Beschreibung des Adelgutes Bandelin1
Bandelin liegt im Distrikt Wolgast eine halbe Meile von der der Stadt Gützkow entfernt, es ist ein altes Adelsgut und gehörte dem Adligen Behr, der letzte dieser Familie, dem dieses Gut gehörte, war Philipp Christopher von Behr. Nach dessen Tod löste es der Regierungsrat Corswant ein, dann kaufte es Rittmeister Schwerin im Jahr 1670. Hier in Bandelin sind 20 Hufen wovon die Hälfte steuerbare und die anderen zehn nicht steuerbare Hufen sind, die alle früher zu einem Rittersitz gehört haben, nämlich dem, den Schwerin nun besitzt. Außerdem gehören vier Hufen der Felder Bandelins der Kirche in Gützkow und zwei gehören den Erben des Adligen Bogislav Heiden, worauf Corswant ihnen 600 Gulden oder 300 pommersche Rthl gegeben hat, mit der Bedingung, dass er in zwölf Jahren seinen Nutzen davon haben kann. Diese Hufen sollen ohne Zweifel wohl Landhufen sein, obwohl man darüber keine Berichte hat. Das Gut grenzt an die umliegenden Dörfer wie Wieck, Neuendorf, Kuntzow, Schmoldow, Stresow, Kammin und Vargatz und gehört zum Kirchspiel Gützkow.
Namen der Einwohner
1 . Jochm Felix von
Schwerin.
2 . Caspar Barck,
bestellt die vier Landhufen, die der Kirche in Gützkow gehören weniger sechs Morgen und
gibt 50 Rthl Pacht.
3 . Hans Wokersin gibt 25 Rthl Pacht für Heidens zwei Hufen.
| 4 . Hans Bran, Bauer. 5 . Hindrick Wahl, Bauer. 6 . Henning Wahl, Bauer. |
Diese sind Schwerins Bauern und haben jeder vier Bauernhufen. |
7 . Jochom Hartban, Häker.
8 . Schäfer.
9 . Casten Wakersin, hat sechs Morgen des Gützkower Kirchackers
zu seinen Lebzeiten frei.
10 . Kuhhirte.
Arealausrechnung von Bandelin
DerAcker
ist hier in drei Felder geteilt und wird jedes dritte Jahr brach liegen gelassen.
[Acker gesamt] 414M 210R
A. War dieses Jahr Winterfeld
Aa
durchschnittlich guter Lehmhumus, etwas hoch liegender, doch ebenerAcker
59M 90R
Ab
etwas sandvermischter Lehmhumus
43M 270R
Ac
tief liegender, guter Humus
39M 90R
B. Sommerfeld
Ba
mittelmäßig guter Lehmhumus, je näher am Dorf desto humosiger und besser, ebener
Acker
64M 150R
Bb
reichlich sandvermischter Humus, ebenerAcker
86M 120R
C. Das Brachfeld
Ca
das Brachfeld besteht zumeist überall aus etwas sandvermischtem
Lehmhumus, und ist daneben etwas niedriger als die anderen Felder
116M 270R
Cb
zwei Ackerkämpe an der Grenze zu Kammin, sandiger als die
anderenÄcker
4M 120R
D Ackerstückchen oder Wurte2 beim Dorf, bestehen aus gutem, etwas tief liegenden Humus 5M 90R
R 951E. Wüster Acker
[E]
193M 120R
Ea
ebenes Heideland, alter, wüster Acker, liegt
zumeist niedrig, der aber doch als Acker aufgebrochen werden soll
107M 270R
Eq
hügeliger, wüster Acker mit Heide
17M
Eb
südlich zur Grenze nach Neuendorf, ist ebener, wüster Acker mit
Heide, sehr sandig
65M 210R
Ec
wüster Ackermit Eschen, Birken etc. bewachsen
2M 240R
Wiese
[F]
[Ertrag] 54 Heufuder
37M 240R
Fa
etwas tief liegende, ebene Wiese beim Acker, in kleinen Kämpen gelegen, trägt ein bisschen Gras
35M 30R
Fb
Wiese mit Weidenbüschen bewachsen
2M 210R
Weideland
[Weideland insgesamt]
165M 60R
G
ebene und sumpfige Weideflecken hier und da zwischen den Heidehügeln und dem wüsten Acker
14M 180R
U 873 H
sumpfiges Weideland mit Büschen
bewachsen
31M
J
