R 983   U 907 

Beschreibung des wüsten Hofes Kammin1 

Dieser Hof liegt im Distrikt Wolgast eine Meile von der Stadt Göslow entfernt. Er hat schon seit mehr als hundert Jahren wüst gelegen, doch kurz vor dem letzten deutschen Krieg2  hatten sich hier zwei Kossaten3  niedergelassen um den Aufbruch des Ackers zu beginnen. Dieses Vorhaben wurde gleich durch den Krieg wieder verhindert, worauf dieser dann ununterbrochen wüst lag. Der Hof besteht aus zwölf Landhufen, worauf vier Vollbauern gewohnt haben, jeder besaß drei Landhufen. Man sagt, diese Bauern, die hier wohnten, haben vorbeireisende Leute ausgeraubt und totgeschlagen. Weshalb der Herzog4  die Bauern erschlagen und die Häuser niederreißen ließ, nachdem er es eine Zeit in Besitz gehabt hatte. Aber schnell darauf war es wieder einem rügischen Adligen mit Namen Schmatzhagen überlassen, ob es gegen Bezahlung geschah oder nicht weiß man nicht sicher.
Dieser Hof gehört zum Kirchspiel Behrenhof5  und grenzt an nachfolgende Dörfer wie Bandelin, Stresow, Behrenhof, Müssow, Dargezin und Vargatz.
Anmerkung: Jetzt dann soll dieser wüste Hof als Lehen von Seiner Königlichen Majestät an den Kapitän Kirchbach auf Stresow vergeben worden sein.

 R 984   U 908 

Arealausrechnung von Kammin

wüster Acker

[A, B]   263M 90R
A  ist flacher, wüster Acker, mit Heide bewachsen, besteht überall aus sandigem Humus. Auf der westlichen Seite des Weges, der nach Behrenhof führt, ist der wüste Acker etwas niedriger, aber östlich dagegen hochgelegener  213M
B  tief liegender, wüster Acker am Südeende zur Grenze nach Vargatz hin mit Heide bewachsen, kann nur Weide genutzt werden  263M 90R

Wiese

[C]  [Ertrag:] 11 Heufuder  7M 180R
C  sumpfige, flache Wiese, trägt durchschnittlich viel und gutes Gras zu eineinhalb Fuder auf einem Morgen  7M 180R

Weideland

[D, E, F]   88M 210R
D  flache, sumpfige Weideflecken im wüsten Acker liegend  5M 60R
 U 909 E  sumpfiges Land mit Erlenbüschen dicht bewachsen  35M 270R
F  hohe Sandberge mit kurzer Heide bewachsen, können nur als Weide genutzt werden  47M 180R

Moraste

[G, H]   11M 180R
[J]   120R
[K]   6M 240R
G  unbrauchbarer flacher Morast  3M 210R
H  an der Grenze zu Dargezin sumpfiger Morast, kann zu guter Wiese mit Gräben gemacht werden, wie es früher war  7M 270R
J  kleiner See, gehört halb hierher  120R
K  Hofstellen  6M 240R

Summe

Acker: 263M 90R
Wiese: 7M 180R
Heufuder: 11Heufuder
Weideland: 88M 210R
Morast: 11M 180R
See: 120R
Hofstellen: 6M 240R

 RRev 256   URev 382 

Im Jahr1704ist das Dorf Kammin revidiert und wie folgt befunden worden

Schwartmoorfelt oder A

[A]   35M 210R
Aa  ein Stück vom wüsten Acker A aufgebrochen, ist guter, sandig-humoser Acker, der dieses Jahr Sommerkorn getragen hat  25M 285R
Ab  ein Stück vom wüsten Acker A aufgebrochen, ist hoch gelegener Sandboden, der jedes dritte Jahr einmal Roggen tragen kann  3M 135R
Ac  zwei Stücke vom Weideland F aufgenommen, ist hoch gelegen und grobes Sandland, das jedes vierte oder fünfte Jahr einmal besät werden kann  4M 90R
Ad  ein Stück niedriges und sumpfiges Sandland vom Weideland F aufgenommen, kann jedes vierte bis fünfte Jahr besät werden  2M

Seefelt oder B

Ba  ein Stück vom wüsten Acker A aufgebrochen, ist Sandboden, aber je näher am wüsten Acker A1 desto sandiger. Ist dieses Jahr mit Roggen besät gewesen  36M 195R

Langwiesfelt oder C

[C]   26M 180R
Ca  ein Stück vom wüsten Acker A aufgebrochen, ist guter scharz-humoser Boden  22M 180R
Cb  ein Stück vom wüsten Acker A aufgebrochen, ist schwarzer Boden, tief liegend, sandig und etwas kaltgründig  4M

 RRev 257   URev 383 

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

A1  scheint als Acker fast unbrauchbar, ist hoher Sandberg und umfasst  22M.
Im wüsten Acker B  kann man wohl hier und da Stücke finden, die als Acker geeignet wären, aber die Einwohner sagen, sie können diese nicht als Weide entbehren.
Der übrige wüste Acker kann als Acker bestellt werden und besteht zumeist aus Sandboden.

Summe

NeuerAcker: 98M 285R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2010, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.

2  Der Brandenburgische Krieg (Schonenkrieg) 1675-1679: Trotz des Großmachtstatus war die Situation Schwedens unsicher, im Osten bedrängte Russland die schwedischen Provinzen, Polen war ein Unsicherheitsfaktor, Brandenburg spähte nach Schwedisch-Pommern während Dänemark die verloren Gebiete in Südschweden zurückgewinnen wollte. Bereits 1672 ging Schweden ein Bündnis mit Frankreich ein, das gegen die Niederlande gerichtet war. Dafür sagte Frankreich seinem Bündnispartner finanzielle Unterstützung für die kontinentalen Truppen zu und versprach im Falle eines dänischen Angriffs militärische Hilfe. Im selben Jahr fiel Frankreich in die Niederlande ein, die sich daraufhin mit Brandenburg verbündeten. Dänemark tat sich mit dem Kaiser zusammen und war bereit, in den Krieg einzugreifen, sobald eine andere Macht Frankreich zur Hilfe eilen sollte. Dennoch stationierte Schweden auf Drängen des französischen Bündnispartners Truppen in Pommern. Allerdings suchte Schweden erfolglos den Ausgleich mit seinem nordischen Nachbarn. Im Dezember 1674 fiel der Reichsmarschall Wrangel ohne Angriffsbefehl in brandenburgisches Gebiet ein. Das Vorhaben endete mit der Niederlage bei Fehrbellin 1675. Daraufhin erklärten der Kaiser und einige Zeit später auch Dänemark dem schwedischen Reich den Krieg. Für Schweden sah die Lage kritisch aus, trotzdem gelang Schweden im Dezember 1676 bei der blutigen Schlacht um Lund ein knapper Sieg. Weitere Erfolge schließen sich an. Im Jahr 1679 kommt es zu Friedensschlüssen, dabei verpflichtete sich Brandenburg, die in Schwedisch-Pommern eroberten Gebiete zurückzugeben. Die beiden skandinavischen Reiche verhandelten ihren Frieden allein, das Schutz- und Trutzbündnis ratifizierte Karl XI. schließlich am 8. Oktober 1679. In: Busch, Michael: Krieg – Krise – Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden.  

3  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

4  Herzog Philipp Julius (1584-1625), von 1603 bis zu seinem Tod 1625 führte er die Regierung des Herzogtums Pommern-Wolgast. Wehrmann, Martin: Genealogie des pommerschen Herzogshauses. (Veröffentlichenungen der landesgeschichtlichen Forschungsstelle für Pommern. Bd. 1, H. 5) Stettin 1937. S. 130f.

5  Das Dorf Behrenhoff führt diesen Namen erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Zur Zeit der Landesaufnahme hieß der Ort Bussdorf. Berghaus, Heinrich: Landbuch der Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Enthaltend Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Teil IV Bd. 2, Anklam 1868, S. 39.