Beschreibung des Ortes Schönwalde, der imJahr1697 vermessen wurde1
Schönwald hat früher zum Amt Eldena gehört und Bauern wohnten dort, jetzt ist ein Teil durch Schuld fortgekommen. Wie die neun Hufen, die Christian Willde besitzt und Doktor Gerdes Witwe gehören. Man sagt, eine Hufe hiervon liegt auf Weitenhagens Feld, die dort auch beschrieben und ausgerechnet wird. Die drei Hufen, die Johan Bulle bestellt, gehören Arendt Möller in Wolgast. Die drei Hufen des Jochim Lüders hat nun der Greifswalder Bürgermeister Courswant als Unterpfand. Die drei Hufen Land des Pächters Jochim Didrichs gehören Christian Albrechts Witwe, die hier selbst wohnt, aber den Acker verpachtet. Die anderen neun Hufen, die von zwei Verwaltern und einem Bauern oder Schulzen bestellt werden, gehören zum Amt. Dieses Dorf gehört zum Distrikt Greifswald und zum Kirchspiel Weitenhagen. Es grenzt im Norden an die Stadt Greifswald, im Osten an Eldena, Kötenhagen und Diedrichshagen, im Süden an Guest sowie Weitenhagen und stößt mit der Westseite an das Stadtfeld.
Namen der Einwohner
1 . Christian
Wille, Verwalter, hat neun Hufen, davon liegt ein auf dem Feld von Weitenhagen sagt man.
2 . Jochim Bulle, Verwalter, hat drei
Hufen.
3 . Jochim Didrich,
Verwalter, hat drei Hufen.
4 . Chasten Bidewech, Verwalter, hat drei Hufen.
5 .
Christian Offer, Verwalter, hat drei Hufen.
6 . Christian Neüenkarck, Schulz und Untertan, hat auch drei Hufen,
für die er Dienstgeld gibt.
7 . Jochim Lüder, Verwalter, hat drei Hufen.
Einlieger
8 . Hans
Skult, Haker.
9 . Hans Kröger, Hirte für Nr. 1 und Nr.
2.
10 . Schafhirte
11 . Christian
Mejer, Einlieger bei Nr. 5.
12 . und 13 . zwei Hirten
Arealausrechnung für Schönwalde
Über Acker
1. Das Brachfeld
Da drei Stücke lockerer Lehmhumus, mittelmäßig gut, zur Grenze nach Guest höher und etwas sandig, aber zum Dorf und Eldenaer Wald hin tiefer und kaltgründiger, schwächerer Acker 135M 30R
Das Roggenfeld
[Db-Dd]
15M 90R
Db
ein Stück etwas hoch doch ebenliegend, guter Lehmhumus
70M 240R
Dc
zwei Stücke tief, humos
4M 90R
Dd
ein Stück eben, jedoch meist tiefliegender Humus, in trockenen, warmen Jahren ziemlich
ertragreich
15M 90R
Das Kornfeld
[De-Di]
125M 30R
De
drei Stücke eben, jedoch meist tiefliegender Humus, in warmen, trockenen Jahren ziemlich
ertragreich
27M 150R
Df
zwei Stücke mittelmäßig guter Lehmhumus, mitten darin hoch, aber um die Wiese herum
tiefliegend
37M 240R
Dg
ein Stück Lehmhumus, ebenliegend, meistens guter Acker, um die Wiese herum tief
28M 210R
Dh
ein Stück etwas hochliegender Sandacker
10M 180R
Di
ein Stück meist tiefliegender sandiger Humus, schwacher Acker
20M 150R
d ein Ackerstück beim Dorf 270R
du ein Stück, etwas tief, gehört zu Kötenhagen 4M 180R
R 94Die elf Hufen
davon gehören acht Doktor Gerdes Witwe und drei Hufen gehören Möller.
[Dka,Dk,Dl,Dm] [Roggen- und Brachfeld zusammen] 185M 75R
Das Roggenfeld
Dka
ein Stück, hoch gelegen und sandiger Humus
15M 150R
Dk
ein Stück guter Lehmhumus
51M 180R
Das Brachfeld
Dl
drei Stücke mittelmäßig guter Lehmhumus, teils sandig
50M 210R
Dm
fünf Stücke eben gelegen, etwas niedrig, teils sandig, in fruchtbaren Jahren
mittelmäßig ertragreich
67M 135R
Wüster Acker
[Ea,Eb]
33M
Ea
zwei Stücke etwas sandig, flaches Heideland an der Grenze zu Diedrichshagen
5M 180R
Eb
drei Stücke niedriges Heideland, das früher aufgepflügt war, kann jedoch kaum anders als
zur Weide genutzt werden, außer in trockenen Jahren
27M 120R
Zu den elf Hufen:
Ec
zwei kleine Ackerstücke mit Heide
1M 270R
Wiese
[Fa-Fe]
[Ertrag] 30 Heufuder
69M 180R
Fa
ein Stück buschige Weide
4M 90R
Fb
fünf Stücke sumpfiges, flaches Weideland
11M 240R
Fc
ein Wiesenstück der trockenen, hochliegenden Wiese, das früher zumeist Acker gewesen
war
10M 120R
R 95 Fd
acht Stücke mittelmäßig gute, sumpfige Wiese
37M 30R
Fe
ein Stück niedrige Wiese, nicht besonders brauchbar
6M
Zu den elf Hufen gehören:
[Ff,Fg]
[Ertrag] 20 Heufuder
32M 60R
Ff
zehn Stücke mittelmäßig gute, etwas tiefliegende Wiese
25M 120R
Fg
ein Wiesenstück der trockenen, hochliegenden Wiese, die in schwachen Jahren nur als
Weide genutzt wird
6M 240R
Weideland und Wald
[ga-ge,g]
69M 90R
ga
sechs Stücke flache, etwas sumpfige Weide
14M 30R
gb
neun Stücke, meistenteils morastiges Land, mit Erlenwald, als Weide brauchbar
27M 60R
gc
ein Stück Koppel, flach und sumpfig, kann als Wiese umzäunt werden
4M 180R
gd
ein Stück flache Koppel, trockene und hochliegende Wiese, kann als Flachsland
aufgepflügt werden
6M 180R
ge
zwei Stücke buschige, trockene und hochliegende Wiese
15M 90R
g
der Galgenberg
1M 150R
U 70
Zu den elf Hufen:
[gf,gg]
52M 30R
gf
ein Stück flache Pferdekoppel, die früher als Acker genutzt wurde, tiefliegend
7M 180R
gg
sechs Stücke teils flaches doch zumeist bewachsenes Weideland, mit Erlen, Birken, Weiden
etc.
44M 150R
Hofstellen
[
,
]
15M 240R
Triften und Landwege
7M 240R
Hofstellen
8M
Zu den elf Hufen:
die Hofstellen mit der Trift, die dazwischen verläuft ergeben zusammen
8M
Zwei Wiesenstücke bei Eldena, die hierher gehören, bestehen
aus
270R, mit e
gekennzeichnet.
Zwei Ackerstücke mit dd bezeichnet und bei Eldena gelegen, gehören hierher, sind
1M 240R.
Summe
Acker: 541M 105R
Wüster Acker: 34M 270R
Wiese: 101M 240R
Heu: 50 Heufuder
Wald und Weideland: 121M 120R
Hofstellen: 23M 240R
Am7.Mai des Jahres 1705habe ich das Dorf Schönwalde revidiert und wie folgt befunden
Neuer Acker seit der vorigen Messung
[E1,E2]
9M 150R
E 1
oder Ea ist ganz und gar aufgebrochen, besteht aus etwas hochgelegenem Sandboden, liegt
ebenfalls in drei Schlägen beim Feld Da
5M 180R
E 2
von dem wüsten Acker Eb aufgebrochen, besteht aus schwärzlichen Sandboden, ziemlich
tiefliegend und kalt, kann nur jedes vierte Jahr einmal besät werden
3M 270R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Eb
von Eb, ist das gesamte mit Nr.
3 bezeichnete Stück. Es ist in soweit zur Kultur brauchbar, da es auf die
gleiche Weise genutzt werden kann wie das daneben neu aufgebrochene Stück E2. Denn beide sind von gleicher Bodenart. Wie
die Einwohner sagen, können sie es nicht als Weide missen.
16M 150R
Das übrige von Eb ist tiefliegender und kalt, zur Kultur unbrauchbar.
Ec
lag nun, wie zuvor brach, ist zur Kultur brauchbar, jedoch insofern, dass es nur jedes
dritte oder vierte Jahr einmal besät werden kann, denn der Grund besteht aus tiefliegendem und magerem Sandboden
1M 270R
RRev 98 gg
von dem Weideland gg ist das mit Nr. 5 bezeichnete Stück zur Kultur brauchbar, da der
Boden aus Sandhumus besteht, etwas tiefliegend. Aber der Verwalter sagt, diese Trift muss unbedingt für die Schafe liegen
bleiben.