ebenes Heideland, trockene, hoch liegende Wiese, war zum Teil Acker gewesen, die aber nun R 952 nur als Weide genutzt werden kann
19M 120R
K
Sandberg, je näher an der Grenze zu Kammin desto höher, aber
zum westlichen Ende und zum Dorf hin niedriger, überall mit Heide bewachsen
41M 70R
L
hohe Heideberge mit einigen Kiefern bewachsen
10M 150R
X
zwei Koppeln, teils sumpfig, teils trockene, hoch liegende Wiese, überall mit Eichen, Eschen, Kiefern und Birken bewachsen
47M 240R
Wald
[Wald insgesamt]
23M 30R
M
durchschnittlich großer sowie gerader Kiefernwald auf hohenSandhügeln
19M 120R
große Eschen rings um das Dorf
3M 210R
N
Fischteich mit kleinenKarauschen
150R
Hofstellen
[Hofstellen
insgesamt]
12M 60R
Obst- undKräutergarten
1M 120R
Hofstellen mit eingezäunten Plätzen
10M 240R
Summe
Acker: 420M
Wüster Acker: 193M 120R
Wiese: 37M
240R
Heufuder: 54 Heufuder
Weideland: 165M 60R
Wald: 23M 30R
Fischgewässer: 150R
Hofstellen: 12M 60R
Annotationen von Bandelin
Über denAcker
Der Acker liegt in drei Schlägen, wovon dieses Jahr das Roggenfeld das beste ist, es trägt in etwas
nassen Jahren sowohl Gerste als auch Roggen in ziemlicher Menge. Das Feld B nahe beim
Dorf trägt auch gute Gerste, aber zur Grenze nach Vargatz hin nicht so reichlich, denn der Acker dort ist sehr sandig, doch was den Roggen betrifft, so wächst dieser hier ziemlich. Das Brachfeld ist um einiges tiefer gelegen und kaltgründig, wie die Bauern berichten, und trägt deshalb in nassen Jahren selten reichlich Saat.
Rittmeister Schwerin hat auf seinem Teil vergangenes Jahr zwei Last und zwei Drömt Roggen gesät und ungefähr soviel Sommergerste.
Caspar Barck mit Casper Wakersin
zusammen säen an die fünf Drömt sowohl Sommer- als auch Wintersaat. Hans Wakersin sät in das Brachfeld
ungefähr zweieinhalb Drömt, aber die anderen beiden Felder können mit drei Drömt Wintersaat besät werden und ungefähr ebensoviel
Sommergerste und Hafer. Einer der Bauern
Schwerins sät soviel wie diese.
Wüster Acker
Der wüste Acker ist zumeist eben und mit Heide bewachsen, er kann wohl als Acker genutzt werden. Eb ist wohl ziemlich sandig, doch für Roggen brauchbar genug. Ea im Brachfeld ist wiederum nicht so sandig, aber etwas kaltgründig wie sie sagen, weil dort keine Gräben sind, die es entwässern können.
R 954Wiese
Die hier gelegenen Wiesen werden hier je Schlag zwei Jahre eingehegt, und die dritte wird für das Vieh genutzt. Sie sind etwas sumpfig und tragen durchschnittlich grobes sowie gutes Gras. Der Bauer der Kirche erhält im Roggenfeld vier Fuder Heu, im Gerstenfeld zwei Fuder und im Brachfeld drei Fuder. Hans Wakersin bekommt im Roggenfeld vier Heufuder, aber in jedem anderen wenig über einen Fuder.
Viehweide
Viehweide ist hier zum Auskommen, diese besteht teils aus sumpfiger, teils aus trockener, hoch liegender Weide, wie aus der Ausrechnung ersichtlich ist. Caspar Barck, der Kirchpächter, hat vier Pferde, zwei Ochsen, 20 Schafe,
fünf Kühe.
Casten Wakersin hat zwei Kühe. Hans Wakersin, der Pächter, hat vier Pferde und vier Kühe.
Wald
Sie haben viel kleinen Erlen- und Birkenwald, dass sie sich damit selbst für den Hausbedarf behelfen können. Den Kiefernwald schlagen sie nur ab, wenn sie daraus etwas für Hausreparaturen bedürfen.
