Beschreibung des Adelsgutes Relzow, welches im Juli des Jahres 1694 vermessen wurde1
Das Dorf Relzow liegt im Distrikt Wolgast und grenzt im Norden an Daugzin, im Osten mit Murchin, im Süden die Stadt Anklam
und im Westen an
Ziethen. Relzows Einwohner gehen in Ziethen zur Kirche, wo auch deren Pastor wohnt.
In Relzow gibt es seit einiger Zeit drei
Besitzer, nämlich Jean Rasmus Möller, ein Bürger aus Lassahn, Jacob Lüskow, ein Adliger von Lüskow und Adam Will, ein Verwalter aus Groß Ernsthof. Jean Rasmus Möller besitzt neun Landhufen, Jacob
Lüskow fünf einhalb Landhufen und Adam Will vier einhalb Landhufen.
Zum Hof Nr. 1 oder den neun Landhufen ist die Familie Wolf
Lehnfolger, dort hat ein Adliger mit Namen Casten Wulf gewohnt, dessen Geschlechterlinie ausgestorben sein soll, wie man mir sagte. Der jetzige Besitzer Jean R. Möller hat durch
Heirat diesen Hof in seinen Besitz gebracht. Denn Casten Wulf hinterließ eine Tochter, die einen Dänen zum Ehemann nahm, und
als sie
eine Zeit lang mit ihm gelebt hatte, starb sie ohne Erben oder Kinder mit dem Mann zu haben. Dann nahm er sich eine Frau aus
Lassahn
mit welcher er eine Tochter bekam und mit dieser Tochter ist Jean R. Möller verheiratet und dadurch, wie gesagt, Besitzer
von
Relzow. Das andere Gut besteht aus fünf einhalb Landhufen und Johan Wulf, der Bruder Casten Wulfs, ist der Besitzer und rechte
Lehnfolger gewesen. Nach ihm ist Jacob Lüskow in den Besitz eingetreten, unter welchem Titel er dazu gekommen ist, weiß man
nicht,
sondern er muss es selbst beweisen. R 21
U 733 Major Witte hatte das dritte Adelsgut in Relzow, das aus vier einhalb Landhufen besteht, in Besitz, er hatte es von einem Adligen,
Elwer mit Namen, gekauft. Und die Erben Major Wittes verkauften dieses Gut an Adam Will, der dasselbe nun besitzt. Aber zu
bemerken ist, dass Major Witte keine Erben mehr als einen Enkelsohn hat, der nun Bildhauer in Sachsen ist.
Auf dem Gut Nr. 1
oder dem, das aus neun Landhufen besteht, wohnten in früheren Zeiten ein Adliger und zwei Bauern.
Auf Jochom Wulfs Gut, das aus
fünf einhalb Landhufen besteht, wohnten ein Adliger und zwei Kossaten2 . Aber ob auf dem dritten Gut, das Adam Will nun besitzt, einige Bauern oder Kossaten wohnten, konnten die Einwohner nicht
berichten. Aber wo nun Michel Kosted wohnt, ist früher ein Krug gewesen, der zu dem genannten Gut gehörte. Dieses Dorf besteht
zum
größten Teil aus Ritterhufen, insbesondere die beiden Höfe zu fünfeinhalb und vier einhalb Hufen. Aber der Hof zu neun Hufen
hat
eine halbe steuerbare Hufe bei sich, wofür monatlich Hufensteuer3 gegeben wird, wie der Steuerkurs ist.
In Relzow gibt es eine Wassermühle, die geringen Wasserzulauf hat, sie kann nur im
Herbst und Frühling mahlen, im Sommer geht diese Mühle selten. Für diese Mühle gibt der Müller jährlich 48 Sch Roggen Pacht.
Jean
Rasmus Möller bekommt jährlich zwölf Sch und Jacob Lüskow 36 Sch Roggen, aber der dritte Hof hat keinen Anteil an der Mühle.
