Beschreibung des Bauerndorfes Jeeser, das im Mai 1697 vermessen wurde1
Dieses Dorf liegt im Greifswalder Distrikt und im Kirchspiel Gristow, es gehört zur Stadt Greifswald.
Namen der Bewohner
| 1.
Jochim Bung, Schulze, eine Hufe 2. Casten Papk, Halbbauer, eine halbe Hufe 3. Jacob Lodwig, Halbbauer , eine Hufe 4. Christopher Klempin, Halbbauer, eine halbe Hufe 5. Hindrich Gens, Vollbauer, dreiviertel Hufe, versteurt für dreiviertel Hufe, hat aber soviel zu bewirtschaften wie die anderen 6. Hindrich Möl, Bauer, eine Hufe |
Diese zusammen sind alle untertänig |
Kossaten2
| 7. Hindrich
Basdow,Leinweber 8. Jakob Pesar,Tagelöhner |
[Diese zusammen sind alle untertänig] |
9.
Michel Schadbur, Leinweber, freier
Mann
10.
Kuhhirt
Arealausrechnung des Bauerndorfes Jeeser
A . Mühlenfeld , war dieses Jahr das Roggenfeld, besteht aus folgenden Bodenarten
[A]
126M 135R
Ab , Hoch liegender
durchschnittlich guter Lehmhumus
40M 240R
Ac , hoch liegender Sandhumus
24M 180R
Ad , sandhaltiger Lehmhumus
20M 195R
Ae , drei sandige Ackerstücke,
ergeben 34M 165R
Af , zwei Ackerstücke, die letztens
von der Heide aufgebrochen wurden und aus Sand bestehen
5M 244R
B . Im Karkfeld , war dieses Jahr Sommerfeld
[B]
96M 240R
Ba , Hoch liegender Sand, etwas
humushaltig 30M 105R
α , ein kleiner Kamp dabei, von
gleicher Bodengüte
45R
Bb , vier Stücke hoch liegender Acker aus Sandhumus bei der Grenze von Mannhagen und Demitzow, ergibt
50M 135R
Bc , ein Stück dabei, das jüngst
vom wüsten Acker aufgebrochen wurde, von gleicher Bodenart
1M 75R
Bd , ein Stück Sandhumus bei den
Häusern, gehört aber zu diesem Feld
14M 180R
C . Koppelschlag , war dieses JahrBrache
[C]
121M 180R
Ca , Hoch liegender sandhaltiger
Lehmhumus 21M 45R
Cb , hoch liegender Sandhumus, in
fünf Stücken beieinander liegend
100M 135R
D , fünf abgetrennte Ackerstückchen bei den Häusern, die aus Humus bestehen 6M 270R
U 158E . Wüster Acker
[E, ö]
222M 165R
E , 13 Stücke wüster Acker bei der Grenze zu Mannhagen, die mit Heidekraut bewachsen sind und aus Sandhumus
bestehen 78M 90R, von denen bei diesem Zeichen
buschiger wüster Acker mit einer
Fläche von 4M 15R verzeichnet ist,
78M 90R
Ea , ein Stück mit Heidekraut bewachsener wüster Acker beim Feld Bb
3M
Eb , zwei ebensolche Stücke bei der
Grenze zu Klein Wendorf 121M 165R
Ec , noch zwei Stücke wüster Acker bei
der Grenze zu Jager
10M 180R
Ed , drei Stücke bei der Grenze zu Hoppenhuff von
derselben Art 5M 135R
ö , fünf kleine wüste Ackerstreifen bei Fuhlenwisch
3M 195R
Dieser wüste Acker könnte durchaus überall aufgebrochen werden,
doch ist anzumerken, dass er zumeist aus Sand und Sandhumus besteht.