U 876ÜberFischgewässer
In dem kleinen Fischteich sind nur soviele Karauschen, dass die Herrschaft mitunter selbst daraus recht fangen kann.
R 955Über Abgaben
Hans Wakersin hat in diesem Jahr 1694 zweimal Kopfsteuer3 gegeben: beim ersten Mal drei vorpom. Gulden, beim zweiten Mal für sich einen halben Rthl und 16 Schillinge für seine
Ehefrau. Akzise gab er zwei Rthl.
Casten Wakersin hat in diesem Jahr beim ersten Mal drei vorpom: Gulden
gegeben, beim zweiten Mal einen Gulden für sich und 16 ß vorpom. für seine Ehefrau.
Die Bauern des Rittmeisters Schwerin dienen auf dem Hof drei Tage in
der Woche, jedes Mal mit zwei Knechten sowie einem Paar Ochsen und
Pferden.
Auss daß H.r Landtmeßer H.r Johan Gabriel Hööke übergege=bene 12 punct so er begeret schriftlichen meine meinung so vielals wir wißent ist zur ö=ffenen säst meine erklärung wie folget;
1 Sollen hier auff den Bandelinschen fälde land tax 26 landthuffen sein, ich glaube aber mein tage nicht daß sie dar sein können es werden nur hakenhufwen seijn daß der Priester krieget nur von die huffe 1/2 scheffl: da dock sondernvon eine landthuffe der Priester 1 scheffel. krieget,
2 Hierunter sein 10 Ritterhuffen und 10 Baurhuffen, die kirche zu Gützkow 4 huffen, seligen Heidens Erben 2 huffen Summa 26 huffen,
3 Hier haben von alters heer 5 Bauren so zum hoffe gehöret gewohnet und hat jeder bauren 2 hufwen gehabet 1 Cossat ist hir land tax beij gewesen der hat 1 wort nur gehabt, und ist der acker von der Ritteracker oder huffen genommen, worden die kirche hat auff ihre 4 huffen auch ein man gehabet auff H.r Heiden seinen 2 huffen auch ein man gewohnet, als auch noch itzo ein daruff wohnet,
4 Es ist nur ein Rittersitze hier gewesen, und haben die H.r Bähren selbige von vielen Jahren her grausam geseßen biß nach obstorben seligen Philip Christopher Bären daß ich dan befunden daß hier viel Schulden sein denen selbigen ist dieses guth mit allen Pertinentien Zugeschlagen R 957 werden von hohen Tribunal die sich den haben und einen kauffer bemühet da da Anno 1666 der der H.r Regierungz Rath H.r Courswantz auff befehl des hohen Tribunals Zum deil die Schulden betzalet, Zum deihl hat er selbe eine große forderung darauß gehabet, und also auff die creditoren ihn Jus daß guth, aber wohnet da ich Anno 1670 mitt Con=sem meines gnädigsten königs in sein Jus geträten wie die Hochlobliche königl. Regierungs Confirmation mitt mehren besaget;
U 870b5 Meine Bauren versteüren fast nichts oder dan und wan gar ein wenig dan sie seind gar arm und vorsteüre ich anitzo ungefehr von den Ba=delinischen Baurhuffen 2 landhuf:n weil viel davon wüste liegen.
6 Wie auch das lehnpferd kommet so von den Bandelinischen Ritterhuffn gegeben wirdt weiß aber nichts Zu setzen,
7 Die Saat anlanget so auff den Rit=terhufwen gesähet wirdt kan ichäben Ein gewißes nichts setzen weilen daß eine Jahr mehr kornin den ackerfelt als daß andere doch sähe ich daß meiste korn auff den Rit=terhuffen, und ist ungefehr dieses Jahr hin Zu Bandelin die Rockensat Zum Hoffe 2 last 2 drömpt, und dan auch so viel von allehand somkorn dabeij.
8 Schaffe können hie Zu Bandelin laut tax nichts mehr als 500 gehalten werd, davon dem Schäffer 100 gehören, bleiben der herschafft noch 400 st: R 958 Vie und Pferde können hie nicht mehr als Zur haushaltung nötig gehalten werd.
