R 20   U 732 

Beschreibung des Adelsgutes Relzow, welches im Juli des Jahres 1694 vermessen wurde1 

Das Dorf Relzow liegt im Distrikt Wolgast und grenzt im Norden an Daugzin, im Osten mit Murchin, im Süden die Stadt Anklam und im Westen an Ziethen. Relzows Einwohner gehen in Ziethen zur Kirche, wo auch deren Pastor wohnt.
In Relzow gibt es seit einiger Zeit drei Besitzer, nämlich Jean Rasmus Möller, ein Bürger aus Lassahn, Jacob Lüskow, ein Adliger von Lüskow und Adam Will, ein Verwalter aus Groß Ernsthof. Jean Rasmus Möller besitzt neun Landhufen, Jacob Lüskow fünf einhalb Landhufen und Adam Will vier einhalb Landhufen.
Zum Hof Nr. 1 oder den neun Landhufen ist die Familie Wolf Lehnfolger, dort hat ein Adliger mit Namen Casten Wulf gewohnt, dessen Geschlechterlinie ausgestorben sein soll, wie man mir sagte. Der jetzige Besitzer Jean R. Möller hat durch Heirat diesen Hof in seinen Besitz gebracht. Denn Casten Wulf hinterließ eine Tochter, die einen Dänen zum Ehemann nahm, und als sie eine Zeit lang mit ihm gelebt hatte, starb sie ohne Erben oder Kinder mit dem Mann zu haben. Dann nahm er sich eine Frau aus Lassahn mit welcher er eine Tochter bekam und mit dieser Tochter ist Jean R. Möller verheiratet und dadurch, wie gesagt, Besitzer von Relzow. Das andere Gut besteht aus fünf einhalb Landhufen und Johan Wulf, der Bruder Casten Wulfs, ist der Besitzer und rechte Lehnfolger gewesen. Nach ihm ist Jacob Lüskow in den Besitz eingetreten, unter welchem Titel er dazu gekommen ist, weiß man nicht, sondern er muss es selbst beweisen. R 21   U 733 Major Witte hatte das dritte Adelsgut in Relzow, das aus vier einhalb Landhufen besteht, in Besitz, er hatte es von einem Adligen, Elwer mit Namen, gekauft. Und die Erben Major Wittes verkauften dieses Gut an Adam Will, der dasselbe nun besitzt. Aber zu bemerken ist, dass Major Witte keine Erben mehr als einen Enkelsohn hat, der nun Bildhauer in Sachsen ist.
Auf dem Gut Nr. 1 oder dem, das aus neun Landhufen besteht, wohnten in früheren Zeiten ein Adliger und zwei Bauern.
Auf Jochom Wulfs Gut, das aus fünf einhalb Landhufen besteht, wohnten ein Adliger und zwei Kossaten2 . Aber ob auf dem dritten Gut, das Adam Will nun besitzt, einige Bauern oder Kossaten wohnten, konnten die Einwohner nicht berichten. Aber wo nun Michel Kosted wohnt, ist früher ein Krug gewesen, der zu dem genannten Gut gehörte. Dieses Dorf besteht zum größten Teil aus Ritterhufen, insbesondere die beiden Höfe zu fünfeinhalb und vier einhalb Hufen. Aber der Hof zu neun Hufen hat eine halbe steuerbare Hufe bei sich, wofür monatlich Hufensteuer3  gegeben wird, wie der Steuerkurs ist.
In Relzow gibt es eine Wassermühle, die geringen Wasserzulauf hat, sie kann nur im Herbst und Frühling mahlen, im Sommer geht diese Mühle selten. Für diese Mühle gibt der Müller jährlich 48 Sch Roggen Pacht. Jean Rasmus Möller bekommt jährlich zwölf Sch und Jacob Lüskow 36 Sch Roggen, aber der dritte Hof hat keinen Anteil an der Mühle.
 R 22   U 734 Rasmus Möllers Pächter gibt jährlich 150 Rthl Pacht, abzüglich dessen, was jährlich außergewöhnlich für die halbe steuerbare Hufe ausgegeben wird. Der Pächter Michel Evert gibt an Lüskow 80 Rthl Pacht jährlich. Andris Widman pachtet Adam Wills Gut und gibt ihm jährlich 80 Rthl Pacht.

