R 243   U 171 

Beschreibung des wüsten Gutes Frätow, das im Mai des Jahres 1697 vermessen wurde1 

Dieser wüste Hof ist in der Brandenburgischen Zeit2  vor 20 Jahren verwüstet worden und seitdem wird nun seit acht Jahren von den Bauern aus Karrendorf bewirtschaftet. Sonst gehört der Ort unter die Stadt Greifswald und liegt im Kirchspiel Gristow. Hat vorher zehn Jahre wüst gelegen, und die Bauern haben den Acker aufgebrochen, dafür gaben sie im ersten Jahr zusammen 50 Gulden und seitdem immer mehr. Nun geben sie dafür 160 Gulden Pacht an die Stadt, und sechs Gulden Tribunalsteuer, 3  die sie auch seit zwei Jahren geben. Hier haben früher sechs Vollbauern gewohnt.
Der Ort grenzt im Norden an Gristows Innenbucht, im Westen an Mesekenhagen, im Süden an Karrendorf und im Osten an Lieps und Wisch.

 R 244   U 172 

Arealausrechnung des wüsten Hofes Frätow

Der Ackerwird in vier Felder geteilt

Königsfelt war dieses Jahr das Roggenfeld

Ab  genanntes Feld besteht aus magerem Humus mit weißem Sand sehr vermischt und aus Sandgrund  75M 30R

Mittelfelt , dieses Jahr Gerstenfeld

[C]   71M 30R
Cb  besteht aus sandvermischtem Lehmhumus auf ebenem Land  68M 45R
Cc  ein Stück daneben, tief liegend und kaltgründig  2M 285R

Koppelfelt , dieses Jahr Haferfeld

[D]   74M 75R
Db  hoch liegender Sandhumus  10M 120R
Dc  durchschnittlicher Lehmhumus, teils niedrig und kalt, insbesondere in der Nähe von Karrendorf 53M 285R
De zwei kleine Ackerkämpe aus Sandhumus bestehend  1M 180R
Df  zwei brach liegende Ackerstücke oder Sumpf, die dieses Jahr besät waren, jedoch scheinen sie so gut wie der übrige Acker, ergeben  5M 255R
Dg  ein Stück, ebenso, beim Feld Cb und Eb, ergibt  2M 135R

 R 245 

Das Feld Före Dörn genannt, war Brache

[E]   69M 255
Eb  durchschnittlich guter Lehmhumus auf ebenem Land, und drei Stücke, jedoch in den Wiesen etwas tief liegend, und das eine trennt ein Graben von den anderen, ergeben an Areal  65M 120R
Ec  ein kaltgründiges Stück, zur See hin gelegen, ergibt  1M 105R
Ed  ein Stück, ebenso von gleicher Art und Natur, in der Wiese G, ergibt  3M 30R

 U 173 

Wüster Acker

[F]   17M 285R
F  ein Stück, etwas tief liegender, wüster Acker bei Ab, ergibt  14M 210R
Fa  ein Stück, ebenso, mit Heide bewachsen und höher liegend beim Acker Ab unten am Seestrand  3M 75R

Wiesen

[G]  [Ertrag] 40 1/2 Heufuder  95M 240R
G  Wiesen ganz vorn zwischen den Feldern bestehen aus durchschnittlich gutem Graswuchs, umfassen  35M 255R
 R 246 Ga  FretowPferdekoppel genannt, kurzer Graswuchs, und ist früher als Weideland genutzt worden  20M
Gb  drei Stücke Wiese von keinem besonderen Graswuchs, die zwei beim Feld D, das andere im Feld gelegen  11M 105R
Gc  zwei Stücke Wiesenecken mit festem Rasen, eine beim Feld Cb und die andere in Eb, ergeben beide  3M 150RGd  drei Stücke Wiese mit kurzem Graswuchs, nicht besonders ertragreich, von denen liegt eine an der Grenze zu Wisch und die dritte zwischen der Grenze von Wisch und Lieps, ist von gutem Graswuchs, ergeben  24M 225R
Ge  eine kleine Ecke bei der Grenze zu Lieps, mit gutem Graswuchs, ergibt  105R

