R 949   U 870 

Beschreibung des Adelgutes Bandelin1 

Bandelin liegt im Distrikt Wolgast eine halbe Meile von der der Stadt Gützkow entfernt, es ist ein altes Adelsgut und gehörte dem Adligen Behr, der letzte dieser Familie, dem dieses Gut gehörte, war Philipp Christopher von Behr. Nach dessen Tod löste es der Regierungsrat Corswant ein, dann kaufte es Rittmeister Schwerin im Jahr 1670. Hier in Bandelin sind 20 Hufen wovon die Hälfte steuerbare und die anderen zehn nicht steuerbare Hufen sind, die alle früher zu einem Rittersitz gehört haben, nämlich dem, den Schwerin nun besitzt. Außerdem gehören vier Hufen der Felder Bandelins der Kirche in Gützkow und zwei gehören den Erben des Adligen Bogislav Heiden, worauf Corswant ihnen 600 Gulden oder 300 pommersche Rthl gegeben hat, mit der Bedingung, dass er in zwölf Jahren seinen Nutzen davon haben kann. Diese Hufen sollen ohne Zweifel wohl Landhufen sein, obwohl man darüber keine Berichte hat. Das Gut grenzt an die umliegenden Dörfer wie Wieck, Neuendorf, Kuntzow, Schmoldow, Stresow, Kammin und Vargatz und gehört zum Kirchspiel Gützkow.

Namen der Einwohner

1 . Jochm Felix von Schwerin.
2 . Caspar Barck, bestellt die vier Landhufen, die der Kirche in Gützkow gehören weniger sechs Morgen und gibt 50 Rthl Pacht.
3 . Hans Wokersin gibt 25 Rthl Pacht für Heidens zwei Hufen.

4 . Hans Bran, Bauer.
5 . Hindrick Wahl, Bauer.
6 . Henning Wahl, Bauer.
Diese sind Schwerins Bauern und haben jeder vier Bauernhufen.

7 . Jochom Hartban, Häker.
8 . Schäfer.
9 . Casten Wakersin, hat sechs Morgen des Gützkower Kirchackers zu seinen Lebzeiten frei.
10 . Kuhhirte.

 R 950   U 870a 

Arealausrechnung von Bandelin

DerAcker

ist hier in drei Felder geteilt und wird jedes dritte Jahr brach liegen gelassen.

[Acker gesamt]   414M 210R

A. War dieses Jahr Winterfeld

Aa  durchschnittlich guter Lehmhumus, etwas hoch liegender, doch ebenerAcker  59M 90R
Ab  etwas sandvermischter Lehmhumus  43M 270R
Ac  tief liegender, guter Humus  39M 90R

B. Sommerfeld

Ba  mittelmäßig guter Lehmhumus, je näher am Dorf desto humosiger und besser, ebener Acker  64M 150R
Bb  reichlich sandvermischter Humus, ebenerAcker  86M 120R

C. Das Brachfeld

Ca  das Brachfeld besteht zumeist überall aus etwas sandvermischtem Lehmhumus, und ist daneben etwas niedriger als die anderen Felder  116M 270R
Cb  zwei Ackerkämpe an der Grenze zu Kammin, sandiger als die anderenÄcker  4M 120R

 U 872 

D  Ackerstückchen oder Wurte2  beim Dorf, bestehen aus gutem, etwas tief liegenden Humus  5M 90R

 R 951 

E. Wüster Acker

[E]   193M 120R
Ea  ebenes Heideland, alter, wüster Acker, liegt zumeist niedrig, der aber doch als Acker aufgebrochen werden soll  107M 270R
Eq  hügeliger, wüster Acker mit Heide  17M
Eb  südlich zur Grenze nach Neuendorf, ist ebener, wüster Acker mit Heide, sehr sandig  65M 210R
Ec  wüster Ackermit Eschen, Birken etc. bewachsen  2M 240R

Wiese

[F]  [Ertrag] 54 Heufuder  37M 240R
Fa  etwas tief liegende, ebene Wiese beim Acker, in kleinen Kämpen gelegen, trägt ein bisschen Gras  35M 30R
Fb  Wiese mit Weidenbüschen bewachsen  2M 210R

