Beschreibung des Dorfes Dambeck1
Dambeck liegt im Distrikt Wolgast zweieinhalb Meilen von Anklam, aber eineinhalb Meilen von Greifswald entfernt. Der große Landweg führt hier an der Ostseite des Dorfes vorbei, ungefähr 200 Ellen davon quer über die Feldmark. Der Ort grenzt an Költzin, Klein-Kiesow, Strellin, Thurow, Rantzin und Gribow. Hier sind insgesamt 30 Landhufen, wovon die Hälfte Ritterland ist und nicht steuerpflichtig, aber die anderen 15 sind steuerpflichtig. Darauf haben früher fünf Bauern gewohnt, jeder drei Hufen. Außer diesen waren hier fünf Kossaten2 , die kein anderes Land als ihre Ackerwurten3 bei den Häusern hatten. Der rechtmäßige Besitzer hierzu ist von Owstin auf Quilow, der es von seinen Vorfahren geerbt hat. Nun hat es Herr Fridenberg, Professor in Greifswald, als Unterpfand. Sie versteuern für drei reduzierte Hufen4 und drei Morgen. Ihre Kirche ist in Gützkow.
Namen der Einwohner
1 . Cobs
Junck, Verwalter, gibt jährlich 200
Rthl Pacht.
2 . Stoffer
Döring, Kossate, hat eine
Hakenhufe.
3 . Paul
Pauls, Kossate, hat eine
Hakenhufe.
4 . Michael
Prestman hat eine Hakenhufe.
5 . Clas
Pinno, Müller, hat zwei Morgen Land in
jedem Schlag.
Einlieger
6 . Mathen
Döring, Einlieger.
7 . Ein Haker.
8 . Hans
Barnfür.
9 . Johan
Hilbrant, Kuhhirte.
Hier steht die Ruine einer Kirche.
Arealausrechnung von Dambeck
Ackerfeld A oder dasRoggenfeld
[A]
114M 240R
Aa
guter Sandhumus, etwas hoch liegend doch eben
59M 180R
Ab
tief liegender, sandiger Humus, je näher an der Wiese desto sandiger
36M 150R
Ac
mittelmäßig guter Sandhumus, etwas steinvermischt
18M 210R
B. Das Kornfeld
[B]
99M
Ba
durchschnittlich guter Sandhumus, etwas höher gelegen doch ziemlich ebener Acker, ausgenommen dass er an der Ostseite zur Wiese abfallend ist, wovon der
Acker nah bei der Wiese ein schmaler Streifen von 30 Ellen Breite ist,
mit schwarzem Lehm vermischt
71M 180R
U 931 Bb
Sand etwas lehmvermischt
12M 120R
Bc
durchschnittlich guter Sandhumus, am Nordostende beim wüsten Acker
hoch liegend, aber auf der anderen Seite niedriger
15M
C. DasBrachfeld
[Ca-Cc]
87M 270R
[D]
4M 120R
[E]
60R
Ca
durchschnittlich guter Sandhumus, hoch liegendes Land, aber führt an den Seiten etwas steil
hinab
53M 270R
Cb
mit Steinen vermischter, schwacher Sandhumus
6M
Cc
etwas schwacher Sandhumus, durchschnittlich liegender, ebenerAcker
28M
D
kleine Ackerkampen beim Dorf, sind guter Sandhumus
4M 120R
E
südöstlich von o Sandhumus, gehört zu Gribow
60R
E. Wüster Acker
[Wüster Acker gesamt]
344M 30R
Ea
ebener und unbewachsener wüster Acker, der teilweise aufgebrochen
werden kann, ist mit Heide bewachsen
330M 120R
Eb
mit einigen Kiefernbüschen bewachsener wüster
Acker
11M
wüster Acker, der zwischen Thurow und Dambeck strittig ist
2M 210R
Wiese
[F]
[Ertrag:] 82 Heufuder
55M 140R
Fa
durchschnittlich tragende, ebene Wiese, ist einem sehr sumpfigen
und tiefen Schlammboden
24M 120R
Fb
sehr sumpfiger und tiefer Schlammboden, meistenteils eben, nur am Südende etwas mit Busch bewachsen
31M 120R
Heufuder kann man einen oder eineinhalb überhaupt auf jeden Morgen
rechnen. Denn was in Fa mehr beträgt, ist soviel weniger in Fb.