Wald undWeideland

[Wald und Weideland insgesamt]   201M 135R
H  das gesamte Weideland zwischen der Grenze von Lieps zur Fretow Pferdekoppel und der Grenze Mesekenhagens umfasst  190M 255R
 R 247   U 174 Ha  HoheBusch mit Eichen- und Espenwald sowie Runne-Busch mit Weidensträuchern ergeben zusammen  2M 270R
Symbol 36 Symbol 36  neun Stücke buschige Feuchtwiesen inner- und außerhalb des Feldes, gute Weide, ergeben  7M
p  drei Stücke Grastümpel  210R

Ruinen

[Ruinen insgesamt]   4M 135R
Symbol 13 Symbol 73 Symbol 36  bedeuten Häuserruinen des wüsten Dorfes Frätow, bestehen aus vier Symbolen, wozu gute Weide und einige alte Äpfel- und Kirschbäume von geringer Bedeutung gehören, ergeben zusammen  1M 255R
j  ist ein Wassertümpel bei der Grenze zu Lieps, ungefähr zwei Fuß tief, ergibt  4M
k  ist ein Sandberg beim Feld D, ergibt  2M 210R

Notiz: Der Acker A und die Wiese D gehören zu Lieps und sind dort aufgeführt.

Summe

Acker: 290M 90R
Wüster Acker: 17M 285R
Wiese: 95M 240R
Heufuder: 47 1/2 Heufuder
Wald undWeideland: 201M 135R
Ruinen: 4M 135R

 RRev 248   URev 263 

Am 4. Mai des Jahres 1705 wurde das Dorf Frätow revidiert und wie folgt befunden

Neu aufgebrochener Acker seit der vorigen Vermessung

F1  ist sehr kaltgründiger, tief liegender Sandboden, etwas humos, von F aufgebrochen, liegt in vier Schlägen, wird im Feld A bestellt  3M

Beschreibung des übrigenwüsten Ackers

F  ein Teil von F ist mit Nr. 2 gekennzeichnet und als Acker geeignet. Doch es ist etwas niedrig und besteht aus scharzem, etwas humosen Sandboden, eine Viertel Elle tief, aber darunter reiner Sand. 5M 270R
Das übrige von F besteht aus sehr niedrigem, schwärzlichem und moorigem Boden, als Weide brauchbarer denn als Acker, wenn es nicht so sehr vom Trampeln der Tiere verdorben wäre, wäre es gute Weide.

Fa  nach wie vor wüst, liegt niedrig und ist kaltgründiger, humusvermischter Sandboden. Es scheint unbrauchbar zu sein. Jedoch meinte der Verwalter,  URev 264 darauf am ehesten Rüben säen zu können, so wie in Ab  RRev 249   URev 264 jedes zehnte Jahr nichts anderes als Rüben gesät werden kann. So könnte das gesamte Stück, nämlich Ab und Fb bewirtschaftet werden, und wenn es mit Gräben versehen werde, könnte es wohl häufiger genutzt werden.

Seit der vorigen Vermessung wurde hier ein Hof gebaut, der von Jochim Kleen bewohnt wird. Er gibt für das gesamte Frätow 200 Rthl Pacht.

Summe

NeuerAcker: 3M

 R 250   U 175 

Annotationen des wüsten Hofes Frätow

Über denAcker

Dieser Acker liegt in vier Schlägen wie der andere in Karrendorf und wird so im Wechsel der Felder oder Saat wie folgt besät:
Im Königsfelt werden 24 Sch Roggen, 20 Sch Gerste und 24 Sch Hafer gesät.
Im Mittelfelt werden 20 Sch Roggen, 18 Sch Gerste und 24 Sch Hafer gesät.
Im Förn Dörn werden 19 Sch Roggen, 18 Sch Gerste und 20 Sch Hafer gesät.
Im Koppelfelt werden 20 Sch Roggen, 18 Sch Gerste und 24 Sch Hafer gesät.
Sowohl hier als auch in Karrendorf wird der Acker jedes vierte Jahr gedüngt, nämlich die Brache.

ÜberWiesen

In Frätow gibt es zwei Wiesen, sie heißen Fretokoppel und Freto Kuhl , beide waren zuvor Weide, berichten die Bauern. Aber nun sind sie als Wiese eingezäunt und die Karrendorfer können alle, laut Aussage, davon 36 Fuder bekommen, wenn diese beiden mit gemäht werden.
Diese Wiesen sind von gleicher Güte und Beschaffenheit wie die in Karrendorf.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Abraham Hesselgreen
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Abraham Hesselgreen vermessen.

2  Der Brandenburgische Krieg (Schonenkrieg) 1675-1679: Trotz des Großmachtstatus war die Situation Schwedens unsicher, im Osten bedrängte Russland die schwedischen Provinzen, Polen war ein Unsicherheitsfaktor, Brandenburg spähte nach Schwedisch-Pommern während Dänemark die verloren Gebiete in Südschweden zurückgewinnen wollte. Bereits 1672 ging Schweden ein Bündnis mit Frankreich ein, das gegen die Niederlande gerichtet war. Dafür sagte Frankreich seinem Bündnispartner finanzielle Unterstützung für die kontinentalen Truppen zu und versprach im Falle eines dänischen Angriffs militärische Hilfe. Im selben Jahr fiel Frankreich in die Niederlande ein, die sich daraufhin mit Brandenburg verbündeten. Dänemark tat sich mit dem Kaiser zusammen und war bereit, in den Krieg einzugreifen, sobald eine andere Macht Frankreich zur Hilfe eilen sollte. Dennoch stationierte Schweden auf Drängen des französischen Bündnispartners Truppen in Pommern. Allerdings suchte Schweden erfolglos den Ausgleich mit seinem nordischen Nachbarn. Im Dezember 1674 fiel der Reichsmarschall Wrangel ohne Angriffsbefehl in brandenburgisches Gebiet ein. Das Vorhaben endete mit der Niederlage bei Fehrbellin 1675. Daraufhin erklärten der Kaiser und einige Zeit später auch Dänemark dem schwedischen Reich den Krieg. Für Schweden sah die Lage kritisch aus, trotzdem gelang Schweden im Dezember 1676 bei der blutigen Schlacht um Lund ein knapper Sieg. Weitere Erfolge schließen sich an. Im Jahr 1679 kommt es zu Friedensschlüssen, dabei verpflichtete sich Brandenburg, die in Schwedisch-Pommern eroberten Gebiete zurückzugeben. Die beiden skandinavischen Reiche verhandelten ihren Frieden allein, das Schutz- und Trutzbündnis ratifizierte Karl XI. schließlich am 8. Oktober 1679. In: Busch, Michael: Krieg – Krise – Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden.  

3  Für die im Westfälischen Frieden zugesprochenen norddeutschen Provinzen erhielt Schweden das privilegium de non appellando. Damit verbunden war die Verpflichtung, ein eigenes Oberappellationsgericht als Substitut des Reichskammergerichts einzurichten. Dieses 'Tribunal' wurde nach 1648 in Wismar errichtet; die Etablierungsphase endete allerdings erst 1664 mit der vollständigen Besetzung der Richterstellen. Die Finanzierung sollte durch die deutschen Provinzen Schwedens geleistet werden. Diese Tribunalsteuer lag in Pommern im Verantwortungsbereich des ständischen Landkasteneinnehmers, der sich direkt an jede Ortsobrigkeit wenden sollte. Aufgrund der starken Kriegsschäden in Pommern verzögerten sich in den ersten Jahrzehnten nach Gründung die Zahlungen allerdings häufig oder gingen nur unregelmäßig ein, erst zum Ende des 17. Jahrhunderts begannen die Zahlungen regelmäßig zu fließen.  Dähnert, Johann Carl: Platt-deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1782, S. 228.