R 1175   U 1025 

Beschreibung von Loissin im Wolgaster Distrikt, das1694 im September vermessen wurde.1 

Dieses Dorf liegt im Distrikt Wolgast ungefähr zwei kleine Meilen westlich von der betreffenden Stadt und gehört zur Ludwigsburger Herrschaft. Aber früher, zur Zeit der Herzöge, soll es zum Amt Eldena gehört haben. Keiner weiß hier mehr auf welche Art und Weise es unter die derzeitige Herrschaft gekommen ist. Früher sollen hier zuerst sechs Bauern gewohnt haben. Später, als Ludwigsburg zu einem Herrensitz gemacht worden war, wurden hier acht Vollbauern angesiedelt, von denen sieben noch ansässig zu finden sind. Aber der achte ist im kaiserlichen Krieg in schlechte Verhältnisse gekommen, indem sein Hof zugleich mit drei anderen durch Feuer und Brand ruiniert wurde. Der Acker desselben wird zum einen Teil von einem hier ansässigen Müller bestellt, sowie zum anderen Teil von anderen, an die ihre Herrschaft von Ludwigsburg den Hof abgeben will. Wohl bemerkt sei, dass nachdem der eine Bauernhof in schlechte Verhältnisse gekommen war, hier eine Mühle aufgebaut wurde. Früher war aber keine Wassermühle hier. Sonst hat hier ein Kossat gewohnt, der den von einem Graben umgebenen Acker besessen hat, der nun zumeist bei der Signatur zwei unbewirtschaftet ist. Die Hufenzahl soll 18 steuerbare Landhufen betragen, zwei Stück bei jeder Hofstelle und zwei verteilt auf alle zusammen. Und sie sind zu den reduzierten Hufen berechnet. Auf jeden von diesen Bauern entfallen eineinviertel reduzierte Hufe. Die achte Hofstelle hat die Herrschaft unter sich  R 1176  und kommt für sie nicht in Betracht. Sie meinen, dass sie dennoch diese ebenso versteuern müssen, wie ihr Land, das sie bewirtschaften. Ihr Dienst beträgt für jeden das Jahr hindurch zwei Leute und vier Zugtiere Woche für Woche. Aber zur Roggenernte muss jeder fünf Personen zur Hofarbeit haben, die andere Zeit hindurch drei Leute und wenn sie einfahren, geben sie den drei Arbeitsleuten vier Zugtiere. Außer diesem Dienst gibt jeder 15 Sch Pachtsaat2 , wie fünf Roggen3  Gerste, fünf Hafer sowie viereinhalb fl oder zwei Rthl sechs Gr. Kronsteuer4  geben sie wie die anderen, außer dass sie ihnen immer erhöht wird. Wenn für eine reduzierte Hufe einen Rthl gegeben werden soll, so müssen sie einen Rthl zwölf ß geben. Magazinkorn5  gibt jeder neuneinviertel Sch Roggen, Mühlen-Pacht6 Reitersteuer7  jeder einen Rthl zwölf ß. Der Müller gibt nach Ludwigsburg zehn Drömt Roggen als Pacht. Dafür nutzt er die Mühle seiner Herrschaft und bekommt alle davon folgenden Nebeneinkünfte wie: für jeden Sch ein Maß Korn zu zwölf Maß auf den Sch. Und der Müllerknecht bekommt für drei bis vier Sch zwei ß. Der Müller hat auch einen Teil Land dabei. Akzise8  gibt jeder Einwohner jährlich drei einhalb Rthl. Ihr Pastor, der in Wusterhusen wohnt,9  bekommt jedes Quartal von jedem fünf Sch Roggen und der Küster acht ß außer den anderen kleinen Nebeneinkünften. Der Pastor  R 1177  bekommt sonst jährlich von der Kirche hier im Dorf vier Rthl. Die Grenzen sind überall richtig: die südlich mit Brünzow und Neuendorf Feld um Feld durch zwei Grenzsteine und einen kleinen Graben getrennt sind, ebenfalls die bei Ludwigsburg im Westen. Nach Norden zu ist die Seebucht Der Bodden genannt. Ostwärts wird Gahlkow ebenfalls durch einen Graben hiervon getrennt.

