Beschreibung des Hofes Gahlkow1 , der imSeptember 1694 vermessen wurde2
Man sagt, dass dieser Hof ungefähr zwei dreiviertel Meilen Weg von Wolgast entfernt sein soll, in dessen Distrikt er im Nordwesten bis Westen liegt, und von Greifswald, das im Westen bis Süden davon liegt, eineinviertel Meile entfernt. Unter den Einwohnern ist keiner zu finden, der zu berichten weiß, auf welche Weise er in den Besitz ihres Patrons gekommen sein wird, sondern sagen, seit Menschengedenken und danach soll es gewesen sein, wie man es jetzt findet. Früher sollen hier vier Bauern gewohnt haben, von denen drei noch ansässig sind, aber der vierte soll vor 40 Jahren durch Armut in schlechte Verhältnisse gekommen sein. Die derzeitigen Einwohner haben somit seinen Anteil gleichmäßig unter sich verteilt. Ihr Hufenschlag soll zu acht Landhufen Ritterland berechnet sein. Sie haben vor 30 Jahren in Guest gedient, das ebenfalls zu ihrer Herrschaft gehört - Major Peterswald3 wohnt in Divitz bei Barth - jetzt müssen sie aberDienstgeld4 geben, weil sie so weit von dem betreffenden Ackerhof entfernt liegen für das ganze Dorf 500 fl Kronabgaben5 geben sie wie andere von der gleichen Hufenzahl, nämlich für vierreduzierte Hufen6 . Man sagt, dass Guest auch R 1170 in die betreffende Zahl einbezogen wird, aber es ist ihnen nicht das geringste abgezogen worden.Magazinkorn7 geben sie für jede reduzierte Hufe acht Sch Roggen. Nach Wolgast gibt das ganze Dorf zwei Drömt Hafer, Hundekorn8 genannt, sowie zwei Rthl weniger 2 ß.Akzise9 gibt jeder Bauer alle Quartal fünf Mark und einen Gr Reitersteuer10 gibt jeder zehn Mark.Priesterkorn11 geben sie an ihren Pastor in Wusterhusen12 acht Sch Roggen und an den Küster vier Sch Roggen sowie andere kleine Abgaben, welche bei den vorigen Dörfern angegeben sind. Ihr Grenzverlauf ist östlich von Vierow durch einige Grenzsteine und schmale Gräben angegeben; im Süden fängt ein Graben an, der Brünsow und dann im Westen Loissin genau von hier trennt; im Norden ist die See, der Bodden genannt.
Namen der Einwohner
| 1 Christian
Plojer,Kirchenvorsteher 2 Jacob Janick 3 Jacob Plojer, Schultz |
bestellen 8 Hufen |
| 4 Casper
Ricter,Viehhirte 5 Tis Cron |
Einlieger |
R 1171 U 1021
Arealausrechnung für den Hof Gahlkow
Ackerbau
[Aa-E] 275M 150R
Aa
Borwinkellfelt von mittelmäßig hohem und eben
gelegenem Lehmhumus
57M
Ab
niedrig liegender Lehmhumus, der in nassen Jahren Schaden erleiden soll
8M
Ba
Mittelfelt ist neben dem Borwinkelfelt besser gelegen, aber die Bodenart ist gleich
70M 270R
Bb
ist niedrig liegender Lehmhumus
4M
Ca
Dwerfelt ebenfalls mit diesem Zeichen von der
besser gelegenen Bodenart
63M 180R
Cb
niedrig liegender Lehmhumus
1M 150R
Da
Strandfelt auch von gutem wohlgelegenem
Lehmhumus
40M 210R
Db
gleiche Bodenart, jedoch niedrig gelegen
9M 120R
Dc
sandiger Lehmhumus
1M 180R
E Bokfelt überall von sandigem Lehmhumus 24M 240R
Wiesen und Heuernte
X einige schöne Wiesenflecken, sowohl innerhalb als außerhalb der Ackerfelder, welche wohl drei Fuder Heu pro Morgen geben können. 10M 240R 31 Heufuder
Wald
Borwinkel ist ein Eichen-,
Buchen-, Hasel- und Erlenbruchwald, zumeist überall von
verdichtetem Wiesengrund, der sehr wohl als Weide dient.
