Beschreibung von Wilmshagen, welches im Oktober 1696 geometrisch vermessen wurde.
Das Dorf Wilmshagen liegt im Distrikt Greifwald und Kirchspiel Reinkenhagen. Es grenzt nördlich an Hildebrandshagen und Reinkenhagen, im Osten an Mannhagen, im Süden an Segebadenhau und im Westen an Bremerhagen.
Das Dorf Wilmshagen gehört St. Georg in Greifswald1 und es wird für 9 ¼ Landhufen berechnet aber es wird jetzt hier für 6 Hufen Hufensteuer2 gegeben. Die Einwohner sagen, dass einer von den hochseligen pommerschen Fürsten dieses Dorf St. Georg geschenkt hat.
In früheren Zeiten haben hier sechs Vollbauern und drei Kossaten gewohnt aber jetzt wohnen hier folgende Personen
1.
Henning Byl, Bauer, untertänig und Schulze, er zahlt jährlich 22 ½ Rthl Dienstgeld3 und 5 ½ Rthl Pacht4
2.
Staffan Meier, Bauer, untertänig, der zahlt 22 ½ Rthl Dienstgeld und 7 Rthl Pacht
3.
Marten Schwichtenberg, Bauer, untertänig, zahlt 15 Rthl Dienstgeld und 4 1/3 Rthl Pacht
4.
Casten Alwart, untertänig, Bauer, zahlt 30 Rthl Dienstgeld, 10 Rthl Pacht
5.
Clauus Kreel, untertänig, Bauer, zahlt 15 Rthl Dienstgeld, 7 Rthl Pacht
6.
Georgen Hundertmark, untertänig, Leinweber
7.
Peter Biernwech, Kuhhirte, untertänig
8.
Jacob Böök, Einlieger, untertänig
Arealausrechnung von Wilmshagen
Über Acker
A
der Acker wird in vier Schlägen bestellt und ist von folgender Art,
306M 242R
A1
guter lehmhaltiger Sand, der gute Winter- und Sommersaat tragen kann und liegt an der
Westseite vom Dorf, umfasst
165M 150R
A2
mittelmäßig guter Sandhumus,
16M 70R
A3
drei Stück kaltgründige und niedrige Ackerkämpe5 ,
6M 110R
A4
strenger Sandkamp,
2M
A5
an der Ostseite vom Dorf guter sandig-humoser Acker, der gute Saat trägt,
20M
A6
lehmhaltiger Sandhumus, sieben Stücke, die in mittleren Jahren gute Winter- und Sommersaat
tragen,
59M 154R
A7
vier niedrige und kaltgründige Ackerstücke, die in nassen und kalten Jahren keine gute Saat
tragen,
17M 208R
A8
strenger Sand, vier Stücke, die nur jedes vierte Jahr einmal mit Roggen besät werden,
19M 150R
B Über wüsten Acker
[B]
78M 179R
B1
zwei niedrige und kaltgründige wüste Äcker an der Westseite vom Dorf, die mit Heidekraut
und Gras bewachsen sind,
16M 80R
B2
auf gleicher Seite ein niedriger wüster Acker mit Gras bewachsen und auf ihm könnte wohl
Wiese sein aber er wird jetzt als Weideland genutzt. Von ihm wird zwischenzeitlich etwas aufgepflügt und Hafer hinein
gesät,
11M 100R
B3
an der Ostseite wüster Acker, niedrig, der zwischenzeitlich mit Hafer besät wird, aber
dazwischen wird er als Wiese genutzt,
8M 224R
B4
zwei kaltgründige und sumpfige wüste Äcker,
6M 225R
B5
wüste Äcker, die mit Heidekraut und jungem Birkenwald bewachsen sind. Es kann davon wohl
ein Teil wieder bewirtschaftet werden,
35M 150R
C Über Wiesen und Heuernte
[C]
153M 22R
C1
an der Westseite vom Dorf eine Wiese, die kaltgründig ist, dünnes und sehr kurzes Gras
trägt,
89M
C2
eine kleine Wiese im Acker A1,
200R
C3
eine Wiese beim Dorf zu
1M 290R
C4
eine gute Wiese, die Lutgen Koppel genannt
wird,
5M 230R
R 770
U 456
C5
ziemlich gute Wiesen neben dem Acker A7,
13M 150R
C6
ebenso eine mittelmäßig gute Wiese, die von A6 zu A7 geht,
12M 100R
C7
magere Wiese, kaltgründig, die sehr kurzes und dünnes Gras trägt,
27M 150R
C8
eine kleine Wiese im Acker A5,
80R
C9
eine Wiese neben dem Acker A5,
2M 22R
Der Bauer auf Hof Nr. 1 meint jährlich 5 Fuder Heu zu sammeln.
