Beschreibung des Adelsgutes Vargatz1
Vargatz liegt im Wolgaster Distrikt bei der Stadt Gützkow, und ist ein altes Lehen der Behrs. Martin Christoffer Behr lebt hier auf dem Gut und bewirtschaftet es. Ihm und seinen beiden Brüdern steht der Hof zu. Hier
sind
zwölf Landhufen Ritterland2 , doch kein steuerpflichtiger Acker vorhanden. Einst gab es hier zwei Rittersitze, doch nun gibt es nur noch den einen, den
Behr
bewohnt. Der andere ist völlig zerstört.
Dieser Ort grenzt an Gützkow, Wieck, Bandelin, Kammin und Dargezin. Er gehört zum
Kirchspiel Gützkow.
Namen der Einwohner
1 . Martin
Christopher Behr, der das Gut, von dem ihm ein Drittel gehört, bewirtschaftet. Das andere gehört seinen Brüdern. Einer davon,
ein alter Kapitän, lebt ebenfalls hier auf dem Gut
2 . Cnipke, Bauer, besitzt
zusammengerechnet 15 Morgen des Ritterlandes in allen drei Feldern, er ist ein Freimann
3 . und 4. Michel Struf und Michel
Wolter, Haker
5 . Lorent Petter, Haker
6 . Swen Månson, Kuhhirt
Arealausrechnung des Adelshofes Vargatz
[A,B,C] 191M 270R
A. ist Winterfeld
Aa , Durchschnittlich guter Humusboden, ein wenig sandhaltig, zur Wiese hin etwas abfallend
47M 150R
Ab , tief liegender Humus
2M 180R
Ac , schwarzer Humus, guter
Weizenacker
1M 120R
Ad , sandiger Humus, recht guter
Acker
22M 120R
B. Sommer- oder Gerstenfeld
Ba , Durchschnittlich guter Humusboden, etwas sandhaltig, je näher an der östlichen Seite je mehr, ist ebener Acker
50M 60R
Bb , steiniger und magerer
Sandhumus
10M 90R
C. Brachfeld
Ca , Sandiger Humus, etwas hügeliger Acker
42M 240R
Cb , etwas sandiger aber flacher
Humus
12M 60R
Cc , guter Humus
2M 210R
D. Wüster Acker
D , Flacher, mit Heide bewachsener wüster Acker, etwas sandiger als der bewirtschaftete Acker
48M 240R
E. Wiese
[E]
[Heuertrag] 57 Fuder,
56M 180R
Ea , Flache, feuchte Wiese, die
anderthalb Fuder gutes Gras pro Morgen trägt
38M 210R
Eb , feuchte Wiese, dicht mit Erlen,
Birken etc. bestanden, von ihr können fünf bis sechs Fuder geworben werden
17M 210R
Weideland
[F]
49M 30R
Fa , Buschiges feuchtes Weideland mit
Erlen, Birken, Weiden etc.
28M 30R
Fb , feuchte, flache Weide
4M
Fc , Heidehügel, lediglich als
Weideland nutzbar
8M
Fd , Pferdekoppel, teils flach, teils
bewachsen, teils auch feucht und teils fester Boden
9M
Wald
[G]
35M 90R
Ga , Schmaler und recht
durchschnittlich hoher Kiefernwald
7M 150R
Gb , Heidehügel, mit kleinen Eichen,
Kiefern, Espen, Birkenbüschen etc.
13M
Gc , bei der Grenze zu Gützkow
feuchter Morast, der mit Erlenbüschen bewachsen ist
H , kleine Moraste und Tümpel, die hier und dort liegen, sowohl baumlos als auch bewachsen
2M 60R
[Gesamt]
4M 150R
Obst- und Kräutergärten
2M
Hofstellen und Wegestücke 2M 150M
Ma , Kooschit ist ein Wald, der bei Behrenhoff liegt und halb hierher gehört und halb
zu Dargezin, er umfasst
212M 90R
Summe
Acker: 191M 270R
Wüster Acker: 48M 240R
Wiese: 56M 180R
Heufuder: 63
Weide: 49M 30R
Wald, Moraste und Tümpel: 35M 90
Hofstellen: 4M 150
Annotationen über Vargatz
Vom Acker
Der Acker ist in drei Felder oder Schläge verteilt, wovon immer eines nachfolgend brach liegt. Dieses Feld ist meist ebenso
fruchtbar, mit Ausnahme der Stellen im Acker, die etws sandiger sind, wie es die Ausrechnung ausweist. In das Brachfeld werden
zwölf Drömt Roggen und sechs Scheffel Weizen gesät, an Sommergetreide kommen etwa drei Scheffel auf jeden zweiten Scheffel
Roggen. Der Bauer, der im Sommerfeld fünf Morgen Acker hat, sät dort 20 Scheffel Gerste, vier in jeden Morgen. In das Winterfeld
können 16 Drömt Roggen, ein Drömt Weizen, in das Sommerfeld 14 Drömt und sechs Scheffel Weizen gesät werden. Wenn man überall
den schlechteren Acker zusammen mit dem besseren rechnen will, kann man aus einem Scheffel Aussaat vier zurück bekommen.
