Beschreibung des Dorfes Schmoldow1
Schmoldow liegt im Wolgaster Distrikt, drei Meilen westlich vor der Stadt, eine halbe Meile nördlich vom Gützkow und anderthalb
Meilen
südlich von Greifswald. Es grenzt im Westen an Jargenow und Göslow, nördlich an Negentin und Stresow und östlich an Stresow
und
Bandelin, im Süden an Kuntzow.
Dieses Dorf ist ein altes Lehen der Behrs aber nun vor einiger Zeit verkauft worden. Corswant hat hier 18 Hufen und der Rittmeister
von Schwerin auf Bandelin sechs, die der Ausrechnung nach alle Landhufen sind, doch anhand der Kirchenmatrikel keine
Gewissheit geben, ob es sich um Land- oder Hakenhufen handelt. Es sind aber alles Bauernhufen, obwohl Corswant sechs von seinen Hufen zu Ritterhufen2 machen will. Doch ist gewiss, dass hier einst sechs Bauern gelebt haben, die jeder vier Hufen gehabt haben. Da die Besitzer direkt daran angrenzend leben, bewirtschaften sie den Hof selbst und halten dort Kuh- und Schafherden sowie
Haker. Der Hof gehört zur Kirche von Behrenhoff.
Namen der Einwohner
Corswant hält hier:
1 . einenHolländer3
2 . zwei Haker, Jeppe
Jepson und Johan
Hofner
3 . einen Schäfer, Daniel
Brat
4 . einen Kuhhirt
5 . ein Schäfer, der zum Rittmeister
von Schwerin gehört
Arealausrechnung von Schmoldow
DerAcker
[H,J,K] 212M 120R
H Das Roggenfeld
Ha , guter Lehmhumus, etwas
sandhaltig
34M 90R
Hb , an der östlichen Seite der Wiese liegt der Acker niedriger, und zwar je näher an der Wiese desto niedriger
25M
Hc , Lehmhumus, mitten darauf hoch
liegend und sandhaltig aber an den Seiten sumpfiger
5M 60R
J Das Sommerfeld
Ja , tief liegender lehmig humoser
Acker, der an der westlichen Seite und am Weg etwas sandhaltig
ist
34M 20R
Jb , sandiger Humus
5M 270R
Jc , Lehmhumus, zumeist überall
ebener guter Acker, etwas sandhaltig
28M 120R
K Die Brache
Ka , Guter Lehmhumus hier und dort
sandhaltiger ebener Acker, aber etwas hoch liegend
73M 90R
Kb , hügeliger, mehr sandhaltiger
Acker
5M 150
wüster Acker
[La-Lc]
268M 180R
La , Flacher wüster Acker, der mit Heide bewachsen und zumeist tief liegend ist
248M 180R
R 937
Lb , alter wüster
Acker. teils flach teils mit Erlen, Birken usw. bewachsen
14M 210R
Lc , Heideland,
wüster Acker, zumeist flach aber auch mit einigen kleinen Kiefern bestanden,
ist strittig zwischen Schmoldow und Stresow
5M 30R
Wiese
[M,N]
8M
M , durchschnittlich
N , sumpfige Wiese, die mit einigen Erlenbüschen bewachsen ist
7M 30R
Weideland
[O,Q,P,Px]
63M 270R
O , Sumpfiges Weideland an der Grenze zu Göslow, kann als Wiese eingezäunt werden
9M 180R
Q , flaches sumpfiges Land, das als
Weide genutzt wird
12M 180R
P , sumpfiges, morastiges Land mit Erlenbüschen und einigen großen Eichen bestanden
40M 240R
Px , sumpfiges Land mit Erlenbüschen bewachsen, ist strittig zwischen Stresow und Schmoldow
270R
Wald
S , ein Heidehügel, der früher Acker war und nun mit kleinen
geraden Kiefern bestanden ist, die schon als Bauholz zu gebrauchen sind
17M 180R
eine Hofstelle und Wege sowie ein kleiner
Obstgarten, der mit Kirschbäumen bestanden
ist
11M 180R
Summe
Acker: 212M 120R
wüster Acker: 268M 120R