F . Wiesen
[F]
[Heuertrag] 18 Fuder
35M 270R
Fa , sumpfige morastige Wiese bei der Grenze zu Mannhagen
19M 195R
Fa , eine kleine bessere Wiese ebendort
105R
Fb , Stenkul und Fuhlenwisch sind ertragreichere Wiesen und von besserem Gras
8M 135R
Fc , Salsbruch , moorige Wiese bei der Grenze zu Kirchdorf
7M 135R
Wald und Weideland
[Gesamt] 266M 225R
G , Sumpfiges, flaches und morastiges Weideland, auf das das Vieh in nassen Jahren nicht gelassen werden
kann, denn, so sagen die Bauern, es ertrinke dort, ergibt an Fläche
48M
Ga , fünf Weideflecken, von denen drei bei der Grenze zu Klein Wendorf und zwei an der Grenze zu Jager liegen
11M 150R
Gb , vier Weideflecken mit Weiden- und anderen Büschen bestanden 30M 285R
R 227 Gc,allerhand junger Laubwald von Eiche, Birke und Weide, teils auf festem teils auf
niedrigem Boden, wo das Vieh auch sein Futter haben kann
65M 105R
ebenso zwei Koppeln beim Dorf 14M 90R
Gd , junger
lichter Kiefernwald auf demHeideland
32M 210R
Ge , flaches und festes Heideland in der Weide G
10M 210R
Gf , Mühlenberg , wo in alten Zeiten eine Windmühle gestanden hat, der Platz
ist mit Sträuchern bewachsen
180R
Ha , ein
untaugliches Hangmoor, GroteMoor genannt
22M 135R
Hb , sechs andere kleine Moore, zwei am JeeserSee ,
zwei bei der Grenze zu Demitzow, eines bei Ba und eins bei Ca
22M 165R
p , sind 18
kleine Tümpel innerhalb und außerhalb derAckerfelder
Hofstellen
[Hofstellen gesamt]
15M 90R
bebauteHofstellen
ÖT , wüste Stellen
die Wege innerhalb des Dorfes, alles zusammen beinhaltet 15M 90R
Seen und Fischgewässer
J , Der JeeserSee , der Große und Kleine SalsbruchSee beinhalten 13M 105R
Summe
Acker: 351M 225R
Wüster Acker: 222M 165R
Wiese: 35M 270R
Heufuder: 18
Wald undWeideland: 266M 225R
Hofstellen:
15M 90R
Seen undFischgewässer: 13M 105R
Am 15. Mai 1705 ist das Dorf Jeeser revidiert und wie folgt befunden worden, nämlich
Neuer Acker, der seit der letzten Vermessung aufgebrochen wurde
[Neuer Acker gesamt]
53M 225R
E1 , Vom wüsten
Acker Ea aufgebrochen, besteht aus etwas humoser Sanderde, wird in drei Schlägen bei Feld Bb bebaut
2M 30R
E2 , zehn Stücke, von E aufgebrochen,
ebene Sanderde, etwas humushaltig, wird bei Feld B bewirtschaftet
18M 150R
E3 , zwölf Stücke, von E aufgebrochen,
bestehen aus magerem Sand, werden gemeinhin beim Feld Cb bewirtschaftet
15M 270R
Ö , ist vollständig aufgebrochen,
besteht aus oben genannter Güte und Bewirtschaftung
3M 195R
E5 , zwei Stücke von Eb aufgebrochen,
sind Gilländer , bestehen aus magerem, reinen Sand, der lediglich jedes fünfte bis
sechste Jahr besät wird
5M 30R
URev 255
E6 , drei Stücke von Ec aufgebrochen,
tief liegende magere Sanderde, kann lediglich jedes dritte Jahr ein Mal besät werden
2M 210R
RRev 229
E7 , drei Stücke von Ed aufgebrochen,
hoch liegende, magere kieselige Sanderde, die jedes dritte Jahr ein Mal mit Roggen oder Hafer besät werden kann.
Ötd , fünf kleine Ackerstreifen, die von der wüsten Hofstelle Ö.T. aufgebrochen sind, bestehen aus
Sandhumus, werden gemeinhin jährlich mit Flachs oder Hanf besät, bisweilen auch
mit anderer Saat
1M 120R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Ea , das Übrige von Es besteht aus Sandkuhlen, die als Acker vollständig unbrauchbar sind.
