R 381   U 264 

Beschreibung des Bauerndorfes Leist, das im Juli des Jahres 1697 vermessen wurde1 

Dieses Dorf liegt im Kirchspiel Neuenkirchen eine halbe Meile von der Stadt Greifswald entfernt und gehört zum Amt Eldena. Früher lebten hier sieben Bauern; in kaiserlichen Zeiten2  wurde es zerstört und seitdem haben hier lediglich drei Bauern gelebt. Nun finden sich hier folgende Einwohner, nämlich:

1 . Jochim Lang
2 . Hans Rijsbek
3 . Jochim Hagman
Bauern, Untertänige, die jeder vor zwei Jahren zwei reduzierte Hufen3  versteuert haben, doch nun nicht mehr als für anderthalb geben. Jeder leistet 100 Gulden Pacht und alle Abgaben stehen.

4 . Andres Gottman, Schneider

5 . Gören Rolof, Leinweber
6 . Jocom Schult, Kuhhirt
freie Leute

Dieses Dorf grenzt im Norden an Karrendorf, im Osten an Wampen, im Süden an Neuenkirchen und im Westen an Hankenhagen.

 R 382   U 277 

Arealausrechnung von Leist

Der Acker teilt sich in vier Felder.

A. dieses Jahr Roggenfeld, heißt

A , Bullenbargs Feld , besteht aus durchschnittlich hohem Land, etwas sandhaltiger Lehmhumus, ergibt an drei Stellen  57M 90R

B. dieses Jahr Gerstenfeld, Briwinkelsfeld

[B]   69M 150R
Ba , etwas hoch liegender Sandhumus, trägt den besten Roggen  54M 60R
Bb , zwei Stücke etwas niedrigerer Acker, gehört zum selben Feld, ergibt  15M 90R

C. dieses Jahr der Haferschlag, heißt

C , Hoppenhufs Feld , besteht aus sandhaltigem Lehmhumus auf ebenem Land, macht  64M 225R

D. diese Jahr Brache, heißt

[D, Da]   83M 285R
D , Hinterstenfeld , und besteht aus Sandhumus auf durchschnittlich hohem Land, soll etwas kaltgründig sein  72M 180R
Da , drei Ackerkampen oder Wurten4  bei den Häusern, bestehen aus durchschnittlichem Lehmnhumus  11M 105R

 R 383 

E Wüster Acker

[E]   57M 105R
Ea , Wüster Acker, teils mit Büschen bewachsen, teils flach, wo dieses Zeichen steht Symbol 36  sind Büsche auf ihm. Er besteht aus 16 kleinen und großen Stücken  42M 45R
Eb , tief liegender wüster Acker von guter Weide, flach und baumlos  15M 60R

 U 278 

Wiesen

[F]  [Ertrag] 68 Heufuder  136M 90R
Fa , Del und Bauerwinkelswisch , durchschnittliche flache Wiese, teils sumpfig, teils fest innerhalb des Dorfes  50M 150R
Fb , Wiese innerhalb des Dorfes, recht kahl, trägt dünnes Gras  21M 30R
Fc , Friewisch , durchschnittlich feuchte Wiese  19M 165R
Fd , buschige Wiese, die hier und dort zwischen den Büschen gemäht wird  21M 60R
Fe , Neukatling , flache feuchte Wiese, beinhaltet  5M 225R
Ff , acht Wiesenstücke außer und bei den Feldern, zumeist aus festem Boden. Diese werden nicht öfter gemäht als die anbei liegenden Felder besät werden, macht  16 M
 R 384 Ff , eine kleine Wiese, die der Kuhhirt nutzt, liegt bei der Grenze zu Neuenkirchen  2M 60R
Diese Wiesen können meiner Meinung nach durchweg ein halbes Fuder pro Morgen geben.

