Beschreibung über Kuntzow im Distrikt Wolgast1
Dieses Dorf Kuntzow soll von Beginn an und seit uralten Zeiten ein Adelsgut gewesen sein und gehörte der Familie Drakarna. Und seit die Familie gänzlich verstorben ist kam das Gut zunächst unter herzogliche2 Gewalt, dann ist es für 15.000 vorpommersche Gulden, was 7.500 Rthl entspricht, weiterverkauft worden an einen herzoglichen Kammerherren mit Namen Norman3 . Nach dessen Tod hat das Dorf seinen Erben gehört, das waren seine ersten beiden Töchter, wovon eine den Adligen Heiden heiratete. An diesen gab Corswant, ein Bürger aus Greifswald, vor drei Jahren 7.800 Gulden darauf, um das Dorf zu besitzen, bis er sein Geld erhält.Das gesamte Dorf besteht aus 20 Hufen, ob Land- oder Hakenhufen wissen sie nicht. Davon sollen elf oder zwölf Hufen Ritterland sein. Hier ist nur ein Gut oder Adelssitz, und nun seit drei Jahren wohnen hier nur drei Bauern, aber wieviele hier früher gewesen sind, weiß man nicht. Das Dorf gehört zum Kirchspiel Gützkow. Es grenzt im Osten an Bandelin, im Norden an Schmoldow und Gargenow, im Westen fließt die Peene vorbei, im Süden grenzt es an Neuendorf.
Namen der Einwohner
1 . Corswant, der das Dorf als Unterpfand hat.
| 2 . Michael
Seefart 3 . Ernst Bärnt |
Diese sind Bauern und haben jeder eine halbe Hufe |
4 . Kleine Hofstelle, die kein Bauer besitzt, sondern von Corswant bewirtschaftet wird. Jedoch ist dieses eine rechte Bauernstelle mit soviel Acker dabei wie bei den anderen.
Einlieger
5 . David Hogenberg,
Kuhhirte.
6 . David Kydback,
Schäfer.
| 7 . Johan
Manson 8 . Jörgen Blom |
Häker, wohnen bei Corswant auf dem Gut |
9 . Eine alte Kapelle.
R 931 U 854Arealausrechnung von Kuntzow
[Acker insgesamt] 216m 30R
A. Ist das Roggenfeld
Aa
durchschnittlich guter, lehmvermischter Humus neben dem Acker
50M 240R
Ab
Sand humusvermischt, hoch liegender Acker
5M 150R
Ac
tief liegender Humus
9M 60R
B. Das Korn- oder das Sommerfeld
B das Sommerfeld besteht aus durchschnittlichem, lehmvermischtem Humus, ebener Acker 70M
C. Das Brachfeld
Ca
hoch gelegener, guter Lehmhumus
21M
Cb
etwas niedriger, lehmvermischter Humus, je näher am Fluss, desto niedriger
27M 60R
Cc
Lehmhumus mit kleinen Steinen und Sand vermischt
23M 240R
Cd
schwacher, sandvermischter Lehmhumus, nicht besonders ertragreicher Acker
8M 180R
Wüster Acker
[D]
124M 180
Da
flacher, wüster Acker mit Heide bewachsen, meistenteils brauchbar, um aufgebrochen zu
werden
106M 180R
Db
hoch liegendes Heideland, das früher Acker gewesen war, aber ist beinahe ungeeignet, um
aufgebrochen zu werden, weil es meistenteils aus Sand besteht
12M 180R
R 932 Dc
wüster Acker mit Busch bewachsen und zumeist ungeeignet, aufgebrochen zu werden
5M 180R
Wiese
[E]
[Ertrag] 79 Heufuder
48M 90R
Ea
Wiesenecken im Acker, feste Wiese, trägt gutes Gras
20M 240R
Eb
Wiese mit etwas bloßem und sumpfigem Grund, jedoch gute und ertragreiche Wiese
11M 60R
Ec
flache, sumpfige Wiese an der Peene , trägt langes
und gutes Gras
16M 60R
Weideland
[F]
80M 150R
Fa
an der Grenze zu Bandelin ist sumpfiges Weideland, ein Teil mit kleinen Erlenbüschen
bewachsen
41M 60R
Fb
sumpfiges, morastiges Weideland, am Grenzfluss mit Erlen, Eichen, Birken etc.
bewachsen
7M 240R
Fc
bei der Grenze zu Neuendorf, flaches und etwas sumpfiges Weideland
11M
Fd
hohe, sandige Heidehügel, die nur als Weide geeignet sind
20M 152R
Ga Fischteiche östlich des Gutes, so weit die Peene hier an der Feldmark vorbeiläuft 4M 180R
Hof- und Wegstellen
[Hof- und Wegstellen insgesamt]
16M 240R
kleine Koppeln mit einigen großen Eschen sowie Birnen- und Apfelbäumen
4M 210R
Hof- und Wegstellen ergeben
12M 30R
Summe
Acker: 216M 30R
Wüster Acker: 124M 180R
Wiese: 48M 90R
Heufuder: 79 Heufuder
Weideland: 180M 150R
Fischgewässer: 4M 180R
Hofstellen: 16M 240R
Annotationen von Kuntzow
Über den Acker
Dieser Acker hier ist von der gleichen Beschaffenheit wie der des nächsten angrenzenden Hofes Neuendorf, denn der Acker liegt
zumeist tief, aber ebenso flach. Das Feld C, das in diesem Jahr das Brachfeld war, ist das größte Feld und an der nördlichen
Seite hoch liegend, aber an der anderen Seite liegt es tiefer. In dieses Feld kann Corswant 14 Drömt Roggen säen, außerdem
sät er einige Scheffel Weizen, aber dann wiederum sät er weniger Roggen. Die anderen beiden Felder sind überall flach, meistenteils
von einerlei Bodenart, wie die Ausrechnung ausweist. In jedes der anderen beiden Felder werden auf Corswants Anteil zwölf
Drömt gesät. Bei jedem der drei Bauernhöfe sind es 14 Scheffel Wintersaat, aber 16 Sch mit Gerste und Hafer in der Sommersaat.
