R 719   U 516 

Beschreibung des Adelsgutes Klitschendorf, das im Wolgaster Distrikt liegt und imAugust des Jahres 1694 geometrisch vermessen wurde1 

Namen der Einwohner

1 . Michael Herbst
2 . Hans Herbst
sind zwei Halbbauern und gehören dem Präsidenten Owstin2 

3 . Petter Land, ist Vollbauer und gehört einem von Bohl. Er leistet jährlich eine bestimmte Pacht für jeden Morgen, den er besät

Klitschendorf ist ein Adelsgut und liegt im Distrikt Wolgast. Dieses Anwesen besitzen zwei Personen, der Präsident Owstin, dem zwei Drittel des Dorfes gehören, das entspricht nach der Kirchenmatrikel vier Bauernhufen oder acht Hakenhufen; der andere Eigentümer ist ein von Bohl, der ein Drittel besitzt, was zwei Bauernhufen entspricht, die nach der Kirchenmatrikel für vier Hakenhufen gerechnet werden. In alten Zeiten war die alte Hufenzahl für das gesamte Dorf 12 Hakenhufen. Das Land, das Präsident Owstin besitzt, hat in früheren Zeiten, so sagt es Nr. 1, zu Vorwerk gehört. Diese vier Hufen wurden von dem Besitzer Vorwerks mit Namen von Viereck an einen seiner Schreiber verschenkt. Dieser wiederum verkaufte es an einen Bürger Anklams mit Namen Kuhlbars; von diesem kaufte der Regierungsrat Normann3  die acht Hufen Land und von diesem kaufte es dann der Präsident Owstin. Doch wie mir der Verwalter aus Groß Bünzow berichtete, waren diese Hufen einst herzoglich. Die anderen vier Hufen, die von Bohl besitzt, gehörten vorher einem von Wakenitz4 , der die rechte Lehnsfolge für das Gut innegehabt haben soll. Dieser Eigentümer soll es als Brautschatz bekommen haben. Mit seinen Grenzen stößt dieser Ort im Süden an Ramitzow, im Osten und Norden an Bömitz, im Westen an Pamitz und Groß Bünzow. Er gehört zum Kirchspiel Ziethen. Es gibt drei wüste Höfe, die noch unbebaut liegen.

 R 720   U 517 

Arealausrechnung von Klitschendorf

Das Ackerfeld A, das Wintersaat war

[A]   37M 60R
Aa , guter Sandhumus  34M 270R
Ab , Humusland, eine Wurte5  oder dergleichen  2M 90R

B Die Brache

Ba , Das ganze Feld ist von einer Bodengüte, sandhaltiges Humusland  28M 240R

C Die Wintersaat

[C]   42M 210R
Ca , Gutes Sandhumusland  28M 210R
Cb , hartes Sandhumusland  9M 30R
Cd , drei neuaufgebrochene Ackerstücke von Sandhumus  4M 270R

Wüster Acker

[D]   183M 210R
Da , alter wüster Acker mit Heidekraut bewachsen, besteht aus Sandhumusboden tauglich zum Aufbrechen  131M 210R
Db , sehr altes Ödland, voll mit großen Steinen, mit Heide überwachsen, wenn Mühe darauf verwendet wird, könnte es auch als Acker taugen  52M

Wiese

Ea , kleine Wiesenflecken unten bei Feld A  1M 90R

Heufuderzahl

Von diesen Wiesen kann man nach ihrer Aussage drei Fuder Heu erhalten, [Ertrag] 3 Fuder

Weide

Fa , Grastümpel und Morast im Ödland und im aufgebrochenen Land  14M 271R
Ga , die Umgebung des Dorfes mit Wegen Hofstellen und Gemüsegärten, die es dort gibt  6M 30R

Summe

Acker: 108M 210R
Wüster Acker: 183M 210R
Wiese: 1M 90R
Heufuder: 3
Weide: 14M 270R
Hofstellen: 6M 30R

 R 721   U 518 

Annotationen über Klitschendorf

VomAcker

Der Acker ist durchschnittlich gutes Land, der am besten Roggen und Hafer trägt, wenn durchschnittlich feuchte Jahre sind. Das Feld A ist das beste, gleich danach kommt Feld C. B ist wegen seines kalten Grundes das schlechteste. Zwei Mal kann Körnersaat in ein frisches Ackerstück eingesät werden, doch sät man das dritte Mal, hat es keine Art damit, wie sie hier sagen. In gut tragenden Jahren kann er das vierte Korn geben; es werden in jeden Morgen drei bis dreieinhalb Scheffel gesät.

Die Aussaat

Der Acker der Höfe, die der Präsident Owstin hier besitzt, ist gerodet. In diesen säen Nr. 1 und Nr. 2 sechs Drömt Wintersaat und höchstens auch sechs Drömt Sommersaat.
Der Acker, den Nr. 3 bewirtschaftet, ist zum größten Teil unbebaut und wüst, so dass er deshalb nicht mehr als 21 Scheffel Winter- und acht Scheffel Sommersaat säen kann. Die Summe ergibt für alle Felder 173 Scheffel.

Über Heuernte

Diese Dorf hat nicht mehr Wiese als das, was sich auf Feld A findet. Die Bewohner müssen andere gegen Bezahlung fragen, die Wiesen zu vermieten haben.

 R 722 

Von Viehweiden

Auf den wüsten Äckern gibt es gute Weide sowohl für Großvieh als auch für Schafe, doch wenn sie ganz aufgebrochen werden sollten, bleibt nicht mehr zur Weide übrig als das, was man in den Morästen und Brüchen findet.

Über Wald

Brennholz haben sie hier genug durch Strauchwerk auf den Bömitzer Feldern, und was sie darüberhinaus an Bauholz benötigen, hat ihre Herrschaft ihnen frei geschenkt.

 U 519 

Über Vieh

Auf jedem Hof können zehn Rinder, Kühe oder Ochsen, über den Winter gebracht werden, sowie bis zu acht Pferde mit Fohlen.

Über Bienen

Jeder hat hier zwei oder drei Bienenstöcke, die hier aber nicht besonders gedeihen.

Über Gesinde

Jeder muß für seine Arbeit und den Hofdienst einen Knecht, eine Magd und einen Jungen beschäftigen.

Vom Dienst

Die beiden Bauern Nr.1 und Nr.2 dienen vier Tage in der Woche mit Zugtieren in Rubkow und zwei Tage leisten sie Fußdienst, am Freitag mit einem Mann und am Samstag mit zweien.

 RRev 191   URev 287 

Im Jahre 1704 ist das Dorf Klitschendorf revidiert und wie folgt befunden worden

Im Feld A

[A]   7M 240R
Ab , Zwei Stücke vom wüsten Acker Db aufgebrochen, besteht aus roter Erde oder Fosserde, etwas kaltgrundig, wird gleich mit dem Feld besät, doch in nassen Jahren erhalten sie ihre Aussaat zurück  2M 120R
Ac , zwei Stücke von Db aufgebrochen, Sanderde etwas humos, liegt in drei Schlägen  5M 120R

Im Feld B

Bb , Sieben Stücke auch vom wüsten Land Da aufgebrochen, sind hoch liegendes Sandland, teils etwas humos, werden mit dem Feld besät, tragen in trockenen Jahren schönes Getreide  10M 90R

Im Feld C

[C]   22M 240R
Ce , Kaltgrundiges Land, liegt in drei Schlägen, wird zumeist mit Roggen und Hafer besät, in trockenen Jahren kann es durchaus die Mühe lohnen, doch nicht in nassen  14M 60R
Cf , sandigeres und etwas höher liegendes Land, das, wenn es immer gedüngt wird, recht guten Weizen und Roggen trägt  8M 180R

Summe

Neuer Acker: 40M 270R

 RRev 192   URev 288 

Annotationen über den wüsten Acker in Klitschendorf

E , Dieses wüste Land, das auf dem Konzept mit E bezeichnet ist, ist hoch liegendes Sandland und an einigen Stellen etwas humos, kann aufgebrochen werden, ist bei der vorherigen Messung in Da eingeschlossen gewesen.
F , ist etwas tiefer liegend und teils kaltgrundig, kann aber zum Acker gemacht werden, ist der restliche Teil von Da.
G , kann als Weide nicht entbehrt werden, sagen die Bauern, scheint recht gleichmäßig zu sein.
Symbol 68  Eine Kossatenstelle6  ist hier seit der letzten Vermessung vor drei Jahren aufgebaut worden. Die alten Bauern haben dem Kossaten soviel Ackerland geben müssen, wie zu der genannten Kossatenstelle gehört, da der Acker der Kossatenstelle wüst liegt. Nun müssen die anderen Bauern soviel wüstes Land aufbrechen, dass ihr Teil wieder aufgefüllt wird.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Oloff (Olaus) Spaak
Revision:
Anmerkungen:

1 Laut Urkarte vermessen von Olof Spaak.

2  von Owstin, Joachim Rüdiger von Owstin (14. Oktober 1634 - 13. Okt. 1698). In den Jahren 1663 bis 1671 war von Owstin als Assessor tätig, daran anschließend übernahm er den Posten als pommerscher Regierungsrat. In der Zeit 1680 bis 1693 wirkte er als Vizepräsident des Wismarer Tribunals. Schließlich bekleidete er den Posten eines Geheimen Rats am Hofgericht des Herzogs von Würtemberg. Owstin starb 1698 und wurde in der St. Nicolaikirche zu Greifswald beigesetzt.  Asmus Ivo, Das Testament des Grafen – Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels nach Tod, förmyndarräfst und Reduktion, in: Asmus, Ivo; Droste, Heiko; Olesen, Jens E.: Gemeinsame Bekannte. Schweden und Deutschland in der Frühen Neuzeit, Münster 2003, S. 242. Lang, Edmund: Die Greiffswalder Sammlung Vitae Pomeranorum. Alphabetisch nach Geschlechtern verzeichnet. (Baltische Studien, Erste Folge. Ergänzungsband ) Greifswald 1898. S. 237.

3  Die Familie von Normann (auch Narmann, Nahrmann und Norrmann) zählte zu den ältesten Adelsgeschlechtern auf der Insel Rügen und im Gebiet des Herzogtums Pommern-Wolgast. Sie hatten Güter u.a. im Gebiet von Rügen, Anklam, Grimmen und Demmin. Bereits im 13. Jahrhundert zählten sie zum auf Rügen gesessenen Adel und über pommersche Grenzen hinaus waren Teile der Familie in späterer Zeit auch in Dänemark, Schweden, Schlesien, Ostpreußen, Mecklenburg, Württemberg u.a. ansässig.  Normann. In: Kneschke, Ernst Heinrich (Hg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon. Bd. 6, Leipzig 1865. S. 527ff.

4  Schreibweise nach Vitae Pomm. S. 359. Zu den ältesten und auch angesehensten pommerschen Adelsgeschlechtern gehört die Familie von Wakenitz. Im Raum Wolgast war sie wohlbegütert, viele männliche Familienmitglieder zeichneten sich im preußischen und dänischen Militärdienst aus. Es erfolgte ein Zusammenschluss mit der Familie von Lancken, die ebenfalls alt und angesehen war. Die von Lancken besaßen u.a. Kiesow, Klotzow, Boltenhagen und Rappenhagen. Von dem Hauptmann von Torgelow und Oberjägermeister Otto von Wakenitz ist überliefert, dass er am 20. April 1620 heiratete. Krünitz, Johannes Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 1, Berlin 1782, Sp. 825.

5  Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist.  Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.

6  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.