Der wüste Acker ist überall eben und flach und mit Heide bewachsen, so dass er durchaus als Acker aufgebrochen werden könnte.
Wiese
Die Wiesen sind von feuchtem Grund, tragen aber reichlich recht gutes Gras. Sie werden zwei Jahre pro Schlag gemäht, doch den dritten lassen sie in der Nähe des Ackers für die Weidehaltung liegen. Wenn A und B beide in der Saat sind, können sie deshalb in durchschnittlichen Jahren 20 bis 30 Fuder Heu erhalten, doch wenn das Brachfeld C auch besät ist, können sie noch zehn Fuder mehr als gewöhnlich erhalten.
R 982 U 906Weide
Die Viehweide ist recht gut, doch zumeist feucht und mit Büschen bewachsen. Darüberhinaus sind ihnen die Wiesen eine große Hilfe, die hier für die Weidehaltung liegen gelassen werden, da sie so liegen, dass das Vieh allenthalben darüber laufen kann. Der Adlige hält gewöhnlich 14 Milchkühe sowie Kleinvieh und sechs Paar Pferde und sechs Paar Ochsen für den Ackerbau. An Schafen können hier 350 Stück gehalten werden, doch im Augenblick sind keine hier.
Wald
Im Kieferwald, der hier steht, wird nur selten Holz geschlagen, es sei denn, es wird als kleines Bauholz benötigt. Hier gibt es soviel anderen Niederwald aus Erlen und Birken etc., mit dem sie sich über den Sommer behelfen. Im Winter jedoch fällen sie Holz auf der Heide Kooschit bei Behrenhoff, wovon die Hälfte des Holzrechts sowie des Rechts, Wildschweine zu jagen, hierher gehört.
Die Wassermühle
Die Wassermühle, die hier an der Grenze zu Dargezin liegt, gehört zur Hälfte hierher. Der Müller gibt nun zehn Drömt Roggen
dafür. Zum Lehnspferd3 gab er zum ersten Mal 25 Rtlr., als das Pferd angeschafft wurde, doch nun muss er es allein erhalten.
Reduzierte Hufen werden hier sieben berechnet.
Im Jahr 1704 ist das Dorf Vargatz revidiert und wie folgt befunden worden
Das Feld B
[B]
9M 75R
Bc , vier Stücke, vom wüsten Acker D
aufgebrochen , hoch liegendes Sandland, das jedes vierte oder fünfte Jahr ein Mal besät werden kann
6M 270R
Bd , ein Stück, vom wüsten Acker D
aufgebrochen, hoch liegendes Sandland, das jedes dritte Jahr besät werden kann
1M 180R
Be , ein Stück, vom Weideland Fc
genommen, kaltgrundiger und eisenrostiger Sandboden, der jedes fünfte oder sechste Jahr besät werden kann
225R
Beschreibung des wüsten Ackers
All der übrige wüste Acker kann durchaus als Acker genutzt werden, aber er besteht doch zumeist aus reinem Sand und die Bewohner sagen, er könne nicht als Weide entbehrt werden.
Summe
Neuer Acker: 9M 75R
1 Laut Urkarte vermessen von Johan Gabriel Höök
2 Der Besitzer von Ritterland war zu Lehnspflichten seinem Lehnsherrn gegenüber verpflichtet aber sonst von Steuer- und Abgabenlasten befreit. Ritter Gut. In: Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 125. Berlin 1818. Sp. 300. Im Hauptkommissionsrezess von 1663 wurde die Steuerfreiheit für die pommerschen Ritterhufen bestätigt. Jedoch galt dies nur für dasjenige Ritterland, welches auch in früheren Zeiten als steuerfreies Land gerechnet worden war. Den Nachweis dafür hatte der Rittergutsbesitzer zu führen. Der Haupt-Commißions-Receß, vom 5. Sept. 1663. In: Dähnert, Johann Carl (Hg.): Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landesurkunden. Gesetze, Privilegien, Verträge, Constitutionen und Ordnungen. Erster Band. Stralsund 1765; No. 4, Seite 373 ff.
3 Ein Lehnspferd (auch Lehnpferd, Lehenspferd, oder Lehenpferd) ist dasjenige Pferd, welches ein Bauer zum Dienst des Herrn bereithält zum Reiten oder Fahren in Kriegs- und Friedenszeiten, ohne dass er es dem Herrn selbst zuführen muß. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 69. Berlin 1804. Sp. 679.