R 194   U 141 

Beschreibung des wüsten Anwesens Kowall, das im Greifswalder Distrikt liegt, unter den Rat in Greifswald gehört und im Mai 1697 vermessen wurde1 

Dieses wüste Dorf liegt im Kirchspiel Gristow und grenzt im Norden und Osten an Gristow, im Süden an Mesekenhagen, im Westen an Kirchdorf und die Allmende, die Gemeindeweide, die Im Streek heißt.
Hier lebt nunmehr ein Krüger allein, er bebaut sechs Ackerkämpe, vier in der Nähe des Hauses und zwei am Landweg nach Mesekenhagen. Er zahlt für den Krug 15 Rtlr Pacht an den Verwalter in Gristow, wieviel Pacht dies darüberhinaus bringt, habe ich nicht in Erfahrung bringen können, doch wird eine gewisse Summe nach Gristow gezahlt, die dort dann verzeichnet sein wird.

 R 195   U 142 

Arealausrechnung des wüsten Anwesens Kowall

DerAcker

[Acker gesamt]   216M 45R
Es ist anzumerken, dass er hier nicht in spezielle Felder geteilt, sondern ganz nach eigenem Gutdünken bebaut wird. Er besteht aus folgenden Bodenarten:
A , überall guter Lehmhumus an vier Stellen, und mitten auf dem größten Stück ziemlich hoch liegend, an den Rändern etwas weniger, aber nicht zu seinem Schaden, an Fläche  109M 255R
B , zwei Stücke sandiger Acker etwas mit Lehm vermengt, hoch liegend  56M 270R
C , ein Ackerstück beim Krug von schwarzem Humus, etwas niedrig liegend  6M 240R
D , sandhaltiger Lehmhumus auf ebenem Land  19M 30R
E , fester Lehm, ein Kamp an der Wiese J:a  255R
F , ein Stück Sandhumus beim Damm nach Mesekenhagen  1M 30R
G , vier Stellen Sandacker, ein Stück bei der Grenze zu Kirchdorf, das zweite beim wüsten Acker H, das dritte im gößten Ackerstück A und das vierte bei der Grenze zu Mesekenhagen, ergeben zusammen  21M 165R
Anmerkung: Diese werden laut der hiesigen Aussage lediglich alle fünf Jahre genutzt

 R 196   U 143 

Wüster Acker

H , ein Stück wüster Acker, der aus Sandboden besteht und durchschnittlich hoch liegt  21M 180R

Wiese

[J]  [Heuertrag] 40 Fuder,  62M 285R
J , sumpfige, moosgrundige Wiese, die kurzes Gras trägt  31M 165R
Ja , sumpfige, moosgrundige Wiese, hier und dort mit Büschen bewachsen  27M
Jb , vier kleine Wiesenstreifen von durchschnittlichem Graswuchs, werden zum Krug genutzt, an Fläche  3M 15R
Jc , Wiese mit festem Boden  1M 105R

FremdeWiesen

[Fremde Wiesen gesamt]   53M 105R
K , sind vier Wiesenstücke, die zu Kirchdorf gehören, von kurzem Graswuchs und nicht sonderlich ertragreich sind, ergeben an Fläche  13M 150R
L , Mesekenhagens Wiesen, von gleicher Art und Beschaffenheit, zwei Stücke,  16M 210R
Anmerkung: Über diese beiden Wiesen erhielt ich keine Informationen, entweder sie gehören zur Verwaltung von Mesekenhagen und damit der Krone, oder zum anderen Teil, der Greifswald gehört
 R 197 m , sind drei Wiesen, die eine, Dienerwisch , wird von den Stadtdienern Greifswalds genutzt, die beiden anderen soll der Pastor in Gristow von der Stadt gepachtet haben, sie ergeben an Fläche  12M 225R
n , zwei Wiesenstücke, die nur durch einen Graben getrennt sind, von derselben Güte wie die anderen, sie liegen bei der Grenze zu Mesekenhagen und werden von Tremt genutzt  5M 270R
o , ein Stück ebenso, wird von Jeeser genutzt, ergibt  4M 150R

 U 144 

Weideland

[Weide gesamt ]   78M 210R
P1 , zwei sumpfige, flache Weiden, ergeben  56M 210R
P2 , festes flaches Weideland von gutemGras  5M 240R
P3 , ein sumpfiger Erlenbruch mit Erlen und Weidesträuchern bewachsen  13M 30R
Q , drei unbrauchbareSandhügel  2M 180R
R , ein Platz bei der Wiese m mit einigen Eichen bestanden  120R
p , kleine Tümpel im größten Ackerstück A, ergeben  300R

Symbol 29  DerKrug
Symbol 87  derWeg
öd , vier wüste Hofstellen, ergibt zusammen  6M

Summe

Acker: 216M 45R
Wüster Acker:21M 180R
Wiese: 62M 285R
Heufuder: 50
Weideland: 78M 210
Hofstellen: 6M

 RRev 211   URev 252 

Am 1. Mai 1705 habe ich unterzeichnet, das Dorf Kowall revidiert und wie folgt befunden zu haben

Neuer Acker, der seit der letzten Vermessung aufgebrochen wurde

[Ha, Hb]   14M 285R
Ha , ein Stück vom wüsten Acker H aufgebrochen und genutzt bei B, zumeist Sand etwas mit Humus vermischt  8M 105R
Hb , ein Stück von H aufgebrochen, überall reiner Sand, wird jedes fünfte Jahr bewirtschaftet, und dann ein Mal mit Roggen und ein Mal mit Hafer besät. Dann muss er erneut so lang ruhen wie oben beschrieben  6M 180R

P , eine Wiese in Ja, die dem Pastor in Gristow gehört  2M 105R

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

H, Von H, das mit 1  bezeichnet ist, ebener Sand mit kurzem Gras bewachsen, könnte zur Not aufgebrochen werden.
Das Übrige von H sind reine Sandhügel, die zu nichts zu gebrauchen sind.

Summe

NeuerAcker: 14M 285R
Pastorenacker: 2M 105R

 U 145 

Annotationen über das wüste Anwesen Kowall2 

Vom Acker

Der Acker ist hier zumeist hoch liegend und trägt recht gut, am besten in durchschnittlichen Jahren. Was die Aussaat angeht, soll sie bei Gristow miteingerechnet werden, wie aus dem betreffenden Annotationsbuch entnommen weden kann.

Von Wiesen

Die Wiesen hier in der Gemarkung haben kurzes Gras und sind nicht sonderlich ertragreich. Man sagt - und es scheint auch so, dass sie durch die Überschwemmungen mit Salzwasser beschädígt werden. Die Heufuderzahl der hiesigen Wiesen werden und waren bei Gristow angegeben; ich denke, sie werden nicht viel mehr als ein halbes Fuder je Morgen abwerfen.

Von Weideland

Außer der Weide, die hier ausgerechnet ist, besitzen sie das Recht, ihr Vieh auf der Allmende Im Streek weiden zu lassen, die sie gemeinsam mit Mesekenhagen, Jager und Kirchdorf nutzen dürfen.

Vom Krug

Der Krüger zahlt, wie bereits erwähnt, 15 Rtlr Pacht und besitzt nach eigener Aussage Acker mit einer Aussaat von acht Scheffeln. An Krugpacht leistet er jährlich zwei Rtlr Kopfsteuer3 , zwei oder drei Mal im Jahr je zwei Rtlr und zwölf Schilling, ergibt für drei Termine sechs Rtlr 36 Schilling.
Er gibt anViehsteuer4  pro Tier acht Schilling, er gibt für acht Tiere, Kühe und Pferde insgesamt also einen Rtlr 16 vorpommersche Schilling.
Anmerkung: Hier existiert eine Zollstelle, und zwar dahingehend, dass jeder Wagen oder Fuhrmann, der für Geld fährt, dem Krüger einen Dreier Zoll zahlen muss. Für diesen Zoll leistet der Krüger eine gewisse Summe an seine Herrschaft, nämlich sechs Rtlr im Jahr. Mit diesem Geld soll auch der Fahrdamm in Ordnung gehalten werden.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Abraham Hesselgreen
Revision:
Anmerkungen:

1 Laut Urkarte vermessen von Abraham Hesselgreen.

2 Von den Annotationen existiert keine Reinschrift.

3  Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.

4  Viehsteuer, auch Viehschatz genannt, ist in einigen Orten eine Abgabe für das Vieh, das gehalten wird.  Adelung; Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, bd. 4, Wien 1811, Sp. 1196.