Wenn wasserreiche Jahre sind, nimmt der Acker reichlich Schaden bei den sumpfigen Wiesenflecken, die hier und da im Acker
liegen, da Unkraut gern im Roggen wachsen will.
Der wüste Acker ist überall mit Heide bewachsen, zum größten Teil sehr geeignet, aufgebrochen zu werden. Ausgenommen das,
was im Osten des Dorfes liegt und in der Ausrechnung als sandig beschrieben steht.
Wiese
Die Wiese, die an der Peene liegt ist wohl eine ertragreiche Wiese mit langem Gras, aber daneben sehr sumpfig. Deshalb wird in nassen Jahren das Gras machnmal verdorben und von den Wasserfluten fortgeschwemmt. Die anderen Wiesenflecken, die neben und im Acker liegen, sind etwas sumpfig, aber sehr ertragreich mit reichlichem und gutem, zartem Gras. In durchschnittlichen Jahren bekommt Corswant 30 Fuder Heu. Bei jedem Bauernhof können auch drei Fuder geernetet werden, ergibt zusammen 39 Heufuder.
Weide und Vieh
Für ihr Vieh können sie notdürftig Weide haben, sowohl für das Groß- als auch für das Kleinvieh, weil außer dieser, die Wiesenflecken,
die recht als Weide genutzt werden, ziemlich ertragreich sind. So sind die Wiesenflecken von fester Weide, dass sich das Vieh,
wenn diese gemäht sind, an dem stehenbleibenden Gras bedienen kann. Corswant hält für die Ackerbewirtschaftung acht Ochsen
und sechs Pferde, im Winter und Sommer 40 Stück Vieh und 400 Schafe. Die Bauern haben jeder ein Paar Ochsen für die Ackerbewirtschaftung,
zwei Kühe und vier Schafe.
Die Bauer dienen fünf Tage in der Woche, drei Tage mit einem Paar Ochsen und zwei Tage mit einem Knecht zu Fuß.4
Messkorn5 gibt Corswant zehn Sch Roggen und zehn Sch Hafer sowie einen halben Rthl für Eier und Wurst. Die Bauern geben jeder einen
Sch Roggen und einen Sch Hafer.
Im Jahr1704 wurde das Dorf Kuntzow revidiert und wie folgt befunden
Seit der vorigen Vermessung findet man hier nichts verändert. Was den wüsten Acker angeht so wird Da als zur Kultur geeignet
befunden, aber die
Einwohner sagen, sie können es nicht als Weide missen. Es besteht zum größten Teil aus Sandboden.
Da1
ist zur Kultur nicht geeignet, weil es niedrig ist und das Wasser darauf steht. Es umfasst
19 Morgen und 240 Ruten. [ 19M 240R]
Db
ist als Acker ungeeignet sagen die Bauern, denn es ist hoch gelegen und von klarem
Sand.
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Die Regierungsepoche der pommerschen Herzöge wird in der Beschreibung häufig als die herzogliche Zeit oder die Zeit der Herzöge bezeichnet und es bezieht sich auf einen Zeitraum vor 1637, dem Jahr, in dem der letzte pommersche Herzog Bogislaw XIV. kinderlos starb. Mit seinem Tod endete in Pommern die Zeit, in der es von einem Fürsten aus dem pommerschen Greifengeschlecht regiert wurde und die Schweden in den Gebieten westlich der Oder die Herrschaft übernahmen. Wachowiak, Bogda: Das vereinigte Herzogtum Pommern (bis 1648). In: Piskorski, Jan M. (Hg.): Pommern im Wandel der Zeiten. Stettin 1999. S. 153 f.
3 Die Familie von Normann (auch Narmann, Nahrmann und Norrmann) zählte zu den ältesten Adelsgeschlechtern auf der Insel Rügen und im Gebiet des Herzogtums Pommern-Wolgast. Sie hatten Güter u.a. im Gebiet von Rügen, Anklam, Grimmen und Demmin. Bereits im 13. Jahrhundert zählten sie zum auf Rügen gesessenen Adel und über pommersche Grenzen hinaus waren Teile der Familie in späterer Zeit auch in Dänemark, Schweden, Schlesien, Ostpreußen, Mecklenburg, Württemberg u.a. ansässig. Normann. In: Kneschke, Ernst Heinrich (Hg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon. Bd. 6, Leipzig 1865. S. 527ff.
4 Dienste, die zu Fuß verrichtet werden. Dazu zählen besonders Fron- und Hofdienste, sowie Gänge, die geleistet werden müssen. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 15, Berlin 1778, Sp. 543.
5 Kirchenkorn oder Priesterkorn