Namen der Einwohner

1 . Jacob Bidenweg, Kirchenvorsteher.
2 . Jacob Swart
3 . Jochom Bekmann
4 . Klaes Bidenweg
5 . Jochom Asmus, Müller.
6 . Hans Bil
7 . Hans Gliss
8 . Jochom Gless
18 Landhufen bestellen diese Bauern.

Einlieger

9 . Johan Giarmer, ein alter Soldat.
10 . Jochim Konrad, Kuhhirte.
11 . Petter Swart, Schweinehirte.
12 . Die Kirche.
13 . Die Mühle.

 R 1178   U 1026 

Arealausrechnung zu Loissin10 

Die Ackerbewirtschaftung

[Aa-Ab, Ba-Bb, C, D, Ea-Eb, F]   487M 180R

Aa  Bergfeld von ebenem und etwas niedrig gelegenem Lehmhumus.  117M 90R
Ab  Dasselbe Feld, schlechtere Bodenart, der aus sandigem Lehmhumus besteht.  3M

Ba  Karkfelt von obengenannten Lehmhumus Boden, jedoch recht niedrig gelegen, bei der Signatur w , zu  2M,  115M 30R
Bb  im selben Feld der sandige und niedrig gelegene Lehmhumusboden  5M

C  Mühlenfelt, das überall aus guter Lehmhumus Bodenart besteht  148M 60R

D  Kulfelt, das aus wenig sandvermischten Lehmhumus besteht  52M 240R

Ea  Das Lütke Bokfelt von direkt darüberstehender Bodenart Eb außer zweier  [2]M, die unter Eb  verzeichnet etwas mehr sandvermischt  26M 210R

F  Das so genannte Grosse Bokfelt, nicht nach der gegenwärtigen Größe, sondern in Anbetracht seines ehemaligen Umfanges. Es besteht überall aus schwerem Sandgemisch.  19M 150R

Wiesen und Heuernte

[G1-G2]  [Ertrag:] 87 Heufuder  46M 150R
G1 11  Bodenbrink, eine sumpfige und morastige Wiese, die wohl anderthalb Fuder Heu pro Morgen abwerfen kann  11M
G2 12  Die anderen sowohl kleinen als auch größeren Wiesenflecken sowie innerhalb als auch außerhalb der Ackerfelder gelegen, alle von prächtiger Wiese, und sie können mindestens pro Morgen zwei Fuder Heu abwerfen  35M 150R

 R 1179 

Wald

[Ha-Hb]   141M
Ha 13  ist ein sumpfiger und zum Teil morastiger Waldabschnitt mit Eichen und Hasel rings um das Feld bewachsen. Aber mitten darin besteht er aus Eichwald, dessen Grund sehr grasreich ist. Hierunter versteht man auch den kleinen Erlenbruch an der Neuendorfer Grenze sowie die Trift14 , die vom Hof zu obengenannten Waldabschnitt verläuft und auch alle Tümpel, die mit Symbol 27 bezeichnet sind  104M
 U 1027 Hb 15  Ein Eichbuschhügel16  neben Das Grosse Bokfelt, das früher Acker gewesen war, jetzt aber unter starkem Heidekraut liegt, welcher von schwerem Sandgrund ist  37M

Weideland

[Hc-Hf]   84M 180R
Hc 17  Eine ebene Wiesen-Koppel zum Weiden, an den Seiten etwas buschig, soll früher zum Teil auch Acker gewesen sein, mit der Trift, die dort hindurch nach Ludwigsburg läuft, sowie Symbol 29  die Hofstellen und Straßen im Dorf.  32M
Hd 18  Daneben liegt auch eine Koppel von verdichtetem Weidegrund, jedoch ziemlich mit Büschen bewachsen,  17M 120R
 R 1180a  Hf  zumeist Heideland, jedoch hier und da einige Grassenken, war früher überall Acker gewesen  35M 60R

Obst- und Gemüsegärten

ja 19  Die Obst- und Kohlgärten liegen durcheinander, jedoch sind die Kohlgärten den Obstgartenstellen nicht gesondert zugerechnet worden, da alles mit fruchttragenden Bäumen wie Äpfel, Birnen, Walnüssen etc. bewachsen ist  13M 150R

Grenzzeichen

Symbol 37  Grenzsteine und Gräben, die auf der Grenzlinie liegen, man findet alle angezeigt.