Wiese: 41M
Heufuder: 74
Weideland: 63M 270R
Wald: 17M 180R
Hofstellen: 11M 180R
Annotationen über Schmoldow
VomAcker
K oder das Brachfeld, das südlich des Dorfes an der Grenze zu Kuntzow liegt, sowie ein großer Teil des Feldes J am südlichen
Ende,
zusammen mit dem vom Winterfeld, das westlich des Weges liegt, der längs durch den Acker läuft, liegen alle
höher als der andere Acker und bestehen aus gutem Lehmhumus, der in trockenen Jahren nicht sonderlich unter
der Trockenheit leidet, da der Acker nicht sehr sandhaltig und außerdem, mit Ausnahme der Seiten, nicht
sehr hügelig ist. Dort ist er an einigen Stellen, wie zur Grenze nach Jargenow, abschüssig. Aber der Teil des Sommerfeldes,
der an
der Grenze zu Stresow liegt, ist nahe der Wiese und nahe am Morast sehr tief
liegend, so dass die Saat dort in nassen Jahren leicht Schaden nehmen kann. Am östlichen Ende von Feld A, obwohl es dort etwas
sumpfig ist, ist er daneben geschlossen, so dass das Wasser besser in die Wiese ablaufen kann. Der Rittmeister
von Schwerin sät in seinen Teil fünf bis sechs Drömt Roggen und ebenso viel Gerste und Hafer zusammen. Corswant sagt,
allein im Brachfeld könne er zehn Drömt Roggen säen und in die anderen jeweils neun Drömt, an Sommerkorn etwas
mehr. Weizen säen sie nicht über vier bis fünf Scheffel, obgleich sie mehr aussäen könnten.
U 863 Der wüste Acker ist teils etwas sumpfig teils sandig und mit Heide bewachsen, aber so, dass er durchaus als Acker aufgebrochen werden könnte, wenn
man andere Weidemöglichkeiten für die Schafe hätte oder man sie ganz abschaffen sollte.
Wiese
Alle Wiesenstreifen, die es hier gibt, sind leicht sumpfig, tragen aber üppig gutes, herrliches Gras, mit Ausnahme der Wiesenstücke, die im wüsten Acker im Osten an der Grenze zu Bandelin liegen und mit einem Ende an die Grenze stoßen. Ihr Boden ist etwas fester und es scheint, dass sie in früherer Zeit Acker gewesen sind. Die Wiese ist auch ziemlich ertragreich. Alle diese Wiesenstücke werden zwei Jahre eingezäunt doch im dritten Jahre, wenn die benachbarten Äcker brach liegen, dienen sie als Viehweide. Nach Aussage der Bewohner können sie 30 Fuder Heu davon bekommen.
Über Weide und Vieh sowie Zugvieh
Weideland gibt es hier ausreichend, da die Wiesen bei den Brachfeldern dazu
genutzt werden. Die bewachsene Weide, die zwischen den Feldern H und J liegt U 864 , ist in nassen Jahren für das Vieh nur schwer als Weide nutzbar,
da sie sehr feucht ist. In trockenen Jahren aber ist es gute Weide. Zudem ist auch der wüste Acker an der östlichen Seite zur Grenze nach Bandelin etwas tief liegend und trägt deshalb mehr Gras. Corswant allein
hat hier auf dem Hof 30 eigene Kühe, für die er einen Holländer hält, der ihm für jede Kuh drei Reichstaler gibt und die Milch nutzt.
Selber darf er nicht mehr als zwei bis drei Tiere halten. Von der Schafherde
R 940 hier auf dem Hof gehören dem Holländer 100 Tiere und Corswant 200. Der Rittmeister
Schwerin hat ebenfalls seine eigenen 200 Schafe und der Schäfer 100 Tiere, daneben wird aber kein Großvieh gehalten.