Einwohner in Relzow

1 . Michel Maas, Pächter auf Hof Nr. 1 oder Jean Rasmus´ Möllers Hof.
2 . Michel Evert, Pächter auf Jacob Lüskows Gut.
3 . Andris Widman, Pächter auf Adam Wills Gut.
4 . Fridrik Wentzel, Müller.
5 . Michel Firow, Schäfer auf Michel Maas` Hof.
6 . Hans Greek, Andris Widmans Schäfer.
7 . Claas Breij, Kuhhirte.
8 . Michel Castet, Einhäusler und wohnt auf Adam Wills Gut.

9 . Jochom Kuntz, Tagelöhner und wohnt auch auf Adam Wills Gut.
10 . Christopher Pirow, Tagelöhner und wohnt auf J. Rasmus` Möllers Hof.
11 . Georgen Nicolaus, ein Schneider, der mit dem Kuhhirten zusammen wohnt.
12 . Mathis Evert, Häker bei Michel Maas
13 . Christopher Folkam, Häker bei Anders Widman.
Diese wohnen bei anderen in deren Katen.

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Arealausrechnung des Adelsguten Relzow

Der Acker

[Acker gesamt]   432M 243R
A  Relzows Acker wird in drei Schlägen bewirtschaftet und ist in drei bestimmte Felder geteilt, wovon das Feld A, das dieses Jahr Winterfeld ist, aus gutem, sandig-humoser Boden ist und umfasst  107M 80R
B  war vergangenes Jahr Sommerfeld und besteht aus einer Bodenart, nämlich Sandhumus, umfasst  179M 215R
Dasselbe Ackerfeld ist in sehr trockenen Jahren trügerisch gegenüber der Sommersaat, wie die Bauern oder Einwohner sagen, aber wie ich finde, wird dieses Feld keine Not mit gewöhnlicher Hitze oder Trockenheit haben.
C  war dieses Jahr Brache und enthält folgende Bodenarten:
C1  guter, sandig-humoser Acker, der gute Winter- und Sommersaat trägt  94M 7M
C2  etwas schwerer und magerer Sandboden  42M 164R
D  Wurten oder Koppeln, die jährlich besät werden  9M 77R

E. Über den wüsten Acker

E  bei Relzow gibt es genug wüsten, mit Heide bewachsenen Acker, ist zum Teil von genügend gutem Grund und ein Teil trägt den Sand durcheinander, wie die Ebene und die Hügel sich wechseln, das gesamte Areal des wüsten Acker ist  349M 225R

 R 24   U 736 

F. Über Wiese und Heuwerbung

[F]  [Ertrag] 65 Heufuder  192M 95R
F1  die Wiese, die an der Grenze zu Anklam liegt ist sehr bewachsen und trägt kurzes Gras, in derselben Wiese sind viele bloße Schläge und Stücke sowie Moose und Brenntorf. Das Areal der gesamten Wiese beträgt  127M 15R
F2  gute und ertragreiche Wiese zu  19M
F3  Wiese, die im Ackerfeld B liegt, umfasst  18M 75R
Dieselbe Wiese liegt brach, wohl weil das Ackerfeld ringsum brach liegt.
F4  die Wiese des Kuhhirten, trägt sehr kurzes und dünnes Gras  8M 225R
F5  Anmerkung: Die Wiesen sind ziemlich mit Busch bewachsen, tragen dünnes und kurzes Gras, selbige Wiesen gehören zum Adelsgut Daugzin, das gesamte Areal beträgt  19M 80R
Anmerkung: Die Einwohner Relzows haben mir erzählt, von ihren Wiesen könne man jährlich nicht mehr als 65 Fuder Heu ernten. Aber das muss für völlig unglaubwürdig und eine Fabel gehalten werden, denn sie können so viel von den Wiesen F2 und F3 ernten. Ihre Heufuhren habe ich sonst gesehen, die größer als eine Palme sind.