Summe

Acker: 487M 180R
Wiese: 46M 150R
Heu: 87 Fuder
Wald: 141M
Weide: 84M 180R
Obst- und Gemüsegärten: 13M 150R

 R 1180   U 1028 

Annotationen zu Loissin20 

Der Ackerbau und die Aussaat

Hier beim Dorf wird der Acker in vier Schläge aufgeteilt, wie das Mühlenfelt, das jetzt Sommerfeld war. Und wegen seiner guten Lage wird es für das beste gehalten, denn es ist weder so hoch noch so niedrig gelegen, dass es dadurch Schaden haben kann. Als nächstes kommen das Bergfelt, das jetzt Brache war und Karkfelt, das jetzt Winterfeld ist, welche in der Lage und Güte gleich sind, denn beide sind von einer Bodenart und zum Teil niedrig gelegen. Kulfelt und das Lütke Bokfeld sind nicht sehr sandigund ergeben alle beide zusammen ein Feld, das jetzt Sommersaat oder Gerstensaat hatte. Und schließlich das Grosse Bokfelt, das jetzt auch brach liegt und zum Teil aus einer schweren Sandmischung besteht. Jedes vierte Jahr wird es mit Roggen besät. Die Aussaat auf einem Morgen Land soll hier drei Sch Roggen nicht übersteigen, sagen die Einwohner. Es kann also jeder zweieinhalb Drömt Roggen, Gerste zweieinhalb sowie in das Kulfelt zwei Drömt Hafer und zweieinhalb Drömt Erbsen aussäen. Zu bemerken ist, weil man zwei Sommerfelder findet, dass eines mitHafer und Erbsen besät wird und das andere mit Gerste.

 R 1181 

Wiesen und deren Heuernte

Nur einige kleine Feuchtwiesen sind hier zu finden, wie Bodenbrink, welcher sehr sumpfig und morastig ist, dass man in nassen Jahren nichts bekommen soll. Sowie auch dann, wenn der Nord bläst; dann dringt die ganze See ein und ertränkt nicht nur alle Wiesen, sondern auch ihre ganze Weide. Sie geben also vor, dass sie, wenn solche Jahre sind, dass diese sie heuen können, jeder ungefähr ein Fuder Heu bekommen kann. Sonst können sie von den anderen Wiesenflecken jeder zwei oder ein Fuder Heu bekommen, sofern die Felder dafür eingezäunt werden. Was sie außerdem benötigen, holen sie aus Freesendorf. Mein Urteil findet man in der Ausrechnung.

Wald, Weide und Vieh

Ihr Wald besteht zumeist aus Erlen, jedoch sind an den Seiten bei den Ackerfeldern schöne große Eichen; sowie auch Eichen hier und da im Wald, von denen man sich in guten Mastjahren oder wenn Eicheln wachsen, einen ziemlichen Gewinn verschaffen kann. Der andere Wald dient für Zäune und Brennholz. Dieser oben genannte Waldabschnitt steht auf einem sumpfigen, festen Wiesengrund zwischen jenem anderen, der das Weideland der Einwohner ist und das in trockenen Jahren am besten ist.  U 1029  Außerdem ist dieses Weideland gegen die Wiese, Bodenbrink genannt,  R 1182  auf Heideboden mit Wacholderbüschen bewachsen. Denn in vergangenen Tagen hat das Grosse Bokfelt eine weitere Ausdehnung gehabt. Jetzt ist es zum größten Teil mit Büschen überzogen. Unweit der Wiese ist jedoch ein ebener schöner Weidestreifen, der wohl als Wiese passieren könnte. Jeder soll an Vieh nicht mehr als neun Stück Großvieh, neun Stück Pferde, zehn Stück Schweine haben. Ebensoviel wird ihnen von ihrem Patron als Hofwehr21  gegeben, wenn sie sich dort zuvor häuslich niederlassen. Was sie sonst erzeugen, müssen sie nach ihrer Abgabenübereinkunft alles verkaufen.