Weideland

[Weideland insgesamt]   165M 60R
G  ebene und sumpfige Weideflecken hier und da zwischen den Heidehügeln und dem wüsten Acker  14M 180R
 U 873 H  sumpfiges Weideland mit Büschen bewachsen  31M
J  ebenes Heideland, trockene, hoch liegende Wiese, war zum Teil Acker gewesen, die aber nun  R 952 nur als Weide genutzt werden kann  19M 120R
K  Sandberg, je näher an der Grenze zu Kammin desto höher, aber zum westlichen Ende und zum Dorf hin niedriger, überall mit Heide bewachsen  41M 70R
L  hohe Heideberge mit einigen Kiefern bewachsen  10M 150R
X  zwei Koppeln, teils sumpfig, teils trockene, hoch liegende Wiese, überall mit Eichen, Eschen, Kiefern und Birken bewachsen  47M 240R

Wald

[Wald insgesamt]   23M 30R
M  durchschnittlich großer sowie gerader Kiefernwald auf hohenSandhügeln  19M 120R
Symbol 27  große Eschen rings um das Dorf  3M 210R
N  Fischteich mit kleinenKarauschen  150R

Hofstellen

[Hofstellen insgesamt]   12M 60R
Symbol 32  Obst- undKräutergarten  1M 120R
Symbol 68  Hofstellen mit eingezäunten Plätzen  10M 240R

Summe

Acker: 420M
Wüster Acker: 193M 120R
Wiese: 37M 240R
Heufuder: 54 Heufuder
Weideland: 165M 60R
Wald: 23M 30R
Fischgewässer: 150R
Hofstellen: 12M 60R

 R 953   U 874 

Annotationen von Bandelin

Über denAcker

Der Acker liegt in drei Schlägen, wovon dieses Jahr das Roggenfeld das beste ist, es trägt in etwas nassen Jahren sowohl Gerste als auch Roggen in ziemlicher Menge. Das Feld B nahe beim Dorf trägt auch gute Gerste, aber zur Grenze nach Vargatz hin nicht so reichlich, denn der Acker dort ist sehr sandig, doch was den Roggen betrifft, so wächst dieser hier ziemlich. Das Brachfeld ist um einiges tiefer gelegen und kaltgründig, wie die Bauern berichten, und trägt deshalb in nassen Jahren selten reichlich Saat.
Rittmeister Schwerin hat auf seinem Teil vergangenes Jahr zwei Last und zwei Drömt Roggen gesät und ungefähr soviel Sommergerste.
Caspar Barck mit Casper Wakersin zusammen säen an die fünf Drömt sowohl Sommer- als auch Wintersaat. Hans Wakersin sät in das Brachfeld ungefähr zweieinhalb Drömt, aber die anderen beiden Felder können mit drei Drömt Wintersaat besät werden und ungefähr ebensoviel Sommergerste und Hafer. Einer der Bauern Schwerins sät soviel wie diese.

 U 875 

Wüster Acker

Der wüste Acker ist zumeist eben und mit Heide bewachsen, er kann wohl als Acker genutzt werden. Eb ist wohl ziemlich sandig, doch für Roggen brauchbar genug. Ea im Brachfeld ist wiederum nicht so sandig, aber etwas kaltgründig wie sie sagen, weil dort keine Gräben sind, die es entwässern können.

 R 954 

Wiese

Die hier gelegenen Wiesen werden hier je Schlag zwei Jahre eingehegt, und die dritte wird für das Vieh genutzt. Sie sind etwas sumpfig und tragen durchschnittlich grobes sowie gutes Gras. Der Bauer der Kirche erhält im Roggenfeld vier Fuder Heu, im Gerstenfeld zwei Fuder und im Brachfeld drei Fuder. Hans Wakersin bekommt im Roggenfeld vier Heufuder, aber in jedem anderen wenig über einen Fuder.

Viehweide

Viehweide ist hier zum Auskommen, diese besteht teils aus sumpfiger, teils aus trockener, hoch liegender Weide, wie aus der Ausrechnung ersichtlich ist. Caspar Barck, der Kirchpächter, hat vier Pferde, zwei Ochsen, 20 Schafe, fünf Kühe.
Casten Wakersin hat zwei Kühe. Hans Wakersin, der Pächter, hat vier Pferde und vier Kühe.

Wald

Sie haben viel kleinen Erlen- und Birkenwald, dass sie sich damit selbst für den Hausbedarf behelfen können. Den Kiefernwald schlagen sie nur ab, wenn sie daraus etwas für Hausreparaturen bedürfen.