 R 25   U 737 

G. Über Viehweide und Wald

[G]   482M 150R
G1  ein großer Bruch und Morast innerhalb der Grenze zu Anklam, der sehr sumpfig sind und mit kleinen Erlen- und Weidenbüschen bewachsen ist. Darin ist gute Weide für Großvieh, es umfasst  315M
G2  flaches und wallbegrenztes Weideland  51M
G3  ebenso. Ein Soll und kleiner Morast mit Busch bewachsen  63M 150R
G4  Heidehügel und Täler zu  44 M
Anmerkung: Hofstellen und Wege 9M
Von den kleinen Büschen, die in den Morasten stehen, können die Einwohner nicht genügend Brennholz bekommen, sondern sie müssen jährlich mehr von anderen Dörfern dazukaufen. Auch was zum Bauen benötigt wird, muss alles gekauft werden, wie aus Lentschow, Gnatskow und Libnow.

H. Über Fischgewässer

[H]   5M 38R
H1  im Swart See sind Hechte und kleine Karauschen, umfasst  188R
H2  Teich oder Mühlenteich zwischen den Häusern, umfasst  4M 150R
In diesem Teich gibt es Hechte, Karauschen und Plötze.

Summe

Acker: 432M 243R
Wüster Acker: 349M 225R
Wiese: 192M 95R
Heufuder: 65 Heufuder
Weideland: 482M 150R
Fischgewässer: 5M 38R

 R 26   U 738 

Annotationen des Adelsgutes Relzow

Über die Aussaat

Michel Maas kann jährlich 144 Sch Roggen, 108 Sch Gerste, 36 Sch Hafer, zwei Sch Erbsen, zwei Sch Lein und zwei Sch Buchweizen säen.
Anders Widman sät jährlich 60 Sch Roggen, 60 Sch Gerste, 36 Sch Hafer, eineinhalb Sch Erbsen, einen Sch Lein und einen Sch Buchweizen.
Michel Ewertz Aussaat ist: 84 Sch Roggen, 87 Sch Gerste, neun Sch Hafer, zwei Sch Erbsen, ein Sch Lein und ein Sch Buchweizen.
Der Müller hat soviel Acker, dass er das eine Jahr neun und das andere fünf Sch aussät.
Diese Aussaat ist nicht richtig angegeben, was man am Arealinhalt sehen kann, denn mir sagten sie, man könne in einen Morgen drei Sch Roggen oder Gerste einsäen.

Über das Nutzvieh

Der Pächter Michel Maas hält zur Ackerbewirtschaftung sechs Paar Ochsen und vier Paar Pferde.
Michel Evert hat immer drei Paar Ochsen und drei Paar Pferde.
Anders Widman hat nun sechs Ochsen und drei Pferde, er benötigt aber mehr Pferde.
In diesem Dorf kann eine gute Schäferei gehalten werden.

Über das Gesinde

Micael Maas hat einen Häker, einen Knecht, einen jugendlichen Knecht und eine Magd.
Michel Ewert hat einen Knecht, einen Halbknecht und eine Magd.
Anders Widman hat eine Magd und einen Jungen.

Einige jährliche Abgaben

1. Akzise4  wurde dieses Jahr von ganz Relzow 27 Rthl 24 ß gegeben.
2. Reitersteuer5  gibt Michael Maas jährlich vier Rthl 36 ß.
3. Magazinkorn6  hat Michel Maas dieses Jahr vier Sch Roggen gegeben.
Das Lehnpferd7  muss in Relzow wohl gehalten werden, aber ob nun ein halbes oder ein ganzes von Relzow gehalten wird, wissen die Einwohner nicht.
Anmerkung: Ganz Daugzin und ein Bauernhof in Ramitzow haben in früheren Zeiten zu Relzow gehört, aber zu welcher Zeit es hiervon fortgenommen wurden, kann man von den Einwohnern Relzows nicht erfahren. Wie man mir berichtete, soll Daugzin als Meierei oder als Viehhof gelegen haben.