9 Heüwiesen seind hier nicht beij anders als waß Zwischen dem korn auff denhuffen schon im acker mit gerechnet,
10 Zu Smoldow seindt 6 Baurhuffen darauff haben vor alters her 2 Volle=kommene Bauren gewohnet, können anitzo 300 Schaffe gehalten werden davon der Schäffer 100, bleiben der herrschafft 200, wan aber die Baur höffe wirdter besetzet werden so Cessiren, die Schaffe können altso nicht in anschlag gebracht werden,
11 An Rocken können ungefehr 5 oder 6 drömpt gesähet werden und so viel allerhand Sommerkorn,
12 Rindtvie wird anitzo nicht da gehalten weilen die Schaffee da seindt, Heü wischen sindt anders nicht dabeij als waß Zwischen den korn auff den huffen geworben wirdt so Zum acker gehören,
Bandelin d 12 Julij Anno 1694 Jochim Felix von Sverrin4
Im Jahr1704 wurde das Dorf Bandelin revidiert und wie folgt befunden
Das Feld A
Ad drei Stücke des wüsten Ackers Eq, niedriger und magerer Sandhumus jedoch dreischlägiger Acker 2M 225R
Das Feld C
[C]
19M 34R
Cc
fünf Stücke des wüsten Ackers Ea, sind etwas magerer,
sandvermischter Lehmhumus und dreischlägigerAcker
11M 120R
Cd
ein Stück des wüsten Ackers Ea, ist grober Sandboden, etwas
kaltgründig, der jedes sechste Jahr einmal besät werden kann
7M 210R
Das Feld D
Dc ein Stück des wüsten Ackers Eb, ist Sandboden und dreischlägigerAcker 120R
Summe
Neuer Acker: 22M 79R
RRev 254 URev 379Arealausrechnung des Kirchenackers, der zu Gützkow gehört und bei der Revisison zu den Feldern Bandelins abgeteilt wurde
Im Feld A
[Ka-Kc]
30M 90R
Ka
drei Stücke von der Beschaffenheit wie Aa
9M 195R
Kb
vier Stücke wie Ab
Kc
zwölf Stücke wie Ac
6M 120R
Neuer Acker im selben Feld
[Kd-Ke]
30M 90R
Kd
zwei Stücke des wüsten Ackers EB, sind niedriger Sandboden und
dreischlägigerAcker
5M 165R
Ke
zwei Stücke des wüsten Ackers Eq, niedriger, magerer Sandhumus,
dreischlägigerAcker
4M 90R
Das Feld C
[Kf, Kg]
18M
Kf
zwei Stücke von der Beschaffenheit wie Ca
14M 150R
Neuer Acker im selben Feld
Kg sechs Stücke des wüsten Ackers Ea, sind magerer, sandvermischter Lehmhumus und dreischlägigerAcker 3M 150R
Das Feld D
[Kh-Kk]
29M 90R
Kh
fünf Stücke von der Beschaffenheit wie Da
7M 270R
Ki
vier Stücke wie Db
13M 90R
Neuer Acker im selben Feld
Kk drei Stücke des wüsten Ackers Eb, Sandboden und dreischlägigerAcker 8M 30R
Summe
Kirchenacker: 77M 180R
RRev 255 URev 380Über den wüsten Acker der Kirche
K1
zwei Stücke, zum Acker brauchbar, sind von der Beschaffenheit des neuen Ackers Cc, sind ein
Morgen, 285 Ruten. [ 1M 285R]
K2
ein Stück im selben Feld gelegen, nämlich Feld C, wovon die Einwohner sagen, es sei als
Acker unbrauchbar, die Ursache dafür ist, es ist etwas niedrig und kaltgründig. Sind sechs Morgen und 210 Ruten. [ 6M 210R]
Was den übrigen wüsten Acker angeht, so ist dieser wohl zur Kultur brauchbar, obwohl der Grund doch ziemlich sandig ist. Der wüste Acker Ea bei der Grenze zu Kammin, sei zur Kultur unbrauchbar sagen die Einwohner, weil dieser sandig und kaltgründig ist, doch scheint er deswegen bewirtschaftet werden zu können.
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermesen.
2 Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist. Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.
3 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
4 Schwerrin ist die Schreibweise des Namens in der Urschrift.