R 573   U 416 

Beschreibung des Gutes Willerswalde, das im Juni des Jahre 1697 vermessen wurde1 

Dieses Dorf liegt ungefähr eineinhalb Meilen nordwestlich von Greifswald, es gehört zum Kirchspiel Horst und ist ein Adelsgut oder Rittersitz, das dem Herrn Landkommissar von Platen gehört. Der Ort wird in ein Gut, das der Besitzer bewohnt sowie nachfolgenden Bauernhöfe aufgeteilt, die ihren ständigen und mit dem Landesbrauch übereinstimmenden Dienst auf dem Gut verrichten.2 
Der Grenzverlauf ist ringsum mit einem Graben versehen, außer an einem östlichen Teil zu Segebadenhau, dort ist fleckenweise das Stück eines Grabens zu finden, im Süden grenzt das Dorf an Willerswalde, Eldena und Barthmannshagen, im Westen an Hohenwarth und im Norden an Bremerhagen.

Einwohner

Nr.1 : Das Haus des Pastors.  R 574 

Nr.2 : Buslaff Ladwig.
Nr. 3 : Hinrich Ladwig.
Nr. 4 : Jürgen Waije.
Nr. 5 : Hindrich Schmitt.
Untertänige Vollbauern.

Nr. 6 : Jochom Bacth, Halbbauer, freier Mann.

Nr. 7 : Klaes Karen.
Nr. 8 : Hans Schröder.
Häker.

Nr. 9 : Ertmann Norrman, Obstgartenmeister.
Nr. 10 : David Melms, Schäfer.
Nr. 11 : Jacob Måns, Leinenweber.
Nr. 12 : Kuh- und Schweinehirte.
Nr. 13 : Die Kapelle im Dorf.

 R 575   U 418 

Arealausrechnung von Willerswalde

Die Ackerbewirtschaftung

[A-E]   405M 240R

Das Feld A

Aa  ist ziemlich hoch liegender Lehmhumus  46M 60R
Ab  ziemlich niedriger Lehmhumus  57M

Das Feld B

B  ist ein wenig höher liegender, lehmig-humoser Acker, der an den Enden neben dem Weideland niedrig ist, obgleich das gesamte Feld nicht besonders hoch liegend ist  87M

Das Feld C

C  ein wenig höher liegender, lehmig-humoser Acker, der bei den Wiesen ein wenig niedriger ist  38M 270R

Das Feld D

Da  ist gut gelegener, lehmig-humoser Acker  6M 180R
 R 576 Db  ist ziemlich niedrig liegender und ebener Lehmhumus  55M 240R

Das Feld E

Ea  Lehmhumus, der sehr niedrig liegend ist  47M
Eb  Lehmhumus, einigermaßen gut gelegener, höher liegender Lehmhumus  67M 90R

Wüster Acker

F  ist zumeist in seinem Grund von festem Weideland, das überall recht grasreich ist, etwas buschig und niedrig, außer das, was an der Grenze zu Hohenwarth liegt, das ist Heideland, das auch hier und da in der Weide ist. Es stellte sich heraus, dass er vor einer langen Zeit Acker war und nun dafür schon gut wäre  102M 30R

 R 577   U 419 

Wiese und Heuernte

[Wiese und Heuernte insgesamt:]  [Ertrag] 129 Heufuder  129M 180R
G  ist eine recht buschige Wiese, neben dem Acker von festem Grund, aber zum Grenzgraben hin recht niedrig liegend  37M

[Ga und a  ergeben zusammen  59M 240R]
Ga  ist eine flache und teilweise niedrige Wiese, überall grasreich, außer auf den Hügeln, die man mitten darin findet
a  Wiese, allein mit a gekennzeichnet, die zu nichts anderem als Weide geeignet ist, deren Areal beträgt elf einhalb Morgen, die zusamen mit dem guten oben beschriebenen feinem Wiesensandland zusammen ergeben
 59M 240R

