Beschreibung des Greifswalder Stadtgutes Freesendorf1
Früher soll dieses Dorf in seinem Umfang viel größer gewesen sein.Es braucht jetzt nicht erwähnt zu werden, dass hier in früheren
Zeiten nur ein
kleiner Bach zwischen Rügen und diesem Land gewesen sein soll, den man auf einer Mähre überqueren konnte,
wie noch erzählt wird. Jetzt sind dort zwischen mehr als drei Meilen See. Seit Menschengedenken soll aber
hier die Küste durch die Ostsee sehr verringert worden sein.
Dieses Dorf
liegt im Distrikt Wolgast ungefähr anderthalb Meilen von der betreffenden Stadt im Nordwesten bis Norden. Man meint, die Ursache
oder
der Ursprung des Namens sei, dass die See mit ihrer starken Kälte hier hineindrängt, so dass es hier über
Winter immer friert und es kälter erscheint als im Land. Seit ewigem Gedenken soll dieses Dorf zur Stadt Greifswald
gehört haben. Man konnte folglich keinen Bescheid von den Einwohnern bekommen, wie es ihr zugefallen ist.
Jeder Einwohner
gibt jährlich 15 Reichstaler an seine Obrigkeit, und außer diesen bekommt sie nicht mehr von ihnen. Sonst ist zu bemerken,
dass die
Dorfbewohner jährlich zwei Tage in Nonnendorf dienen müssen, in der Zeit des Pflügens mit
vier Eggen und jeder mit einem Mann, so dass 16 Pferde auf einmal und vier Personen gestellt
werden müssen. Diesen Dienst leisten sie für den Acker, den sie auf den Feldern von Lubmin aufgenommen haben.
Außerdem geben sie alle zusammen acht Gulden Pachtgeld an Wrangelsburg2 . Zugleich lassen die Lubminer Einwohner sie die Weide auf hiesigen Feldern für ihre Pferde nutzen. Was die Steuern für die Krone3 für denselben Acker angeht, so steuern sie jährlich für einereduzierte Hufe4 , ebenso wie die anderen umliegenden Nachbarn von der gleichen Hufenzahl.Akzise5 gibt jeder jährlich einen Reichstaler. Kopf6 - undViehsteuer7 sowie R 1119 andere Abgaben müssen sie selber entrichten. Reitersteuer8 aber wird ihnen über die Hälfte von ihrer Herrschaft in der Stadt Greifswald vergütet. Bemerkenswert
ist auch, dass das ganze Dorf seiner mehrmals genannten Obrigkeit außer obengenannten Abgaben für den Grossen See, jährlich 80 getrocknete Hechte gibt. Ihre Kirche ist in
Wusterhusen9 , und jeder gibt seinem Pastor, der dort wohnhaft ist, 14 Mark Butter. Der Küster
bekommt von jedem drei Mark.
Die Grenzen sind überall richtig, denn die See umschließt den Ort
größtenteils außer im Westen. Auf dem festen Land grenzt der Ort an Lubmin und dann südlich an die Wiesenallmende zwischen
Spandowerhagen, wo die Grenzen auch richtig sind, die erstere durch Eichen und Gräben, die letzteren nur durch Gräben festgelegt.
Namen der Einwohner
| 1 . Georgen
Thurow, Schultz 2 . Fallentin Thurow 3 . Georgen Tabell 4 . Hindrik Thurow |
reduzierte Hufen: eine |
5 . Staffell Jorn,Viehhirte
R 1120 U 985Arealausrechnung über Freesendorf
Ackerbau
[A,B]
72M 210R
A
bedeutet eigener Acker, der innerhalb ihrer Grenzen liegt und fast ohne Unterschied von
hellem Sand ist
19M
B
ist der Acker, den sie auf Lubmins Feldern gepachtet haben und der ebenfalls von hellem
Sand ist. Er ist auf Lubmins Karte zu finden.
53M 210R
1,2,3,4 Diese obengenannten beiden Teile ergeben zusammen vier kleine Felder, von denen Nr. 1 Fif Rutenfelt bedeutet, Nr. 2 ist Fier Rutenfelt, Nr. 3 istStrandfeltund Nr. 4 ist Das Hinterste Felt.
