Beschreibung des Dorfes Weitenhagen das zuletzt imJuli vermessen wurde.1
Dieses Dorf liegt im Distrikt Greifswald und grenzt im Norden an Schönwalde, im Osten an Guest und Sanz, im Süden an die
Heide
Koskijt und Behrenhof, im Westen an Grubenhagen und Helmeshagen, im Norden an das Greifswalder Stadtfeld. Hier haben früher
vier
Vollbauern und vier Kossaten2 gewohnt, nun wohnen hier vier Verwalter. Das Dorf gehört zum Amt Eldena, das Gut ist jedoch an Major Peterswald3 für 100 Gulden verpachtet, außerdem soll eine Hufe der Witwe des Doktoren Gerdes gehören, diese gehört zu den elf Hufen, die sie in Schönwalde hat. Darum streiten sie jedoch. Sie haben hier im Dorf eine
Kirche, sowie einen Pastor, der hier wohnt.
1 . Jochim Bödchen, Verwalter, hat sechs Hufen Acker.
2 . Jürgen Allbrecht, Verwalter, hat zwei
Hufen.
3 . David
Helgendorff, Verwalter, hat eine Hufe.
4 . Gehört zu Peterswald, in dem Haus wohnt ein Häker. Der Verwalter ist Wille in Schönwalde.
5 . Leinenweber.
6 . Pastor.
7 . Küster.
8 . Hier hat früher ein Krug
gestanden.
Geometrische Ausrechnung von Weitenhagen
Der Acker
[Ga-Gh,Gia-Gic,G]
261M 210R
Ga
fünf Stücke Sandhumus
31M 270R
Gb
zwei Stücke klarer Sand
5M 270R
Gc
ein Stück mittelmäßig guter Humus
44M 240R
Gd
fünf Stücke lehmiger Humus, teils sandig, mittelmäßig gut
36M
Ge
drei Stücke mittelmäßig guter Humus
20M 270R
Gf
sieben Stücke Sandhumus, mittelmäßig gut, teils bloßer Sand
47M
Gg
vier Stücke Sandhumus etwas tief, doch eben gelegen
20M 150R
Gh
zwei Stücke Sandboden, schwach
6M 210R
Gia
zwei Stücke tiefer, kaltgründiger Acker
6M 180R
Gib
ein Stück mittelmäßig guter Humus, bei der Wiese tief und kaltgründig, gehört zum Teil des
Majoren Peterswald
12M 180R
Gic
ein Stück mittelmäßig guter Lehmhumus, teils etwas sandig
26M 210R
G
drei Ackerstücke beim Dorf, davon gehören Schönwalde 210 Ruten, die Gi angibt
2M 30R
Gci wie Gc, gehört zu Schönwalde 6M 30R
Wüster Acker
[H]
267M 270R
Ha
neun Stücke sandiger Heideboden, teils tiefer, teils höher liegend
260M 60R
Hb
ein Stück gehört zu Schönwalde
7M 120R
Wiese
[J]
[Ertrag:] 10 Heufuder
22M 30R
Ja
zehn Stücke sumpfige Wiesenflecken, hier und da beim Acker gelegen
16M 60M
Jb
vier Stücke tiefe Wiesenflecken, gehören zum Teil Peterswalds
5M 270R
Wald und Weide
[Ka-Km,K] 744M 210R
[Ka-Ke,K]
361M 210R
Ka
drei Stücke etwas trockene Wiese, mit Eichen-, Hasel- und Weidenbüschen
50M 90R
Kb
sechs Stücke teils trockene Wiese, teils morastig, mit Eichen- und Haselbüschen etc.