G.Weideland
[G]
105M 270R
Ga
sumpfiges und niedriges Weideland mit Heide bewachsen
11M 180R
Gb
sumpfige, ebene Viehweide, mittelmäßig gut
86M 210R
Gc
eine Pferdekoppel beim Dorf mit Eichen, Espen, Erlen etc. bewachsen
7M 180R
Moraste
[H]
11M 150R
H
kleine Moraste sind zu nichts geeignet, sind nur an den Rändern
11M 150R
Wald
[Wald insgesamt]
179M 270R
J
hoch liegendes Heideland mit Eschen, Eichen etc. bewachsen, war früher Acker gewesen
11M 180R
K
sumpfiger, morastiger Boden mit Erlen und Weiden bewachsen
38M
L
sumpfiger, bewachsener Boden, ist zwischen Thurow und Dambeck strittig
1M 120R
M
der Fridboer Kamp ist ein schöner Eichenwald auf dem festen Land, von dem Glöden von Gribowdie Hälfte mit dem Besitzer Dambecks in Besitz hat
110M 30R
N
festes Land mit kleinem Eichen- und anderem Laubwald darauf, gehört ihnen auch zur Hälfte
10M 180R
ebenso morastiges Land mit Erlenbüschen, gehört zur Hälfte
Gribow
8M 60R
Hofstellen
[Hofstellen insgesamt]
15M
Obst- undGemüsegärten
270R
wüste Hofstelle
4M 60R
Hof undWegstücke
9M 270R
Summe
Acker: 306M 90R
Wüster Acker: 344M 30R
Wiese: 55M
140R
Heufuder: 82 Heufuder
Weideland: 105M 270R
Moraste: 11M
150R
Wald: 179M 270R
Hofstellen: 15M
Annotationen von Dambeck
Über denAcker
Die Bodenart des Ackers ist durchweg sandig, die in nassen Jahren ziemlich gut Saat trägt, aber wenn sehr heiße Jahre
sind, will es nicht solche Art haben. In durchschnittlichen Jahren kann man von einem Sch Roggen sechs bis
sieben Sch wiederbekommen, aber Gerste nicht mehr als vier. Im Feld A hat der Verwalter vergangenes Jahr 18 Drömt Roggen gesät, Sommergerste wird etwas mehr
gesät, wenn alles besät wird. Aber jetzt lassen sie immer etwas davon liegen, was im Sommerfeld am schlechtesten ist.
Die Bauern haben fünf Morgen in jedem Feld, jeder beläuft sich auf drei Sch 15 Sch pro Morgen.
Der Verwalter sät in das Feld B zwei Last Roggen, in das Feld 14 Drömt, Hafer will hier nicht wachsen.
Der wüste Acker ist wohl hier und da etwas hügelig,
doch er kann dazwischen zum größten Teil aufgebrochen werden.
Wiese
Die Wiesen sind sehr sumpfig und tief, dazu eisenrostig, wie sie sagen, denn das Wasser kann nicht absickern, sondern bleibt auf der Wiese liegen und wird sauer. Fa sind ziemlich gute Wiese, aber Fb ist nicht ertragreich. Diese ist auch zum Südende etwas mit Busch bewachsen. Sie sagen, sie bekommen hier insgesamt 40 Fuder Heu.
R 990Weideland
Weideland ist hier ziemlich gut und soviel wie sie für das Vieh des Dorfes bedürfen. Der Pächter hält 40 Stück Großvieh, außer kleinem, davon acht Ochsen, die für die
Ackerbewirtschaftung gehalten werden, und zwölf Zugpferde, außer denen, die jung sind.
Jeder Bauer hat zwei Ochsen und zwei Pferde, die Schafherde besteht aus 500 Schafen, davon gehören dem Schäfer 100 sowie
dem Knecht vier Stiegen oder 80.
Dienste und Abgaben
Die Bauern dienen jede Woche vier Tage, drei Tage mit
Ochsen zum Haken und den vierten Tag zu Fuß5 . Aber in der Saatzeit dienen sie alle vier Tage mit Ochsen und in der Heu und Getreideernte dienen sie nur alle vier Tage selbst zu
Fuß.
Der Verwalter gibt 200 Rthl Pacht, wie bereits gesagt
wurde.
Kopfsteuer6 vergangenes Jahr zehn Rthl.
Personensteuer7 zwei Rthl 40 ß.
Septima 23 ß.
Im Jahr 1704 wurde das Dorf Dambeck revidiert und wie folgt befunden
Im Feld A
Ad zwei Stücke des wüsten Ackers Ea ist Sandboden und dreischlägigerAcker 1M 75R
Im Feld C
[Cd-Cf]
5M 135R
Cd
ein Stück des wüsten Ackers Ea, ist Sandland, das jedes vierte
oder fünfte Jahr einmal besät werden kann
1M 15R
Cf
zwei Stücke sind Sandhumus, des wüsten Ackers Ea, aber etwas
lehmvermischt, liegen in drei Schlägen
4M 120R
Das Feld D
Dd
drei Stücke Sandboden und dreischlägiger Acker des wüsten Ackers Ea, aufgebrochen
2M
Über das wüste Land
Ea1
umfasst acht Morgen 240 Ruten, die, wie der Verwalter sagt, als
Acker unbrauchbar sind, es sind hohe Sandberge und tiefe Senken.
Ea2
umfasst acht Morgen 270 Ruten, der Verwalter sagt, sie seien
nicht zur Kultur geeignet, es ist ziemlich niedrig und sandig.
Eb
ist als Acker unbrauchbar, ist niedrig und mit kleinen Büschen bewachsen.
RRev 267
URev 396 Eb3
ist zur Kultur geeignet, aber es ist sandig und ein wenig niedrig, umfasst einen Morgen 240
Ruten.
Der übrige wüste Acker Ea kann insgesamt als Acker
bewirtschaftet werden, an einigen Stellen ist er jedoch etwas niedrig und an anderen Stellen höher gelegen und sandig
Summe
NeuerAcker: 8M 210R
1 Wurde laut Urwchrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
3 Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist. Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.
4 Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.
5 Dienste, die zu Fuß verrichtet werden. Dazu zählen besonders Fron- und Hofdienste, sowie Gänge, die geleistet werden müssen. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 15, Berlin 1778, Sp. 543.
6 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.