R 316   U 261 

Beschreibung des Ortes Sestelin1 

Sestelin liegt im Distrikt Loitz und gehört zum Kirchspiel Behrenhof2 .3  Der Ort grenzt im Norden an Dersekow und Subzow, im Osten an Dargelin, im Süden an Alt-Negentin und das wüste Dorf Wentland, im Westen an Klein-Zastrow. Dieses Dorf besteht aus sieben Hufen, die früher von Bauern bewohnt waren. Jetzt wohnt hier Kornett Blixen, er hat vier Landhufen. Die anderen drei gehören der Witwe des Oberstleutnants Blixen in Klein-Zastrow, wo sie einen Bauer hat, den übrigen Acker lässt sie selbst bestellen.
1 . Kornett Blixen.
2 . Hof der Witwe des Oberstleutnants Blixen, dort wohnt ein Kuhhirte.
3 . Der Bauer Peter Bartel.

 R 317   U 262 

Arealausrechnung von Sestelin

DerAcker

liegt in drei Schlägen.

[Ga, Ha, Hb, Ja, Ka]   120M 75R

G ist das Roggenfeld

Ga  fünf Stücke etwas sandiger Humus, an den Seiten zur Wiese hin etwas niedrig und kaltgründig, nicht besonders gut  30M 210R

Das Kornfeld

Ha  drei Stücke eben liegender, durchschnittlich guter Humus, etwas sandig und kaltgründig  32M 270R
Hb  zwei Stücke Sandhumus  2M 270R

Das Brachfeld

Ja  vier Stücke sandiger Humus, etwas hügelig, durchschnittlich tragend  51M 120R
Ka  drei Stücke humose Stellen beimGut  2M 105R

wüster Acker

La  fünf Stücke sandiger Heideboden, flacherwüster Acker  69M 180R

Wiese

[M]  [Ertrag:] 40 Heufuder  53M 120R
Ma  zwei Stücke flache, sumpfige, mittelmäßig guteWiese  26M 30R
Mb  drei Stücke flache, sumpfige Wiese, in guten Jahren ziemlich ertragreich  12M 150R
Mc  ein Stück sumpfige Wiese, teilweise mit Schilf sowie Heidebrinke4 , nicht besonders gut  14M 240R

 R 318 

Weide undWald

[Na-Ng, nh-ni]   161M 60R
[Hofstellen]   8M 60R
Na  vier Stücke hohe, unbewachsene Heidehügel tragen abwärts an den Seiten  22M
Nb  vier Stücke niedriges Heideland, mit Hasel, Erlen, Birken etc.  39M
Nd  zwei Stücke trockene, hoch liegende Wiese mit Busch  14M 120R
Ne  zwei Stücke sumpfiger Morast mit Weiden, Erlen, Birken etc.  49M 180R
Nf  ein Stück teils feste, teils niedrige Weide mit Erlen, Birken etc.  16M 150R
Ng  zwei Stücke flaches Heideland,Weide  5M 30R
nh  25 Stücke kleine Moraste mit Weiden und Erlen etc.  10M 90R
ni  ein Stück morastiges Land, trägt grobes langes Gras, wird manchmal gemäht  4M 90R

Symbol 29  Hofstellen mit Wegen  8M 60R

Summe

Acker: 120M 75R
wüster Acker: 65M 180R
Wiese: 53M 120R
Heu: 40 Heufuder
Weide undWald: 161M 60R
Hofstellen: 8M 60R

 R 319   U 264 

Annotationen von Sestelin

Über den Acker

Der Acker liegt hier in drei Schlägen, der jetzige Brachschlag wird für das beste Feld gehalten und ist auch das größte. Die anderen beiden sind auch ziemlich gut, wenn das Jahr warm ist, aus diesem Grund sagen sie jedoch, diese Felder tragen selten gut.
Kornett Blixen sät in das Brachfeld fünf Drömt Roggen, in den Gerstenschlag viereinhalb Drömt, in den Roggenschlag fünf Drömt weniger vier Scheffel.
Die Witwe des Oberstleutnants sät zwei Drömt Roggen, zwölf Scheffel Gerste, 18 Scheffel Hafer. Ihr Bauer sät 18 Scheffel Roggen in jedes Feld.
Der wüste Acker ist hier nicht so besonders, dass er aufgepflügt werden könnte, außer einige Enden, die folglich als Weide genutzt werden.

Über die Wiesen

Die Wiesen sind hier ziemlich gut, die an der Grenze zu Subzow wird jedes Jahr gemäht und ist ziemlich sumpfig, trägt jedoch überwiegend gutes Gras. Der Kornett erntet zehn Fuder Heu. Die Witwe des Oberstleutnants bekommt sechs Fuder und deren Bauer insgesamt sechs Fuder. Von den Wiesen, die im Acker liegen, hat die Witwe des Oberstleutnants dieses Jahr vier Fuder Heu erhalten, der Kornett bekam sechs Fuder.

 R 320   U 265 

Über Weide undWald

Weide ist hier ausreichend. Der Kornett hält fünf Pferde, vier Kühe, vier Ochsen.
Die Witwe des Oberstleutnants hält acht Rinder und bestellt den Acker mit ihrem Vieh aus Klein-Zastrow. Ihr Bauer hält vier Pferde, fünf Kühe, drei Ochsen.
Wald gibt es hier ausreichend für Brennmaterial.

Über Dienst und Dienstleute

Der Kornett hat eine Magd, ein Mädchen, einen Vollknecht, einen Halbknecht und einen Jungen.
Die Witwe des Oberstleutnants hat hier nun jemanden, der auf das Vieh achtet sowie einen Holländer. Der Bauer hat einen Knecht und dient wie ein Bauer in Klein-Zastrow.

Abgaben

Die Witwe des Oberstleutnants gibt dem alten Pastor zweieinhalb Scheffel Roggen, dem anderen eineinhalb. Dem Küster gibt sie zweieinhalb Scheffel Hafer.
 R 321 Ihr Bauer versteuert für eine Viertel reduzierte Hufe5  und gibt dem neuen Pastor einen Viertel Scheffel Roggen, 20 Eier und eine Wurst. Dem alten Pastor gibt er einen Halben Scheffel Roggen. Dem Küster gibt er einen Viertel Scheffel Hafer, zehn Eier und eine Wurst.
Der Kornett gibt dem alten Pastor vier Scheffel Roggen, dem jungen Pastor gibt er zwei Scheffel.
Dem Küster gibt er vier Scheffel Hafer.

 RRev 469   URev 179 

Am17. Juni des Jahres 1705 wurde Sestelin revidiert und wie folgt befunden

Neuer aufgebrochener Acker, seit der vorigen Messung

[L1, L2]   6M 90R
L 1  drei Stücke von La aufgebrochen, bestehen aus etwas magerem und kaltgründigem, steinig-kiesigem Sandboden. Vor einem Jahr aufgepflügt, wird in drei Schlägen im Feld G bestellt  4M 150R
L 2  von La aufgebrochen, Sandboden, mittelmäßig gelegen, wird bei Nb bestellt,  1M 240R

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

Von La sind drei Stellen mit Nr. 3  bezeichnet, bestehen aus RRev 470   URev 180 etwas magerem, steinig-kiesigem aber sehr kaltgründigem Sandboden, mit Heide bewachsen. Könnte schließlich wohl aufgebrochen werden, aber der Besitzer gibt vor, diese nicht als Weide entbehren zu können. Und er berichtet dabei, wenn die Stücke aufgepflügt würden, sie die Mühe kaum lohnen werden, wenn er neu aussät, beosnders in einem nassen Jahr bekommt man nichts.  37M 75R
Das übrige von La besteht aus magerem, kaltgründigem, etwas steinig-kiesigem Sandboden, der mit Heide, Weidenbüschen und kurzem Schilf bewachsen ist, das kaum RRev 471   URev 181 seinen Tag erlebt wegen seiner Unbrauchbarkeit, könnte aufgebrochen werden. Darin ist auch ein Sandhügel eingeschlossen, der zwischen Ga und der Wiese Ec gelegen ist. Diese ist hoch gelegen und mager und als Acker nicht geeignet.
Von Na ist ein Teil in früheren Zeiten Acker gewesen, besteht aus magerem, hoch gelegenem Sand, der zum Roden nicht besonders brauchbar ist.

Summe

NeuerAcker: 6M 90R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2010, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.

2  Das Dorf Behrenhoff führt diesen Namen erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Zur Zeit der Landesaufnahme hieß der Ort Bussdorf. Berghaus, Heinrich: Landbuch der Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Enthaltend Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Teil IV Bd. 2, Anklam 1868, S. 39.

3 In der Reinschrift ist Groß-Kiesow als Kirchspielort vermerkt, aber in der Urschrift steht richtig Bussdorf (Behrenhof).

4  Brink: ein grüner Platz ohne Bäume, in Holzungen, Feldrändern oder Wäldern.  Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 55.

5  Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.