R 223   U 156 

Beschreibung des Bauerndorfes Jeeser, das im Mai 1697 vermessen wurde1 

Dieses Dorf liegt im Greifswalder Distrikt und im Kirchspiel Gristow, es gehört zur Stadt Greifswald.

Namen der Bewohner

1.  Jochim Bung, Schulze, eine Hufe
2.  Casten Papk, Halbbauer, eine halbe Hufe
3.  Jacob Lodwig, Halbbauer , eine Hufe
4.  Christopher Klempin, Halbbauer, eine halbe Hufe
5.  Hindrich Gens, Vollbauer, dreiviertel Hufe, versteurt für dreiviertel Hufe, hat aber soviel zu bewirtschaften wie die anderen
6. Hindrich Möl, Bauer, eine Hufe
Diese zusammen sind alle untertänig

Kossaten2 

7. Hindrich Basdow,Leinweber
8. Jakob Pesar,Tagelöhner
[Diese zusammen sind alle untertänig]

9.  Michel Schadbur, Leinweber, freier Mann
10.  Kuhhirt

 R 224   U 156 

Arealausrechnung des Bauerndorfes Jeeser

A . Mühlenfeld , war dieses Jahr das Roggenfeld, besteht aus folgenden Bodenarten

[A]   126M 135R
Ab , Hoch liegender durchschnittlich guter Lehmhumus  40M 240R
Ac , hoch liegender Sandhumus  24M 180R
Ad , sandhaltiger Lehmhumus  20M 195R
Ae , drei sandige Ackerstücke, ergeben  34M 165R
Af , zwei Ackerstücke, die letztens von der Heide aufgebrochen wurden und aus Sand bestehen  5M 244R

B . Im Karkfeld , war dieses Jahr Sommerfeld

[B]   96M 240R
Ba , Hoch liegender Sand, etwas humushaltig  30M 105R
α , ein kleiner Kamp dabei, von gleicher Bodengüte  45R
Bb , vier Stücke hoch liegender Acker aus Sandhumus bei der Grenze von Mannhagen und Demitzow, ergibt  50M 135R
Bc , ein Stück dabei, das jüngst vom wüsten Acker aufgebrochen wurde, von gleicher Bodenart  1M 75R
Bd , ein Stück Sandhumus bei den Häusern, gehört aber zu diesem Feld  14M 180R

 R 225   U 157 

C . Koppelschlag , war dieses JahrBrache

[C]   121M 180R
Ca , Hoch liegender sandhaltiger Lehmhumus  21M 45R
Cb , hoch liegender Sandhumus, in fünf Stücken beieinander liegend  100M 135R

D , fünf abgetrennte Ackerstückchen bei den Häusern, die aus Humus bestehen  6M 270R

 U 158 

E . Wüster Acker

[E, ö]   222M 165R
E , 13 Stücke wüster Acker bei der Grenze zu Mannhagen, die mit Heidekraut bewachsen sind und aus Sandhumus bestehen 78M 90R, von denen bei diesem Zeichen Symbol 36  buschiger wüster Acker mit einer Fläche von 4M 15R verzeichnet ist,  78M 90R
Ea , ein Stück mit Heidekraut bewachsener wüster Acker beim Feld Bb  3M
Eb , zwei ebensolche Stücke bei der Grenze zu Klein Wendorf  121M 165R
Ec , noch zwei Stücke wüster Acker bei der Grenze zu Jager  10M 180R
Ed , drei Stücke bei der Grenze zu Hoppenhuff von derselben Art  5M 135R
ö , fünf kleine wüste Ackerstreifen bei Fuhlenwisch  3M 195R
Dieser wüste Acker könnte durchaus überall aufgebrochen werden, doch ist anzumerken, dass er zumeist aus Sand und Sandhumus besteht.

 R 226 

F . Wiesen

[F]  [Heuertrag] 18 Fuder  35M 270R
Fa , sumpfige morastige Wiese bei der Grenze zu Mannhagen  19M 195R
Fa , eine kleine bessere Wiese ebendort  105R
Fb , Stenkul und Fuhlenwisch sind ertragreichere Wiesen und von besserem Gras  8M 135R
Fc , Salsbruch , moorige Wiese bei der Grenze zu Kirchdorf  7M 135R

 U 159 

Wald und Weideland

[Gesamt] 266M 225R
G , Sumpfiges, flaches und morastiges Weideland, auf das das Vieh in nassen Jahren nicht gelassen werden kann, denn, so sagen die Bauern, es ertrinke dort, ergibt an Fläche  48M
Ga , fünf Weideflecken, von denen drei bei der Grenze zu Klein Wendorf und zwei an der Grenze zu Jager liegen  11M 150R
Gb , vier Weideflecken mit Weiden- und anderen Büschen bestanden 30M 285R
 R 227  Gc,allerhand junger Laubwald von Eiche, Birke und Weide, teils auf festem teils auf niedrigem Boden, wo das Vieh auch sein Futter haben kann  65M 105R
ebenso zwei Koppeln beim Dorf 14M 90R
Gd , junger lichter Kiefernwald auf demHeideland  32M 210R
Ge , flaches und festes Heideland in der Weide G  10M 210R
Gf , Mühlenberg , wo in alten Zeiten eine Windmühle gestanden hat, der Platz ist mit Sträuchern bewachsen  180R
Ha , ein untaugliches Hangmoor, GroteMoor genannt  22M 135R
Hb , sechs andere kleine Moore, zwei am JeeserSee , zwei bei der Grenze zu Demitzow, eines bei Ba und eins bei Ca  22M 165R
p , sind 18 kleine Tümpel innerhalb und außerhalb derAckerfelder

Hofstellen

[Hofstellen gesamt]   15M 90R
Symbol 68  bebauteHofstellen
ÖT , wüste Stellen
Symbol 87  die Wege innerhalb des Dorfes, alles zusammen beinhaltet  15M 90R

Seen und Fischgewässer

J , Der JeeserSee , der Große und Kleine SalsbruchSee beinhalten  13M 105R

Summe

Acker: 351M 225R
Wüster Acker: 222M 165R
Wiese: 35M 270R
Heufuder: 18
Wald undWeideland: 266M 225R
Hofstellen: 15M 90R
Seen undFischgewässer: 13M 105R

 RRev 228   URev 254 

Am 15. Mai 1705 ist das Dorf Jeeser revidiert und wie folgt befunden worden, nämlich

Neuer Acker, der seit der letzten Vermessung aufgebrochen wurde

[Neuer Acker gesamt]   53M 225R
E1 , Vom wüsten Acker Ea aufgebrochen, besteht aus etwas humoser Sanderde, wird in drei Schlägen bei Feld Bb bebaut  2M 30R
E2 , zehn Stücke, von E aufgebrochen, ebene Sanderde, etwas humushaltig, wird bei Feld B bewirtschaftet  18M 150R
E3 , zwölf Stücke, von E aufgebrochen, bestehen aus magerem Sand, werden gemeinhin beim Feld Cb bewirtschaftet  15M 270R
Ö , ist vollständig aufgebrochen, besteht aus oben genannter Güte und Bewirtschaftung  3M 195R
E5 , zwei Stücke von Eb aufgebrochen, sind Gilländer , bestehen aus magerem, reinen Sand, der lediglich jedes fünfte bis sechste Jahr besät wird  5M 30R
 URev 255  E6 , drei Stücke von Ec aufgebrochen, tief liegende magere Sanderde, kann lediglich jedes dritte Jahr ein Mal besät werden  2M 210R
 RRev 229  E7 , drei Stücke von Ed aufgebrochen, hoch liegende, magere kieselige Sanderde, die jedes dritte Jahr ein Mal mit Roggen oder Hafer besät werden kann.
Ötd , fünf kleine Ackerstreifen, die von der wüsten Hofstelle Ö.T. aufgebrochen sind, bestehen aus Sandhumus, werden gemeinhin jährlich mit Flachs oder Hanf besät, bisweilen auch mit anderer Saat  1M 120R

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

Ea , das Übrige von Es besteht aus Sandkuhlen, die als Acker vollständig unbrauchbar sind.
E , das Übrige von E könnte durchaus aufgebrochen werden, doch nicht häufiger als jedes fünfte oder sechste Jahr besät werden, RRev 230  URev 256  denn es besteht aus magerem losem Sandgrund, der überall mit Heidekraut und teils mit Sträuchern bestanden ist.
Eb , zwei Stücke von Eb, mit Nr. 9 bezeichnet, könnten aufgebrochen werden, doch nicht häufiger als jedes sechste bis neunte Jahr besät werden, bestehen aus magerer Sanderde, mit Heidekraut bewachsen  31M 240R
Eb , das Übrige von Eb, bestehen aus magerem Rotsand, teils hügelig und hoch liegend, als Acker unbrauchbar.
Ec , das Übrige von Ec besteht aus tief liegendem Sand und ist voller Wassertümpel, überall mit Heide und Weidenbüschen bestanden, als Acker unbrauchbar
Ed , das Übrige von Ed ist hoch liegender magerer grober steiniger Sand, als Acker nicht zu nutzen
L , In Hoppenhuff liegt nun wie früher alles wüst, besteht aus hoch liegender magerer steiniger Sanderde, mit kleinen Heidesträuchern bewachsen, als Acker unbrauchbar.

Summe

NeuerAcker: 53M 225R

 R 231   U 160 

Annotationen über Jeser

Der Acker liegt hier in drei Schlägen und besteht zu einem Teil aus Sand, zu einem weiteren aus Sand- und Lehmhumus, wie die Karte es ausweist.
Die Vollbauern säen jeder zweieinhalb Drömt Roggen, und zwei Drömt Gerste und Hafer, Erbsen säen sie jeder drei Scheffel in die Brache, manchmal auch weniger. Jeder sät einen Scheffel Buchweizen.
Die Halbbauern säen halb so viel wie ein Vollbauer, die Einlieger haben keine Acker zum Bewirtschaften.
Wenn gute Jahre sind, können sie nach eigener Aussage das vierte Korn wieder erhalten, die besten Jahre sind die feuchten, vor allem, da die Felder zumeist sehr hoch liegen. Der beste Acker wird alle drei Jahre gedüngt, den Sandacker düngen sie nicht, sondern lassen ihn hier und dort für zwei oder drei Jahre ruhen, ganz nach Gutdünken. Hier im Dorf ist ein wüster Hof mit dem dazugehörigen Acker, der ist von den Greifswaldern zur einen Hälfte nach Kirchdorf und zur anderen Hälfte nach Jager für acht Rtlr Pacht und zweieinhalb RtlrDienstgeldern3  verpachtet worden. Diese Hufe heißt Hoppenhuff und ist getrennt vermessen worden. Sie besteht zum großen Teil aus Sand.

 R 232   U 161 

Von Wiesen

Jeder Bauer kann nach ihren Berichten drei Fuder Heu erhalten, die Halbbauern die Hälfte davon, jeder anderthalb Fuder.
Der Schulze besitzt eine Wiese bei Kowall, er ist der Eigentümer und sie bringt ihm drei Fuder, sie heißt Kronswinkel . Weideland haben sie hier sehr wenig, in nassen Jahren müssen sie an anderen Orten etwas pachten. Wüsten Acker gibt es hier genug, auf dem das Vieh wohl Heidekraut abweiden kann, doch geht das Vieh dort nicht gern zur Weide, auch pflegt der Pächter auf Gristow seine Schafe hier aus das Heideland zu treiben.
Brennholz gibt es hier für den Hausbedarf, doch nicht mehr, wenn sie etwas zum Bauen benötigen, müssen sie es kaufen, sagen sie.