Nr. 2 meint jetzt jährlich 10 Fuder Heu [zu sammeln] aber früher
hat er mir 20 angegeben, also ist es nötig, das ich erwähne, dass es lügenhaft ist.
Nr. 3: 5 [Fuder Heu]
Nr. 4: 12 [Fuder
Heu]
Nr. 5: 9 [Fuder Heu]
Summe: 41 [Fuder Heu]
Aber diese Heuzahl können die Wiesen keinesfalls annähernd geben, da diese nicht so viel auf einen Fuder sammeln können, wie andere Leute in dreien, darum werden bis auf weiteren Bescheid entsprechend 100 Fuder in die Spalte gesetzt und es wird kaum weniger werden, wenn die Wiesen richtig berücksichtigt wurden, denn sie sind nicht die schlechtesten, die ich gesehen habe.
R 771 U 457D. Über Viehweide und Wald
[D]
280M
D1
wallbegrenztes Weideland, gute Viehweide,
73M
D2
Weideland mit jungem Laubwald, sowie einigen großen Eichen,
17M
D3
Morast mit kleinem Erlenwald bewachsen
22M
D4
Sandberg oder Moor mit Heidekraut und kleinen Laubbüschen bewachsen,
53M
D5
Weideland, das an einigen Stellen wallbegrenzt, an anderen Stellen mit Bülten und
Heidekraut bewachsen, sowie an einigen Stellen morastig und mit kleinen Büschen bewachsen ist,
84M
D6
eine Koppel oder Pferdekoppel mit Wald bewachsen,
9M
D7
sonst Tümpel, Büsche und Hügel auf dem Feld zu
22M
Das Weideland in diesem Dorf ist sowohl für Großvieh als auch für Schafe ausreichend. Wald ist hier auf dem Feld zum notdürftigen Brennen und für Zaunstangen. Gelegentlich können die Einwohner auch einige Fuhren junges Laubholz nach Greifswald verkaufen.
Hofstellen mit der großen Strasse zwischen den Häusern, umfassen
33M
Diese Einwohner haben gute ertragreiche Bäume rings um ihre Höfe herum, sowie gute Gemüsegärtchen.
Summe
Acker: 306M 242R
wüster Acker: 78M 179R
Wiese: 153M 22R
Heufuder: 100
Viehweide und Wald: 280M
Hofstelle:
33M
Die Revisionsausrechnung findet man auf Seite 785.
R 772 U 458Annotationen von Wilmshagen
Über Aussaat und Güte des Ackers
Der Acker, wie gesagt, wird in vier Feldern bestellt und der Bauer, der auf Nr. 1 wohnt kann jährlich aussäen: Roggen 30 Scheffel,
Gerste 24, Hafer 32, Erbsen 3, Sommerroggen 2 und Leinsaat ½ Scheffel.
Nr. 2 und Nr. 5 können gleichviel aussäen, jeder wie der
Bauer auf Nr. 1.
Nr. 3 der Bauer kann aussäen: Roggen 18, Gerste 18, Hafer 18, Erbsen 2 und Leinsaat ¼ Scheffel.
Nr. 4 der
Bauer kann aussäen: Roggen 36 Scheffel, Gerste 36, Hafer 42, Erbsen 5 und Lein 1 ¾ Scheffel.
In einen Morgen, wie die Bauern
sagen, können 3 Scheffel Roggen oder Gerste eingesät werden und 4 ½ Scheffel Hafer. Vergleicht man nun die Fläche mit der
Aussaat,
den Acker in vier Schläge teilend, so wird ersichtlich, wie gut sie gelogen haben, wie sie es auch oft andernorts tun.
Über Gesinde
Jeder von den vier Bauern hier im Dorf hält einen Knecht, eine Magd und einen Jungen aber der Bauer Nr. 3 behilft sich mit einem halben Knecht und einem Jungen.
Über Arbeitsvieh und anderes Vieh
Die Bauern auf Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 5 brauchen jeder 8 Pferde, 2 Ochsen. Es kann außerdem jeder 12 Rinder und 5 Schafe
füttern.
Der Bauer auf Nr. 4 hält 8 Pferde, 2 Ochsen und füttert daneben 15 Rinder und einige Schafe.
Der Bauer auf Nr. 3
hält 5 Pferde und 2 junge Pferde, füttert daneben 6 Rinder.
In warmen Jahren, da stehen die Bienen hier gut.6
Über Abgaben
Vom ganzen Dorf kommen jedes Quartal 4 Rthl 8 ß Akzise7 . Reitersteuer8 werden monatlich von diesem Dorf 5 Rthl gegeben und die Einwohner haben außerdem immerzu Einquartierungen. Hufensteuer, andere Steuern, sowie Magazinkorn9 kommen jedes Jahr ungleich. Darum kann man dieses nicht genau notieren.
