Beschreibung des Hofes Upatel1
Der Hof Upatel liegt im Distrikt Wolgast und grenzt auf der Ostseite an die Stadt Gützkow, dann an Fritzow, Kölzin, Gribow,
Owstin und Pentin. Der Hof besteht aus 14 Hufen, die alle Landhufen sind und zu ein dreiviertel Hufen reduziert2 worden sind.
Der Superintendent Krakewitz, sagt man, habe dieses von einem Pommerschen Herzog3 bekommen, dessen Erben haben diesen dann einem Adligen Normann4 überlassen, der an sie eine Forderung hatte, weshalb er jetzt wieder reduziert worden ist. Leborius Wilde,5 ein Pächter aus Fritzow, hat den Hof auch in Pacht.
Dieser gehört wie Fritzow zum Kirchspiel Gützkow.
Namen der Einwohner
1 . Ernst
Petters, Knecht.
2 . Petter
Wolter, Häker.
3 . Hindrik
Moritz, Häker.
4 . Christian
Wulf, Schäfer.
Anmerkung: Nach Auskunft der Bauern in Kölzin sollen hier in Upatel fünf Bauern gewohnt haben,
jeder hatte einen Vollbauernhof. Davon gehörte einer der Kirche in Gützkow, der dann von dem Superintendenten Krakewitz für
100
Gulden verkauft wurde.
Arealausrechnung des Hofes Upatel
[Acker insgesamt] 177M 90R
A. Das Roggenfeld besteht aus:
Aa guter lehm-humosiger Boden, etwas sandvermischt hier und da; eben, etwas hügelig und an den Wiesenecken sowie den Morasten fällt der Acker steil ab 59M 240R
B. Das Kornfeld
Ba
ziemlich guter jedoch sandvermischter Humus
25M 150R
Bb
mittelmäßiger Sandhumus, an einigen Stellen steinvermischt
28M 210R
Das Brachfeld
Cb
guter, lehmiger Humus, etwas hoch gelegen
21M 270R
Ca
sandvermischter Acker, durchschnittlich gut
41M 120R
K. Wüster Acker
[K]
68M
Ka
ebener mit Heide bewachsener wüster Acker, ist zum größten Teil etwas tief gelegen
65M 30R
Kb
sumpfiger, wüster Acker, etwas bültig, mit Heide bewachsen
2M 270R
L. Wiese
[L]
[Ertrag] 32 Heufuder
22M 150R
La
ebene und sumpfige Wiese, gibt in durchschnittlichen Jahren eineinhalb Fuder pro
Morgen
8M 30R
Lb
sumpfige Wiese mit etwas Busch bewachsen, gibt 20 Fuder Heu
14M 120R
Weideland
[M]
62M 60R
Ma
sumpfiges Weideland mit Erlenbüschen bewachsen
31M 150R
Mb
sumpfiger, morastiger Boden, der auch als Weide genutzt werden kann, ist mit Erlenwald
sowie einigen Eichen bewachsen
81M 60R
R 1031
U 920 Mc
unbewachsenes Heideland, wird als Weide genutzt
1M 90R
Ms
buschige Heidehügel
2M
Md
ebener, sumpfiger Boden beim wüsten Acker
6M 60R
Morast
N ungeeigneter, ebener Morast 9M
Fischgewässer
Teiche mit kleinen Fischen darin
180R
Hofstellen
[Hofstellen insgesamt]
6M 270R
Hof- und Wegstellen
5M 180R
wüste Hofstellen mit einigen ertragreichen Bäumen
1M 90R
Summe
Acker: 177M 90R
Wüster Acker: 68M
Wiese: 22M 150R
Heufuder: 32 Heufuder
Weide: 62M 60R
Fischgewässer und Hofstellen: 7M 180R
Annotationen des Hofes Upatel
Der Acker
Der Acker ist in drei Felder oder Schläge aufgeteilt und besteht aus ziemlich gutem Boden, der von der gleichen Beschaffenheit ist, wie der Acker in Fritzow, dass die Saat hier in nassen Jahren besser wächst als in trockenen. Auf einen Morgen werden an Aussaat drei Sch Roggen und vier Sch Gerste gerechnet. Vergangenes Jahr hat er in das Feld A zwei Last Roggen gesät, aber in das Feld B säte er nur vier Drömpt und fünf einhalb Drömt Hafer. Das Brachfeld hat er noch nicht besät, seit er es übernommen hat.
Wüster Acker
Der wüste Acker ist wohl schlechter als der aufgebrochene Acker, wie aus der Ausrechnung ersichtlich ist, jedoch so, dass er wohl aufgebrochen werden kann. Er ist eben und mit Heide bewachsen.