Wiesen und Heuernte
D 10 (D1, D2) sind die beim Salz- und Süßwasser gelegenen Wiesen. Die beim Ufer des Süßwassers mit derSign.1 heißt wohl Überwisch,und die beim salzigen Wasser mit Sign. 2 Niederwisch , in ihrer Natur sind sie nicht unterschiedlich, sondern überall von einer Art: nämlichvon baumlosem und ebenem sowie etwas niedriggelegenem Wiesengrund. So hat mansie daher mit den anderen Wiesenflecken innerhalb ihrer Grenzen zusammengerechnet, und jeder Morgen wird an die anderthalb Fuder Heu geben11 . 330 Heufuder, 220M
Weideland
[E1,E2]
240M 210R
E1 12
Das flache und ebene Weideland, das von gleicher Beschaffenheit
ist wie die Wiesen, jedoch ein Stück w neben dem Strand sandig; (
13 )
hierunter versteht man Grundstücke
206M 210R
E2 14
Wacholdersträucher und hügeliges Heidekrautland
34M
Wald
E3 15 Zwei kleine Eichengehölze mit einigen kleinen Espen und Birken hier und da bewachsen 24M
Fischgewässer
Der GroßeSee ist
durch allerhand Fischfang bekannt, weil er Ein- Auslauf sowohl zur Ostsee
als auch zum Süßwasser hin ist
62M
Summe
Acker: 72M 210R
Wiese: 220M
Heu: 330 Fuder
Weideland: 240M 210R
Wald: 24M
Fischgewässer: 62M
Annotationen über Greifswalds Stadtgut Freesendorf
Über Ackerbau und Aussaat
Abgesehen davon, dass hier wenig Acker zu finden ist, ist der Boden auch meistens überall von hellem Sand; jedoch hier und da bei den Tümpeln und wo sie sonst pflügen, säen sie ihr Korn an einer Stelle, die Fif Ruthenfeltheißt, das immer mit Sommersaat besät ist.Strandfeltwird immer mit Roggen besät, jedoch lässt man es alle vier Jahre ruhen. Zu bemerken ist, dass jetzt Fier Rutenund Strandfeltalle beide mit Roggen besät sind, was man ebenfallsmit den anderen Feldern durchführt. Man sucht ohnehin fleckenweise für die Gerstensaat das aus, was im Fif Rutenfelt gesät werden kann. Folglich findet man überall nicht rechtgetrennte Ackerfelder, denn manchmal liegen sie mehr außen, manchmal mehr innen. Weiter muss man wissen, dass das, was man jetzt gesagt hat, sowohl für ihr eigenes Land als auch für den dazugepachteten Acker verstanden werden muss; sonst ist ihr Ackerfeld in keine Unterteilung gebracht, denn es ist sehr klein. Man muss also hier trennen zwischen ihrer Aussaat auf ihrem eigenen Boden, die sieben Sch nicht übersteigen soll, nämlich vier Gerste und drei Roggen für jeden Bauern; und ihrer Aussaat, die sie auf den Lubminer Feldern haben. Diese soll zumeist aus Roggensaat bestehen. Jeder sät acht Sch Roggen aus und einen Scheffel Gerste, so beträgt das 36 Sch. Andere Saat hat man hier nicht.
R 1122Wiesen und Heuernte
Ihr Erwerb besteht also zumeist aus den Wiesen, weil ihnen so wenig und schlechter Acker gehört. Sie sind alle auf der Landspitze, die überall mit Weide und Wald zusammen liegen und Frisendorffs Strauch heißen. Dennoch haben die Einwohner besondere Namen für sie, wie Überwischbeim Süßwasser, welche ziemlich gut trägt, insbesondere, wenn etwas regnerische Jahre sind wegen des Torfbodens, der sich dort überall befindet. Und, man wird dabei alle verstehen, dass, wenn Flut ist, die Wiese nicht nur unter Wasser steht, sondernihr Heu sowohl verdorben als auch von der Flut fort geschwemmt wird. Oben genannte Wiese soll in guten Jahren nicht über 40 Fuder Heu geben können. Niederwischist vongleicher Art und Beschaffenheit wie die vorhergehende, und laut Bericht selbiger Einwohner gibt sie 24 Fuder Heu Die anderen kleinen Wiesenflecken innerhalb ihrer Grenzen sollen pro Mann nicht über ein Fuder Heu geben können, jedoch wird jeder Morgen mindestens anderthalb Heufuder geben können, wie es bereits in der Ausrechnung gesagt ist.
R 1123 U 987Wald, Weide und Vieh
Was die kahle oder baumlose Weide betrifft, so ist sie von gleicher Art und Beschaffenheit wie die Wiesen, abgesehen zum Dorf hin und neben dem Ostseestrand. Dort spült die See des öfteren Sand auf und schadet folglich der Weide am Strand entlang vom Dorf bis zur Brücke, die über dem kleinen Strom liegt, der Das Große Meer, wie sonst Der Boddenheißt, mit dem Großen See verbindet. Der Sand erstreckt sich über einen bis zwei, drei vom Strande. Was sonst mit Busch be wachsen ist, ist nicht so besonders, weil das alles auf sandigen Hügeln liegt. Dennoch bedient sich das Vieh davon recht wohl. Die zwei kleinen Waldstücke bestehen aus jungen Eichen, Birken und Espen. Das äußerste Gehölz besteht zumeist aus Eichen und das andereso halb und halb davon auch aus anderen Bäumen. Weil die Eichen jung sind, haben sie zugegenwärtiger Zeit nicht merklich Mast bringen können, sondern die Einwohner bedienen sich ihrer Zweige sowie der anderen Bäume für die notwendige Feuerung. Sonst ist dieser Grund ebenfalls als Viehweide geeignet. Hieraus sieht man, dass hier ausreichend Jungvieh von allerlei Art aufgefüttertwerden kann, was in der Einleitung des Dorfes erwähnt ist. Auch findet man jetzt kleines und großes Vieh an 150 Stück, Schafe 150. Gänse können sich hier gut entwickeln, und man findet über 100, und Schweine an die 50. Auch ist zu bemerken, dass man über Winter hier nicht viel Hornvieh findet, R 1124 denn es wird meistens im Herbst verkauft.
