R 340   U 234 

Beschreibung von Steffenshagen, das Ende Juni 1697 vermessen wurde1 

Dieses Dorf gehört zum Greifswalder Distrikt und liegt im Kirchspiel Neuenkirchen, es gehört unter den Rat in Greifswald. In diesem Dorf sollen früher sechs Bauern oder Kossaten2  gelebt haben, doch wissen die jetzigen Bewohner dies nicht gewiss. Sie haben es von alten Männern so gehört. Nunmehr leben hier lediglich zwei Vollbauern, die für zwei Hufen Abgaben leisten. Dieses Dorf grenzt im Norden an Hankenhagen, im Süden und Osten an Wackerow und im Westen an Petershagen.

Namen der Bewohner

1 . Erik Poggendorff
2 . Petter Brehmer
jeder der beiden gibt Pacht oder Dienstgeld von 25 Rtlr und trägt alle Abgaben, beide sind untertänig.

3 . Herman N., Kuhhirt, ist Einlieger bei Nr. 2, hat eine Frau und kein Vieh, gibt Kopfsteuer für sich und seine Frau wie andere Kuhhirten auch.

 R 341   U 238 

Arealausrechnung von Steffenshagen

Der Acker teilt sich in vier Felder, nämlich

A. Dieses Jahr das Roggenfeld

[A]   27M 225R
Aa , sandhaltiger Lehmhumus auf ebenem Land  13M 225R
Ab , Kutten Start , hoch liegender magerer Sandhumus  6M 210R
Ac , zwei Stücke niedrig liegender und kaltgrundiger Acker mit Weidenbüschen und einigen schmalen Grasstreifen in den Furchen, beinhaltet zusammen  7M 90R

B . Eichfeld , dieses Jahr Sommer- oder Gerstenfeld, besteht überall

aus niedrig liegendem und kaltgrundigem Lehmhumus, und in den Furchen mit Weidenbüschen und Grasstreifen bewachsen, macht  29M 105R

C. Dieses Jahr das Haferfeld

[C]   33M 210R
Ca , sandhaltiger Lehmhumus auf ebenem Land, beinhaltet  15M 150R
Cb , magerer Sandhumus  18M 60R

D. In diesem Jahr Brache

[D]   25M 195R
Da , Niedrig liegender Lehmhumus in den Furchen mit weißem Sand vermengt  R 342  hier und dort an den Enden mit Weidenbüschen bewachsen,  13M 210R
Db , tief liegender Sandhumus  10M 210R
Dc , zwei Ackerwurten3  bei den Häusern  1M 75R

E. Wüster Acker

[E]   71M 255R
Ea , flacher wüster Acker bei der Grenze zu Wackerow, mit Heide bewachsen  63M
Eb , noch drei ebensolche Stücke, zwei beim Acker Ab, das dritte auf der anderen Seite beim Feld B, macht  8M
Ec , buschiger wüster Acker bei Ca, an Fläche  255R

F. Wiesen

[F]  [Ertrag] 40 Heufuder  43M 150R
Fa , sind sieben feste Wiesen in und bei den Ackerfeldern, beinhalten  12M
 R 343 Fb , zwei Riedgraswiesen von durchschnittlichem Graswuchs, die eine liegt bei Steffenhäger Dik , die anderer bei Feld B, macht  31M 150R  U 239 

Wald

[G]   120M 30R
Ga , junger Laubwald von allerlei Arten, wie Erle, Birke, sowie hier und dort einigen Eichen, und Weidenbüschen, teils auf festem teils auf niedrigem Boden, doch zwischen den Büschen ist es gute Weide, beinhaltet  101M 195R
Gb , zwei kleine Erlenbrüche, der eine bei der Grenze zu Wackerow, der andere in der Nähe des Ackers Ab, fast im Acker, wie der Graben verläuft, fester Boden, ergeben  6R 30R
Gc , neun feste Brinke4  im Steffenhäger Dik mit jungen Eichen bestanden, wo das Zeichen Symbol 36  steht, finden sich Sträucher  12M 105R

 R 344 

Weideland

[H, p, j]   459M 15R
Ha , Ebenes flaches Heideland, scheint hier und dort durchaus Furchen eines ehemaligen Ackers zu haben, doch wie weit dieser sich erstreckte, konnte ich nicht herausbekommen. Es gab auch niemanden, der darüber Bescheid wusste. Dieses Heideland beinhaltet  253M 270R
Hb , flaches Heideland, teils hoch liegende Sandberge, doch mit Heide darauf  43M 180R
p , neun Tümpel im Heideland, beinhalten  14M 255R
j , Steffenhäger Dik ist ein sumpfiger Morast mit Rohr, Riedgras und Weidenbüschen, beinhaltet  156M 210R

Symbol 68  Hofstellen, wo sie jeder ihren Gemüsegarten und einige fruchtbare Bäume haben, diese zusammen mit
Symbol 87  der Straße beinhalten  7M 105R

Summe

Acker: 116M 135R
Wüster Acker:71M 255R
Wiese: 43M 150R
Heufuder: 40
Wald: 120M 30R
Weideland: 459M 15R
Hofstellen: 7M 105R

 RRev 345   URev 282 

Am 15. Mai 1705 ist das Dorf Steffenshagen revidiert und wie folgt befunden worden

Neuer Acker, der seit der letzten Vermessung aufgebrochen wurde

E1 , Vom wüsten Acker Ea aufgebrochen, besteht aus Sanderde, die alle drei bis sechs Jahre besät werden kann  4M 180R