R 22
U 734 Rasmus Möllers Pächter gibt jährlich 150 Rthl Pacht, abzüglich dessen, was
jährlich außergewöhnlich für die halbe steuerbare Hufe ausgegeben wird. Der Pächter Michel Evert gibt an Lüskow 80 Rthl Pacht
jährlich. Andris Widman pachtet Adam Wills Gut und gibt ihm jährlich 80 Rthl Pacht.
Einwohner in Relzow
1 . Michel Maas, Pächter
auf Hof Nr. 1 oder Jean Rasmus´ Möllers Hof.
2 . Michel Evert, Pächter auf Jacob Lüskows Gut.
3 . Andris Widman, Pächter auf Adam Wills Gut.
4 . Fridrik Wentzel, Müller.
5 . Michel Firow, Schäfer auf Michel
Maas` Hof.
6 . Hans Greek,
Andris Widmans Schäfer.
7 . Claas Breij, Kuhhirte.
8 . Michel Castet, Einhäusler und wohnt auf Adam Wills Gut.
| 9 . Jochom Kuntz,
Tagelöhner und wohnt auch auf Adam Wills Gut. 10 . Christopher Pirow, Tagelöhner und wohnt auf J. Rasmus` Möllers Hof. 11 . Georgen Nicolaus, ein Schneider, der mit dem Kuhhirten zusammen wohnt. 12 . Mathis Evert, Häker bei Michel Maas 13 . Christopher Folkam, Häker bei Anders Widman. |
Diese wohnen bei anderen in deren Katen. |
R 23 U 735
Arealausrechnung des Adelsguten Relzow
Der Acker
[Acker gesamt]
432M 243R
A
Relzows Acker wird in drei Schlägen bewirtschaftet und ist in drei bestimmte Felder
geteilt, wovon das Feld A, das dieses Jahr Winterfeld ist, aus gutem, sandig-humoser Boden ist und umfasst
107M 80R
B
war vergangenes Jahr Sommerfeld und besteht aus einer Bodenart, nämlich Sandhumus,
umfasst
179M 215R
Dasselbe Ackerfeld ist in sehr trockenen Jahren trügerisch gegenüber der
Sommersaat, wie die Bauern oder Einwohner sagen, aber wie ich finde, wird dieses Feld keine Not mit gewöhnlicher Hitze oder
Trockenheit haben.
C
war dieses Jahr Brache und enthält folgende Bodenarten:
C1
guter, sandig-humoser Acker, der gute Winter- und Sommersaat trägt
94M 7M
C2
etwas schwerer und magerer Sandboden
42M 164R
D
Wurten oder Koppeln, die jährlich besät werden
9M 77R
E. Über den wüsten Acker
E bei Relzow gibt es genug wüsten, mit Heide bewachsenen Acker, ist zum Teil von genügend gutem Grund und ein Teil trägt den Sand durcheinander, wie die Ebene und die Hügel sich wechseln, das gesamte Areal des wüsten Acker ist 349M 225R
R 24 U 736F. Über Wiese und Heuwerbung
[F]
[Ertrag] 65 Heufuder
192M 95R
F1
die Wiese, die an der Grenze zu Anklam liegt ist sehr bewachsen und trägt kurzes Gras, in
derselben Wiese sind viele bloße Schläge und Stücke sowie Moose und Brenntorf. Das Areal der gesamten Wiese beträgt
127M 15R
F2
gute und ertragreiche Wiese zu
19M
F3
Wiese, die im Ackerfeld B liegt, umfasst
18M 75R
Dieselbe Wiese liegt brach, wohl weil das Ackerfeld ringsum brach
liegt.
F4
die Wiese des Kuhhirten, trägt sehr kurzes und dünnes Gras
8M 225R
F5
Anmerkung: Die Wiesen sind ziemlich mit Busch bewachsen, tragen dünnes und kurzes Gras,
selbige Wiesen gehören zum Adelsgut Daugzin, das gesamte Areal beträgt
19M 80R
Anmerkung: Die Einwohner Relzows haben mir erzählt, von ihren Wiesen könne
man jährlich nicht mehr als 65 Fuder Heu ernten. Aber das muss für völlig unglaubwürdig und eine Fabel gehalten werden, denn
sie
können so viel von den Wiesen F2 und F3 ernten. Ihre Heufuhren habe ich sonst gesehen, die größer als eine Palme sind.