Fischerei
Zu dem, dass sie gute Wiesen und Weide haben, durch die sie ihren Hauptunterhalt haben,muss man auch ihre Fischerei rechnen, wofür dieser Ort recht geeignet ist. Denn die ganze Ostsee nordwärts reicht bis an ihre Häuser mit einer klaren und fischreichen Bucht, die ein Stück vom Lande entfernt und rundherum ziemlich seicht ist, worin zu fischen ihnen frei steht ohne irgend eine Zahlung. Außerdem haben sie auch einen übermäßig reichen Binnensee, derGroße Seeheißt, wofür sie dem Rat in Greifswald, ihren Herren, vier Stiegen Trockenfisch geben. Zu bemerken ist, dass dieser See, ebenfalls zu Spandowerhagen gehört,jedoch weiß man nicht, ob er ihnen halb oder zum vierten Teil gehört. Es steht ihnen aber ebenso frei wie jenen Einwohnern, dort zu fischen. Dieser See hat zwei kleine Ein- und Ausflüsse, in denen die Fische je nach Belieben der Fischer gefangen werden können.
Gesinde undArbeitsleute
Da hier wenig Ackerbau ist, braucht man kein Gesinde, sondern es ist so, dass man seine Kinder hat, wie der Schulze einen großen Sohn und eine Tochter. Die anderen sind allein.
Bienen
Dieses Dorf liegt für alle vier Winde offen, und das Meer braust und saust mit starkem Wind von allen Seiten ein. Kurz gesagt, da sich Bienen hier nicht so recht entwickeln können, findet man auch bei jedem nur zwei, drei oder sechs Stöcke.
RRev 215 URev 3261704 ist das Dorf Latzow sowie Freesendorf revidiert und wie folgt befunden worden.
Freesendorf
Hier im Dorf ist seit der letzten Vermessung weder etwas bewirtschaftet, noch verändert worden.
1 Wurde laut Urschrift von Anders Jernström vermessen.
2 Königin Christina verlieh 1643 das Gut Vorwerk mit seinen Ackerhöfen Groß Ernsthof und Spandowerhagen 1643 dem Herman Wrangel, dem Generalgouverneur von Livland für seine Dienste. Nach seinem Tode im selben Jahr erhielten es seine unmündigen Kinder aus dritter Ehe als Erbe. Seit 1649 verwalte Carl Gustav Wrangel die Güter und tauschte sie 1653 gegen seine Besitzungen in Livland ein. Um dem Gut Vorwerk einen repräsentativeren Charakter zu verleihen, benannte er es in Wrangelsburg um. Das Gut Nonnendorf u.a. mit dem Dorf Vierow war schon 1652 von dem Generalgouverneur gekauft worden. Asmus, Ivo: Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels. In: Wernicke, Horst und Werlich, Ralf Gunnar (Hg.): (Pommern. Geschichte-Kultur-Wissenschaft. 3. Kolloquium zur pommerschen Geschichte. 13. und 14. Oktober 1993), Greifswald 1996, S. 131-133. Derselbe: Das Testament des Grafen-Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels nach Tod, förmyndarräfst und Reduktion. In: Asmus, Ivo, Droste Heiko (Hg.): Gemeinsame Bekannte: Schweden und Deutschland in der frühen Neuzeit, Berlin, Hamburg, Münster 2005, S. 204-f.
3 Kronsteuer: eine Steuer, die einem Landesherrn bei seiner Krönung, oder zur Annahme der königlichen Würde, entrichtet wird. 1 Macc. 10, 29. 11, 35. wird sie die Kron-Steuer genannt, Krünitz, D. Johann Georg: Oeconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Staat- Stadt- Haus und Landwirtschaft, Bd. 53, Berlin 1791, Sp. 831.
4 Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.
5 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
6 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
7 Viehsteuer, auch Viehschatz genannt, ist in einigen Orten eine Abgabe für das Vieh, das gehalten wird. Adelung; Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, bd. 4, Wien 1811, Sp. 1196.
8 Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.
9 Freesendorf gehört zum Kirchspiel Wusterhusen.
10 In der Urschrift
steht an dieser Stelle ein.
11 In der Urschrift steht in den Tabellenspalten: mor. : hölaß, 220:330
12 In der Urschrift steht an dieser Stelle
.
13 In der Urschrift ist zusätzlich Wan dieser Stelle vermerkt.
14 In der Urschrift steht an dieser Stelle
ein anderes Symbol:
15 In der Urschrift
steht an dieser Stelle ein anderes Symbol: