Beschreibung und Annotation von Engelswacht, das in Vorpommern im Greifswalder Distrikt und im Kirchspiel Brandshagen liegt und im September des Jahres 1696 vermessen wurde1
Namen der Einwohner
1 . Michel
Wolf, Pächter
Laut Angaben der Bewohner ist dieser Hof von folgender Beschaffenheit: Engelswacht ist ein
Adelsgut und hält zusammen mit Falkenhagen und Zettelvitz ein Lehnpferd2 . Zu diesem Gut gehören keine Dienstdörfer, sondern die Bewohner des Anwesens müssen es mit eigenen Tieren bewirtschaften.
Früher hat es einem Rotermund gehört, dann einem Rittmeister namens Burnell, dessen Erben es im letzten Winter an den
Stastskommissar Klinkowström verkauft haben. Es wird auf vier Hufen gerechnet, wie der Pächter angibt, der hier seit nunmehr acht Jahren lebt. Er zahlte
sechs Jahre lang 450 vorpommersche Gulden, ein Jahr 600 und letztes Jahr 475 Gulden Pacht.
Der Acker liegt in drei Schlägen, von denen das Brachfeld mit Roggen besät wird, anschließend mit Gerste, Hafer und Erbsen,
das dritte Jahr liegt es brach.
R 677 Die Aussaat in den Roggenfeldern Ja, Jb, Jc und Jd beträgt 96 Scheffel Roggen und 143 Scheffel Gerste und Hafer, die Aussaat
der Brachfelder Je und Jf beträgt je 192 Scheffel Roggen und Gerste und Hafer. Die Gersten- und Haferfelder Jg und Jh haben
144 Scheffel Roggen und 120 Scheffel Gerste- und Haferaussaat. Erbsen können in die Felder Ja und Jb ein Drömt oder 12 Scheffel
gesät werden.
In die anderen beiden Felder werden keine Erbsen gesät, da sie sandiger sind, doch wächst dort besserer Roggen und Gerste
als in den anderen.
Wiesen
Der Pächter gibt an, insgesamt nicht mehr als acht Fuder Heuertrag zu haben.
Wald
Wo nun der Kiefernwald steht, war einst Acker. Doch vor etwa 40 Jahren wurde er gepflügt und mit Kiefern gesät. Die Beschaffenheit des Waldes kann aus der Karte entnommen werden. Holz, das auf dem Hof benötigt wird, ist vorhanden und muss nicht gekauft werden.
R 678Vieh
Der Bewohner besitzt zehn Pferde, 30 Kühe und 350 Schafe, der Schäfer und seine Knecht halten 200 Schafe.
Bienenstöcke
[Der Pächter besitzt] sechs Bienenstöcke und der Schäfer, der in Reinkenhagen lebt, hat zwei.
Gesinde
Ein Knecht leistet 16 Schilling Kopfgeld3 und ein Halbknecht vier Schilling.
Zwei Mägde zahlen jede drei Schilling Kopfgeld, der Pächter leistet im Jahr fünf Reichstaler Kopfgeld, und jedes Quartal
zwei Reichstaler und 18 Schilling Akzise4 . Er erinnert sich nicht, wieviel Nebenmodus5 er zahlt. Mehr Ausgaben hat er nicht.
Arealausrechnung von Engelswacht, das ein Adelsgut ist und im Norden an Brandshagen und Ahrendsee grenzt, im Osten an Miltzow und Reinkenhagen, südlich an Reinkenhagen und Hildebrandshagen, westlich an Behnkenhagen und Ahrendsee
Der Acker liegt in drei Schlägen und und ist von folgender Bodengüte
J Das Roggenfeld Ja, Jb, Jc und Jd
[Ja-Jd]
56M 195R
Ja , Sandhumus
5M 75R
Jb , lehmhaltiger Sandhumus
25M 165R
Jc , kaltgrundiger Sand, etwas
humos
12M 105R
Jd , humushaltiger Sand
13M 150R
Brache Je und Jf
[Je, Jf]
43M 105R
Je , guter Sandhumus
32M 225R
Jf , mehr sandhaltig
10M 180R
[Jg, Jh]
41M 75R
Jg , Sandhumus
12M 165R
Jh , guter Sandhumus
27M 210R
Wüster Acker
Ka , Wüster Acker mit Heide bewachsen, wird vor allem für die Schafe als Weide genutzt
42M 120R
L Wiese
[L]
16M 270R
La , 8 Stücke durchschnittlich gute
Wiese, [Heuertrag] 12 Fuder
8M
Lb , tief liegende kaltgrundige Wiese
von kurzem Gras, [Heuertrag] 1 Fuder
2M 120R
[Heuertrag Gb, Gc] 5 Fuder
Lc , eine tief liegende Wiese in der
Nähe des Mühlenbaches bei der Grenze zu Behnkenhagen, [Heuertrag] 6 Fuder
2M 150R
Ld , eine tief liegende Wiese von
kurzem Gras
4M
M Wald
[M]
143M 120R
Ma , An den Grenzen gibt es manchmal
Erlenwald, das andere ist durchschnittlicher Eichen-, Buchen- und weiterer Laubwald mit großen Bäumen darunter; vor allem
bei
der Landstraße auf der Seite nach Behnkenhagen
63M 135R
Mb , junger reiner Eichenwald bei der
Grenze zu Reinkenhagen
4M 90R
Mc , drei Stücke unterschiedlicher
Laubwald mit einigen größeren Eichen und Buchen bei der Grenze zu Reinkenhagen
8M 180R
Md , junger, hochgewachsener
Kiefernwald
11M 180R
Me , mehr kurzgewachsener Kiefernwald
mit einigen Eichen darunter, die zum Teil darüber wachsen, beinhaltet
18M 30R
R 356
Mf , kleiner
dichtbewachsener Kiefernwald mit einigen Eichen darunter, von einem Graben umgeben
9M 150R
R 682
Mg , junger hoch gewachsener
Kiefernwald mit einigen Eichen bei der Grenze zu Behnkenhagen
18M 120R
Zu diesem Kiefernwald vergleiche die Annotationen.