G. Über Viehweide und Wald
[G]
482M 150R
G1
ein großer Bruch und Morast innerhalb der Grenze zu Anklam, der sehr sumpfig sind und mit
kleinen Erlen- und Weidenbüschen bewachsen ist. Darin ist gute Weide für Großvieh, es umfasst
315M
G2
flaches und wallbegrenztes Weideland
51M
G3
ebenso. Ein Soll und kleiner Morast mit Busch bewachsen
63M 150R
G4
Heidehügel und Täler zu
44 M
Anmerkung: Hofstellen und
Wege 9M
Von den kleinen Büschen, die in den Morasten stehen, können die Einwohner nicht genügend Brennholz bekommen,
sondern sie müssen jährlich mehr von anderen Dörfern dazukaufen. Auch was zum Bauen benötigt wird, muss alles gekauft werden,
wie
aus Lentschow, Gnatskow und Libnow.
H. Über Fischgewässer
[H]
5M 38R
H1
im Swart See sind Hechte und kleine Karauschen,
umfasst
188R
H2
Teich oder Mühlenteich zwischen den Häusern,
umfasst
4M 150R
In diesem Teich gibt es Hechte, Karauschen und Plötze.
Summe
Acker: 432M 243R
Wüster Acker: 349M 225R
Wiese: 192M 95R
Heufuder: 65 Heufuder
Weideland: 482M 150R
Fischgewässer: 5M 38R
Annotationen des Adelsgutes Relzow
Über die Aussaat
Michel Maas kann jährlich 144 Sch Roggen, 108 Sch Gerste, 36 Sch Hafer, zwei Sch Erbsen, zwei Sch Lein und zwei Sch Buchweizen
säen.
Anders Widman sät jährlich 60 Sch Roggen, 60 Sch Gerste, 36 Sch Hafer, eineinhalb Sch Erbsen, einen Sch Lein und einen Sch
Buchweizen.
Michel Ewertz Aussaat ist: 84 Sch Roggen, 87 Sch Gerste, neun Sch Hafer, zwei Sch Erbsen, ein Sch Lein und ein Sch Buchweizen.
Der Müller hat soviel Acker, dass er das eine Jahr neun und das andere fünf Sch aussät.
Diese Aussaat ist nicht richtig angegeben, was man am Arealinhalt sehen kann, denn mir sagten sie, man könne in einen Morgen
drei Sch Roggen oder Gerste einsäen.
Über das Nutzvieh
Der Pächter Michel Maas hält zur Ackerbewirtschaftung sechs Paar Ochsen und vier Paar Pferde.
Michel Evert hat immer drei Paar Ochsen und drei Paar Pferde.
Anders Widman hat nun sechs Ochsen und drei Pferde, er benötigt aber mehr Pferde.
In diesem Dorf kann eine gute Schäferei gehalten werden.
Über das Gesinde
Micael Maas hat einen Häker, einen Knecht, einen jugendlichen Knecht und eine Magd.
Michel Ewert hat einen Knecht, einen Halbknecht und eine Magd.
Anders Widman hat eine Magd und einen Jungen.
Einige jährliche Abgaben
1. Akzise4 wurde dieses Jahr von ganz Relzow 27 Rthl 24 ß gegeben.
2. Reitersteuer5 gibt Michael Maas jährlich vier Rthl 36 ß.
3. Magazinkorn6 hat Michel Maas dieses Jahr vier Sch Roggen gegeben.
Das Lehnpferd7 muss in Relzow wohl gehalten werden, aber ob nun ein halbes oder ein ganzes von Relzow gehalten wird, wissen die Einwohner
nicht.
Anmerkung: Ganz Daugzin und ein Bauernhof in Ramitzow haben in früheren Zeiten zu Relzow gehört, aber zu welcher Zeit es hiervon
fortgenommen wurden, kann man von den Einwohnern Relzows nicht erfahren. Wie man mir berichtete, soll Daugzin als Meierei
oder als Viehhof gelegen haben.
Im Jahr1704 wurde das Dorf Relzow revidiert und wie folgt befunden
Im Feld B
[B]
32M 255R
Ba
zwei Stücke hoch liegender Sandboden beim Swart
See gelegen, vom wüsten Acker E aufgebrochen
3M 270R
Bb
zwei Stücke durchschnittlicher Sandboden, an einigen Stellen etwas humus- und
lehmvermischt, von Ea aufgebrochen
13M 45R
Bc
zwei Stücke wie B von E aufgebrochen
1M 240R
Bd
ein Stück etwas steiniger Sandboden, durchschnittlich, wurde diesen Sommer aufgebrochen,
ist bei den Wiesen etwas tief gelegen, von E aufgepflügt
14M
Im Feld C
[C]
38M 60R
C3
zwei Stücke mageres Sandland, jedoch bestellt es der Verwalter, wie gesagt wird, jedes
dritte Jahr, um es mit Roggen zu besäen. Von E aufgebrochen
26M 120R
C4
zwei Stücke Sandland, sehr mager, können jedes sechste, siebente bis neunte Jahr mit Roggen
besät werden, von E aufgebrochen
11M 240R
Ein Teil des Ackers D , der zum Obstgarten gemacht worden ist, in dem ein Teil nicht aufgebauter Häuser steht und zum herrschaftlichen Gut gemacht worden ist, ergeben zusammen drei Morgen 270 Ruten [ 3M 270R], das muss vom Acker abgezogen werden.
RRev 325Arealausrechnung der drei kleinen Kämpe, die zu der Kapelle gehören, die früher hier gestanden hat und an die Hauptkirche in Ziethen übergeben worden ist. Diese wurden bei der Revisionsmessung abgeteilt
Im Feld A
Ka ein Stück in der Wiese F2 bei dem Weg, der die Grenze zwischen Anklam und hier zeigt, von der Güte wie A 210R
Im Feld C
[Kb-Kc]
1M 150R
Kb
ein Stück wie C2, nicht weit entfernt vom Dorf gelegen
1M 60R
Kc
ein Stück wie C1, im Morast G3 gelegen
90R
Was sonst den übrigen wüsten Acker betrifft, so besteht er zu meisten Teilen aus magerem Sand, der nicht sonderlich zur Kultur
geeignet ist. Und wenn hier etwas aufgebrochen werde sollte, so ist ein Teil des wüsten Ackers, der nördlich und südlich ringsum
C3 im Morast G3 liegt, aber sonst nichts. Aber es wird berichtet, dass er nicht als Weide entbehrt werden kann. Und wenn hier
und da etwas mehr aufgebrochen würde, so könnte das nicht häufiger als jedes sechste bis neunte Jahr mit Roggen oder Buchweizen
besät werden.
Anmerkung: C2 wird auch nicht häufiger als jedes fünfte bis sechste Jahr besät werden können und manchmal länger dazwischen,
weil es aus sehr magerem Sandland und sehr lockerem Grund besteht.
Summe
Neuer Acker: 71M 15R
Kirchenacker: 2M 60R
1 Wurde laut Urschrift von Peder (Petro) Wising vermessen.
2 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
3 Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.
4 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
5 Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.
6 Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.
7 Ein Lehnspferd (auch Lehnpferd, Lehenspferd, oder Lehenpferd) ist dasjenige Pferd, welches ein Bauer zum Dienst des Herrn bereithält zum Reiten oder Fahren in Kriegs- und Friedenszeiten, ohne dass er es dem Herrn selbst zuführen muß. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 69. Berlin 1804. Sp. 679.