 U 876 

ÜberFischgewässer

In dem kleinen Fischteich sind nur soviele Karauschen, dass die Herrschaft mitunter selbst daraus recht fangen kann.

 R 955 

Über Abgaben

Hans Wakersin hat in diesem Jahr 1694 zweimal Kopfsteuer3  gegeben: beim ersten Mal drei vorpom. Gulden, beim zweiten Mal für sich einen halben Rthl und 16 Schillinge für seine Ehefrau. Akzise gab er zwei Rthl.
Casten Wakersin hat in diesem Jahr beim ersten Mal drei vorpom: Gulden gegeben, beim zweiten Mal einen Gulden für sich und 16 ß vorpom. für seine Ehefrau.
Die Bauern des Rittmeisters Schwerin dienen auf dem Hof drei Tage in der Woche, jedes Mal mit zwei Knechten sowie einem Paar Ochsen und Pferden.

 R 956   U 870a 

Auss daß H.r Landtmeßer H.r Johan Gabriel Hööke übergege=bene 12 punct so er begeret schriftlichen meine meinung so vielals wir wißent ist zur ö=ffenen säst meine erklärung wie folget;

1 Sollen hier auff den Bandelinschen fälde land tax 26 landthuffen sein, ich glaube aber mein tage nicht daß sie dar sein können es werden nur hakenhufwen seijn daß der Priester krieget nur von die huffe 1/2 scheffl: da dock sondernvon eine landthuffe der Priester 1 scheffel. krieget,

2 Hierunter sein 10 Ritterhuffen und 10 Baurhuffen, die kirche zu Gützkow 4 huffen, seligen Heidens Erben 2 huffen Summa 26 huffen,

3 Hier haben von alters heer 5 Bauren so zum hoffe gehöret gewohnet und hat jeder bauren 2 hufwen gehabet 1 Cossat ist hir land tax beij gewesen der hat 1 wort nur gehabt, und ist der acker von der Ritteracker oder huffen genommen, worden die kirche hat auff ihre 4 huffen auch ein man gehabet auff H.r Heiden seinen 2 huffen auch ein man gewohnet, als auch noch itzo ein daruff wohnet,

4 Es ist nur ein Rittersitze hier gewesen, und haben die H.r Bähren selbige von vielen Jahren her grausam geseßen biß nach obstorben seligen Philip Christopher Bären daß ich dan befunden daß hier viel Schulden sein denen selbigen ist dieses guth mit allen Pertinentien Zugeschlagen  R 957  werden von hohen Tribunal die sich den haben und einen kauffer bemühet da da Anno 1666 der der H.r Regierungz Rath H.r Courswantz auff befehl des hohen Tribunals Zum deil die Schulden betzalet, Zum deihl hat er selbe eine große forderung darauß gehabet, und also auff die creditoren ihn Jus daß guth, aber wohnet da ich Anno 1670 mitt Con=sem meines gnädigsten königs in sein Jus geträten wie die Hochlobliche königl. Regierungs Confirmation mitt mehren besaget;

 U 870b 

5 Meine Bauren versteüren fast nichts oder dan und wan gar ein wenig dan sie seind gar arm und vorsteüre ich anitzo ungefehr von den Ba=delinischen Baurhuffen 2 landhuf:n weil viel davon wüste liegen.

6 Wie auch das lehnpferd kommet so von den Bandelinischen Ritterhuffn gegeben wirdt weiß aber nichts Zu setzen,

7 Die Saat anlanget so auff den Rit=terhufwen gesähet wirdt kan ichäben Ein gewißes nichts setzen weilen daß eine Jahr mehr kornin den ackerfelt als daß andere doch sähe ich daß meiste korn auff den Rit=terhuffen, und ist ungefehr dieses Jahr hin Zu Bandelin die Rockensat Zum Hoffe 2 last 2 drömpt, und dan auch so viel von allehand somkorn dabeij.

8 Schaffe können hie Zu Bandelin laut tax nichts mehr als 500 gehalten werd, davon dem Schäffer 100 gehören, bleiben der herschafft noch 400 st:  R 958  Vie und Pferde können hie nicht mehr als Zur haushaltung nötig gehalten werd.