E , das Übrige von E könnte durchaus
aufgebrochen werden, doch nicht häufiger als jedes fünfte oder sechste Jahr besät werden, RRev 230 URev 256 denn es besteht
aus magerem losem Sandgrund, der überall mit Heidekraut und teils mit Sträuchern
bestanden ist.
Eb , zwei Stücke von Eb, mit Nr. 9
bezeichnet, könnten aufgebrochen werden, doch nicht häufiger als jedes sechste bis neunte Jahr besät werden, bestehen aus
magerer Sanderde, mit Heidekraut bewachsen
31M 240R
Eb , das Übrige von Eb, bestehen aus
magerem Rotsand, teils hügelig und hoch liegend, als Acker unbrauchbar.
Ec , das Übrige von Ec besteht aus
tief liegendem Sand und ist voller Wassertümpel, überall mit Heide und Weidenbüschen bestanden, als Acker unbrauchbar
Ed , das Übrige von Ed ist hoch
liegender magerer grober steiniger Sand, als Acker nicht zu nutzen
L , In Hoppenhuff liegt nun wie früher alles wüst, besteht aus hoch liegender magerer steiniger Sanderde, mit kleinen
Heidesträuchern bewachsen, als Acker unbrauchbar.
Summe
NeuerAcker: 53M 225R
R 231 U 160Annotationen über Jeser
Der Acker liegt hier in drei Schlägen und besteht zu einem Teil aus Sand, zu einem weiteren aus Sand- und Lehmhumus, wie
die Karte es ausweist.
Die Vollbauern säen jeder zweieinhalb Drömt Roggen, und
zwei Drömt Gerste und Hafer, Erbsen säen sie jeder drei Scheffel
in die Brache, manchmal auch weniger. Jeder sät einen Scheffel Buchweizen.
Die
Halbbauern säen halb so viel wie ein Vollbauer, die Einlieger haben keine Acker zum Bewirtschaften.
Wenn gute Jahre sind, können sie nach eigener
Aussage das vierte Korn wieder erhalten, die besten Jahre sind die feuchten, vor allem, da die Felder zumeist sehr hoch liegen.
Der
beste Acker wird alle drei Jahre gedüngt, den Sandacker düngen sie nicht, sondern
lassen ihn hier und dort für zwei oder drei Jahre ruhen, ganz nach Gutdünken. Hier im Dorf ist ein wüster Hof mit dem dazugehörigen Acker, der ist von den Greifswaldern zur
einen Hälfte nach Kirchdorf und zur anderen Hälfte nach Jager für acht Rtlr Pacht und zweieinhalb RtlrDienstgeldern3 verpachtet worden. Diese Hufe heißt Hoppenhuff und ist getrennt vermessen worden.
Sie besteht zum großen Teil aus Sand.
Von Wiesen
Jeder Bauer kann nach ihren Berichten drei Fuder Heu erhalten, die Halbbauern die Hälfte davon, jeder anderthalb Fuder.
Der Schulze besitzt eine Wiese bei Kowall, er ist der Eigentümer und sie bringt ihm drei Fuder, sie heißt Kronswinkel . Weideland haben sie hier sehr wenig, in nassen Jahren müssen sie an anderen
Orten etwas pachten. Wüsten Acker gibt es hier genug, auf dem das Vieh wohl Heidekraut abweiden kann, doch geht das Vieh dort nicht gern zur Weide, auch pflegt der Pächter auf Gristow seine Schafe hier aus das Heideland zu treiben.
Brennholz gibt es hier für den Hausbedarf, doch nicht mehr, wenn sie etwas zum Bauen benötigen, müssen sie
es kaufen, sagen sie.
Von Vieh
Der Schulze hält sechs Pferde, zwei Zugochsen, sechs Schafe und neun Kühe, Nr. 2 besitzt zwei Pferde, zwei Zugochsen, zwei Schafe und zwei Kühe, Nr. 3 vier Pferde, zwei Zugochsen, zwei Schafe und drei Kühe, Nr. 4 hält zwei Pferde, zwei Zugochsen, drei Schafe und zwei Kühe, Nr. 5 hält sechs Pferde, zwei Zugochsen, zwei Schafe und vier Kühe, Nr. 6 fünf Pferde, zwei Ochsen , drei Schafe und drei Kühe, Nr. 7 zwei Schafe und eine Kuh, Nr. 8 eine Kuh. Nr. 9 besitzt keine Tiere. Im Sommer können sicher mehr gehalten werden, im Winter nichts.
R 233 U 162Von Fischerei
Haben sie zum Hausbedarf in den Seen, die es hier gibt.
Vom Dienst
Früher haben sie in Demitzow gedient, doch nun leisten sie Dienstgeld4 , jeder Bauer 25 Rtlr, der Dreiviertelbauer gibt 18 Rtlr 36 Schilling,
die Halbbauern leisten jeder die Hälfte.
Einzelne Obstgärten gibt es hier
nicht, doch jeder Bauer hat einige Bäume und weitere kleine Gärtchen oder Gemüsegärten bei seinem Haus. Dieses Dorf
versteuert für fünf Hufen weniger einem viertel Teil, mit Ausmahne der Hufe, die von Kirchdorf und Jager genutzt wird, und
die auch
hierher gehört. Wie sie nun abgetrennt ist, habe ich sie getrennt vermessen. Den wüsten Hof
nutzt der Schulze und leistet dafür vier Rtlr Pacht, dabei liegt eineWurt5 von zwei Scheffeln Aussaat.
Von Abgaben
Sie wissen selbst nicht genau, was sie geben, doch sie sagen, es sei veröffentlicht, dass von einer Hufe ein Rtlr zu leisten sei. Sie geben jeder wohl anderthalb, manchmal einen Rtlr, alles wie es befohlen werde. Sie haben keine Quittungen, wissen also nicht was sie geben haben oder geben sollen. Jeder gibt 14 Scheffe Magazinroggen6 , jeder zehneinhalb Scheffel Nebenmodus7 , die Halbbauern jeder sieben. Die Einlieger geben wie Kirchdorf, jeder gibt für seine Kuh.
R 234 U 163Arealausrechnung der Hoppenhuff, die auf der Jeeser Gemarkung liegt und jeweils zur Hälfte von Jager und Kirchdorf genutzt wird, nämlich
[K]
71M 30R
Ka , hoch liegender Sandhumus,
beinhaltet
44M 270R
Kb , Acker,
zumeist aus Sand und etwas Humus bestehend, macht
26M 60R
Wüster Acker
L , zwei Stücke, zwei Teile mit Heidekraut bewachsen, beinhaltet
3M
m , dreiWassertümpel
255R
, ein kleiner
buschiger Platz
60R
n , ein Morast mit einigen Bäumen oder jungem Laubwald , der dem Pastor in Gristow gehört
7M 135R
Summe
Acker: 71M 30R
Wüster Acker: 3M
Wald undWeideland: 8M 150R
1 Laut Urkarte vermessen von Abraham Hesselgreen.
2 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
3 Dienstgeld: eine Geldabgabe, welche die Untertanen an ihre Herrschaft als Ersatz für den erlassenen Frondienst zahlen müssen. Krünitz, Johann Georg, Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Haus- und Landwirtschaft, Bd 9, Berlin 1776, Sp. 298.
4 Dienstgeld: eine Geldabgabe, welche die Untertanen an ihre Herrschaft als Ersatz für den erlassenen Frondienst zahlen müssen. Krünitz, Johann Georg, Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Haus- und Landwirtschaft, Bd 9, Berlin 1776, Sp. 298.
5 Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist. Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.
6 Roggen der als Magazinkorn eingelagert wurde. Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.
7 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.