Gb  eine niedrig liegende, jedoch feste Wiese neben dem Grenzgraben, etwas buschig, aber sonst flach  27M 180R
g  sind fünf Stücke Wiesenflecken, mit gutem Wiesengrund, können wohl überhaupt einen Fuder Heu pro Morgen geben  5M 60R

 R 578 

Wald und Weideland

[Wald und Weideland insgesamt]   182M 30R
H  flache Weide, in der Mitte recht tief und sumpfig, ist jedoch überall eine greisreiche Weide  49M 180R
Ha  ebenfalls eine flache und eben liegende Weide, mit guter, fester Wiese, außer am Grenzgraben, dort ist sie sehr sumpfig  48M 240R
Hb  ist ziemlich buschige Weide mit festem Weidegrund, hierunter versteht man zwei buschige Weideecken im Feld mit dem gleichen Zeichen  24M 30R
h  sind sieben kleine Tümpel und Moratse, von denen ein Teil Fisch haben soll  3M 30R
Hh  Hoffholt, ein guter Eichenbruchwald, jedoch teils aus Espen bestehend, mit festem Grund  33M 240R
Hc  ist eine gute Wiese, Pferdekoppel, ist zum großen Teil neu aufgenommen und von dem anderen Feld durch einen Graben getrennt.  R 579 Pferde- und Kälberkoppel neben den Häusern mit einigen Gemüsegärten darin  8M 120R
Symbol 29  Haus und Wegstellen, die letzteren mit gutem Wiesengrund  14M 90R

Obst- und Gemüsegärten

[i-ia]   9M 150R
i  die Gärtchen, die sich neben den Häusern befinden sind zumeist Obstgärten.
ia  darin Apfel- und Birnenbäume, besonders in ia, diese gehören zum Gut und sind sehr gut, die anderen sind wertlos  9M 150R

Summe

Acker: 405M 240R
Wüster Acker: 102M 30R
Wiese: 129M 180R
Heufuder: 129 Heufuder
Wald und Weideland: 182M 30R
Obst- und Gemüsegärten: 9M 150R

 RRev 580   URev 183 

Am 16. Juni des Jahres 1705 wurde das Dorf Willerswalde revidiert und wie folgt befunden

Neuer Acker seit der vorigen Vermessung

[Fa, Fb, G1, G2, H2]   24M 135R
Fa  zwei Stücke von F aufgepflügt, bestehen aus sumpfigem, kaltgründigem Sand, werden jedes fünfte bis sechste Jahr zwei Mal besät  8M 75R
Fb  vier Stücke von F aufgepflügt, bestehen aus sandvermischter Erde und liegen im Feld B  6M 55R
G1  ein Stück von G aufgepflügt, der Grund besteht aus schwarzer Erde, ist etwas niedrig und kaltgründig  1M 60R
G2  vier Stücke von Gb aufgepflügt, der Grund besteht aus schwarzer Erde, ist niedrig liegend und etwas kaltgründig  3M 75R
H2  acht Stücke von Hb aufgepflügt, bestehen aus sandvermischter Erde, sind geeignet für Winter- und Sommersaat  5M 170R

 RRev 581   URev 184 

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

F von F1 , der Grund besteht einer viertel Elle tiefen, sandvermischten Erde, ist hoch und bergig gelegen, zur Kultur geeignet  16M

F ebenso F mit J2  gekennzeichnet, der Grund besteht eine Elle tief aus eisenrostiger, lehmvermischter Erde, ist eben gelegen und zu Kultur geeignet  19M 90R

Der Grund des übrigen von F besteht aus kaltgründigem Sand, sumpfig und daher zur Kultur fast nicht geeignet. Der Besitzer gibt vor, dass er dieses unmöglich als Schafweide und auch J1 und J2 nicht entbehren kann.

G  der Grund des übrigen von G besteht aus schwarzer, moorigen,  RRev 582 sandvermischter Erde, ist niedrig gelegen, sumpfig und zur Kultur nicht geeignet.