Man versteht hierunter auch Tümpel und Moräste von der Signatur
80M 120R
13
Weideland
[Insgesamt]
51M 210R
1
ist ein ebenes Weideland an der Brünsower Grenze, so halb und
halb aus Heidekraut und Weidegrund bestehend
20M 210R
2
ebenfalls ebener Weidegrund am Seestrand, das überall von sandigem Grund ist außer einem Stück davon, das Koppel heißt, das
wohl gut als Wiese passieren kann und mit v 3 bezeichnet wird;
man versteht hierunter auch Grundstücke
3
und Wege mit der Sign.
31M
Obstgärten
a
Hier findet man sehr prächtige Obstgärten mit Apfel-, Birnen-, und Walnussbäumen etc.
6M 120R
14
Summe
Acker: 275M 150R
Wiese: 10M 240R
Heu: 31 Heufuder
Wald: 80M 120R
Weideland: 51M 210R
Obstgärten: 6M 120R
Annotationen über Gahlkow15
Über Wald, Weide und Vieh
Was das Dorf zum Brennen und für den Hof benötigt, hat es hier notdürftig aus dem Wald, welcher beim Gut liegt. Dieser besteht aus Eichen, Buchen, Birken, Eschen, Hasel und Erlen. Man kann sich daraus auch ziemlich für Bauzwecke bedienen, mit Eichen als Grundlage und Eschen als Zimmerholz. Außerdem ist dieser Waldabschnitt wegen seines Bodens eine ziemlich gute Weide, obgleich er zum Teil mit Gebüsch bewachsen ist. Sonst ist dort wohl beim Strand ihre besondere Weide, eine dort heißt Koppel und ist ihre beste Weide ist, denn sie hat einen prächtigen Weidegrund und ist von Gräben umgeben. Ohne Zweifel scheint diese wohl eine Wiese gewesen zu sein. Der andere, am Strand gelegene Teil, ist mehr von Sand überweht, jedoch ebenfalls gute eine Koppel. Hieraus ist zu ersehen, dass man hier keine ansehnliche Menge Vieh halten kann, weil nicht mehr als dieser Abschnitt sowie ein kleiner an der Grenze zu Brünzow vorhanden ist, die halb und halb aus Koppel und Heidekraut bestehen. Man wird also bei jedem hier nicht mehr als zehn Stück Großvieh finden, Kühe und Ochsen sowie acht Zugtiere, 20 Schafe, zehn Schweine, sechs bis sieben Gänse.
Bienen
Man berichtet, dass man hier nie etwas Honig zum Verkauf gehabt haben soll. Weil die Bienen hier ringsum keine so gute Weide finden, dass sie sich entwickeln können. So findet man jetzt bei jedem zwei Bienenstöcke; außer bei dem Schulzen, er hat drei, die gänzlich für den Hausbedarf sind.
R 1173Ackerbau und Aussaat
Die drei Felder, welche südlich vom Hof liegen, sowie ein Feld nördlich davon, Strandfelt genannt, sind alle durchweg gut. Die Einwohner sagen jedoch, dass das Dwerfelt am besten ist, aus dem Grund, weil es nicht solche Bodensenken hat wie die anderen dort nebenan liegen. Danach kommt Borwinkel, obgleich es einige tiefliegende Stellen hat, dann Mittelfelt, das ebenfalls zum Teil etwas tiefer liegend ist. Schließlich kommt das Strandfelt, das zum Bokfelt gehört, welches überall sandig ist, woraus ersichtlich ist, dass hier vier Felder zu finden sind, von denen letztlich jedes Jahr drei besät werden und das vierte jährlich ruht. Was die Aussaat betrifft, so soll ein Morgen von dem guten Acker nicht mehr als drei Sch tragen können und das Bokfelt zweieinhalb Roggen, der nur dort wächst. Folglich soll jeder aussäen können: drei Drömt Roggen, Gerste zweieinhalb, Hafer zwei, Erbsen einhalb Drömt.
Wiese und Heufuder
Bei diesem Dorf ist wohl keine bemerkenswerte Wiese, nur kleine Wiesenflecken, die in und neben den Ackerfeldern liegen. Sie sind jedoch sehr grasreich, so dass in den Jahren, wenn sie eingezäunt werden; insbesondere das Borwinkelfelt, welches die meisten hat. Die Bauern sollen jeder laut eigener Aussage zwei bis ein Fuder Heu davon bekommen.Was sie sonst brauchen, müssen sie anderwärts einfahren wie von Freesendorf, von woher sie meist ihr Viehfutter haben.
