R 930   U 853 

Beschreibung über Kuntzow im Distrikt Wolgast1 

Dieses Dorf Kuntzow soll von Beginn an und seit uralten Zeiten ein Adelsgut gewesen sein und gehörte der Familie Drakarna. Und seit die Familie gänzlich verstorben ist kam das Gut zunächst unter herzogliche2  Gewalt, dann ist es für 15.000 vorpommersche Gulden, was 7.500 Rthl entspricht, weiterverkauft worden an einen herzoglichen Kammerherren mit Namen Norman3 . Nach dessen Tod hat das Dorf seinen Erben gehört, das waren seine ersten beiden Töchter, wovon eine den Adligen Heiden heiratete. An diesen gab Corswant, ein Bürger aus Greifswald, vor drei Jahren 7.800 Gulden darauf, um das Dorf zu besitzen, bis er sein Geld erhält.Das gesamte Dorf besteht aus 20 Hufen, ob Land- oder Hakenhufen wissen sie nicht. Davon sollen elf oder zwölf Hufen Ritterland sein. Hier ist nur ein Gut oder Adelssitz, und nun seit drei Jahren wohnen hier nur drei Bauern, aber wieviele hier früher gewesen sind, weiß man nicht. Das Dorf gehört zum Kirchspiel Gützkow. Es grenzt im Osten an Bandelin, im Norden an Schmoldow und Gargenow, im Westen fließt die Peene vorbei, im Süden grenzt es an Neuendorf.

Namen der Einwohner

1 . Corswant, der das Dorf als Unterpfand hat.

2 . Michael Seefart
3 . Ernst Bärnt
Diese sind Bauern und haben jeder eine halbe Hufe

4 . Kleine Hofstelle, die kein Bauer besitzt, sondern von Corswant bewirtschaftet wird. Jedoch ist dieses eine rechte Bauernstelle mit soviel Acker dabei wie bei den anderen.

Einlieger

5 . David Hogenberg, Kuhhirte.
6 . David Kydback, Schäfer.

7 . Johan Manson
8 . Jörgen Blom
Häker, wohnen bei Corswant auf dem Gut

9 . Eine alte Kapelle.

 R 931   U 854 

Arealausrechnung von Kuntzow

[Acker insgesamt]   216m 30R

A. Ist das Roggenfeld

Aa  durchschnittlich guter, lehmvermischter Humus neben dem Acker  50M 240R
Ab  Sand humusvermischt, hoch liegender Acker  5M 150R
Ac  tief liegender Humus  9M 60R

B. Das Korn- oder das Sommerfeld

B  das Sommerfeld besteht aus durchschnittlichem, lehmvermischtem Humus, ebener Acker  70M

C. Das Brachfeld

Ca  hoch gelegener, guter Lehmhumus  21M
Cb  etwas niedriger, lehmvermischter Humus, je näher am Fluss, desto niedriger  27M 60R
Cc  Lehmhumus mit kleinen Steinen und Sand vermischt  23M 240R
Cd  schwacher, sandvermischter Lehmhumus, nicht besonders ertragreicher Acker  8M 180R

 U 855 

Wüster Acker

[D]   124M 180
Da  flacher, wüster Acker mit Heide bewachsen, meistenteils brauchbar, um aufgebrochen zu werden  106M 180R
Db  hoch liegendes Heideland, das früher Acker gewesen war, aber ist beinahe ungeeignet, um aufgebrochen zu werden, weil es meistenteils aus Sand besteht  12M 180R
 R 932 Dc  wüster Acker mit Busch bewachsen und zumeist ungeeignet, aufgebrochen zu werden  5M 180R

Wiese

[E]  [Ertrag] 79 Heufuder  48M 90R
Ea  Wiesenecken im Acker, feste Wiese, trägt gutes Gras  20M 240R
Eb  Wiese mit etwas bloßem und sumpfigem Grund, jedoch gute und ertragreiche Wiese  11M 60R
Ec  flache, sumpfige Wiese an der Peene , trägt langes und gutes Gras  16M 60R

 U 856 

Weideland

[F]   80M 150R
Fa  an der Grenze zu Bandelin ist sumpfiges Weideland, ein Teil mit kleinen Erlenbüschen bewachsen  41M 60R
Fb  sumpfiges, morastiges Weideland, am Grenzfluss mit Erlen, Eichen, Birken etc. bewachsen  7M 240R
Fc  bei der Grenze zu Neuendorf, flaches und etwas sumpfiges Weideland  11M
Fd  hohe, sandige Heidehügel, die nur als Weide geeignet sind  20M 152R

Ga  Fischteiche östlich des Gutes, so weit die Peene hier an der Feldmark vorbeiläuft  4M 180R

Hof- und Wegstellen

[Hof- und Wegstellen insgesamt]   16M 240R
Symbol 27  kleine Koppeln mit einigen großen Eschen sowie Birnen- und Apfelbäumen  4M 210R
Symbol 29  Hof- und Wegstellen ergeben  12M 30R

Summe

Acker: 216M 30R
Wüster Acker: 124M 180R
Wiese: 48M 90R
Heufuder: 79 Heufuder
Weideland: 180M 150R
Fischgewässer: 4M 180R
Hofstellen: 16M 240R

 R 933   U 857 

Annotationen von Kuntzow

Über den Acker

Dieser Acker hier ist von der gleichen Beschaffenheit wie der des nächsten angrenzenden Hofes Neuendorf, denn der Acker liegt zumeist tief, aber ebenso flach. Das Feld C, das in diesem Jahr das Brachfeld war, ist das größte Feld und an der nördlichen Seite hoch liegend, aber an der anderen Seite liegt es tiefer. In dieses Feld kann Corswant 14 Drömt Roggen säen, außerdem sät er einige Scheffel Weizen, aber dann wiederum sät er weniger Roggen. Die anderen beiden Felder sind überall flach, meistenteils von einerlei Bodenart, wie die Ausrechnung ausweist. In jedes der anderen beiden Felder werden auf Corswants Anteil zwölf Drömt gesät. Bei jedem der drei Bauernhöfe sind es 14 Scheffel Wintersaat, aber 16 Sch mit Gerste und Hafer in der Sommersaat. Wenn wasserreiche Jahre sind, nimmt der Acker reichlich Schaden bei den sumpfigen Wiesenflecken, die hier und da im Acker liegen, da Unkraut gern im Roggen wachsen will.
Der wüste Acker ist überall mit Heide bewachsen, zum größten Teil sehr geeignet, aufgebrochen zu werden. Ausgenommen das, was im Osten des Dorfes liegt und in der Ausrechnung als sandig beschrieben steht.

 R 934   U 858 

Wiese

Die Wiese, die an der Peene liegt ist wohl eine ertragreiche Wiese mit langem Gras, aber daneben sehr sumpfig. Deshalb wird in nassen Jahren das Gras machnmal verdorben und von den Wasserfluten fortgeschwemmt. Die anderen Wiesenflecken, die neben und im Acker liegen, sind etwas sumpfig, aber sehr ertragreich mit reichlichem und gutem, zartem Gras. In durchschnittlichen Jahren bekommt Corswant 30 Fuder Heu. Bei jedem Bauernhof können auch drei Fuder geernetet werden, ergibt zusammen 39 Heufuder.

Weide und Vieh

Für ihr Vieh können sie notdürftig Weide haben, sowohl für das Groß- als auch für das Kleinvieh, weil außer dieser, die Wiesenflecken, die recht als Weide genutzt werden, ziemlich ertragreich sind. So sind die Wiesenflecken von fester Weide, dass sich das Vieh, wenn diese gemäht sind, an dem stehenbleibenden Gras bedienen kann. Corswant hält für die Ackerbewirtschaftung acht Ochsen und sechs Pferde, im Winter und Sommer 40 Stück Vieh und 400 Schafe. Die Bauern haben jeder ein Paar Ochsen für die Ackerbewirtschaftung, zwei Kühe und vier Schafe.
Die Bauer dienen fünf Tage in der Woche, drei Tage mit einem Paar Ochsen und zwei Tage mit einem Knecht zu Fuß.4 
Messkorn5  gibt Corswant zehn Sch Roggen und zehn Sch Hafer sowie einen halben Rthl für Eier und Wurst. Die Bauern geben jeder einen Sch Roggen und einen Sch Hafer.

 RRev 259   URev 386 

Im Jahr1704 wurde das Dorf Kuntzow revidiert und wie folgt befunden

Seit der vorigen Vermessung findet man hier nichts verändert. Was den wüsten Acker angeht so wird Da als zur Kultur geeignet befunden, aber die Einwohner sagen, sie können es nicht als Weide missen. Es besteht zum größten Teil aus Sandboden.
Da1  ist zur Kultur nicht geeignet, weil es niedrig ist und das Wasser darauf steht. Es umfasst 19 Morgen und 240 Ruten. [ 19M 240R]
Db  ist als Acker ungeeignet sagen die Bauern, denn es ist hoch gelegen und von klarem Sand.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2010, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.

2  Die Regierungsepoche der pommerschen Herzöge wird in der Beschreibung häufig als die herzogliche Zeit oder die Zeit der Herzöge bezeichnet und es bezieht sich auf einen Zeitraum vor 1637, dem Jahr, in dem der letzte pommersche Herzog Bogislaw XIV. kinderlos starb. Mit seinem Tod endete in Pommern die Zeit, in der es von einem Fürsten aus dem pommerschen Greifengeschlecht regiert wurde und die Schweden in den Gebieten westlich der Oder die Herrschaft übernahmen.  Wachowiak, Bogda: Das vereinigte Herzogtum Pommern (bis 1648). In: Piskorski, Jan M. (Hg.): Pommern im Wandel der Zeiten. Stettin 1999. S. 153 f.

3  Die Familie von Normann (auch Narmann, Nahrmann und Norrmann) zählte zu den ältesten Adelsgeschlechtern auf der Insel Rügen und im Gebiet des Herzogtums Pommern-Wolgast. Sie hatten Güter u.a. im Gebiet von Rügen, Anklam, Grimmen und Demmin. Bereits im 13. Jahrhundert zählten sie zum auf Rügen gesessenen Adel und über pommersche Grenzen hinaus waren Teile der Familie in späterer Zeit auch in Dänemark, Schweden, Schlesien, Ostpreußen, Mecklenburg, Württemberg u.a. ansässig.  Normann. In: Kneschke, Ernst Heinrich (Hg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon. Bd. 6, Leipzig 1865. S. 527ff.

4  Dienste, die zu Fuß verrichtet werden. Dazu zählen besonders Fron- und Hofdienste, sowie Gänge, die geleistet werden müssen.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 15, Berlin 1778, Sp. 543.

5  Kirchenkorn oder Priesterkorn