R 235   U 165 

Beschreibung vom Bauernhof Karrendorf, welches im Mai 1697 vermessen wurde

Dieses Dorf liegt im Distrikt Greifswald und im Kirchspiel Gristow, eine kleine Meile nordöstlich von der Stadt Greifswald und gehört dort der Heilig-GeistKirche, grenzt im Norden an das wüste Gut Frätow, im Osten an dieHolländerei1  Wisch, im Südosten an den KooserSee, im Süden an Leist und dem wüsten Gut Hankenhagen, im Westen an Mesekenhagen.

Die Namen der Einwohner

Nr. 1  Clauß Papk,Schulze
Nr. 2  Zacharias Bång,Vollbauer
Nr. 3  Joris Meckelburg,Vollbauer

Nr. 4  Michel Lovin
Nr. 5  Marten Möller
Halbbauern, diese beiden haben zusammen soviel Acker wie einVollbauer

Nr. 6  Frantz Brandeburg,Bauer
Nr. 7  Petter Brehmer,Bauer
Nr. 8  Clauß Hopp, ein alter Bauer, der Ackerbau angegeben hat
Nr. 9  darin wohnt eine Frau
Nr. 10  Jochim Schunman,Kuhhirte
Nr. 11  Hans Stilow, Schweinehirte

Hier haben die Bauern acht Hufen versteuert, aber später hat ihre Obrigkeit, die darüber bestimmt, ihnen befohlen neun [Hufen] zu versteuern.

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Arealausrechnung von Karrendorf

Der Acker wurde hier in vier Felder geteilt und besteht aus folgenden Bodenarten

A Dieses Jahr Roggenfeld, liegt neben dem Dorf

[A]   82M 30R
Aa  Lehmhumus auf mittelmäßig hohen Land,  20M 255R
Ab  sandvermischter Lehmhumus,  21M 135R
Ac  Sandhumus,  39M 240R

B Mittelfelt, dieses Jahr Gerstenfeld, liegt an Mesekenhagens Grenze

[B]   74M 240R
Ba  sandvermischter Lehmhumus auf ebenem Land, an den Seiten neben den Wiesen etwas tiefliegend, ergibt  72M 225R
Bb  ein Stück Brachacker, der dieses Jahr nicht bewirtschaftet wurde,  2M 15R

Das Schlag beÿ Fretower Felt,Haferfeld

C  mittelmäßig guter Lehmhumus, neben den Wiesen etwas tiefliegend,  120M 240R

Die Brache Hohe Brucks Schlag liegt an den Grenzen von Mesekenhagen und Hankenhagen

[D]   74M 120R
Da  Lehmhumus auf ebenem Land,  58M 150R
Db  tiefliegender und kaltgründiger Acker,  15M 270R

 R 237   U 167 

Wiesen

[E]   154M 60R
Ea  Bredewisch an Leists Grenze, mit kurzem Graswuchs und nicht besonders ertragreich,  74M 120R
Eb  Bruchswisch sumpfige Wiese, mit ziemlich gutem Graswuchs, liegt an Hankenhagens Grenze,  14M 60R
Ec  drei Stück Wiesenflecken mit gutem Graswuchs zwischen den Feldern B und D, sowie zwei im Feld D, umfassen  4M 225R
Ed  festere Wiese zwischen dem Feld B und C, welche die Bauern zum anbinden ihrer Pferde nutzen, sie ist jedoch besser als Bredewisch,  13M 180R
Ee  trockene, hochliegende Wiese zwischen Bredewisch und dem Feld A,  2M 240R
Ef  sind zwei Wiesen bei Leists Grenze, eine auf jeder Seite vom Weg und von gleicher Beschaffenheit [wie] Bredewisch, ergeben  17M 120R
Eg  drei Wiesen mit mittelmäßigem Graswuchs, die eine an Frätows Grenze, die anderen beiden unmittelbar daneben,  21M 45R
Eh  ein kleines Stück, ebenso am Weg zu Frätow, ergibt  30R
Eh  ebenso eine sumpfige Wiese, liegt an der Grenze der Holländerei Wisch,  5M 240R

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Weideland

[F,o]   260M 120R
Fa  das Weideland von der Wiese Fretow Kuhl vorn zum Dorf bis zum Graben, wo die Figur endet, besteht aus ziemlich guter Weide und ist hier und da mit Furchenrücken und Salzwasserwassergräben oder Flüssen unterbrochen. In diesem Weideland ist keine genaue Grenze zwischen hier und dem wüsten Gut Frätow, sondern es wird zwischen den beiden Dörfern alsAllmende betrachtet und es ist anzumerken, dass ich wegen der Ausrechnung eine Grenze nach eigenem Glauben gemacht oder gezogen habe und es wurde also danach berechnet und erwähntes Weideland ergibt bis zu der Grenze,  236M 255R
Fb  ein Espenhain unweit der Häuser zu  3M 30R
Fc  das Weideland unweit und durch das Dorf, sowie Symbol 87  Wege durch die Felder, ergeben  18M 240R
Fd  sind vier Stücke buschige Flecken, drei Stück im Feld B und eins liegt beim Feld oder Acker Ab, umfassen  1M 120R
o  eine kleine Lehmgrube im Acker Bb, ergibt  75R

Hofstellen

[Hofstellen insgesamt]   7M 30R
Symbol 68  bewohnte Stellen, worin jeder Bauer sein Gemüsegärtchen hat, sowie einige Bäume stehen hat, ergeben  5M 240R
öd  drei wüsteHöfe,  1M 90R

Summe

Acker: 352M 30R
Wiese: 154M 60R
Heufuder: 77
Weideland: 260M 120R
Hofstellen: 7M 30R

 RRev 239   URev 261 links 

Am 1. Mai 1705 wurde das Dorf Karrendorf revidiert und wie folgt befunden, nämlich:

Hier im Dorf wurde seit der vorigen Vermessung nichts neu bewirtschaftet. Auch gibt es hier keine Gelegenheit, weder von der Wiese noch von der Weide, etwas zu bewirtschaften.

Sonst verursacht das Wasser hier im Herbst und im Frühling großen Schaden und das Weideland Fa hat 8 bis 12 Ellen an einigen Stellen beim Strand abgenommen.

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Annotationen von Karrendorf im Distrikt Greifswald

Über Acker und Aussaat

Dieser Acker wird in vier Felder geteilt, nämlich A Roggen, B Gerste, C Hafer und Erbsen, sowie dieses Jahr D2  Brache, und sie können wie folgt nach eigener Aussage aussäen:
Im Krogh-fält, das Feld A ist, wenn es Roggenfeld ist, können sie Roggen säen jeder: 20 ScheffelRoggen3 , 18 Scheffel Gerste, 24 Scheffel Hafer. In dieses Feld können sie keine Erbsen säen.
Ins Mittelfelt können sie säen: 20 Scheffel Roggen4 , 18 Scheffel Gerste, 24 Scheffel Hafer, 4 Scheffel Erbsen
In das Feld, welches Das Schlag beÿ Fretower Felt genannt wird, sät jeder: 24 Scheffel Roggen5 , 24 Scheffel Gerste, 24 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Erbsen
In Hohe Bruk, das jetzt brach lag, ist an den Seiten kaltgründig, und deshalb müssen sie so viel mehr säen 24 Scheffel Roggen6 , 24 Scheffel Gerste, 24 Scheffel Hafer, 4 Scheffel Erbsen

So wird hier von jedem gesät, wie oben angegeben. Zum Verständnis: wenn das Feld gewechselt wird, wie zum Beispiel, wenn A Roggenfeld ist, säen sie so viel Roggen, nämlich 20 Scheffel pro Person. Ist es Gerstenfeld wird darin soviel Gerste gesät, wie oben steht, nämlich 18 Scheffel und so werden Hafer und Erbsen zusammen in ein Feld gesät. Das Vierte liegt brach. Dieser Acker sieht in meinen Augen aus, als wäre er gut genug, aber die Bauern klagen, dass, wenn große Fluten sind, das salzige Wasser meistens überall hingeht und davon wird er so kaltgründig, dass er nicht tragen will. Die Bauern wiesen also nicht, was sie gewinnen können. Sie sagen höchstens das dritte Korn wiederzubekommen und wenn trockene Frühjahre sind und dann hin und wieder Regen meinen sie wohl etwas mehr zu bekommen, aber das ist selten, klagen sie.

 R 241 

Über Wiesen

Wiesen sind hier genug, wie die Karte und Ausrechnung ausweisen aber nicht besonders ertragreich, wie es an manchen Stellen scheint, denn sie werden ebenso von der Flut verdorben, sagen die Bauern, was wohl auch sein kann, denn hier und da liegen auf den Wiesen große Bülten, die die Flut errichtet. Sie meinen überall nicht mehr Heu als 36 Fuder bekommen zu können, welches meines Erachtens wenig zu sein scheint, denn sie können wenigstens durchweg ½ Fuder pro Morgen bekommen.

Über Weideland

Weideland ist hier auch gut genug und die Bauern meinen darin keine Grenzen zwischen dem wüstenHof Frätow und diesem Gut zu kennen, sondern berichten, es war größtenteils Allmende und sie haben es damit so gehalten, als noch Einwohner in Frätow waren, dass jene, die zuerst gekommen waren, die haben das Recht gehabt ihr Vieh dort zu weiden. Und jene, die zuletzt kamen, mussten nachgeben. Es ist also zu bemerken, die Grenze oder Strichelung, die ich dazwischen gemacht habe, ist nur nach Gutdünken wegen der Ausrechnung übertragen und danach berechnet.

 U 170 

ÜberWald

Holz haben sie keines, weder zum Brennen noch zum Bauen, und sie müssen ihr Brennholz von anderen Orten kaufen, sowie von Hildebrandshagen jeder jährlich für 2 Rthl.

 R 242 

Über Vieh

Jeder Bauer hat nach eigener Aussage außer jungem 12 Pferde, 8 Kühe, 8 Schafe und 10 Schweine. Die Halbbauern jeder halb soviel. Sie pflegen auch Vieh zu nehmen und über den Sommer für Fremde zu füttern, wofür sie Weidegeld für eine Kuh 10 lß, für ein Kalb 4 lß bekommen. Dieses ist so zu verstehen, dass, wenn sie nicht den wüstenHof Frätow in Benutzung hätten, könnten sie nicht so viel Vieh halten. Sie haben auch viel mehr als sie angegeben haben.

Über Abgaben

Pacht geben sie an die Heilig-Geist [Kirche] jeder 11 Rthl, nämlich die Vollbauern. Die Halbbauern geben beide soviel, ergibt 66 Rthl.
Dienstgelder geben sie jeder 25 Rthl, ergibt für zwei Halb- und fünf Vollbauern 150 Rthl.
Magazinroggen7  haben sie pro Hufe 14 Scheffel gegeben, welches für alle acht Hufen 112 Scheffel ergibt.
Reitersteuer8  geben sie zusammen jetzt im Monat 8 Rthl 18 ß vorpom, ergibt im Jahr 100 Rthl 24 ß
Dieses haben sie in zwei Monaten gegeben, aber früher nicht mehr als 6 Rthl und 30 ß. Was sie sonst abgeben wissen sie nicht. Weil sie keine Quittungen dafür bekommen, können sie sich also nicht erinnern, was sie geben.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Anke Maiwald M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Abraham Hesselgreen
Revision: Laurenz Balck, Johan Hesselgren
Anmerkungen:

1  „Holländerei nennet man ein Etablissement, wo die Bewohner das ihnen zugeschlagene Land und Wiesen bei ihren Hofstellen in einem unzertrennten Zusammenhange liegen haben, und durch richtige Grenzen aus aller Gemeinschaft mit ihren Nachbarn gesetzt sind. Da diese Art der Einrichtung zuerst von der in Holland befindlichen entlehnet worden ist, so hat solches vermutlich Gelegenheit gegeben, dergleichen neue Anlagen Holländereien zu nennen. Besonders aber pflegt man denen Etablissements, bei welchen die Hauptsache in der Viehzucht und dem Wiesewachs besteht, diesen Nahmen beizulegen, indem auch in Holland die Haupteinnahme des Landmannes auf der Viehzucht beruhet.“  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, Bd. 24, Berlin 1781, Sp. 343.

2 Die Bezeichnung "D" ist der Urschrift entnommen. Anstelle von "D" steht in der Reinschrift "B".

3 Die Bezeichnung "Roggen" ist der Urschrift entnommen. Anstelle von "Roggen" steht in der Urschrift "Gerste".

4 Die Bezeichnung "Roggen" ist der Urschrift entnommen. Anstelle von "Roggen" steht in der Urschrift "Gerste".

5 Die Bezeichnung "Roggen" ist der Urschrift entnommen. Anstelle von "Roggen" steht in der Urschrift "Gerste".

6 Die Bezeichnung "Roggen" ist der Urschrift entnommen. Anstelle von "Roggen" steht in der Urschrift "Gerste".

7  Roggen der als Magazinkorn eingelagert wurde. Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.

8  Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.