R 676   U 497 

Beschreibung und Annotation von Engelswacht, das in Vorpommern im Greifswalder Distrikt und im Kirchspiel Brandshagen liegt und im September des Jahres 1696 vermessen wurde1 

Namen der Einwohner

1 . Michel Wolf, Pächter
Laut Angaben der Bewohner ist dieser Hof von folgender Beschaffenheit: Engelswacht ist ein Adelsgut und hält zusammen mit Falkenhagen und Zettelvitz ein Lehnpferd2 . Zu diesem Gut gehören keine Dienstdörfer, sondern die Bewohner des Anwesens müssen es mit eigenen Tieren bewirtschaften. Früher hat es einem Rotermund gehört, dann einem Rittmeister namens Burnell, dessen Erben es im letzten Winter an den Stastskommissar Klinkowström verkauft haben. Es wird auf vier Hufen gerechnet, wie der Pächter angibt, der hier seit nunmehr acht Jahren lebt. Er zahlte sechs Jahre lang 450 vorpommersche Gulden, ein Jahr 600 und letztes Jahr 475 Gulden Pacht.

Der Acker liegt in drei Schlägen, von denen das Brachfeld mit Roggen besät wird, anschließend mit Gerste, Hafer und Erbsen, das dritte Jahr liegt es brach.
 R 677  Die Aussaat in den Roggenfeldern Ja, Jb, Jc und Jd beträgt 96 Scheffel Roggen und 143 Scheffel Gerste und Hafer, die Aussaat der Brachfelder Je und Jf beträgt je 192 Scheffel Roggen und Gerste und Hafer. Die Gersten- und Haferfelder Jg und Jh haben 144 Scheffel Roggen und 120 Scheffel Gerste- und Haferaussaat. Erbsen können in die Felder Ja und Jb ein Drömt oder 12 Scheffel gesät werden.
In die anderen beiden Felder werden keine Erbsen gesät, da sie sandiger sind, doch wächst dort besserer Roggen und Gerste als in den anderen.

Wiesen

Der Pächter gibt an, insgesamt nicht mehr als acht Fuder Heuertrag zu haben.

Wald

Wo nun der Kiefernwald steht, war einst Acker. Doch vor etwa 40 Jahren wurde er gepflügt und mit Kiefern gesät. Die Beschaffenheit des Waldes kann aus der Karte entnommen werden. Holz, das auf dem Hof benötigt wird, ist vorhanden und muss nicht gekauft werden.

 R 678 

Vieh

Der Bewohner besitzt zehn Pferde, 30 Kühe und 350 Schafe, der Schäfer und seine Knecht halten 200 Schafe.

Bienenstöcke

[Der Pächter besitzt] sechs Bienenstöcke und der Schäfer, der in Reinkenhagen lebt, hat zwei.

Gesinde

Ein Knecht leistet 16 Schilling Kopfgeld3  und ein Halbknecht vier Schilling.
Zwei Mägde zahlen jede drei Schilling Kopfgeld, der Pächter leistet im Jahr fünf Reichstaler Kopfgeld, und jedes Quartal zwei Reichstaler und 18 Schilling Akzise4 . Er erinnert sich nicht, wieviel Nebenmodus5  er zahlt. Mehr Ausgaben hat er nicht.

 R 679   U 516   R 354 

Arealausrechnung von Engelswacht, das ein Adelsgut ist und im Norden an Brandshagen und Ahrendsee grenzt, im Osten an Miltzow und Reinkenhagen, südlich an Reinkenhagen und Hildebrandshagen, westlich an Behnkenhagen und Ahrendsee

Der Acker liegt in drei Schlägen und und ist von folgender Bodengüte

J Das Roggenfeld Ja, Jb, Jc und Jd

[Ja-Jd]   56M 195R
Ja , Sandhumus  5M 75R
Jb , lehmhaltiger Sandhumus  25M 165R
Jc , kaltgrundiger Sand, etwas humos  12M 105R
Jd , humushaltiger Sand  13M 150R

Brache Je und Jf

[Je, Jf]   43M 105R
Je , guter Sandhumus  32M 225R
Jf , mehr sandhaltig  10M 180R

 R 680 

[Jg, Jh]   41M 75R
Jg , Sandhumus  12M 165R
Jh , guter Sandhumus  27M 210R

Wüster Acker

Ka , Wüster Acker mit Heide bewachsen, wird vor allem für die Schafe als Weide genutzt  42M 120R

 R 355 

L Wiese

[L]   16M 270R
La , 8 Stücke durchschnittlich gute Wiese, [Heuertrag] 12 Fuder  8M
Lb , tief liegende kaltgrundige Wiese von kurzem Gras, [Heuertrag] 1 Fuder  2M 120R
[Heuertrag Gb, Gc] 5 Fuder
Lc , eine tief liegende Wiese in der Nähe des Mühlenbaches bei der Grenze zu Behnkenhagen, [Heuertrag] 6 Fuder  2M 150R
Ld , eine tief liegende Wiese von kurzem Gras  4M

