Beschreibung von Amtswald Prägel
Prägel ist ein Kronwald im Amt Wolgast, eine Meile von der Stadt entfernt gelegen, an der Nordseite der Feldmark von Kühlenhagen und Katzow, im Osten an Pritzier grenzt und sich dann als ein langer Arm zwischen der Feldmark von Hohendorf, Buddenhagen und Giesekenhagen krümmt, was bei der Ausrechnung von Giesekenhagen aufgeführt ist. An der Südseite liegt Brüssow mit seiner Grenze unmittelbar daran, und im Westen stößt er mit dem Wrangelsburger Wald und der Karbower Heide zusammen, die gegen Nordwesten hier anstoßen. Der Wald ist ziemlich weitläufig, wie man auf der Karte von Brüssow sehen kann, wo er angefügt zu finden ist, und umfasst Eichen- und Buchenwald, kahles Heideland, niedrige Brüche, Wiesen, die jetzt teilweise zu Hanshagen gehören, und Fischgewässer, welches alles hernach einzeln ausgerechnet und beschrieben zu finden ist. Der Heidereiter, der die Aufsicht über den Wald hat, hat seinen Wohnsitz in Kühlenhagen. Der Wald wird hier nur bis zum Brüssower Weg nach Wolgast ausgerechnet. Das Übrige findet man auf der Karte von Giesekenhagen.
R 585 U 417Arealausrechnung über den Amtswald Prägel
A Wiesen
[A]
30M 150R
A1
eine Wiese beim Borkwall, die zu Hanshagen gehört,
die etwas niedrig ist und zumeist rein, zu 6 1/2 Morgen. Aber 3 1/2 Morgen sind ganz mit Erlen bewachsen und werden nicht gemäht,
10M
A2
Kuhlenwisch, die auch zu Hanshagen gehören soll,
wie Brüssows Einwohner sagten, ist eine niedrige und etwas mit Büschen bewachsene Wiese, die 7 Fuder Heu geben können
soll,
5M 90R
A3
Menikenwisch, die ihren Namen von einem Heidereiter
bekommen hat, der so hieß, ist auch teilweise mit einigen Büschen bewachsen, wird vom Heidereiter in Kühlenhagen genutzt,
2M 210R
A4
ein Stück gute Wiese, die der Heidereiter beim Borkwall mäht,
180R
A5
in Kÿckenbrinks Bruch, wird etwas zwischen den
Büschen gemäht. Diese soll der Heidereiter an einige Einwohner in Wrangelsburg verpachtet haben, kann sein von
1M 120R
A6
Myllenwisch, ist eine niedrige Wiese unweit von
Brüssow, die ein Leinweber dort pachtet, kahl nur zu 210 Ruten, sonst sehr mit Weiden bewachsen, wo jedoch dazwischen etwas
gemäht wird, und wie mir gesagt wurde, soll sie 3 Fuder Heu geben,
4M 210R
A7
beim Brüssower Weg nach Wolgast, lässt der Heidereiter zwischen den Büschen im Bruch an
einer Stelle etwas mähen,
1M 240R
A8
In Pretzierswisch genannt, beim Borkwall, welche früher eine Wiese war und zu Pritzier gehörte, jetzt aber bewachsen ist und
als Viehweide genutzt wird, nur dass der Heidereiter zwischen den Büschen 4 Fuder Heu abzumähen pflegt. Aus diesem Grunde
sind
4 Morgen davon hier aufgeführt. Das restliche Areal findet man unter der Signatur C13,
4M
Die Wiesen sollen zusammen bis zu 30 Heufuder geben können.
