibeweg. 2) Der Ort, auf welchen das Vieh zur Weide getrieben wird. In weiterer Bedeutung führt jeder Ort dieser Art den Namen Trift, in engerer aber nur das Brachfeld, in so fern es dem Vieh zur Weide dient, zum Unterschied von der Weide.  Wehrmann, Martin: Geschichte der Stadt Stettin, Stettin 1911, ND Frankfurt a. M. 1979, S. 276ff.