Wiese
Die Wiesen hier sind alle von gutem Graswuchs, jedoch etwas sumpfig, aber man kann auf jeden Morgen der Wiese, die eben ist, zwei Fuder rechnen U 922 ebenso von der Wiese Lb, die zu einem Teil mit Birken und Weidebüschen R 1033 bewachsen ist, die jedoch schließlich stehen um gerodet zu werden, bevor sie mehr verwurzeln. Der Verwalter berichtet, in durchschnittlichen Jahren bekämen sie insgesamt 20 brauchbare Fuder Heu.
Wald und Weide sowie Vieh
Das Weideland ist überall zumeist morastig mit Weidebüschen sowie mit einigen Eichen bewachsen. In trockenen Jahren sind besonders Ma und Mb ziemlich gut, Mb ist als Weide nicht sonderlich geeignet, weil es so dicht mit Büschen bewachsen ist und der Grund nicht gut Gras wachsen lässt. Ist aber mit gutem Brennholzaus Erlen bewachsen, so haben sie es nicht nötig, etwas Brennholz zu kaufen. Es werden 30 Kühe gehalten, zur Ackerbewirtschaftung vier Pferde, acht Ochsen. Schafe werden hier 300 Stück gehalten, doch können hier manchmal höchstens 350 gehalten werden.
Fischgewässer
In den Fischteichen sind nur einige kleine Fische, denn es gibt niemanden, der sich viel um sie kümmert.
Abgaben
Magazinkorn6 14 Sch Roggen jedes Jahr. Reitersteuer zwei Gulden 18 einhalb ß jeden Monat.
Der Pastor bekommt sieben Sch Roggen und sieben Sch Hafer.
Akzise7 jedes Vierteljahr für Upatel zusammen mit Fritzow fünf Rthl.
Viehsteuer8 für 100 Schafe 32 lß und 8 lß für eine Kuh, Ochsen oder Pferd.
Mit Kopf9 - und Viehsteuer ist er vergangenes Jahr auf 16 Rthl gekommen.
Im Jahr 1704 wurde das Dorf Upatel revidiert und wie folgt befunden
Im Feld A
Ab zwei Stücke des wüsten Ackers Ka aufgebrochen, ist hoch gelegenes Sandland, wird doch so oft besät wie das Feld und enthält 2M 210R
Im Feld B hat sich nichts verändert.
Im Feld C
Cc ein Stück tief liegender Sandboden, etwas humos, vom wüsten Acker Ka aufgebrochen 270R
Den wüsten Acker betreffend
Der wüste Acker Ka ist zumeist von einer Art nämlich Sand, etwas kaltgründig, könnte wohl aufgebrochen werden, aber die Einwohner geben vor, diesen nicht als Weide missen zu können. Doch an der Grenze zu Pentin ist eine Stelle mit besserem Boden, den der Pächter aufbrechen will.
Summe
Neuer Acker: 3M 180R
1 Wurde laut Urschrift von Johan Gabriel Höök vermessen.
2 Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.
3 Herzog Philipp Julius (1584-1625), von 1603 bis zu seinem Tod 1625 führte er die Regierung des Herzogtums Pommern-Wolgast. Wehrmann, Martin: Genealogie des pommerschen Herzogshauses. (Veröffentlichenungen der landesgeschichtlichen Forschungsstelle für Pommern. Bd. 1, H. 5) Stettin 1937. S. 130f.
4 Die Familie von Normann (auch Narmann, Nahrmann und Norrmann) zählte zu den ältesten Adelsgeschlechtern auf der Insel Rügen und im Gebiet des Herzogtums Pommern-Wolgast. Sie hatten Güter u.a. im Gebiet von Rügen, Anklam, Grimmen und Demmin. Bereits im 13. Jahrhundert zählten sie zum auf Rügen gesessenen Adel und über pommersche Grenzen hinaus waren Teile der Familie in späterer Zeit auch in Dänemark, Schweden, Schlesien, Ostpreußen, Mecklenburg, Württemberg u.a. ansässig. Normann. In: Kneschke, Ernst Heinrich (Hg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon. Bd. 6, Leipzig 1865. S. 527ff.
5 Leborius Wilde war Pächter von Nepzin.
6 Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.
7 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
8 Viehsteuer, auch Viehschatz genannt, ist in einigen Orten eine Abgabe für das Vieh, das gehalten wird. Adelung; Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, bd. 4, Wien 1811, Sp. 1196.
9 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.