Beschreibung des wüsten Gutes Frätow, das im Mai des Jahres 1697 vermessen wurde1
Dieser wüste Hof ist in der Brandenburgischen Zeit2 vor 20 Jahren verwüstet worden und seitdem wird nun seit acht Jahren von den Bauern aus
Karrendorf bewirtschaftet. Sonst gehört der Ort unter die Stadt Greifswald und liegt im Kirchspiel Gristow.
Hat vorher zehn Jahre wüst gelegen, und die Bauern haben den Acker aufgebrochen,
dafür gaben sie im ersten Jahr zusammen 50 Gulden und seitdem immer mehr. Nun geben sie dafür 160 Gulden Pacht
an die Stadt, und sechs Gulden Tribunalsteuer, 3 die sie auch seit zwei Jahren geben. Hier haben früher sechs Vollbauern gewohnt.
Der Ort
grenzt im Norden an Gristows Innenbucht, im Westen an Mesekenhagen, im Süden an Karrendorf und im Osten an Lieps und Wisch.
Arealausrechnung des wüsten Hofes Frätow
Der Ackerwird in vier Felder geteilt
Königsfelt war dieses Jahr das Roggenfeld
Ab genanntes Feld besteht aus magerem Humus mit weißem Sand sehr vermischt und aus Sandgrund 75M 30R
Mittelfelt , dieses Jahr Gerstenfeld
[C]
71M 30R
Cb
besteht aus sandvermischtem Lehmhumus auf ebenem Land
68M 45R
Cc
ein Stück daneben, tief liegend und kaltgründig
2M 285R
Koppelfelt , dieses Jahr Haferfeld
[D]
74M 75R
Db
hoch liegender Sandhumus
10M 120R
Dc
durchschnittlicher Lehmhumus, teils niedrig und kalt, insbesondere in der Nähe von
Karrendorf 53M 285R
De zwei kleine Ackerkämpe aus Sandhumus bestehend
1M 180R
Df
zwei brach liegende Ackerstücke oder Sumpf, die dieses Jahr besät waren, jedoch scheinen
sie so gut wie der übrige Acker, ergeben
5M 255R
Dg
ein Stück, ebenso, beim Feld Cb und Eb, ergibt
2M 135R
Das Feld Före Dörn genannt, war Brache
[E]
69M 255
Eb
durchschnittlich guter Lehmhumus auf ebenem Land, und drei Stücke, jedoch in den Wiesen etwas tief liegend, und das eine trennt ein Graben von den
anderen, ergeben an Areal
65M 120R
Ec
ein kaltgründiges Stück, zur See hin gelegen, ergibt
1M 105R
Ed
ein Stück, ebenso von gleicher Art und Natur, in der Wiese G,
ergibt
3M 30R
Wüster Acker
[F]
17M 285R
F
ein Stück, etwas tief liegender, wüster Acker bei Ab, ergibt
14M 210R
Fa
ein Stück, ebenso, mit Heide bewachsen und höher liegend beim Acker Ab unten am Seestrand
3M 75R
Wiesen
[G]
[Ertrag] 40 1/2 Heufuder
95M 240R
G
Wiesen ganz vorn zwischen den Feldern bestehen aus durchschnittlich gutem Graswuchs,
umfassen
35M 255R
R 246 Ga
FretowPferdekoppel genannt, kurzer Graswuchs, und
ist früher als Weideland genutzt worden
20M
Gb
drei Stücke Wiese von keinem besonderen Graswuchs, die zwei beim Feld D, das andere im Feld
gelegen
11M 105R
Gc
zwei Stücke Wiesenecken mit festem Rasen, eine beim Feld Cb und die andere in Eb, ergeben
beide
3M 150RGd
drei Stücke Wiese mit kurzem Graswuchs, nicht besonders ertragreich, von denen liegt eine
an der Grenze zu Wisch und die dritte zwischen der Grenze von Wisch und Lieps, ist von gutem Graswuchs, ergeben
