Beschreibung des Bauerndorfes Ladebow, das zum Amt Eldena gehört1
Dieses Dorf liegt an der Einfahrt zu Greifswald, Rick genannt, die hier die Grenze an der Südseite ist.
An der Westseite grenzt der Ort an die Stadt Greifswald und Neuenkirchen, sowie im Norden an Wampen und an der Ostseite ist
die
Seebucht zwischen Pommern und Rügen. Dieses Dorf geht im Fischerort Wieck zur Kirche, wo es eine Kirche gibt und alle Sonntage
gepredigt wird.
Jetzt wohnen hier nur vier Bauern, ein Fischer sowie ein Kuhhirte. Wie viele hier früher wohnten wissen die
Einwohner nicht zu berichten.
Namen der Einwohner
| 1 . Petter
Braun 2 . Michel Hass 3 . Hinrich Lüder 4 . Jochom Sweder |
Vollbauern und Untertäniger, versteuern sechs Hufen und geben jeder 100 Gulden Pacht. Ergibt für vier: 200 Gulden. |
5 . Hinrich Möller, Fischer in
Wieck, hat sich aber in das Haus eingemietet, das Jochom Sweder gehört.
6 . Claus Hass, Kuhhirte auf seinem Hof.
7 . Hinrich Kobb,
Schweinehirte.
R 411 Notiz: Früher haben die Bauern för acht
Hufen Steuern gezahlt2 , jetzt aber nicht mehr als für sechs. Die Ursache Ursache erklären sie so: seitdem der Amtmann hier auf ihrem Weideland eine
Ziegelei hat bauen lassen, woher auch das Material für die Ziegel genommen wird, wird also auch ihr Weideland verdorben. Dann
haben
die Bauern schließlich soviel Minderung erwirkt. Diese Ziegelei hat hier ungefähr acht Jahre gestanden.
Arealausrechnung des Bauerndorfes Ladebow
Der Acker wird in vier Felder geteilt:
[A,B,C,D] 265M 180R
| A
Strandfelt 82M 180R B Baumstückenfelt 70M 285R C Twelfrodenfelt 50M 225R D Rosendalschefelt 61M 90R |
Diese Felder bestehen überall aus lockerem Humusboden auf ebenem Land |
E Wentsfelt besteht aus Sand und wird nur stückeweise jedes vierte Jahr als Acker bestellt, es umfasst 39M 75R. Davon haben die Kossaten3 in Wieck sechs Morgen, die davon abgerechnet werden und in der Ausrechnung zu Wieck aufgeführt werden. Hierher gehören also, wenn die sechs Morgen abgezogen sind 33M 75R
Wüster Acker
F zwei Stücke wüster Acker, etwas niedrig liegend 2M 75R
Wiesen.
[G]
[Ertrag] 20 Heufuder
45M 255R
Ga
Soltwisch ist eine Wiese mit kurzem Graswuchs und
ziemlich festem Grund, umfasst 40 Morgen und 150 Ruten wovon sieben Morgen abgezogen werden, die R 413 in Wieck bestellt werden, bleiben also
33M 150R
Gb
neun Wiesenecken im und neben dem Feld, mit durchschnittlichem Graswuchs, ergeben
12M 150R
H: Wald und Weideland
[H]
347M 150R
Ha
ein Erlen- und Haselwald bei Wentsfelt ,
ergibt
8M 285R
Hb
junger Laubwald aus Birken und Erlen an der Grenze zu Wampen zwei Stücke, sowie im
Wentsfelt , ergeben
19M 90R
U 297 Hc
flaches, gutes Weideland auf beiden Seiten von Ladebow, mit den Wegen innerhalb des Dorfes.
Wo dieses Zeichen
4 zu finden ist, stehen einige Espen
86M 90R
Hd
flaches, sumpfiges Weideland mit ziemlich guter Weide, wo
Bäume
darauf zu finden, es sind Eichen auf festerem Boden, ergibt
91M 30R
R 414 He
fester, hügeliger Boden mit dünnem Gras oder Heide darauf, zur Grenze nach Wampen hin
niedrig liegend, ergibt mit Danholtz
75M 150R
Hf
Ladebower Moor , morastiges Weideland, welches das
Vieh nur nutzen kann, wenn das Jahr nicht sehr nass ist
66M 115
Hofstellen
Hofstellen, bei denen jeder einen kleinen Obst- und Gemüsegarten hat, ergeben mit den Wegen
vorne beim Feld und einem mit p
bezeichneten Tümpel
7M
Summe
Acker: 298M 255R
Wüster Acker: 2M 75R
Wiese: 45M 255R
Heufuder: 20 Heufuder
Wald und Weideland: 347M 150R
Hofstellen: 7M
Am 29. April des Jahres 1705 wurde das Bauerndorf Ladebow revidiert und wie folgt befunden
Hier im Dorf ist seit der letzten Vermessung nichts verändert oder aufgebrochen worden. Denn die beiden wüsten Ackerstücke, die auf der Karte mit F gekennzeichnet sind, liegen sehr niedrig und sind von kaltgründigem Sandboden, der zum Acker nicht besonders geeignet, aber gute Weide ist. Man findet hier auch keine Gelegenheit, mehr Acker aufzubrechen. Hb ist wohl in alten Zeiten Acker gewesen, aber nun so tief liegend, dass meistens überall das Wasser stand und wird niemals aufgebrochen werden, wenn nicht alle Gräben aufgegraben und instand gehalten werden, damit das Wasser ablaufen könnte.