 URev 185 Gb mit Nr: X  gekennzeichnet, war in früheren Zeiten Acker, wie durchgehende Furchen es noch beweisen, der Grund besteht aus schwarzer Erde, liegt etwas niedrig, ist in trockenen Jahren jedoch zur Aussaat geeignet, aber in nassen Jahren schwimmt das Korn darin fort  9M 210R
Das übrige davon ist zu sumpfig, morastig und kaltgründig und zur Kultur nicht geeignet.

Hb  der übrige Grund von Hb besteht zwar aus sandvermischter Erde, aber es ist teilweise mit großem Gehölz, teilweise mit starkem Buschwerk bewachsen und daher schwer unter Kultur zu bringen  45M

Summe

Neuer Acker: 24M 135R

 R 583   U 420 

Annotationen des Gutes Willerswalde

Der Acker

Was den Acker betrifft, so ist dieser überall von einem guten, lehmig-humosen Grund, aber die Lagen unterscheiden sich, wie in der Ausrechnung zu sehen ist. Sonst verteilt sich sowohl der Hof-, als auch der Bauernacker in fünf Felder, wovon drei groß und die anderen zwei klein sind, das sind ihre Hilfsfelder. So soll man hier nicht mehr als drei Schläge rechnen, die jährlich besät werden und das vierte liegt brach, wie es die Ordnung fordert, dieses mag aus zwei kleinen oder einem groß Feld bestehen. Man klagt hier viel über den sumpfigen Acker, wenn manches mal, wenn die Jahre nass sind, die gewöhnliche Ordnung aufgeben muss und die beste, höher liegende Bodenart ausgesucht wird, wovon sie dann etwas Korn wieder bekommen, sonst ertrinkt die Saat nämlich im Boden.

Die Wiesen

Die Wiesen hier beim Gut sind von ziemlich ansehnlicher Beschaffenheit, weil sowohl die bewachsenen als auch die unbewachsenen von einem guten und ertragreichen Boden sind. So scheint man sich nicht sehr verschätzen zu können, wenn man einen Fuder Heu für einen Morgen rechnet. Aus dem Grund, was die eine Wiese besser oder schlechter als eine andere Wiese ist, das kann wiederum von einer anderen verbessert oder verschlechter werden. So kann man ungefär zu oben genannter Heufuderzahl kommen.  R 584 Man muss darunter jedoch kleine Heufuder verstehen.

Wald und Weide

Wald und Weide findet man hier, besonders das letztgenannte, zu guter Notwenigkeit. Denn vieles vom wüsten Acker, der überall gutes, grasreiches Weideland ist, wird als Weide genutzt. Ausgenommen ist der an der Grenze zu Hohenwarth, dort ist er meist von höher liegendem, flachem Heideland. Der andere Teil ist ein wenig mit Büschen bewachsen.
Außer diesen wüsten Acker hat man hier auch anderes flaches, eben liegendes und überaus gutes Weideland an der Grenze zu Bremerhagen und Eldena, das die beste Weide des Gutes ist, besonders in trockenen Jahren. Weil das genannte Weideland insgesamt recht niedrig liegend ist, kann man es in nassen Jahren nicht besonders gut nutzen.
Der Wald ist hier ziemlich knapp an Stangen- und Brennholz zu rechnen. Sonst gibt es hier einen guten Eichenwald, mit großen Eichen und teils aus Espen bestehend.

Die Obstgärten

Die Obstgärten beim Gut sind recht gut, zumeist mit neuen oder jungen Bäumen, die alle gut tragen. Die anderen Gärten bei den Bauernhöfen sind meist Gemüsegärten, dazwischen stehen auch einige Apfel- und Birnenbäume.

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Anders Jernström
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde vermutlich von Anders Jernström vermessen, Schrift und Schreibstil deuten darauf hin.

2  Hofdienst: Dienste, die dem Grundherrn eines Dorfes geleistet werden.  Krünitz, Johann Georg: Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirtschaft, Bd. 24, Berlin 1781, Sp. 158.