Beschreibung des Bauerndorfes Wampen1
Dieses Dorf gehört zum Amt Eldena und liegt im Kirchspiel Neuenkirchen eine halbe Meile nordöstlich der Stadt Greifswald.
In diesem Dorf haben in
kaiserlichen Zeiten2 elf Bauern gelebt, vor dem letzten Brandenburgischen Krieg3 waren hier noch ein Pächter und drei Bauern übrig, doch nun seit 22 Jahren leben hier nur fünf Bauern. Im letzten Jahr
wurden ihre Besitzungen in sechs gleiche Stücke aufgeteilt und ein sechster Bauer eingesetzt. Nun wohnen hier sechs, nämlich:
1 . Casten
Resbek, Schulze
| 2 . Jocom Bidemeg,
Bauer 3 . Petter Marckward, Bauer 4 . Jacob Witt, Bauer 5 . Claus Witt, Bauer 6 . Jacob Witt, Bauer |
jeder der Bauern besitzt drei Landhufen und 20 Morgen zum Bewirtschaften und zahlt dafür 70 Rtlr an Pacht, macht zusammen 420 Rtlr. Doch als noch die fünf hier allein lebten, war es insgesamt nicht so viel. |
7 . eine Frau, die Bidemeg heißt, lebt
in einer Kate , die dem Schulzen gehört , bei ihr wohnt der Tagelöhner Hans Buslag
8 . Tomas Breg, Kuhhirt, hat seine Frau
bei sich, die Dorte Langhagens heißt, kein Vieh
9 . Jocom Hass,
Schweinehirt
Alle diese sind untertänig, außer dem Kuhhirten und Hans Buslag.
Dieses Dorf grenzt im Süden an
Neuenkirchen und Ladebow, westlich an Leist und Neuenkirchen, im Norden und Osten an die Koser
See und die Dänische Wiek .
Arealausrechnung von Wampen
Der Acker teilt sich in vier Felder, nämlich
A . Der Schlag mit Namen Koos , war dieses Jahr Roggenfeld
besteht aus recht gutem Lehmhumus und liegt recht gut auf durchschnittlich hohem Land, beinhaltet 126M 195R
B. Der Schlag mit Namen Lesten dieses Jahr Gerstenfeld
[B]
141M 60R
Ba , recht guter Lehmhumus, zu den
westlichen Enden hin etwas etwas tief liegend, beinhaltet
139M 135R
Bb , ein kleines Stück niedrig
liegender Acker an der Weide Heideholz , ergibt
1M 225R
C. Karkfeld , dieses Jahr der Hafer- und Erbsenschlag,
[C]
106M 195R
Ca , eben liegender Lehmhumus zu
den westlichen Enden recht tief liegend, beinhaltet 83M 255R
Cb , drei Stücke Sandkampe, die, wie gesagt wurde, lediglich
jedes vierte Jahr bebaut werden 22M 240R
D . Der Schlag mit Namen Ladebow
war diese Jahr Brache.
Ein Teil davon besteht aus
Lehmhumus, ein Teil an der Seite nach Ladebow aus Sandhumus, macht
134M 45R
D. Wüster Acker
Da , Wüster Acker, der noch gut wieder bewirtschaftet werden könnte, obgleich er zumeist aus Sand besteht, gibt es an sechs
Stellen, macht
35M 240R
Anmerkung: Hier gibt es noch mehr wüsten Acker, doch ist dieser teils
sumpfig, so dass er nicht aufgebrochen werden kann, teils so alt, dass man ihn nicht genau aufnehmen konnte und nicht weiß,
wie
weit er ging. Er ist deshalb bei der Weide aufgeführt und der niedrige bei den Wiesen, da dieser teils als Wiese, teils als
Weide
genutzt wird.
E. Wiesen
[E,p]
[Ertrag] 42 Heufuder
212M 105R
Ea , sind drei niedrige Wiesen, zwei
davon bei der Grenze zu Neuenkirchen und eine an der Ladebower Grenze, die ist buschig, die anderen sind sumpfig und nicht
sonderlich ertragreich,
22M 285R
Eb , Lütkewisch von kurzem Graswuchs und etwas niedrig, doch fester Boden darunter, macht
24M 270R
Ec , Baurwisch ist eine Wiese von durchschnittlichem Grasbewuchs an der Grenze zu Leist, macht
7M 90R
Ed , Kohwisch , feste kahle Wiese, nicht sonderlich ertragreich
38M 150R
Ee , Koppel, ist eine Wiese, die
dieses Jahr als Pferdekoppel genutzt wurde, nächstes Jahr aber wieder als Wiese dient und gemäht wird
20M 165R
Ef , Langewisch ist eine Wiese, die dieses Jahr nur hier
und dort innerhalb des Ackers gemäht wurde, das andere wird abgeweidet. In alten Zeiten ist sie zu einem Teil Acker gewesen,
doch R 396 scheint sie nun allzu niedrig zu sein, um so genutzt zu werden,
beinhaltet
93M 240R
Eg , zwei Stücke Wiesenstreifen, eine
beim Acker Bb die andere bei Ca
1M 15R
p , acht Grastümpel in den Äckern, die
gemäht werden können, wenn die dabei liegenden Felder besät werden, beinhalten
3M 90R
F. Wald und Weideland
[F]
289M 90R
Fa , ein mit
Gräben umgebener Platz mit einem jungen Eichenwald, beinhaltet
3M 270R
Fb , drei buschige oder mit jungem
Wald bewachsene Gehölze in den Feldern, ergeben
4M 285R
Fc , niedrige, buschige Weide mit jungem Erlen- und Birkenwald, beinhaltet zusammen mit einer niedrigen Wurte4 , die aus Rohr und Riedgras besteht
28M 120R
Fd , Weideland von kurzer Heide und niedrigen Grastümpeln R 397 sowie kleine
Büschen hier und dort
30M 90R
Fe , flaches, festes, kahles Heideland
bei der Grenze zu Neuenkirchen, mit einigen dünnen und niedrigen Grasflecken, scheint zwischen dem Weg und der Wiese früher
Acker gewesen zu sein, doch wie weit sie ging, kann man nicht gewiss aufnehmen, macht an Fläche
63M 225R
U 287 Ff , flache, ziemlich gute Weide, die Heidenholz heißt, da dort in alten
Zeiten ein Wald gestanden hat, macht
115M 30R
Fg , ist flaches, festes Weideland an
vier Stellen in der Nähe des Strandes, und ein paar Flecken an der Grenze zu Ladebow, macht
9M 180R
Fh , drei Moräste, die beim Seestrand
wiederzufinden sind R 398 und einer zwischen den Feldern C und B, heißt
Koppelken , sie ergeben
10M 255R
Fi , Bodenbarg ist ein kleiner hoher Hügel in der Weide Heidenholz von der
Größe
105R
Hofstellen
[Hofstellen zusammen]
19M 135R
Hofstellen
T , Obstgärten
Ö: T. , eine wüste Stelle
F:K. , sind
Wege innerhalb und außerhalb des Dorfes, bestehen aus guter Gänseweide, beinhalten zusammen
19M 135R
De Streng , ist umflutetes Weideland zwischen Koos
und hier, das hierher gehört und auf der Karte von Koos steht, macht
4M 240R
Summe
Acker: 508M 195R
Wüster Acker: 35M 240R
Wiese: 212M 105R
Heufuder: 42
Wald und Weideland: 294M 30R
Hofstellen, Obst- und Gemüsegärten: 19M 135R
Am 1. Mai 1705 ist das Dorf Wampen revidiert und wie folgt befunden worden
Neuer Acker, der seit der letzten Vermessung aufgebrochen wurde
[D1-D3]
3M 45R
D1 , Vom wüsten Acker Da aufgebrochen,
besteht aus etwas tief liegender sandig humoser Erde, liegt in vier Schlägen bei Feld B
2M 60R
D2 , vom wüsten Acker Da aufgebrochen,
magerer loser Sand, wird lediglich jedes vierte Jahr mit Roggen besät
45R
D3 , vom wüsten Acker Da aufgebrochen,
ist etwas tief liegende kiesige Sanderde, wird ebenfalls in vier Schlägen bei Feld D bewirtschaftet, und beinhaltet
240R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Da, Dieses Stück von Da liegt bei der Weide Heidenholz
und ist mit Nr. 4 bezeichnet. Es
besteht aus sehr tief liegendem, sandig humosen Grasland, RRev 400 das als
Acker nutzbar ist. Es ist mit langem, großen Gras bewachsen, das hier "Besem"5 genannt wird.
Dieser Teil von Da, mit Nr. 5
bezeichnet, besteht aus moriger und kaltgrundiger Sanderde mit kurzer Heide und Moos
bewachsen, als Acker wegen seines kalten und sandigen Grundes nicht zu nutzen, darüber hinaus stechen die Bewohner Torf auf
diesem Stück, das sie als Feuerung brauchen, da sie großen Mangel an Brennholz haben.
URev 270 Da, mit Nr.
6 bezeichnet, besteht aus magerer, loser Sanderde, die gut aufgepflügt werden kann,
doch dann wird es nicht öfter als jedes vierte , fünfte oder sechste Jahr besät werden können.
Nr. 7
besteht aus tief liegender und kaltgrundiger, steinig-kiesiger Sanderde, als Acker nahezu
unbrauchbar, denn wenn Hochwasser und Flut sind, wenn starke Ost- und Nordwinde gehen, RRev 401 gehen das Wasser oder die Salzsee darüber.
Nr. 8
war niemals Acker, sondern in alten Zeiten mit Flachs besät, denn alte Ackergräben trennen
es von den Ackerfeldern, Darüber hinaus gibt es einen sandig humosen Bruch, der wohl hier und dort mit Flachs besät werden
könnte, wenn er umzäunt würde.
Ef , von der Wiese Ef, ein Teil beim
Ackerfeld Ba war einst Acker, ist nun aber sehr tief liegend. Scheint nie mehr als Acker nutzbar zu sein, denn nun steht das
Wasser fast überall, nur einige höhere Hügel ragen aus dem Wasser.
Fl, ein Teil von Fl beim Sandfeld gelegen, und
mit Nr. 9 bezeichnet, war in alten
Zeiten Acker, besteht aus reinem losem und sehr mageren Sand, mit kleinem kurzen Heidkraut bewachsen, ist wegen seines losen
sandigen Bodens weder RRev 402 als Acker noch als Weide nutzbar. Das
Wetter würde den Boden wegschwemmen, wenn er aufgebrochen würde, so wie die Stürme bereits hier und dort große Senken in die
Hügel geblasen haben.
Summe
Neuer Acker: 3M 45R
R 403 U 281Annotationen über Wampen
Vom Acker
Der Acker ist mit einem Wort überall recht gut, mit Ausnahme einiger Kampe, die aus Sand bestehen, und lediglich jedes vierte Jahr ein Mal besät werden. Der Acker ist hier in vier Schläge aufgeteilt, und wird jedes vierte Jahr gedüngt.
Von Aussaat
Jeder kann hier fünfeinhalb Drömt Roggen, fünfeinhalb Drömt Gerste, vier fünf Drömt Hafer, ein Drömt Erbsen und ein Drömt
Weizen aussäen. So viel können sie jährlich aussäen, mit Ausnahme von Karkfeld , in das sie ein Drömt weniger säen. Weizen können sie nicht gleichviel in alle Felder säen, in das Koser Feld wird soviel wie ein Drömt gesät.
Hier kann man durchweg, sagt der Schulze, acht Scheffel aus einem erhalten, doch sein Nachbar sagte, das wäre zuviel, sechs
wären genug. Ich aber halte es mit dem Schulzen, denn der Acker ist gut genug, seine Bodengüte kann man am besten in der Ausrechnung
ersehen.
Von Wiesen
Jeder kann nach eigener Aussage nicht mehr als sieben vollständige Fuder Heu bekommen, R 404 ergibt für sechs Stücke 42 Fuder.
Hier könnte Wiese genug sein, doch werden sie wegen der Weide für das Vieh nicht jedes Jahr eingezäunt. Außerdem sagen die
Bauern, dass, selbst wenn sie die Wiesen für das Vieh entbehren könnten, diese nicht jedes Jahr Heu geben. Darum tauschen
sie jedes Jahr zwischen Weide und den Wiesen.
U 282 Anmerkung: Ich habe auf der Karte lediglich die Wiesen genannt, die dieses Jahr eingezäunt waren und die anderen als Weiden
bezeichnet. Doch ist verständlich, dass Langewisch auch eine Wiese ist, aber Heidenholz wird nur an der See geheut wenn die Saatzeit ist. Hier war in alten Zeiten ein Eichenwald, doch nun ist hier flaches Weideland.
Von Vieh
Nr. 1, der Schulze, besitzt zehn Pferde, zehn Kühe, fünf Tiere junges Vieh, zehn Schafe, zehn Schweine. Nr. 2 hat zehn Pferde,
zehn Kühe, fünf Rinder, zehn Schafe und zehn Schweine.