Obstgärten, Grundstücke und Wegstücke

Hofstellen und Wegstücke sind eine gute Weide mit allen daran liegenden Triften. Die Obstgärten sind zum einen Teil mit Busch bewachsen, zum anderen Teil sind sie Koppeln. Aber der größte Teil ist mit Apfel- und Birnenbäumen besetzt, wovon sie sich ein gut Teil Gewinn verschaffen können, wenn fruchtbare Jahre sind, denn drei sind von ziemlich guter Art und gedeihen hier wohl in der Gegend.

Bienen

Bei jedem findet man zwei bis drei Stöcke für den Hausbedarf.

Gesinde

Man sollte wohl für den anstrengenden Herrenhofdienst zwei Knechte und Mägde benötigen, welche auch zumeist bei jedem zu finden sind, und wenn sie keine haben, müssen sie die Erntezeit über Tagelöhner beschäftigen.

 RRev 301   URev 429 

Anno 1704 ist das Dorf Loissin revidiert und wie folgt befunden worden

Ac  drei Stücke vom Weideland H 5 bewirtschaftet, ist kaltgründiger und schwärzlicher Sandboden, wird wie der andere Acker A besät  10M 120R

Wüster Acker

Hf  scheint wohl als Acker bestellt werden zu können, aber er ist sehr kaltgründig.

Summe

Neuer Acker: 10M 120R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2008, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Anders Jernström
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Anders Jernström vermessen.

2  Pachtsaat Pachtabgabe in Form von Getreide.  Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch Leipzig 1854-1960, Bd. 13, Sp. 1397.

3 Die Zahl 5 erscheint nur in der Urschrift.

4  Kronsteuer: eine Steuer, die einem Landesherrn bei seiner Krönung, oder zur Annahme der königlichen Würde, entrichtet wird. 1 Macc. 10, 29. 11, 35. wird sie die Kron-Steuer genannt,  Krünitz, D. Johann Georg: Oeconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Staat- Stadt- Haus und Landwirtschaft, Bd. 53, Berlin 1791, Sp. 831.

5  Roggen der als Magazinkorn eingelagert wurde. Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.

6 Mühlen-Pacht in der Reinschrift am rechten Rand nachgetragen, in der Urschrift nicht vermerkt.

7  Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.

8  Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste.  Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.

9 Loissin gehört zum Kirchspiel Wusterhusen.

10 In der Urschrift steht vor Loissin durchgetrichen frellsehemmanet, also Hof in Adelsbesitz.

11 Statt G steht in der Urschrift ein X1.

12 Statt G steht in der Urschrift ein X2.

13 In der Urschrift ein anderes Zeichen Symbol 49  .

14  In der Landwirtschaft ein breiter, gemeiniglich eingeschlossener Weg, auf welchem das Vieh von der Weide getrieben wird, in welcher Bedeutung es im Hochdeutschen am gewöhnlichsten ist: Die Viehtrift, der Viehweg, Treibeweg. 2) Der Ort, auf welchen das Vieh zur Weide getrieben wird. In weiterer Bedeutung führt jeder Ort dieser Art den Namen Trift, in engerer aber nur das Brachfeld, in so fern es dem Vieh zur Weide dient, zum Unterschied von der Weide.  Wehrmann, Martin: Geschichte der Stadt Stettin, Stettin 1911, ND Frankfurt a. M. 1979, S. 276ff.

15 In der Urschrift ein anderes Zeichen Symbol 44  .

16 In der Urschrift steht ene buske backe, also Wacholderbusch-Hügel.

17 In der Urschrift ein anderes Zeichen W.

18 In der Urschrift ein anderes Zeichen Symbol 18  .

19 In der Urschrift nur a.

20 In der Urschrift steht vor Loissin durchgestrichen åfwen nemde frellse und by (oben genanntes Dorf in Adelsbesitz).

21  Hofwehr: Die Ausrüstung eines bäuerlichen Hofes mit Geräten zum Ackerbau, also mit Gutsinventar.  Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960, Bd. 10, Leipzig 1893, Sp. 1703.