Anno 1705 d: 4 Junÿ ist zu Wilmershagen die Revision von mir Sam: Griese vorgenommen und Befunden worden.
Neüer acker seit der vorigen Vermes=sung.
[Ba,Bd,Be,Ce,Cg,Dc,Dd]
26M 15R
Ba
1 Stück von B1 außgepflüget, bestehet auß guter schwartzen etwas sand=vermengten erden, ist
tüchtig zu sommar= und winter=saat, ist nach D1 der weÿde etwas abhellig belegen, hat schon 3 mahl die saat getragen,
areal
5M 180R
Bd
2 st: von B4 außgepflüget; bestehet auß guter schwartzer sandvermeng=ter erden, areal
165R
Be
2 st: von B5 außgeradet und gepflü=get, bestehet auß guter schwartzer etwas leim vermengter
erden, ist in der mitten ein wenig hoch, auf beÿden seÿten abhellig belegen, und tüchtig zu sommer und wintersaat, träget
dieses Jahr die 3:te saat areal
12M 165R
Ce
1 st: von C5 bestehet auß leim vermengter erden, und ist gut zu sommer und winter saat,
areal
1M 15R
RRev 786
Cg
1 st: von C7 außgepflüget, bestehet der grund auß schwartzen mürben erden
270R
Dc
1 st: von D3 außgeflüget, bestehet auß strengen sand, kan kaum 2 saat tragen wen es 6 à 7
Jahr geruhet hat à
1M 90R
Dd
1 st: von D4 außgepflüget, bestehet auß strengen sande und ist ein sand kamp wie A8 so
dabeÿ lieget, kan kaum 2 saat tragen, wen es 6 à 7 Jahr geruhet hat
4M 30R
Beschreibung des übrigen wüsten ackers
| B1 B2 |
bestehen alle beÿde auß mager strengen sande, sind niedrig und schlupig belegen, darzu kalt=grundig und bornigt, daher zur cultur undienlich |
RRev 787 B1
mit n:o X bezeichnet, bestehet der grund auß schwartzer erden
ist eben belegen, und zur cultur dienlich areal
225R
| B3 B4 B5 |
alle dreÿ insgesampt sind schlupig be=legen, bestehen zwar ¼ elle tieff auß schwartzer erden, sind aber allesampt theils mit hohen bircken und Eichen theils mit Ellern Holtze bewachsen, und zur cultur unbeqwehm. |
Summa
neüer acker: 26M 15R
wüster acker: 225R
1 Das Hospital St. Georg in Greifswald findet in den Quellen erstmalig in den Jahren 1301 und 1304 Erwähnung. In der Einrichtung, die außerhalb der Stadtmauern lag wurden ausschließlich Leprakranke untergebracht, für die ein eigener Friedhof in der Nähe vorgesehen war. Die wirtschaftliche Grundlage des Hospitals bestand aus Schenkungen von Laien und Klerikern, auf diese Weise kam es u.a. in den Besitz der Hölzung Sanz. Heute erinnert das St.-Georgsfeld an den früheren Standort der Einrichtung. Detleff Kattinger: Die Stadtentwicklung vom Ende des 13. Jahrhunderts bis 1500. In: Horst Wernicke (Hg.): Greifswald, Geschichte der Stadt, Schwerin 2000, S. 49f.
2 Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.
3 Dienstgeld: eine Geldabgabe, welche die Untertanen an ihre Herrschaft als Ersatz für den erlassenen Frondienst zahlen müssen. Krünitz, Johann Georg, Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Haus- und Landwirtschaft, Bd 9, Berlin 1776, Sp. 298.
4 Pachtgeld ist der Betrag, den ein Pächter für die Nutzung einer gepachteten Sache an den Eigentümer zahlt, wie z.B. die Pacht für einen Hof, eine Mühle, einen Krug u.a.m Pachtgeld. In: Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 106. Berlin 1807. Sp. 64.
5 Kamp, ein mit einem Zaum oder Graben eingefasstes Stück Feld von unbestimmter Größe. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 34, Berlin 1785, Sp. 1.
6 Anstelle auf Bienen könnte sich der Satz auch auf das Dorf beziehen, denn das Wort "bÿen", wie es im Original geschrieben steht, ist in diesem Kontext nicht ganz eindeutig zu interpretieren. So könnte der Satz also auch wie folgt übersetzt werden: "In warmen Jahren, da kommt das Dorf hier gut aus."
7 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
8 Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.
9 Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.