B Fischgewässer
[B]
12M 150R
B9
Grosse Swarte See, der zu einem Teil zu
Wrangelsburg gehört, ist tief, von Schlickboden, und man findet darin Barsche und Hechte. Der hierher gehörige Teil besteht
aus
9M 150R
B10
Kleine Swarte Zee,
3M
Wald und Weideland
C11
zwei kleine Brinke bei der Zarnkower Wisch, die
der Heidereiter jetzt nur zweimal mit Lein und Hafer besät hat. Sie liegen jedoch so niedrig, dass sie wohl nicht als Acker
bewirtschaftet werden können,
1M 270R
C12
ein weitläufiger und fester Eichen- und Buchenwald, zum Teil höher und etwas licht, zum
Teil auch dicht bewachsen, mit vielen kleinen Bäumen von gleicher Art dazwischen ausgefüllt. Er ist besonders an der Seite
zum
Bruch hin von üppigem Wuchs
486M 150R
C13
Brüche oder niedrige Bruchwälder auf beiden Seiten vom Borkwall mit Erlen, Weiden und anderem kleinen Laubwald zumeist dicht bewachsen, welche wohl früher
meistenteils Wiesen gewesen waren
65M 150R
C14
alle anderen niedrigen Brüche, deren Namen auf der Karte zu finden sind. Alle sind mit
Erlenwald bewachsen, jedoch an einigen Stellen etwas mit Weiden und anderen kleinen Laubbäumen vermischt
198M
C15
festes Land mit kleinen Bäumen darauf
11M
C16
Kiefernwald, teils mehr, teils weniger mit Eichen vermischt
13M 180R
C17
flache und kahle Heide, von denen die große an der Grenze von Pritzier etwas niedriger ist
und dort ist der Wald vor langer Zeit gefällt worden
196M
C18
baumlose Grasweide an fünf verteilten Stellen
14M 150R
C19
Borkwall, der Trümmer von einem alten Schloss
aufweist, welches in früheren Zeiten dort gestanden hat und von drei Gräben und Wällen umgeben war. Dieser Platz ist ziemlich
groß und liegt auf einer Landzunge zwischen den Wiesen und Brüchen unweit von Kuhleborn und stellt jetzt einen hohen Waldhügel dar. Diese Reste gestatten hierüber das Urteil, dass dieses
in seiner Blüte ein Schloss von nicht geringer Bedeutung war. Jetzt ist alles mit sehr großen Eichen und Buchenbäumen
bewachsen und dient als Horst für das Wild,
7M
Summe
Wiesen: 30M 150R
Fischgewässer: 12M 150R
Wald und Weideland: 994M
Heufuder: 30
Annotationen von Prägel
1. Was den Wald betrifft, so gibt es im Eichen- und Buchenwald große Bäume für Schwellenholz, Sägeblöcke, Schiffsbau und andere nützliche Dinge. Man findet aber zum Teil auch so viele kleine Bäume von der gleichen Art dazwischen, dass er das richtige Wachstum und den Nutzen des Waldes zu beeinträchtigen scheint. Wenn etwas verkauft werden soll, benötigt man Zettel vom Amtsinspektor in Wolgast und der Heidereiter weist an, was verkauft wird. Wenn der Wald Frucht und Mastfrüchte trägt, pflegt der Major in Wrangelsburg die Nutzung zu pachten und gibt, je nach dessen Ertrag mehr oder weniger, 10 bis 15 Rthl, wie er selbst sagte. Er lässt dann gegen Bezahlung von anderen die Schweine hier in der Gegend zum Mästen hinein, so wie es die Gelegenheit ergibt. Er meinte das zumeist aus dem Grunde zu tun, weil die Schweine dann ohne Unterschied ihr Futter in beiden Wäldern suchen können. Die Brüche sind ziemlich gut mit Erlen und anderen kleinen Bäumen bewachsen, die als Brennholz brauchbar sind. Was aber der Wald durch Verkauf einbringt, ist nicht bekannt geworden. Er scheint doch einen ziemlichen Nutzen bringen zu können.
2. Wild hält sich hier im Walde auch auf wie Hirsche, Hirschkühe, Rehe und insbesondere eine Menge Wildschweine, welche besonders ihren Aufenthalt im Bruch beim Borkwall zu haben pflegen, aber die anderen Arten lassen sich kaum sehen. Wenn etwas geschossen werden soll, bekommt der Heidereiter Befehl vom Oberjägermeister, dass er dann dieses zum befohlenen Ort bringt.
3. Die Wiesen können wohl mit der Zeit gerodet und erweitert werden, falls Unkosten und Arbeit darauf verwandt würden, denn ein großer Teil von den Brüchen war früher Wiesen. Insbesondere soll beim Borkwall alles baumlos gewesen zu sein, zu jener Zeit als er noch Bedeutung hatte, der jedoch ohne Zweifel seit den katholischen oder wohl heidnischen Zeiten verfallen lag. Was die Wiesen jährlich einbringen, konnte ich nicht so ganz erfahren, weil diejenigen, welche sie besitzen und nutzen, nicht anwesend waren. Jedoch können sie schnell nach der Ausrechnung der Beschreibung geschätzt werden.
4. Die Viehweide in diesem Wald nutzen die hier anliegenden Dörfer.
5. Diese Grenzen sind so aufgezeichnet und vermessen, wie sie zum Teil der Heidereiter, zum Teil andere hier angrenzende Einwohner
ausgewiesen haben, obgleich sie sich an einigen Stellen nicht auf ganz zuverlässige Angaben stützen.
Anmerkung: Im Wald zur Grenze
Katzows hin liegt etwas wüstes Land, welches in der Ausrechnung des betreffenden Dorfes unter der Signatur Qd aufgeführt ist.