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

Ea , Von Ea kann nichts mehr aufgebrochen werden, da ein Teil aus hohen und lockeren Sandhügeln besteht, das übrige ist ein tiefes und feuchtes Tal, aus dem Konzept kann ersehen werden, wie es abgeteilt ist.
Eb, ein Stück von Eb mit Nr. 2  bezeichnet, könnte durchaus erneut bebaut werden, besteht aus Sandhumus, etwas niedrig beim Wald Ga,  1M 150R
Eb , das übrige von Eb ist unbrauchbar, besteht aus eisenrostiger und morastiger Torferde, scheint als Acker unbrauchbar, war auch in früherer Zeit kein Ackerland.
Ha , ist eine flache Heide, voll mit Tümpeln und Morästen, besteht aus tief liegender, kaltgrundiger eisenrostiger Sanderde, als Acker nicht nutzbar.

Summe

Neuer Acker: 4M 30R

 R 346   U 235 

Annotationen über Steffenshagen

Vom Acker und seiner Güte

Der Acker ist hier nach Aussage der Bewohner sehr schlecht und von der Natur, dass er in nassen Jahren nichts tragen will, und wenn sie allzu trocken sind, auch nicht gut ist. In durchschnittlichen Jahren trägt dieser Acker am besten. An einigen Stellen kann dann das sechste Korn bekommen werden, sagen die Bewohner. Das scheint mir richtig zusein, doch ich muss bemerken, dass die Bauern, wie in Jager und an vielen anderen Dörfern geschehen, auf dem besten Acker nur das vierte oder dritte Korn angeben, und das, obwohl sie gut und gerne das zehnte bekommen könnten, wenn sie das sechste erhalten, denn der Acker ist hier von kaltem Grund und besteht zum Teil aus Sand.

Von Aussaat

Jeder der Bewohner sät jährlich drei Drömt Roggen, zwei Drömt Gerste, und Hafer, wenn sie denn davon soviel haben, können sie dreieinhalb Drömt säen, doch mehr nicht.  R 347  An Erbsen säen sie höchstens drei oder vier Scheffel. Die Erbsen werden in das Haferfeld gesät, denn hier sind die Felder in vier Schläge verteilt.
Der Acker wird jedes vierte Jahr gedüngt, und trägt drei Jahre, bevor er gedüngt wird. Im ersten Jahr Roggen, dann Gerste, dann Hafer oder Erbsen.

Von Wiesen

Wiesen sind hier nicht sonderlich viele, sondern sie liegen hier und dort zwischen den Sträucherm und bei den Ackerenden. Wenn die Felder besät werden, werden sie gemäht. Jeder kann in sehr guten Jahren 20 Fuder Heu werben, doch im letzten Jahr bekamen sie jeder nicht mehr als zehn oder zwölf Fuder.

 U 236 

Von Weideland

Die beste Weide haben sie hier in der Steffenhäger Dik zwischen den Büschen, die recht sumpfig und mit Riedgras bewachsen ist. Zu einem Teil kann sie wohl auch gemäht werden, doch die Bauern klagen, der Weg sei so weit, dass man es nicht ernten könne, darüber hinaus gibt es hier genug wüsten Acker, der mit Heide bewachsen ist, worauf das Vieh in den heißen Sommern getrieben wird.

 R 348 

Vom Wald

Brennholz haben sie zum Hausgebrauch, und einiges von den Erlen- und Birkensträuchern, doch nicht in nennenswerter Größe. Von den Eichen, die hier und dort stehen, dürfen sie ohne Erlaubnis der Obrigkeit nichts nehmen, wenn etwas verkauft werden könnte, erhalten sie für das Fuder höchstens 16 bis 24 Schilling. Sie sagen, der Holzverkauf sei für sie zu vernachlässigen.

Von Vieh

Jeder hat Vieh, nämlich an Zugpferden acht Tiere, 14 Kühe und zehn Schweine.

Von Bienen

Nr. 1 besitzt zehn alte und zehn junge Stöcke, er gibt für die alten Bienenstöcke 2 lübsche Schilling pro Stock.

Vom Gesinde

Jeder hält hier seinen Knecht, seinen Jungen und eine Magd. Ein Knecht erhält zwölf Rtlr, eine Magd drei Rtlr und ein Junge vier Rtlr an Jahreslohn, ohne Hemd und Schuhe.  R 349  Diese dienen nicht, sondern zahlen 25 Rtlr Dienstgeld jährlich, wie bereits berichtet wurde.

 U 237 

Von Obstgärten

Jeder von ihnen besitzt einige Bäume, die bei den kleinen Häusern stehen, sowohl Kirschbäume, Birnen- und Apfelbäume. Sie sagen, sie hätten genug für den Hausgebrauch. Von den Kirschen pflegen sie einiges zu verkaufen, es bringt aber nichts ein.

Von Abgaben

Sie sagen, sie geben Hufensteuer5  und andere Abgaben, wie andere Stadtgüter auch, doch kann man sich nicht erinnern wieviel, denn manchmal geben sie mehr manchmal weniger.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Abraham Hesselgreen
Revision:
Anmerkungen:

1 Laut Urkarte vermessen von Abraham Hesselgreen.

2  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

3  Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist.  Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.

4  Brink: ein grüner Platz ohne Bäume, in Holzungen, Feldrändern oder Wäldern.  Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 55.

5  Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.