24M 225R
Ge
eine kleine Ecke bei der Grenze zu Lieps, mit gutem Graswuchs, ergibt
105R
Wald undWeideland
[Wald und Weideland insgesamt]
201M 135R
H
das gesamte Weideland zwischen der Grenze von Lieps zur Fretow Pferdekoppel und der Grenze Mesekenhagens umfasst
190M 255R
R 247
U 174 Ha
HoheBusch mit Eichen- und Espenwald sowie Runne-Busch
mit Weidensträuchern ergeben zusammen
2M 270R
neun Stücke buschige Feuchtwiesen inner- und außerhalb des Feldes,
gute Weide, ergeben
7M
p
drei Stücke Grastümpel
210R
Ruinen
[Ruinen insgesamt]
4M 135R
bedeuten Häuserruinen des wüsten Dorfes Frätow,
bestehen aus vier Symbolen, wozu gute Weide und einige alte Äpfel- und Kirschbäume von geringer Bedeutung gehören, ergeben zusammen
1M 255R
j
ist ein Wassertümpel bei der Grenze zu Lieps, ungefähr zwei Fuß
tief, ergibt
4M
k
ist ein Sandberg beim Feld D, ergibt 2M 210R
Notiz: Der Acker A und die Wiese D gehören zu Lieps und sind dort aufgeführt.
Summe
Acker: 290M 90R
Wüster Acker: 17M 285R
Wiese: 95M
240R
Heufuder: 47 1/2 Heufuder
Wald undWeideland: 201M 135R
Ruinen: 4M 135R
Am 4. Mai des Jahres 1705 wurde das Dorf Frätow revidiert und wie folgt befunden
Neu aufgebrochener Acker seit der vorigen Vermessung
F1 ist sehr kaltgründiger, tief liegender Sandboden, etwas humos, von F aufgebrochen, liegt in vier Schlägen, wird im Feld A bestellt 3M
Beschreibung des übrigenwüsten Ackers
F
ein Teil von F ist mit Nr. 2 gekennzeichnet und als Acker geeignet. Doch es ist etwas
niedrig und besteht aus scharzem, etwas humosen Sandboden, eine Viertel Elle tief, aber darunter reiner Sand. 5M 270R
Das
übrige von F besteht aus sehr niedrigem, schwärzlichem und moorigem Boden, als Weide brauchbarer denn als Acker, wenn es nicht
so sehr vom Trampeln der Tiere verdorben wäre, wäre es gute Weide.
Fa nach wie vor wüst, liegt niedrig und ist kaltgründiger, humusvermischter Sandboden. Es scheint unbrauchbar zu sein. Jedoch meinte der Verwalter, URev 264 darauf am ehesten Rüben säen zu können, so wie in Ab RRev 249 URev 264 jedes zehnte Jahr nichts anderes als Rüben gesät werden kann. So könnte das gesamte Stück, nämlich Ab und Fb bewirtschaftet werden, und wenn es mit Gräben versehen werde, könnte es wohl häufiger genutzt werden.
Seit der vorigen Vermessung wurde hier ein Hof gebaut, der von Jochim Kleen bewohnt wird. Er gibt für das gesamte Frätow 200 Rthl Pacht.
Summe
NeuerAcker: 3M
R 250 U 175Annotationen des wüsten Hofes Frätow
Über denAcker
Dieser Acker liegt in vier Schlägen wie der andere in Karrendorf und wird so im Wechsel der Felder oder Saat wie folgt besät:
Im Königsfelt werden 24 Sch Roggen, 20 Sch Gerste und 24 Sch Hafer gesät.
Im Mittelfelt werden 20 Sch Roggen, 18 Sch Gerste und 24 Sch Hafer gesät.
Im Förn Dörn werden 19 Sch Roggen, 18 Sch Gerste und 20 Sch Hafer gesät.
Im Koppelfelt werden 20 Sch Roggen, 18 Sch Gerste und 24 Sch Hafer gesät.
Sowohl hier als auch in Karrendorf wird der Acker jedes vierte Jahr gedüngt, nämlich die Brache.
ÜberWiesen
In Frätow gibt es zwei Wiesen, sie heißen Fretokoppel und Freto Kuhl , beide waren zuvor Weide, berichten die Bauern. Aber nun sind sie als Wiese eingezäunt und die Karrendorfer können alle, laut Aussage, davon 36 Fuder bekommen, wenn diese beiden mit gemäht werden.
Diese Wiesen sind von gleicher Güte und Beschaffenheit wie die in Karrendorf.
1 Wurde laut Urschrift von Abraham Hesselgreen vermessen.
2 Der Brandenburgische Krieg (Schonenkrieg) 1675-1679: Trotz des Großmachtstatus war die Situation Schwedens unsicher, im Osten bedrängte Russland die schwedischen Provinzen, Polen war ein Unsicherheitsfaktor, Brandenburg spähte nach Schwedisch-Pommern während Dänemark die verloren Gebiete in Südschweden zurückgewinnen wollte. Bereits 1672 ging Schweden ein Bündnis mit Frankreich ein, das gegen die Niederlande gerichtet war. Dafür sagte Frankreich seinem Bündnispartner finanzielle Unterstützung für die kontinentalen Truppen zu und versprach im Falle eines dänischen Angriffs militärische Hilfe. Im selben Jahr fiel Frankreich in die Niederlande ein, die sich daraufhin mit Brandenburg verbündeten. Dänemark tat sich mit dem Kaiser zusammen und war bereit, in den Krieg einzugreifen, sobald eine andere Macht Frankreich zur Hilfe eilen sollte. Dennoch stationierte Schweden auf Drängen des französischen Bündnispartners Truppen in Pommern. Allerdings suchte Schweden erfolglos den Ausgleich mit seinem nordischen Nachbarn. Im Dezember 1674 fiel der Reichsmarschall Wrangel ohne Angriffsbefehl in brandenburgisches Gebiet ein. Das Vorhaben endete mit der Niederlage bei Fehrbellin 1675. Daraufhin erklärten der Kaiser und einige Zeit später auch Dänemark dem schwedischen Reich den Krieg. Für Schweden sah die Lage kritisch aus, trotzdem gelang Schweden im Dezember 1676 bei der blutigen Schlacht um Lund ein knapper Sieg. Weitere Erfolge schließen sich an. Im Jahr 1679 kommt es zu Friedensschlüssen, dabei verpflichtete sich Brandenburg, die in Schwedisch-Pommern eroberten Gebiete zurückzugeben. Die beiden skandinavischen Reiche verhandelten ihren Frieden allein, das Schutz- und Trutzbündnis ratifizierte Karl XI. schließlich am 8. Oktober 1679. In: Busch, Michael: Krieg – Krise – Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden.
3 Für die im Westfälischen Frieden zugesprochenen norddeutschen Provinzen erhielt Schweden das privilegium de non appellando. Damit verbunden war die Verpflichtung, ein eigenes Oberappellationsgericht als Substitut des Reichskammergerichts einzurichten. Dieses 'Tribunal' wurde nach 1648 in Wismar errichtet; die Etablierungsphase endete allerdings erst 1664 mit der vollständigen Besetzung der Richterstellen. Die Finanzierung sollte durch die deutschen Provinzen Schwedens geleistet werden. Diese Tribunalsteuer lag in Pommern im Verantwortungsbereich des ständischen Landkasteneinnehmers, der sich direkt an jede Ortsobrigkeit wenden sollte. Aufgrund der starken Kriegsschäden in Pommern verzögerten sich in den ersten Jahrzehnten nach Gründung die Zahlungen allerdings häufig oder gingen nur unregelmäßig ein, erst zum Ende des 17. Jahrhunderts begannen die Zahlungen regelmäßig zu fließen. Dähnert, Johann Carl: Platt-deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1782, S. 228.