So viel halten die anderen auch.
R 405 Hier ist anzumerken, dass es einen Schäferknecht gibt, Stoffer Rodas mit Namen, der selber 100 Schafe besitzen soll, die
die Bauern zur Hälfte mit ihm zusammen nutzen. Die Bauern versorgen ihn und die Schafe, dafür hütet er auch die Schafe der
Bauern.
Von Bienen
Bienen gedeihen hier nicht, wird gesagt. Jeder hat etwa zwei oder drei Stöcke.
Von Fischen
Sie wohnen hier zwar direkt an der See, betreiben aber keinen Fischfang.
Vom Gesinde
Jeder hält einen Knecht, einen Jungen und zwei Mägde, doch diejenigen, die große Kinder haben, gebrauchen diese.
R 406Vom Hofdienst
Sie geben wohl ihre Pacht und sollten mit Recht frei von Diensten sein, doch klagen sie, dass sie dennoch fünf Tage im Jahr in Eldena Dienst leisten müssen; drei Tage davon pflügen sie und zwei Tage dienen sie in der Erntezeit mit zwei Mann. Das habe der Amtmann aufgebracht: Zuerst sollte es aus gutem Willen heraus geleistet werden und sie hätten Trank und Speise dafür auf dem Hof erhalten. Doch nunmehr würden sie dazu gezwungen und müssten sich selbst verpflegen. Das müssten alle im Amt leisten, außer denen, die bei einigen Verwaltern oder auf einem Ackerwerk dienten.
Von Abgaben
Jeder Bauer soll 16 Scheffel Magazinkorn6 geben, im letzten Jahr waren es für diese nur zwölf.
Reitersteuer7 gibt jeder jeden Monat 10 Mark und einen Stempel.
Diese Abgaben werden von den fünf alten Bauern geleistet, der neue ist noch frei.
Die Einlieger zahlen hier wie anderswo im Amt.
1 Laut Urkarte vermessen von Abraham Hesselgreen.
2 Dreißigjähriger Krieg 1618-1648.
3 Der Brandenburgische Krieg (Schonenkrieg) 1675-1679: Trotz des Großmachtstatus war die Situation Schwedens unsicher, im Osten bedrängte Russland die schwedischen Provinzen, Polen war ein Unsicherheitsfaktor, Brandenburg spähte nach Schwedisch-Pommern während Dänemark die verloren Gebiete in Südschweden zurückgewinnen wollte. Bereits 1672 ging Schweden ein Bündnis mit Frankreich ein, das gegen die Niederlande gerichtet war. Dafür sagte Frankreich seinem Bündnispartner finanzielle Unterstützung für die kontinentalen Truppen zu und versprach im Falle eines dänischen Angriffs militärische Hilfe. Im selben Jahr fiel Frankreich in die Niederlande ein, die sich daraufhin mit Brandenburg verbündeten. Dänemark tat sich mit dem Kaiser zusammen und war bereit, in den Krieg einzugreifen, sobald eine andere Macht Frankreich zur Hilfe eilen sollte. Dennoch stationierte Schweden auf Drängen des französischen Bündnispartners Truppen in Pommern. Allerdings suchte Schweden erfolglos den Ausgleich mit seinem nordischen Nachbarn. Im Dezember 1674 fiel der Reichsmarschall Wrangel ohne Angriffsbefehl in brandenburgisches Gebiet ein. Das Vorhaben endete mit der Niederlage bei Fehrbellin 1675. Daraufhin erklärten der Kaiser und einige Zeit später auch Dänemark dem schwedischen Reich den Krieg. Für Schweden sah die Lage kritisch aus, trotzdem gelang Schweden im Dezember 1676 bei der blutigen Schlacht um Lund ein knapper Sieg. Weitere Erfolge schließen sich an. Im Jahr 1679 kommt es zu Friedensschlüssen, dabei verpflichtete sich Brandenburg, die in Schwedisch-Pommern eroberten Gebiete zurückzugeben. Die beiden skandinavischen Reiche verhandelten ihren Frieden allein, das Schutz- und Trutzbündnis ratifizierte Karl XI. schließlich am 8. Oktober 1679. In: Busch, Michael: Krieg – Krise – Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden.
4 Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist. Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.
5 plattdeutsch für Binsen.
6 Roggen der als Magazinkorn eingelagert wurde. Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.
7 Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.