9 Heüwiesen seind hier nicht beij anders als waß Zwischen dem korn auff denhuffen schon im acker mit gerechnet,

10 Zu Smoldow seindt 6 Baurhuffen darauff haben vor alters her 2 Volle=kommene Bauren gewohnet, können anitzo 300 Schaffe gehalten werden davon der Schäffer 100, bleiben der herrschafft 200, wan aber die Baur höffe wirdter besetzet werden so Cessiren, die Schaffe können altso nicht in anschlag gebracht werden,

11 An Rocken können ungefehr 5 oder 6 drömpt gesähet werden und so viel allerhand Sommerkorn,

12 Rindtvie wird anitzo nicht da gehalten weilen die Schaffee da seindt, Heü wischen sindt anders nicht dabeij als waß Zwischen den korn auff den huffen geworben wirdt so Zum acker gehören,

Bandelin d 12 Julij Anno 1694 Jochim Felix von Sverrin4 

 RRev 253   URev 378 

Im Jahr1704 wurde das Dorf Bandelin revidiert und wie folgt befunden

Das Feld A

Ad  drei Stücke des wüsten Ackers Eq, niedriger und magerer Sandhumus jedoch dreischlägiger Acker  2M 225R

Das Feld C

[C]   19M 34R
Cc  fünf Stücke des wüsten Ackers Ea, sind etwas magerer, sandvermischter Lehmhumus und dreischlägigerAcker  11M 120R
Cd  ein Stück des wüsten Ackers Ea, ist grober Sandboden, etwas kaltgründig, der jedes sechste Jahr einmal besät werden kann  7M 210R

Das Feld D

Dc  ein Stück des wüsten Ackers Eb, ist Sandboden und dreischlägigerAcker  120R

Summe

Neuer Acker: 22M 79R

 RRev 254   URev 379 

Arealausrechnung des Kirchenackers, der zu Gützkow gehört und bei der Revisison zu den Feldern Bandelins abgeteilt wurde

Im Feld A

[Ka-Kc]   30M 90R
Ka  drei Stücke von der Beschaffenheit wie Aa  9M 195R
Kb  vier Stücke wie Ab
Kc  zwölf Stücke wie Ac  6M 120R

Neuer Acker im selben Feld

[Kd-Ke]   30M 90R
Kd  zwei Stücke des wüsten Ackers EB, sind niedriger Sandboden und dreischlägigerAcker  5M 165R
Ke  zwei Stücke des wüsten Ackers Eq, niedriger, magerer Sandhumus, dreischlägigerAcker  4M 90R

Das Feld C

[Kf, Kg]   18M
Kf  zwei Stücke von der Beschaffenheit wie Ca  14M 150R

Neuer Acker im selben Feld

Kg  sechs Stücke des wüsten Ackers Ea, sind magerer, sandvermischter Lehmhumus und dreischlägigerAcker  3M 150R

Das Feld D

[Kh-Kk]   29M 90R
Kh  fünf Stücke von der Beschaffenheit wie Da  7M 270R
Ki  vier Stücke wie Db 13M 90R

Neuer Acker im selben Feld

Kk  drei Stücke des wüsten Ackers Eb, Sandboden und dreischlägigerAcker  8M 30R

Summe

Kirchenacker: 77M 180R

 RRev 255   URev 380 

Über den wüsten Acker der Kirche

K1  zwei Stücke, zum Acker brauchbar, sind von der Beschaffenheit des neuen Ackers Cc, sind ein Morgen, 285 Ruten. [ 1M 285R]
K2  ein Stück im selben Feld gelegen, nämlich Feld C, wovon die Einwohner sagen, es sei als Acker unbrauchbar, die Ursache dafür ist, es ist etwas niedrig und kaltgründig. Sind sechs Morgen und 210 Ruten. [ 6M 210R]

Was den übrigen wüsten Acker angeht, so ist dieser wohl zur Kultur brauchbar, obwohl der Grund doch ziemlich sandig ist. Der wüste Acker Ea bei der Grenze zu Kammin, sei zur Kultur unbrauchbar sagen die Einwohner, weil dieser sandig und kaltgründig ist, doch scheint er deswegen bewirtschaftet werden zu können.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2010, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermesen.

2  Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist.  Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.

3  Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.

4 Schwerrin ist die Schreibweise des Namens in der Urschrift.