Von Vieh

Der Schulze hält sechs Pferde, zwei Zugochsen, sechs Schafe und neun Kühe, Nr. 2 besitzt zwei Pferde, zwei Zugochsen, zwei Schafe und zwei Kühe, Nr. 3 vier Pferde, zwei Zugochsen, zwei Schafe und drei Kühe, Nr. 4 hält zwei Pferde, zwei Zugochsen, drei Schafe und zwei Kühe, Nr. 5 hält sechs Pferde, zwei Zugochsen, zwei Schafe und vier Kühe, Nr. 6 fünf Pferde, zwei Ochsen , drei Schafe und drei Kühe, Nr. 7 zwei Schafe und eine Kuh, Nr. 8 eine Kuh. Nr. 9 besitzt keine Tiere. Im Sommer können sicher mehr gehalten werden, im Winter nichts.

 R 233   U 162 

Von Fischerei

Haben sie zum Hausbedarf in den Seen, die es hier gibt.

Vom Dienst

Früher haben sie in Demitzow gedient, doch nun leisten sie Dienstgeld4 , jeder Bauer 25 Rtlr, der Dreiviertelbauer gibt 18 Rtlr 36 Schilling, die Halbbauern leisten jeder die Hälfte.
Einzelne Obstgärten gibt es hier nicht, doch jeder Bauer hat einige Bäume und weitere kleine Gärtchen oder Gemüsegärten bei seinem Haus. Dieses Dorf versteuert für fünf Hufen weniger einem viertel Teil, mit Ausmahne der Hufe, die von Kirchdorf und Jager genutzt wird, und die auch hierher gehört. Wie sie nun abgetrennt ist, habe ich sie getrennt vermessen. Den wüsten Hof nutzt der Schulze und leistet dafür vier Rtlr Pacht, dabei liegt eineWurt5  von zwei Scheffeln Aussaat.

Von Abgaben

Sie wissen selbst nicht genau, was sie geben, doch sie sagen, es sei veröffentlicht, dass von einer Hufe ein Rtlr zu leisten sei. Sie geben jeder wohl anderthalb, manchmal einen Rtlr, alles wie es befohlen werde. Sie haben keine Quittungen, wissen also nicht was sie geben haben oder geben sollen. Jeder gibt 14 Scheffe Magazinroggen6 , jeder zehneinhalb Scheffel Nebenmodus7 , die Halbbauern jeder sieben. Die Einlieger geben wie Kirchdorf, jeder gibt für seine Kuh.

 R 234   U 163 

Arealausrechnung der Hoppenhuff, die auf der Jeeser Gemarkung liegt und jeweils zur Hälfte von Jager und Kirchdorf genutzt wird, nämlich

[K]   71M 30R
Ka , hoch liegender Sandhumus, beinhaltet  44M 270R
Kb , Acker, zumeist aus Sand und etwas Humus bestehend, macht  26M 60R

Wüster Acker

L , zwei Stücke, zwei Teile mit Heidekraut bewachsen, beinhaltet  3M
m , dreiWassertümpel  255R
Symbol 36 , ein kleiner buschiger Platz  60R
n , ein Morast mit einigen Bäumen oder jungem Laubwald , der dem Pastor in Gristow gehört  7M 135R

Summe

Acker: 71M 30R
Wüster Acker: 3M
Wald undWeideland: 8M 150R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Abraham Hesselgreen
Revision:
Anmerkungen:

1 Laut Urkarte vermessen von Abraham Hesselgreen.

2  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

3  Dienstgeld: eine Geldabgabe, welche die Untertanen an ihre Herrschaft als Ersatz für den erlassenen Frondienst zahlen müssen. Krünitz, Johann Georg, Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Haus- und Landwirtschaft, Bd 9, Berlin 1776, Sp. 298.

4  Dienstgeld: eine Geldabgabe, welche die Untertanen an ihre Herrschaft als Ersatz für den erlassenen Frondienst zahlen müssen. Krünitz, Johann Georg, Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Haus- und Landwirtschaft, Bd 9, Berlin 1776, Sp. 298.

5  Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist.  Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.

6  Roggen der als Magazinkorn eingelagert wurde. Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.

7  Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren.  Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.