 RRev 324   URev 464 

Im Jahr1704 wurde das Dorf Relzow revidiert und wie folgt befunden

Im Feld B

[B]   32M 255R
Ba  zwei Stücke hoch liegender Sandboden beim Swart See gelegen, vom wüsten Acker E aufgebrochen  3M 270R
Bb  zwei Stücke durchschnittlicher Sandboden, an einigen Stellen etwas humus- und lehmvermischt, von Ea aufgebrochen  13M 45R
Bc  zwei Stücke wie B von E aufgebrochen  1M 240R
Bd  ein Stück etwas steiniger Sandboden, durchschnittlich, wurde diesen Sommer aufgebrochen, ist bei den Wiesen etwas tief gelegen, von E aufgepflügt  14M

Im Feld C

[C]   38M 60R
C3  zwei Stücke mageres Sandland, jedoch bestellt es der Verwalter, wie gesagt wird, jedes dritte Jahr, um es mit Roggen zu besäen. Von E aufgebrochen  26M 120R
C4  zwei Stücke Sandland, sehr mager, können jedes sechste, siebente bis neunte Jahr mit Roggen besät werden, von E aufgebrochen  11M 240R

Ein Teil des Ackers D , der zum Obstgarten gemacht worden ist, in dem ein Teil nicht aufgebauter Häuser steht und zum herrschaftlichen Gut gemacht worden ist, ergeben zusammen drei Morgen 270 Ruten [ 3M 270R], das muss vom Acker abgezogen werden.

 RRev 325 

Arealausrechnung der drei kleinen Kämpe, die zu der Kapelle gehören, die früher hier gestanden hat und an die Hauptkirche in Ziethen übergeben worden ist. Diese wurden bei der Revisionsmessung abgeteilt

Im Feld A

Ka  ein Stück in der Wiese F2 bei dem Weg, der die Grenze zwischen Anklam und hier zeigt, von der Güte wie A  210R

Im Feld C

[Kb-Kc]   1M 150R
Kb  ein Stück wie C2, nicht weit entfernt vom Dorf gelegen  1M 60R
Kc  ein Stück wie C1, im Morast G3 gelegen  90R

 URev 465 

Was sonst den übrigen wüsten Acker betrifft, so besteht er zu meisten Teilen aus magerem Sand, der nicht sonderlich zur Kultur geeignet ist. Und wenn hier etwas aufgebrochen werde sollte, so ist ein Teil des wüsten Ackers, der nördlich und südlich ringsum C3 im Morast G3 liegt, aber sonst nichts. Aber es wird berichtet, dass er nicht als Weide entbehrt werden kann. Und wenn hier und da etwas mehr aufgebrochen würde, so könnte das nicht häufiger als jedes sechste bis neunte Jahr mit Roggen oder Buchweizen besät werden.
Anmerkung: C2 wird auch nicht häufiger als jedes fünfte bis sechste Jahr besät werden können und manchmal länger dazwischen, weil es aus sehr magerem Sandland und sehr lockerem Grund besteht.

Summe

Neuer Acker: 71M 15R
Kirchenacker: 2M 60R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2010, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Peder (Petrus) Wising
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Peder (Petro) Wising vermessen.

2  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

3  Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.

4  Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste.  Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.

5  Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.

6  Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.

7  Ein Lehnspferd (auch Lehnpferd, Lehenspferd, oder Lehenpferd) ist dasjenige Pferd, welches ein Bauer zum Dienst des Herrn bereithält zum Reiten oder Fahren in Kriegs- und Friedenszeiten, ohne dass er es dem Herrn selbst zuführen muß.  Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 69. Berlin 1804. Sp. 679.