3M 120R
Summe
Neuer Acker: 9M 150R
übriger wüster Acker: 21M 210R
M: Hesselgreen
Geprüft von A. Norrdahl
Annotationen von Guest
Über denAcker
Der Acker liegt hier vollständig in drei Schlägen und jeder hat seinen Acker meistens vor seinem Haus liegen. Wo der Roggen
steht
ist ihr bestes Feld, mittelmäßig hochliegend, von gutem Lehmhumus. Der in der Nähe von Greifswald liegende Sommerschlag ist
der
schlechteste, besonders in sehr nassen Jahren, denn er liegt meistenteils sehr niedrig. Das Brachfeld südlich des Dorfes besteht
aus mittelmäßig gutem Acker, zur Grenze nach Guest hin ist es hochliegend und teils etwas sandig, aber zum Dorf und dem Eldenaer
Wald hin niedriger und zu einem Teil kaltgründig und schwacher Acker bei den Wiesenflecken. Sie sagen, von dem besten Acker
bekommen sie nicht mehr als das vierte oder fünfte Korn, aber von dem schlechteren das zweite oder dritte Korn.
Nr. 1 hat
dieses Jahr neun Drömt Roggen gesät, sieben Drömt Gerste, vier Drömt Hafer, zwei Scheffel Weizen, die bei den neun Drömt Roggen
eingerechnet sind. In das Brachfeld hat er sechs Scheffel gesät.
Nr. 2 säte dieses Jahr fünf Drömt Roggen, davon sind zwei
Sch Weizen, er säte auch drei Drömt Gerste, zwei Drömt Hafer und vier Sch Erbsen in das Brachfeld.
Die anderen fünf säen
alle gleich, dieses Jahr viereinhalb Drömt Roggen, zweieinhalb Drömt Gerste, eineinhalb Drömt Hafer, in das Brachfeld ungefähr
vier Sch, Buchweizen manchmal einen Scheffel oder einen halben, der will hier nicht immer besonders gedeihen.
Wiese
Die Wiesen liegen im Acker und werden mit dem Acker jedes dritte Jahr für das Viehfutter brach liegen gelassen. Außer der Bültwisch und den zwei Wiesen bei Nr. 2 sind die Wiesen hier nicht besonders ertragreich. Nr. 1 bekommt jährlich 14 bis 16 Fuder Heu. Nr. 2 bekommt acht bis neun Fuder. Die anderen können dieses Jahr ungefähr drei Fuder bekommen, denn der jetzige Sommerschlag ist besät, sonst haben sie sehr wenig.
Weideland
Hier ist das Weideland nur zum Notwendigsten, jedoch genügt es kaum, wenn sie ihr Vieh nicht in den Eldenaer Wald treiben. Nr. 1 uns Nr. 2 treiben ihr Vieh auf die Felder Weitenhagens. Nr. 1 besitzt acht Arbeitspferde, zehn Ochsen, mit denen er die eine Hufe in Weitenhagen bewirtschaftet. Rinder hat er 20 und zusammen 400 Schafe. Nr. 2 hat acht Pferde, zwei Ochsen, 14 oder 15 Rinder. Die anderen fünf haben gewöhnlich sechs Pferde, zwei Ochsen für die Ackerbewirtschaftung, zehn Rinder und jeder hat einige Schafe.
R 101 U 73Über Wald
Sie haben die Freiheit im Eldenaer Wald Holz zum Brennen zu schlagen.
Über Dienstleute
Nr. 1 hat an Dienstleuten zwei Knechte, drei Mädchen und einen Jungen.
Nr. 2 hat einen Knecht, ein Mädchen und einen
Jungen.
Die anderen fünf haben auch je einen Knecht und einen Jungen, sowie ein Mädchen.
Abgaben
Nr. 1 gibt für die neun Hufen 150Rthl Pacht.
Dem Pastor gibt er neun Sch Roggen, eine Wurst, 20 Eier.
Dem Küster gibt er
neun Sch Hafer, eine Wurst, 20 Eier.
Nr. 2 gibt 28 Rthl Pacht und trägt daneben alle Abgaben, und dieses ist eine
dreiviertel Hufe. Er gibt acht Sch Magazinkorn2 .
Nr. 3, 4, 5, 6 geben 30 Rthl und tragen alle Abgaben, die auf sie entfallen.
Nr.3 hat für eine dreiviertel Hufe
gegeben, die anderen drei für eineinhalb Hufen gegeben. Früher haben sie jeder für zwei reduzierte Hufen3 gegeben.
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.
3 Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.