R 1174 U 1023Obstgärten, Wege und Grundstücke
Man findet hier eine große Fülle an Apfel- und Birnenbäumen, so dass die Einwohner sich bisweilen einen großen Verdienst daraus verschaffen können. Sie können jedoch keine bestimmte Menge sagen, denn sie sagen, manches Jahr kann jeder 20 Tonnen Frucht verkaufen, manches mehr oder weniger. Die Wegstücke sind eine prächtige umzäunte Weide, die einen Teich in sich haben, dessen sich das Vieh im Sommer zum Trinken bedient. Das unbewohnte Grundstück ist mit der Signatur o bezeichnet und zumeist ganz mit fruchttragenden Bäumen überwachsen.
Gesinde
Jeder der Bauern verrichtet seine Ackerbestellung mit einem Knecht und einer Magd sowie einem Mittelknecht. Der Einlieger Thies Cron verdient seinen Lebensunterhalt durch Tagearbeit bei Leuten, wo er kann.
RRev 213 URev 321Im Jahr1704 wurde das Dorf Gahlkow revidiert und wie folgt befunden16
Cc
ein Stück ist von
1 bewirtschaftet und besteht aus schwarzem
kaltgrundigem Sandboden.
1M 60R
Den übrigen wüsten Acker können sie nicht als
Weide entbehren, auch er ist sehr kaltgründig.
Summe
NeuerAcker: 1M 60R
1 In der Urschrift steht vor Gahlkow Hof in Adelsbesitz (frelse hemmanet).
2 Wurde laut Urschrift von Anders Jernström vermessen.
3 Major von Peterswald lebte auf Gut Divitz bei Barth, zu seinen Besitzungen gehörte Gahlkow. Im Jahr 1691 wird er als der Hauptmann von Wrangelsburg vermerkt. Asmus, Ivo, Das Testament des Grafen. Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels nach Tod, förmyndarräfst und Reduktion. Asmus, Ivo; Droste, Heiko; Olesen Jens: (Hg.) Gemeinsame Bekannte. Schweden und Deutschland in der Frühen Neuzeit, Berlin 2003, S. 217; 219.
4 Dienstgeld: eine Geldabgabe, welche die Untertanen an ihre Herrschaft als Ersatz für den erlassenen Frondienst zahlen müssen. Krünitz, Johann Georg, Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Haus- und Landwirtschaft, Bd 9, Berlin 1776, Sp. 298.
5 Kronsteuer: eine Steuer, die einem Landesherrn bei seiner Krönung, oder zur Annahme der königlichen Würde, entrichtet wird. 1 Macc. 10, 29. 11, 35. wird sie die Kron-Steuer genannt, Krünitz, D. Johann Georg: Oeconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Staat- Stadt- Haus und Landwirtschaft, Bd. 53, Berlin 1791, Sp. 831.
6 Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.
7 Roggen der als Magazinkorn eingelagert wurde. Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.
8 Hundekorn: Der Begriff Hundekorn war in Vorpommern seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bekannt. Noch im 17. Jahrhundert war diese Abgabe gebräulich, die in Roggen, Hafer und Gerste zu entrichten war. Wiggers, F. Gutachten über das Hundekorn. In: Baltische Studien, Band 29, (1878), S. 14; 38.
9 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
10 Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.
11 Priesterkorn, auch Priestergerechtigkeit. Eine Getreideabgabe der Bauern eines Kirchspiels an ihren Pastor. Tobien, Alexander: Die Agrargesetzgebung Livlands Bd. I, Berlin 1899, S. 69
12 Gahlkow gehört zum Kirchspiel Wusterhusen.
13 Die Morgen- und Rutenangaben8M 120R sind an dieser Stelle nur in der Urschrift vermerkt.
14 Die Morgen- und Rutenangaben6M 120Rsind an dieser Stelle nur in der Urschrift vermerkt.
15 In der Urschrift steht vor Gahlkow Hof in Adelsbesitz (frelse- hemmanet), frelse allerdings durchgestrichen und an dieser Stelle kaum leserlich.
16 Areal-Ausrechnung des Ackers, der in Gahlkow seit 1694 bestellt wird und bei der Revision 1704 besichtigt wurde (Überschrift der Revisionsurschrift).