R 416 U 293Annotationen des Bauerndorfes Ladebow
Die Beschaffenheit des Ackers
Der Acker liegt hier in vier Schlägen und ist zum größten Teil wohl gut und besteht aus lockerem Humusboden. Ausgenommen ist
das Wentsfelt , das aus Sand besteht. Hier und da wird davon ein Stück aufgebrochen, nach Aussage der Bauern, jedes dritte Jahr, ich glaube
wohl jedes vierte Jahr. Dieses wird auch nicht gedüngt, also kann es nicht viel tragen.
Im Wentsfelt ist festzustellen, dass die drei Kossaten aus Wieck jeder seine zwei Morgen zwischen deren Acker haben. Sonst haben die
Kossaten ihren Acker hier auf ihrer Feldmark liegen, nämlich zwei Stücke Swarteland und eine Hufe Land, Cöterhuff genannt. Dieser Acker besteht zumeist aus Sand.
Hier hat auch der Krüger aus Wieck ein Stück Acker, Krogland genannt, das zum Krug selbst gehört.
Über die Aussaat
Jeder kann jährlich drei Drömt Roggen, drei Drömt Gerste, zwei Drömt Hafer, Erbsen jeder sieben oder acht Sch Erbsen, Buchweizen
jeder sechs Scheffel säen. Hier wird auch manchmal Weizen gesät. Dieses Jahr wurden sechs Sch gesät wie ich sah, aber sonst
meinen sie, diesen nicht anzubauen. Hier ist zu bemerken, dass Erbsen und Hafer in einem Schlag gesät werden.
Hier kann laut Aussage, das dritte, vierte, fünfte und sechste Korn erzielt werden und auch wohl mehr, wenn die Jahre danach
sind. Hier sollen die nassen Jahre die besten sein, weil der Acker an sich sehr locker und trocken ist.
Über Wiesen
Die Wiesen sind hier nicht besonders gut, weder an Größe noch an Güte. Es ist anzumerken, dass der Krüger aus Wieck in der Wiese Soltwisch vier Morgen hat und der Fährmann einen Morgen. Die Kossaten haben dort zwei Morgen. Das ergibt sieben Morgen. R 418 Von dieser Wiese können dieselben in guten Jahren jeder fünf Fuder bekommen, ergibt für vier Bauern 20 Fuder. Die anderen bekommen in guten Jahren ungefähr ein kleines Fuder von jedem Morgen. Sonst haben sie keine besondere Wiese, außer einem Tümpel oder zwei, wo manchmal gemäht wird.
Über Weideland
Weideland wäre schließlich gut genug, aber es ist sehr knapp, wegen des Ladebower Moors , wo kein Vieh hin gelangen kann, weil es so morastig ist. Sonst ist anzumerken, die Kossaten aus Wiek haben hier auf der Feldmark freie Weide, denn bei Wieck ist nicht mehr Raum als der, auf dem sie wohnen. Ausgenommen einige Ackerwurten und Wiesenecken wie es die Ausrechnung angibt.
Über Vieh
Jeder Bauer hat oder hält acht Pferde und zwei oder drei Fohlen, sowie zehn Stück Großvieh, acht Schafe und zehn Schweine.
Sie können sowohl über den Sommer R 419 als auch über den Winter etwas mehr Vieh halten, aber nun haben sie nicht mehr.
Michel Hass hat drei Kühe und vier Hakenochsen mehr als die anderen.
Der Kuhhirte hat eine Kuh, die ihm gehört.
Der Schweinehirte hat auch eine Kuh.
Über Fischerei
Sie können hier wohl frei fischen und Fischgewässer ist genügend, aber sie nutzen es nicht, denn sie haben keine Zeit dafür. Manchmal pflegen sie, Aal zu stechen.
Über Gesinde
Jeder von ihnen hat einen Knecht, einen Mittelknecht, einen Jungen und eine Magd. Der Schulze hat eigene Leute oder Kinder, die alt genug sind, ihm zu helfen.
Über Obstgärten
Ein jeder hat einen Garten mit einigen Bäumen, die auch bei ihren Hofstellen inbegriffen sind und nicht mehr einbringen als für den Hausbedarf.
1 Wurde laut Urschrift von Abraham Hesselgreen vermessen.
2 Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.
3 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
4 In der Urschrift ist folgendes symbol vermerkt: