R 251   U 177 

Beschreibung des Ortes Lieps,1 

der eine Meile nordöstlich von Greifswald liegt und unter den Rat der Stadt gehört und im Kirchspiel Gristow liegt. Der Ort grenzt im Süden und Westen an Karrendorf oder richtiger Frätow, im Norden und Osten ist er umflutet vom salzigen Bodden, der zwischen Rügen und Pommern hineinflutet.

Der Einwohner heißt Hans Kreel, er versteuert eine halbe Hufe und gibt 25 Rthl Dienstgeld.

Annotationen von Lieps

Über den Acker

Der Acker hier ist nichts besonderes, denn er ist kaltgründig wegen der Überflutungen in Herbst und Frühling. Der beste Acker sind zwei Stücke, die nahe bei den Häusern liegen und wo der Acker immer besät wird. Es bleibt also nichts als Brache liegen.

Die Aussaat und der Ertrag davon

Roggen, neun Sch.
Gerste 18 Sch.
Hafer elf Sch.
Erbsen drei Sch.
Bis zum dritten oder vierten Korn kann er in durchschnittlichen Jahren wieder bekommen und wenn es glückt, machmal mehr. Sonst wächst Gerste am besten.

Notiz: Er hat drei Morgen Acker von den Bauern in Karrendorf gepachtet, nämlich auf dem Fretofelt , dafür gibt er einen Rthl für jeden Morgen. Dort hinein kann er neun Sch säen, das sind drei Scheffel in den Morgen und geschieht hier im Dorf.

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Über die Wiesen

Die Güte der Wiesen findet man in der Ausrechnung, die am Nordende werden fast täglich von der salzigen See überspült.
Der Einwohner berichtet, er bekomme 20 oder höchstens 30 Heufuder, machmal mehr und manchmal weniger, je nachdem wie das Jahr ist. Sonst sind die Hügel sehr kahl und können kaum zu einer halben Fuhre gerechnet werden, die anderen zu einer Fuhre pro Morgen.

Über Weideland

Weideland ist hier sehr wenig wie auf der Karte und in der Ausrechnung zu sehen ist. Weshalb er den Einwohner in Karrendorf eine Tonne Bier und eine Mahlzeit geben muss, damit sein Vieh auf deren Weide gehen kann, vom Frühjahr bis Johanni2 , wenn diese gemäht wird, denn hier ist die Weide so knapp. Das kostet ihn an die fünf Rthl, wenn er sonst nichts geben will, muss er für jedes Stück Vieh fünf lß geben. Der Einwohner berichtet, in frühreren Zeiten habe sein Vorfahr dieses Recht besessen, ohne dafür etwas zu geben.

Vieh, das der Einwohner besitzt

Kühe hat er neun Stück oder manchmal zehn.
Pferde hat er sechs Stück, Zugochsen zwei oder drei Fohlen.
Schafe besitzt er acht Stück.
Schweine hat er zehn Stück.

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Über Ababen

Weil er selten oder nie eine Quittung dafür bekommt, weiß er eigentlich nicht, wie hoch die Hufensteuer3  ausfällt, aber er weiß, dass sie über zehn Rthl jährlich beträgt.
Außerdem gibt er sieben Sch Magazinroggen.4 
Reitersteuer5  gibt er jeden Monat 25 lß, ergibt im Jahr sechs Rthl und zwölf lß.
Im dritten, vierten oder fünften Monat bekommt er den Reiter jedes Mal einen Monat zur Einquartierung.

Über Fischerei

Er pflegt im Herbst und Frühling Reusen zu setzen und im Winter mit Haken zu angeln. Die große Mühe lohne nicht, sagt er, sonst er habe keine Zeit dafür. Das wenige, das er fängt, verbraucht er für den Hausbedarf.

Über Gesinde

Er hat einen Knecht, eine Magd und einen Jungen, sonst nichts.

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Arealausrechnung von Lieps

Acker

[Acker insgesamt]   17M 45R
A  ein Stück schwärzlich-humos mit etwas weißem Sand vermischt und niedrig liegend, dieser Acker liegt auf der Feldmark Frätows, ergibt  7M 255R
B  ein Stück beim Haus gelegen, von gleicher Natur, ergibt an Areal  4M
C  tief liegender Lehmhumus  2M 195R
Ca  sandiger und etwas höherer Acker beim Strand gelegen, ergibt  2M 195R

Wiesen

[D]  [Ertrag] 30 Heufuder  52M 15R
Da  gute, ertragreiche Wiese  6M 240R
Db  In den Kulen genannt, niedrig und mit durchschnittlichem Graswuchs, ergibt an Areal  20M 105R
 U 181 Dc  eine kleine, ebenso, ganz von Wassertümpeln umgeben  45R
De  magere, trockene, hoch liegende Wiese, an einigen Stellen sehr kahl, ergibt  24M
Df  eine kleine Wiesenecke mit gutem Graswuchs im Ackerstück A  225R

 R 255 

Weideland

[E]   21M 180R
E  ziemlich gute Grasweide rings um das Haus, ergibt  19M 35R
Ea  noch ein Stück, umgeben mit Gräben und in der Wiesenecke Dc gelegen, ist  2M 45R

Hofstellen

[Hofstellen insgesamt]   7M 240R
Symbol 29  Hofstellen, wo das Haus steht  120R
k  ein Gemüsegarten dabei  60R
f  zwei Wassertümpel, der wird Blick genannt, der andere liegt in der Wiese, die In den Kulen genannt wird, ergeben  7M 60R

Summe

Acker: 17M 45R
Wiese: 52M 15R
Heufuder: 30 Heufuder
Weideland: 21M 180R
Hofstellen: 7M 240R

 RRev 256   URev 262 

Am 3. Mai des Jahres 1705 wurde das Dorf Lieps revidiert und wie folgt befunden

Neu aufgebrochener Acker seit der letzten Vermessung

D1  ist von der Wiese Dc aufgebrochen und besteht aus niedrigem und kaltgründigem Sandboden  90R
Sonst ist hier keine Gelegenheit, irgendetwas von den Wiesen oder dem Weideland aufzubrechen.

Summe

Neuer Acker: 90R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Abraham Hesselgreen
Revision: Laurenz Balck, Johan Hesselgren
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Abraham Hesselgreen vermessen.

2  Johanni fällt auf den 24. Juni, Heiligentag Johannes`des Täufers. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 30, Berlin 1784, Sp. 337.

3  Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.

4  Roggen der als Magazinkorn eingelagert wurde. Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.

5  Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.