U 517
Mh , ein
Erlenbruch bei der Grenze zu Behnkenhagen
8M 75R
Mi , ein Stück zwischen der Brache und
dem Roggenfeld
1M 60R
N. Weideland
[N]
47M 195R
Na , Sumpfiger Grastümpel, von dem in
trockenen Jahren ein schmales Stück abgemäht wird
6M 270R
Nb , zwei Stücke Grasweide
1M 210R
Nc , kaltgrundiges Grasweideland, das
wohl einst ein Acker war
14M 90R
Nd , vier Stücke mit kurzer Heide
darauf, die ebenfalls Acker gewesen sind
17M 20R
R 683 Ne , die Landstraße zwischen Acker und Kiefernwald, an den Seiten mit kurzer Heide
5M 90R
Nf , zwei Koppeln mit einem festen
Brink6 der Wiese bei dem Ackerstück Jb
1M 195R
Tümpel
[Tümpel zusammen]
15M 150R
zehn Wassertümpel beinhalten
6M 60R
drei Tümpel mit Karauschen darin
270R
ein Stück nahe des Landes beim Mühlenteich, das in den Annotationen von Behnkenhagen
beschrieben ist, gehört hierher
8M 120R
Hofstellen
T: g: , ein alter Obstgarten mit einigen Bäumen darin, sowie ein Gemüsegarten, die zusammen beinhalten
1M 30R
und K , die Hofstelle mit der Straße
1M
R 684
dort wurde nun ein Steinhaus gebaut. Einst stand dort ein Schloss, wovon die Ruinen zeugen,
unter denen sich gewölbte Keller befunden haben, die wiedererrichtet wurden. Daneben steht eine Fichte, ein in Pommern sehr
seltener Baum.
ö , eine wüste Hofstelle
150M
Acker, der zur Kordshäger Mühle gehört
[O]
6M 165R
O: o: , etwas humoser Sand
4M 60R
O: p , Lehmhumus
2M 105R
der Mühlenteich mit dem Bach aus dem Teich, der bei Behnkenhagen liegt
3M 150R
Alles weitere zur Mühle siehe aus den Annotationen
Summe
Acker: 147M 240R
Wüster Acker: 42M 120R
Wiese: 15M 270R
Heufuder: 19
Wald, Weiden und Tümpel: 210M 15R
Hofstellen: 3M
Am 13. November 1704 ist das Dorf Engelswacht revidiert und wie folgt befunden worden
J. Seit voriger Vermessung aufgebrochener Acker
[Neuer Acker]
3M
J:i , Vom wüsten Acker Ka an der
Grenze bei Reinkenhagen aufgebrochen, besteht aus Sand, ist zwei Jahre bewirtschaftet worden, das Übrige liegt noch wüst und
kann als Weideland nicht entbehrt werden
3M
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
K:a , Liegt an der Grenze zu Miltzow, ist noch ganz wüst. Es besteht aus kaltgrundigem Sand, der Besitzer gibt an, dass er es nicht als Weide entbehren könne.
Summe
Neuer Acker: 3M
1 Mit großer Wahrscheinlichkeit von Simon Skragge vermessen; Angaben fehlen zwar, doch wurde Engelswacht zusammen mit Falkenhagen bearbeitet, das nachweislich von Skragge vermessen wurde.
2 Ein Lehnspferd (auch Lehnpferd, Lehenspferd, oder Lehenpferd) ist dasjenige Pferd, welches ein Bauer zum Dienst des Herrn bereithält zum Reiten oder Fahren in Kriegs- und Friedenszeiten, ohne dass er es dem Herrn selbst zuführen muß. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 69. Berlin 1804. Sp. 679.
3 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
4 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
5 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.
6 Brink: ein grüner Platz ohne Bäume, in Holzungen, Feldrändern oder Wäldern. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 55.