Beschreibung des Ortes Breechen1
Dieses Gut liegt im Distrikt Wolgast neben der Peene, eine halbe Meile westlich
der Stadt Gützkow. Vor einer langen Zeit verschenkte es einer der Herzöge von Pommern2 an einen Adligen mit Namen Bonow, der dieses dann an einen anderen Adligen, der Norman3 hieß, verkaufte. Dessen Geschlecht gehört das Gut jetzt noch,
nach dem Tod ihres Mannes wird es von der Witwe Normann bewohnt, neben drei Kossaten4 , die jeder in allen drei Feldern zusammen also fünf Morgen haben. Das andere besät die Witwe
selbst. Früher sollen hier vier Bauern an der Zahl gewohnt haben sowie ebensoviele Kossaten, wie die Bauern berichten. Das Dorf
besteht insgesamt aus sieben Landhufen und versteuert eine eindreiviertel Landhufe.
Im Süden und Westen grenzt es an die
Peene und an die Stadt Jarmen, im Norden an Neuendorf und im
Osten an Wieck.
Der Ort gehört zum Kirchspiel Gützkow.
Namen der Einwohner
1 . Normanns Witwe, Besitzerin des Gutes.
| 2 . Petter
Kröger 3 . Jacob Kröger 4 . Bartolomeus Benedict |
Diese Bauern haben in jedem Feld jeder fünf Morgen. |
Jacob Smugenow, Schäfer.
R 925 U 839Arealausrechnung von Breechen
DerAcker
[Acker gesamt] 161M 150R
Steenfelt
Aa
lehmig-humoser Acker, sehr steinig, mit großen Steinen sowie etwas sandvermsicht
49M 150R
Ab
durchschnittlich guter Lehmhumus, hinab zur Viehweide etwas hügelig, jedoch ohne Steine
beträgt
5M 150R
Kulenfelt
Ba
etwas hoch liegender Acker, bestehend aus Lehmhumus
42M 150R
Bb
tief liegender Humus bei denWiesen
2M 180R
Bc
etwas sandiger Humus
8M 60R
Kierckfelt
C durchschnittlich guter Lehmhumus 53M 60R
Wüster Acker
[D]
119M 240R
Da
flacher, wüster Acker mit Heide
bewachsen
46M
Db
flacher, wüster Acker mit Heide bewachsen,
tief liegend, bültig und mit großen Steinen vermischt
59M 240R
Dc
wüster Acker mit kleinem Gebüsch, ist mit
kleinen Wiesenecken im Acker A
14M
Wiese
[Ertrag] 62 Heufuder
E
sumpfige Wiese bei der Peene , meistenteils
flacher, außer einige einzelne Weidenbüsche, die Wiese ist sehr ertragreich
41M 180R
Weideland
[F]
71M 35R
Fa
sumpfiges und bewachsenes Weideland bei der Peene
70M
Fb
Sandhügel
45R
Fc
Grassenke, die auch als Weide genutzt werden kann
270R
Fd
Tümpel mit Busch bewachsen
180R
Über Fischgewässer
Der Fluss Peene so weit wie er hier an der Feldmark vorbei fließt, daraus haben sie auf ihrer Seite die Freiheit, zu fischen 13M
Hofstellen
[Hofstellen insgesamt]
3M 120R
Hof- und Wegstellen
daneben einige kleine Gemüsegärten von
30 R
Kälberkoppel 210 Ruten ergibt zusammen
3M 120R
Summe
Acker: 161M 150R
Wüster Acker: 119M 240R
Wiese:
41M 180R
Heufuder: 35 Heufuder
Weideland: 71M 135R
Fischgewässer: 13M
Hofstellen: 3M 120R
Annotationen von Breechen
Über die Ackerbewirtschaftung
Über den Acker muss man wissen, dass dieser in drei Felder geteilt ist, wovon eines immer brach liegt und die anderen beiden werden zuerst mit Roggen und dann mit Gerste oder Hafer besät. Der Acker besteht überall aus ziemlich gutem Lehmhumus, der nie häufiger als jedes dritte Jahr unbestellt liegt. Die Bauern halten das Feld A oder das Winterfeld für das schlechteste, weil es reichlich mit großen Steinen vermischt sowie mit Busch bewachsen ist. Die anderen beiden halten sie für gleich. In sehr nassen Jahren will hier gerne Unkraut zwischen der Saat wachsen, die dann auch nicht die Art ist, wie es in trockenen Jahren ist. Sie rechnen hier für jeden Morgen an Aussaat von Winter- und Sommergerste gleichviel, nämlich drei vorpommersche Sch. Sonst können hier, nach Bericht der Bauern, zumeist in jedes Feld 14 Drömt Roggen und ebensoviel Korn und Hafer zusammen gesät werden.