49M 270R
K
vier Stücke flaches Weideland
6M 180R
Kd
zwei Stücke tiefliegender und teils morastiger Boden, mit Hasel, Erlen, Birken und einigen
Eichen sowie Eschen
208M 90R
Kc
zwei Stücke Erlenbruch
35M 30R
Ke
fünf Stücke flacher Morast
11M 150R
U 97
Kf
ein Stück buschiges Heideland, war meistens Acker gewesen
58M 90R
Kg
ein Stückf laches, tiefes Heideland, Weide
80M 90R
Kh
ein Stück flaches, sumpfiges Moor, aus dem sie früher Torf gestochen haben
87M 210R
Kk
ein Stück sandiges Heideland, mit kleinem, lichtem Kiefernwald, alter Acker
31M 240R
Kl
ein Stück Barem Host, etwas trockene Wiese, mit
Hasel, Erlen, Birken, Eichen und Eschen bewachsen
86M 210R
R 140 Ki
ein Stück buschiges Weideland, davon wird ein Morgen als Wiese genutzt, ebenso eine Trift,
ergibt zusammen
9M 90R
Km
meisten trockene Wiese mit kleinen Eichen-, Hasel- und Weidenbuschen bewachsen, gehören
Peterswald
34M 120R
Anmerkung: Von der Weide und dem Wald hier in Weitenhagen gehören Kg, Ke, Kf nach der Breite im wüsten Acker berechnet zu den Hufen, die zu Schönwalde gehören, wie man sagt 16M 150R
Hofstellen
[Hofstellen gesamt]
18M 150R
Hofstellen
11M 150R
Triften
7M
Summe
Acker: 267M 240R
Wüster Acker: 267M 270R
Wiese: 22M 30R
Heu: 10 Heufuder
Wald und Weide: 744M 210R
Hofstellen: 18M 150R
Am 6. Juni des Jahres 1705 habe ich unterzeichnet, das Dorf Weitenhagen im Amt Eldena revidiert und wie folgt befunden zu haben4
Neuer Acker
seit der vorigen Vermessung aufgebrochen
[H 1 - H 5]
56M 60R
H 1
ein Stück von Ha aufgebrochen, ist humoser Sandboden auf dem ebenen Land, kann gut Winter-
und Sommerkorn tragen, liegt in drei Schlägen beim Feld Ga
15M 60R
H 2
ein Stück ebenso von Ha aufgebrochen, besteht aus hochliegendem, mageren Sandland, wird
beim Feld Ga in den üblichen Schlägen bestellt, war jetzt mit Roggen besät
12M 60R
H 3
drei Stücke sind ebenfalls von Ha aufgebrochen, bestehen aus etwas niedrigerem und besserem
Sandland als H 2. Wird bei Ga in den übleichen Schlägen bestellt
15M 210R
H 4
sieben Stücke sind ebenfalls von Ha aufgebrochen, bestehen aus ebengelegenem Sandland,
etwas tiefliegend, wird in den üblichen Schlägen bei Gc und Gf bestellt
12M 60R
H 5
ein Stück von Hb aufgebrochen, von obengenannter Beschaffenheit, wird bei Gc ebenfalls in
den üblichen Schlägen bestellt
270R
Pastoren-Acker
[P 1 - P 5]
35M 90R
P 1
ein Stück in Gc
12M 150R
P 2
drei Stücke in Ge
9M 60R
P 3
zwei Stücke in Gg
9M 60R
P 4
ein Stück in Gh
2M 270R
Neuer Pastorenacker
P 5 ein Stück in K, eine Wurt genannt 1M 150R
Wüster Acker des Pastors
[P 6 - P 7]
10M 90R
P 6
ein Stück in Ha besteht aus magerem Sandgrund auf ebenem Land, wird mit der Zeit
aufgebrochen werden
7M 30R
P 7
ein Stück ebenfalls in Ha, besteht aus niedrigem, kaltgründigem Sandland, als Acker
unbrauchbar
4M 60R
Küster-Acker
K1 ein Stück in Gf 150R
RRev 143 URev 291Neuer Küster Acker
K 2
ein Stück von O aufgebrochen, besteht aus humosen Sandboden, wird in den üblichen Schlägen
beim Feld Gf bestellt
165R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
[Ha, Hb]
40M 240R
Ha
von Ha drei Stücke mit der Nr. 6
bezeichnet, bestehen aus etwas magerem Sandboden, mit Heide bewachsen, können mit Nutzen
aufgebrochen werden, und wenn es aufgebrochen wird, könnte es wohl alle zwei bis drei Jahre einmal genutzt werden.
28M 120R
Noch zwei Stücke von Ha mit Nr.
7 bezeichnet, bestehen aus einem eben gelegenen mageren Sandland, mit Heide
bewachsen, scheinen als Acker aufgebrochen werden zu können, aber nicht häufiger als jedes sechste bis siebente Jahr einmal
genutzt werden zu können, sofern sie aufgebrochen werden.
6M 270R
RRev 144
URev 292
Das übrige von Ha besteht zu einem teil aus sehr
hochgelegenem und teils aus sehr niedrigem und magerem Sandand, mit Heide bewachsen. Als Acker unbrauchbar.
Hb
von Hb ein Stück mit Nr. 8
bezeichnet, besteht aus magerem Sandland mit Heide bewachsen, kann als Acker umgebrochen
werden, aber wenn es in Kultur gebracht würde, könnte es nicht häufiger als sechste bis siebente Jahr einmal genutzt
werden.
5M 150R
Das übrige von Hb besteht aus hochgelegenen Sandhügeln, mit kurzer Heide bewachsen, als
Acker unbrauchbar.
Summe
Neuer Acker: 56M 60R
Pastoren-Acker: 35M 90R
Wüster Pastoren-Acker: 10M 90R
Küster-Acker: 150R
Neuer Küster-Acker:
165R
Annotationen von Weitenhagen
Über den Acker
Der Acker liegt noch nicht in bestimmt Schlägen, jedoch wird der Acker jedes dritte Jahr brach liegen gelassen. Hier ist
meistens
schwacher Sandacker, da der größte Teil unbestellt liegen gelassen wird, jedoch wird nun jährlich mehr aufgepflügt.