Corswant hält zwei Mann zum Ackerbau sowie acht Ochsen und sechs Pferde, die den Winter über aber in Kuntzow stehen, wo er selbst wohnt. Rittmeister
Schwerin hat hier weder Arbeitsleute
noch Pferde und Ochsen sondern verwendet die Leute, die er in Bandelin hat.
Wald
Der Kiefernwald gehört Corswant allein. Früher war dort wo er steht Acker. Er ist zum größten Teil noch etwas jung, doch gerade gewachsen und als Bauholz gut zu verwenden, wenn er Unterstützung zum Wachsen erhält. Die größten Bäume können bereits als Bauholz genutzt werden. Man kann hier beim Dorf auch ausreichend Brennholz finden.
RRev 260 URev 387Im Jahr 1704 ist das Dorf Schmoldow revidiert und wie folgt befunden worden
Das Feld J
[J]
9M 120R
Jd , ein Stück, das aus niedrigem,
sumpfigen Sandhumus besteht und in gewissen Schlägen mit dem alten Acker liegt
3M 180R
Je , drei Stücke, guter Sandhumus des
wüsten Ackers La dreischlägigerAcker
3M
Jf , zwei Stücke, vom wüsten Acker La aufgebrochen, ist hoch liegende und grobe Sanderde, die allerdings mit dem gewissen
Acker jedes dritte Jahr besät wird
2M 240R
Das Feld K
Kc , ein
Stück, vom wüsten Acker La aufgebrochen, ist guter sandig humoser Acker, der
jedes dritte Jahr besät wird
2M 60R
Vom übrigen wüsten Acker
Die Bewohner sagen, der wüste
Acker mit der Bezeichnung La1
sei unbrauchbar. Er scheint niedrig und kaltgründig zu sein und beinhaltet
7M 270R
Der gesamte andere wüste Acker ist zur
Kultivierung geeignet und besteht zumeist aus Sanderde, doch an der Grenze zu Stresow ist er etwas niedriger und mit langer
Heide bewachsen. Das strittige Stück mit Stresow ist immer noch umstritten.
Summe
NeuerAcker: 11M 180R
1 Laut Urkarte vermessen von Johan Gabriel Höök.
2 Der Besitzer von Ritterland war zu Lehnspflichten seinem Lehnsherrn gegenüber verpflichtet aber sonst von Steuer- und Abgabenlasten befreit. Ritter Gut. In: Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 125. Berlin 1818. Sp. 300. Im Hauptkommissionsrezess von 1663 wurde die Steuerfreiheit für die pommerschen Ritterhufen bestätigt. Jedoch galt dies nur für dasjenige Ritterland, welches auch in früheren Zeiten als steuerfreies Land gerechnet worden war. Den Nachweis dafür hatte der Rittergutsbesitzer zu führen. Der Haupt-Commißions-Receß, vom 5. Sept. 1663. In: Dähnert, Johann Carl (Hg.): Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landesurkunden. Gesetze, Privilegien, Verträge, Constitutionen und Ordnungen. Erster Band. Stralsund 1765; No. 4, Seite 373 ff.
3 „Holländerei nennet man ein Etablissement, wo die Bewohner das ihnen zugeschlagene Land und Wiesen bei ihren Hofstellen in einem unzertrennten Zusammenhange liegen haben, und durch richtige Grenzen aus aller Gemeinschaft mit ihren Nachbarn gesetzt sind. Da diese Art der Einrichtung zuerst von der in Holland befindlichen entlehnet worden ist, so hat solches vermutlich Gelegenheit gegeben, dergleichen neue Anlagen Holländereien zu nennen. Besonders aber pflegt man denen Etablissements, bei welchen die Hauptsache in der Viehzucht und dem Wiesewachs besteht, diesen Nahmen beizulegen, indem auch in Holland die Haupteinnahme des Landmannes auf der Viehzucht beruhet.“ Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, Bd. 24, Berlin 1781, Sp. 343.