U 842Wüster Acker
Der wüste Acker, der bei der Grenze zu Wieck liegt, ist aus ziemlich gutem Boden sowie mit Heide bewachsen, so dass die Mühe wohl lohnen würde, ihn aufzubrechen. Zumal er ohne Hügel und unbewachsen ist. Aber der, der bei der Grenze zu Neuendorf liegt, ist R 928 sehr sumpfig, daneben bültig und mit großen Steinen vermischt, so dass es die Mühe nicht lohnen würde, ihn aufzubrechen. Nun wird er nur als Weide genutzt.
ÜberWiesen
Die Wiesen, die an der Peene liegen sind ziemlich sumpfig, von tiefem und schlammigen Boden, tragen jedoch ziemlich gut Gras. So dass die Berichte der Bauern nicht gelten können, die besagen, sie bekämen nur 24 Fuder Heu, da man nicht weniger als zwei Fuder auf einen Morgen rechnen kann. Jedoch ist gewiss, wenn das Wasser früh im Frühling lange auf den Wiesen bleibt, und das Gras zu Beginn nicht seinen Wuchs hat, dass es dann sehr gering aufkommt, gegenüber dem, was sonst zu geschehen pflegt.
U 843Über das Weideland
Deren Weideland liegt bei der Peene , ist bültig und sehr sumpfig wie die Wiesen, besonders im Herbst und Frühling, wenn die Flut aufsteigt. Hier müssen sie all ihr Vieh und Pferde haben, bevor die Wiesen gemäht werden. Für die Ackerbewirstschaftung benötigen sie vier Ochsen und acht Pferde, aber die Bauern jeder seine zwei Ochsen und zwei Pferde, anderes Vieh insgesamt 30 Stück, aber R 929 wüsten Acker hegnen sie nur für die Schafe, die hier 250 Stück sind, wovon hier nicht mehr als an die 350 gehalten werden können.
Über die Fischerei
Aus der Peene haben sie auf ihrer Seite wohl die Freiheit zu fischen, so weit
wie die Feldmark reicht. Aber die Bauern nutzen dieses sehr selten, sofern es nicht in der
Laichzeit geschieht, jedoch bekommen sie nie mehr als sie selbst esssen können.
U 844 Die Bauern leisten Tagewerke5 zum Hof
vier Tage in der Woche, drei Tage mit Ochsen und den vierten mit einem Paar Pferde, wenn die Zeit ist, den Acker zu pflügen sowie zur Heu- und Eerntezeit.
Aber im Winter fahren sie nur einen Tag in der Woche.
Im Jahr1704 wurde das Dorf Breechen revidiert und wie folgt befunden
Das Feld C
Ca zwei Stücke des wüsten Ackers Da aufgebrochen, sind etwas niedrig und grober Sandboden, der jedes dritte Jahr besät wird 10M
Das Feld B
Bd zwei Stücke zu Dc, aufgebrochen, sind sandig-humos, etwas lehmvermischt und dreischlägiger Acker 5M 105R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Da
kann als Acker aufgebrochen werden ist grob sandiger Boden, etwas niedrig und
kaltgründig.
Db
kann nicht als Acker genutzt werden, ist sehr niedrig, bültig und überall sind großen
Steine.
Dc
ist mit Büschen bewachsen, doch könnte es mit der Zeit wohl als Acker aufgebrochen
werden.
Summe
NeuerAcker: 15M 105R
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Die Regierungsepoche der pommerschen Herzöge wird in der Beschreibung häufig als die herzogliche Zeit oder die Zeit der Herzöge bezeichnet und es bezieht sich auf einen Zeitraum vor 1637, dem Jahr, in dem der letzte pommersche Herzog Bogislaw XIV. kinderlos starb. Mit seinem Tod endete in Pommern die Zeit, in der es von einem Fürsten aus dem pommerschen Greifengeschlecht regiert wurde und die Schweden in den Gebieten westlich der Oder die Herrschaft übernahmen. Wachowiak, Bogda: Das vereinigte Herzogtum Pommern (bis 1648). In: Piskorski, Jan M. (Hg.): Pommern im Wandel der Zeiten. Stettin 1999. S. 153 f.
3 Die Familie von Normann (auch Narmann, Nahrmann und Norrmann) zählte zu den ältesten Adelsgeschlechtern auf der Insel Rügen und im Gebiet des Herzogtums Pommern-Wolgast. Sie hatten Güter u.a. im Gebiet von Rügen, Anklam, Grimmen und Demmin. Bereits im 13. Jahrhundert zählten sie zum auf Rügen gesessenen Adel und über pommersche Grenzen hinaus waren Teile der Familie in späterer Zeit auch in Dänemark, Schweden, Schlesien, Ostpreußen, Mecklenburg, Württemberg u.a. ansässig. Normann. In: Kneschke, Ernst Heinrich (Hg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon. Bd. 6, Leipzig 1865. S. 527ff.
4 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
5 Tagewerk, „die Handarbeit, die Tagelöhner oder Fröhner jeden Tag zu verrichten haben.“ Krünitz, Oekonomische Encyklopädie, Bd. 188, Berlin 1846, Sp. 64.