Nr. 1 hat
letztes Jahr ein halbes Last Roggen, Korn und Hafer gesät, zusammen drei Drömt, Buchweizen einen Scheffel.
Nr. 3 hat eineinhalb
Drömt Roggen, eineinhalb Drömt Gerste, acht Sch Hafer, einen Sch Buchweizen, drei Sch Erbsen gesät.
Nr. 2 hat dreieinhalb Drömt
Roggen, eineinhalb Drömt Gerste, eineinhalb Drömt Hafer, zwei Sch Buchweizen, zwei Sch Erbsen gesät.
Nr. 4 säte dieses Jahr
vier Drömt Roggen, eineinhalb Drömt Gerste, eineinhalb Drömt Hafer.
Der wüste Acker ist sehr sandig, jedoch flach, teils auch
etwas tiefliegend und scheint besser zu sein. Er kann also zum Teil die Mühe lohnen, wenn man die besten Enden zum Aufpflügen
aussucht.
Über Wiese
Wiese ist hier nur sehr wenig, Nr. 1 bekommt höchstens vier Fuder Heu, Nr. 2 kann eine Karre voll bekommen, wenn die Stelle hinter Nr. 1 besät ist, wo er vier Morgen hat. Nr. 3 kann dieses Jahr auch ein kleines Fuder bekommen. Bei dem Hof Peterswald können im Roggenfeld zwei Fuder geerntet werden, im Brachfeld ein kleines Fuder.
R 145 U 99Über Weideland
Weide ist hier gut, teils auf dem Heideland, teils im Wald. Die beiden Verwalter in
Schönwalde, Will und Bulle, sowie Wollitsche in Diedrichshagen haben das Recht, hier eine bestimmte Menge Vieh im Sommer auf
dem
Feld zu weiden.
Nr. 1 hat vier Pferde, vier Ochsen sowie vier bis fünf Rinder.
Nr. 2 hat vier Pferde, vier Ochsen und acht
Rinder.
Nr. 3 hat fünf Pferde, zwei Ochsen und acht Rinder.
Peterswalds Hof bewirtschaftet der Verwalter zumeist mit dem
Vieh, das er bei Schönwalde hat, hier hält er jedoch gewöhnlich vier Ochsen und vier junger Rinder.
Über Wald
Wald ist hier genug, meistens jedoch nur aus Hasel, Birke etc., kleiner Wald mit Eichen und Eschen teils vermischt. Notwendiges Brennholz können sie schlagen, aber nicht verkaufen.
Über Gesinde
Nr. 1 hat einen Knecht, einen Jungen und ein Mädchen.
Nr. 2 hat eigene kleine Kinder, sonst muss er einen Knecht und einen
Jungen haben.
Nr. 3 hat auch eigene kleine Kinder, kann kein fremdes Gesinde halten.
Abgaben
Nr. 1 gibt 40 Rthl Pacht,
Kopfsteuer5 für sich 32 lß und seine Frau 24 lß.
Der Pastor bekommt 3 Sch Roggen, eine Wurst und 20 Eier.
Der Küster bekommt
drei Sch Hafer, eine Wurst, 20 Eier.
Nr. 2 gibt 30 Rthl Pacht.
Kopfsteuer für sich 32lß.
Der Pastor bekommt 2 Sch
Roggen, eine Wurst, 20 Eier.
Der Küster bekommt zwei Sch Hafer, eine Wurst, 20 Eier.
Nr. 3 gibt 15 Rthl Pacht.
Kopfsteuer für sich 32 lß und seine Frau 24 lß.
Der Pastor bekommt einen Sch Hafer, eine Wurst, 20 Eier.
Der Küster
bekommt einen Sch Hafer, eine Wurst, 20 Eier.
Nr. 4 gibt 34 Rthl Pacht für den Peterswalder Hof.
Der Pastor bekommt drei
Sch Roggen, eine Wurst, 20 Eier.
Der Küster bekommt drei Sch Hafer, eine Wurst, 20 Eier.
Dieser Teil ist bei der
Hufensteuer für zwei reduzierte Hufen6 veranschlagt.
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
3 Major von Peterswald lebte auf Gut Divitz bei Barth, zu seinen Besitzungen gehörte Gahlkow. Im Jahr 1691 wird er als der Hauptmann von Wrangelsburg vermerkt. Asmus, Ivo, Das Testament des Grafen. Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels nach Tod, förmyndarräfst und Reduktion. Asmus, Ivo; Droste, Heiko; Olesen Jens: (Hg.) Gemeinsame Bekannte. Schweden und Deutschland in der Frühen Neuzeit, Berlin 2003, S. 217; 219.
4 In der Reinschrift steht vermutlich falsch die Jahreszahl 1704.
5 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
6 Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.