 R 681 
 R 180 

M Wald

[M]   143M 120R
Ma , An den Grenzen gibt es manchmal Erlenwald, das andere ist durchschnittlicher Eichen-, Buchen- und weiterer Laubwald mit großen Bäumen darunter; vor allem bei der Landstraße auf der Seite nach Behnkenhagen  63M 135R
Mb , junger reiner Eichenwald bei der Grenze zu Reinkenhagen  4M 90R
Mc , drei Stücke unterschiedlicher Laubwald mit einigen größeren Eichen und Buchen bei der Grenze zu Reinkenhagen  8M 180R
Md , junger, hochgewachsener Kiefernwald  11M 180R
Me , mehr kurzgewachsener Kiefernwald mit einigen Eichen darunter, die zum Teil darüber wachsen, beinhaltet  18M 30R
 R 356 
Mf , kleiner dichtbewachsener Kiefernwald mit einigen Eichen darunter, von einem Graben umgeben  9M 150R  R 682 
Mg , junger hoch gewachsener Kiefernwald mit einigen Eichen bei der Grenze zu Behnkenhagen  18M 120R
Zu diesem Kiefernwald vergleiche die Annotationen.
 U 517 
Mh , ein Erlenbruch bei der Grenze zu Behnkenhagen  8M 75R
Mi , ein Stück zwischen der Brache und dem Roggenfeld  1M 60R

N. Weideland

[N]   47M 195R
Na , Sumpfiger Grastümpel, von dem in trockenen Jahren ein schmales Stück abgemäht wird  6M 270R
Nb , zwei Stücke Grasweide  1M 210R
Nc , kaltgrundiges Grasweideland, das wohl einst ein Acker war  14M 90R
Nd , vier Stücke mit kurzer Heide darauf, die ebenfalls Acker gewesen sind  17M 20R
 R 683 Ne , die Landstraße zwischen Acker und Kiefernwald, an den Seiten mit kurzer Heide  5M 90R
Nf , zwei Koppeln mit einem festen Brink6  der Wiese bei dem Ackerstück Jb  1M 195R

 R 357   R 181 

Tümpel

[Tümpel zusammen]   15M 150R
Symbol 21  zehn Wassertümpel beinhalten  6M 60R
Symbol 94  drei Tümpel mit Karauschen darin  270R
Symbol 94  ein Stück nahe des Landes beim Mühlenteich, das in den Annotationen von Behnkenhagen beschrieben ist, gehört hierher  8M 120R

Hofstellen

T: g: , ein alter Obstgarten mit einigen Bäumen darin, sowie ein Gemüsegarten, die zusammen beinhalten  1M 30R
und K , die Hofstelle mit der Straße  1M
 R 684  Symbol 126  dort wurde nun ein Steinhaus gebaut. Einst stand dort ein Schloss, wovon die Ruinen zeugen, unter denen sich gewölbte Keller befunden haben, die wiedererrichtet wurden. Daneben steht eine Fichte, ein in Pommern sehr seltener Baum.
ö , eine wüste Hofstelle  150M

Acker, der zur Kordshäger Mühle gehört

[O]   6M 165R
O: o: , etwas humoser Sand  4M 60R
O: p , Lehmhumus  2M 105R
Symbol 94  der Mühlenteich mit dem Bach aus dem Teich, der bei Behnkenhagen liegt  3M 150R
Alles weitere zur Mühle siehe aus den Annotationen

Summe

Acker: 147M 240R
Wüster Acker: 42M 120R
Wiese: 15M 270R
Heufuder: 19
Wald, Weiden und Tümpel: 210M 15R
Hofstellen: 3M

 RRev 685   URev 176   RRev 349f. 

Am 13. November 1704 ist das Dorf Engelswacht revidiert und wie folgt befunden worden

J. Seit voriger Vermessung aufgebrochener Acker

[Neuer Acker]   3M
J:i , Vom wüsten Acker Ka an der Grenze bei Reinkenhagen aufgebrochen, besteht aus Sand, ist zwei Jahre bewirtschaftet worden, das Übrige liegt noch wüst und kann als Weideland nicht entbehrt werden  3M

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

K:a , Liegt an der Grenze zu Miltzow, ist noch ganz wüst. Es besteht aus kaltgrundigem Sand, der Besitzer gibt an, dass er es nicht als Weide entbehren könne.

Summe

Neuer Acker: 3M

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Simon Skragge
Revision:
Anmerkungen:

1 Mit großer Wahrscheinlichkeit von Simon Skragge vermessen; Angaben fehlen zwar, doch wurde Engelswacht zusammen mit Falkenhagen bearbeitet, das nachweislich von Skragge vermessen wurde.

2  Ein Lehnspferd (auch Lehnpferd, Lehenspferd, oder Lehenpferd) ist dasjenige Pferd, welches ein Bauer zum Dienst des Herrn bereithält zum Reiten oder Fahren in Kriegs- und Friedenszeiten, ohne dass er es dem Herrn selbst zuführen muß.  Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 69. Berlin 1804. Sp. 679.

3  Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.

4  Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste.  Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.

5  Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren.  Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.

6  Brink: ein grüner Platz ohne Bäume, in Holzungen, Feldrändern oder Wäldern.  Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 55.