Wald und Weideland

[G,p]   150M 165R
Ga , Oldenhagen , ist ein Erlenbruch mit  22M 45R
Gb , ein kleiner Kiefernhang darin mit  90R
Gc , flache, gute, etwas feuchte Weide, umfasst in vier Figuren  125M 150R
Gd  sumpfiger Platz mit Rohr und Weidenbüschen, macht  2M 30R
p , drei Grastümpel, zwei im Feld A, einer im wüsten Acker, macht zusammen  150R

Hofstellen

[Hofstellen zusammen]   6M 180R
Symbol 29  Hofstellen
T , Obstgärten
H , eine kleine Koppel
= =  , Wege innerhalb des Dorfes

Summe

Acker: 275M 150R
Wüster Acker: 57M 105R
Wiese: 136M 90R
Heufuder: 68
Wald und Weideland: 150M 165R
Hofstellen: 6M 180R

 RRev 385   URev 271 

Am 4. Mai 1705 ist das Dorf Leist revidiert und wie folgt befunden worden

Neuer Acker, der seit der letzten Vermessung aufgebrochen wurde

[E1, E2]   1M 120R
E1 , Von Ea in diesem Jahr neu aufgebrochen, war noch nicht besät, ist tief liegende Sanderde und scheint lediglich hier und dort mit Hafer besät werden zu können, denn das Wintergetreide scheint hier wegen des niedrigen Bodens nicht wachsen zu können  180R
E2 , drei Stücke, zwei in dem Feld C und 1 in D, von Ea aufgebrochen, sandig humoser Boden, können in vier Schlägen in den Feldern, in denen sie liegen, bewirtschaftet werden  240R

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

[Ea]   4M 60R
Ea, Drei Stücke von Ea, die mit Nr. 3  bezeichnet werden. Sind als Acker einigermaßen brauchbar, da sie etwas höher liegen als der andere wüste Acker, betehen aus etwas sandig humosem Grund  1M 150R
Ea, ein Stück von Ea an der Grenze zu Hankenhagen gelegen, mit Nr. 4  bezeichnet, wird auch mit der Zeit bebaut werden, obwohl es etwas niedrig liegt,  RRev 386  denn die Bewohner haben die meisten Weidenbüsche in der Absicht gefällt, um es aufzubrechen. Besteht aus kaltgrundigem Lehm und sandig humosem Grund  2M 210R
Das Übrige von Ea besteht teils aus einer Heide teils aus sehr tief liegendem, kaltgrundigem Sandboden, der zu einem Teil mit Gras, zum größten Teil jedoch mit Weiden- und Espenbüschen bestanden ist, wird als unbrauchbar eingeschätzt. Als Acker wegen seines kalten und niedrigen Grundes nicht nutzbar, wenn es nicht durch Gräben verbessert werden könnte.
 URev 272 Eb , liegt immer noch wüst, besteht aus tief liegendem, kaltgrundigen und moorigem Sandboden, in den Furchen steht das Wasser, auf den höheren Ackerrücken ist es mit bültigem Gras bewachsen, scheint wegen seines schlechten und kalten Bodens nicht aufgebrochen werden zu können, sofern es nicht durch Gräben verbessert wird.  RRev 387  Gc, ein Teil des Weidelandes Gc, das mit Nr. 5  bezeichnet ist, war in alten Zeiten Acker, ist von gleicher Lage und Beschaffenheit wie Eb. Das Wasser oder die Koser See verdirbt das Weideland und die Wiesen sehr, so dass vom Weideland Gc mehr als 20 Ellen in der Breite beim Strand seit der letzten Vermessung abgebrochen sind.
Seit der letzten Vermessung wurde hier im Dorf im letzten Jahr ein Bauernhof errichtet. Der Name des Bauern ist Klas Gilow, er besitzt soviel Acker wie jeder der anderen Bauern.

Summe

Neuer Acker: 1M 120R

 R 388   U 265 

Annotationen über Leist

Vom Acker

Der Acker scheint überall als durchschnittlich bezeichnet werden zu können, doch die Bauern klagen, dass er zum größten Teil kalten Grund besitze. Sonst trägt er in durchschnittlichen Jahren am besten.

Von Aussaat

Jeder kann hier dreieinhalb Drömt Roggen, viereinhalb Drömt Gerste und fünf Drömt Hafer aussäen. Im Briwinkelfeld kann ein halbes Drömt mehr ausgesät werden, in die anderen Felder wird gleiches, wie oben angegeben ist, gesät. Erbsen säen sie selten aus, die Bauern sagen, dass sie hier nicht gedeihen.
In guten Jahren bekommen sie vom Roggen wohl das fünfte Korn, doch von der Gerste nicht mehr als das dritte, sagen die Bewohner. Der Acker wird jedes vierte Jahr gedüngt, denn er liegt in vier Schlägen

Von Wiesen

Von Bauerwinkel kann jeder drei Fuder erhalten, zusammen neuen Fuder.
Von Dehlwisch erhält jeder ebenfalls drei Fuder, ergibt neun Fuder.
 R 389  Von Friewisch zwei Fuder, macht sechs Fuder, von Im Felten zweineinhalb Fuder, ergibt siebeneinhalb Fuder, von Neue Kawling zusammen drei Fuder und von den übrigen Wiesen, die mit Büschen bestanden sind, erhalten sie jeder zwei Fuder, ergibt zusammen 36 1/2 Fuder Heu.

 U 266 

Von Weideland und Wald

Weideland ist hier gut und - ohne näheres Ansehen - sowohl an Güte als an Anzahl. Wald ist hier nur wenig vorhanden und der ist sehr jung, wie die Karte ausweist, so dass sie nicht genug Brennholz haben. Wenn sie etwas brauchen, erhalten sie die Erlaubnis, in anderen Dörfern des Amtes etwas holen zu dürfen.

Vom Vieh

Jeder kann zwölf Pferde halten, 16 Kühe und 17 Schafe, soviel besitzt der Schulze. Nr. 2 besitzt zwölf Pferde, 15 Kühe, zehn Schafe und acht Schweine.
 R 390  Nr. 3 hält zehn Pferde, zehn Kühe, zwölf Schafe und acht Schweine, Nr. 4 zwei Kühe, zwei Schafe und ein Schwein, Nr. 5 zwei Kühe und Nr. 6 zwei Kühe.
Hier könnten über den Winter ebenso wie über den Sommer mehr Schafe gehalten werden, scheint mir, doch sie sagen, sie hätten nicht mehr Tiere.
Der Schulze besitzt allein vier Bienenstöcke, doch die gedeihen hier nicht, wird gesagt.

Von Fischen

Die See ist hier nah genug, doch haben sie, mit Ausnahme der Erlaubnis Aale zu stechen, kein Recht zum Fischen. Anderes üben sie auch nicht aus.

Vom Gesinde

Jeder hält einen Knecht, einen Jungen, eine Magd.
Diese Einwohner dienen nicht, sondern geben Dienstgeld oder Pacht wie bereits berichtet wurde.

 R 391   U 267 

Von Abgaben

Die Bauern geben wie die Quittungen lauten.
Der Leinweber besitzt einen Webstuhl, für den er 36 Schilling gibt. Dieser Leinweber pachtet ein Haus vom Schulzen für sechs Gulden.
Er gibt einen Rtlr Nebenmodus5 , für zwei Kühe gibt er 16 Schilling, für seine Frau ebenfalls 16 Schilling.
Der Schneider besitzt ein eigenes Haus und leistet für den Grund, auf dem es steht vier Mark im Jahr. Er zahlt einen Rtlr Nebenmodus, für seine zwei Kühe 16 Schilling und für seine Frau ebenfalls 16 Schilling. Für sein Amt zahlt er 36 Schilling.
Der Kuhhirte zahlt für sich 16 Schilling Kopfsteuer6  und für seine Frau 10 Schilling, Nebenmodus leistet er 16 Schilling.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Abraham Hesselgreen
Revision:
Anmerkungen:

1 Laut Urkarte vermessen von Abraham Hesselgreen.

2  Dreißigjähriger Krieg 1618-1648. 

3  Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.

4  Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist.  Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.

5  Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren.  Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.

6  Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.