Beschreibung des Dorfes Groß und Klein Lehmhagen, das zwischen dem 17. Mai und 20. Mai des Jahre 1697 geometrisch vermessen wurde1
Dieses Dorf liegt im Distrikt sowie Kirchspiel Grimmen, drei Meilen von Stralsund und zwei Meilen von Greifswald entfernt. Es grenzt an nachfolgende Orte: im Norden an Glashagen und Hoikenhagen, im Osten an Stoltenhagen und Hohenwarth, im Süden an die Stadt Grimmen, an der Westseite an Schönenwalde und Holthof. Dieses Dorf gehört zwei Besitzern, ein Teil gehört zum Amt Hohenwarth und besteht aus drei einhalb Hufen, die von zwei Pächtern bewirtschaftet werden und dafür 92 Rthl geben. Der andere Teil gehört der Familie Küssow auf Quitzin, es sind sieben einhalb Hufen, aber welche Art Hufen, wusste man mir nicht zu sagen. Von den Hufen der Küssows auf Quitzin liegt eine wüst.
Namen der Einwohner
1 . Jacob Schultz, Pächter, bewirtschaftet drei einhalb Hufen, die unter Quitzin gehören, gibt 160 Rthl an Pacht.
| 2 . Simon Petterson,
Pächter und Leinenweber hat eine Hufe, gibt dafür 19 Rthl Pacht. Er besitzt auch eine wüste Hufe nahe bei der Grenze zu
Hohenwarth. 3 . Jons Petterson, Pächter, hat eine Hufe und gibt 13 Rthl Pacht. |
Diese gehören auch unter Quitzin. |
4 . Clas Bentzin besitzt ein
einhalb Hufen und gibt 23 Rthl, gehört unter das Amt Hohenwarth.
5 . Christian Kröger, hat eine Hufe, mehr hat er nicht und gibt fünf Rthl, gehört
unter Quitzin.
6 . Fans
Ritzeron besitzt zwei Hufen und gibt 65 Rthl, gehört unter das Amt Hohenwarth.
Arealausrechnung von Groß und Klein Lehmhagen
Der Acker
Ein jeder Acker wird mit der Nummer des Besitzers verzeichnet.
Nummer 1
[1A, 1B, 1C, 1D]
132M 165R
1A
durschnittlich guter, sandvermischtes, lehmig-humoses, ebenes Land
37M 150R
1B
gut gedüngter Lehmhumus, ebenes Land
73M 90R
1C
etwas hoch liegender Lehmboden, sandvermischt
20M 60R
1D
Adberskamp Sandhumus
1M 165R
Acker Nummer 2
[2A, 2B, 2C, 2D]
50M 75R
2A
sandvermischter Lehmhumus
17M 75R
2B
gut gedüngter Lehmhums, ebenes Land
11M 15R
2C
etwas hoch gelegener Lehmboden, sandvermischt
9M
2D
schwerer Lehmboden, vier Stücke des aufgebrochenen, wüsten Ackers
12M 285R
Acker Nummer 3
[3A, 3B]
21M 240R
3A
vier Stücke Lehmboden, guter, sandvermischter Lehm bei den Wiesen und an der Grenze
etwas niedrig
13M 240R
3B
zwei Stücke gut gedüngter Lehmhumus, ebenes Land bei den Wiesen etwas niedrig
8M
Acker Nummer 4
[4A, 4B, 4C]
52M 90R
4A
vier Stücke durchschnittlich guter, sandvermischter Lehm, bei den Wiesen und der Grenze
etwas niedrig
27M 60R
4B
drei Stücke gut gedüngter Lehmhumus bei den Wiesenstücken etwas niedrig
17M 30R
4C
etwas hoch liegender, sandvermischter Lehmboden
8M
Acker Nummer 5
[5A, 5B]
24M 60R
5A
sandvermischter Lehmboden, zu den Wiesen und zum wüsten Acker hin etwas niedrig
16M 150R
5B
gut gedüngter Lehmhumus, zu den Wiesen hin etwas niedriges Land
7M 210R
Acker Nummer 6
[6A, 6B]
94M 75R
6A
schwerer, sandvermischter Lehmboden, zur Grenze hin etwas tief liegendes Land
44M 205R
6B
drei Stücke sandvermischtes, ebenes Lehmland
49M 90R
G ein zu Grimmen gehörendes Ackerstück, dessen Areal man in der Ausrechnung zu Grimmen findet.
Wüster Acker, der mit den Nummern der Besitzer verzeichnet ist
[1E-6E, Ee]
222M 210R
1E
drei Stücke wüster Acker mit kurzer Heide und Gras bewachsen, von gleicher Bodenart wie der
aufgebrochene Acker
63M 30R
2E
fünf Stücke wüster Acker mit Heide bewachsen, das eine Stück im Acker 2A, das zweite beim
Acker 2C und drei Stücke nahe an der Grenze zu Hohenwarth, diese sind etwas tief liegend
47M 150R
3E
wüster, mit Heide bewachsener Acker
6M 30R
4E
drei Stücke wüster, mit Heide bewachsener Acker, ein Stück an der Südseite und zwei an der
Nordseite des Dorfes
22M
5E
zwei Stücke etwas tief liegender, mit Heide bewachsener Acker
22M
6E
vier Stücke tief liegender, wüster Acker, drei Stücke an der Südseite und eines an der
Nordseite des Dorfes
58M 270R
Ee umstrittene Grenze zwischen Groß und Klein Lehmhagen und Schönenwalde, welche die Einwohner unterschiedlich auswiesen.
Gc wüster Acker, der zu Grimmen gehört, findet man in dessen Arealausrechnung wieder, sind 14Morgen und 240Ruten. [ 14M 240R]
Wiesen, mit der Nummer der Eigentümer gekennzeichnet
[1F-5F]
[Ertrag:] 26 Heufuder
19M 90R
1F
etwas sumpfige Wiese 4 Heufuder
2M 240R
2F
trockene, hoch liegende Wiese, war Acker 1 Heufuder
225R
3F
zwei trockene, hoch liegende Wiesen, waren Acker 2 Heufuder
1M 270R
4F
sechs Stücke trockene, hoch liegende Wiesen, waren Acker 6 Heufuder
4M 120R
U 14 5F
drei Stücke trockene, hoch liegende Wiesen 9 Heufuder
6M 240R
6F
zwei Stücke trockene, hoch liegende Wiese 2 Heufuder
1M 75R
Fa zwei gemeinsame Riedgraswiesen bei der Grenze zu Stoltenhagen 2 Heufuder 1M 270R
Viehweide, Wald und Moraste
[Ha-Hg]
184M 90R
Ha
tief liegendes Weideland mit kurzer Heide und Gras bewachsen
61M 60R
Hb
Riedgrastümpel, drei Stück im Weideland Ha
4M 90R
Hc
junger Eichen-, Erlen- und Espenwald auf morastigem Boden
24M 150R
Hd
Eichen-, Erlen- und Haselwald auf trockenem Boden
37M 270R
He
großer Eichenwald zwischen dem Bach und dem Acker
15M 90R
Hf
tief liegendes, mit Heide bewachsenes Weideland
12M 270R
Hg
sumpfiges Weideland, an den Grenzen zumeist mit Erlenbüschen bewachsen
28M 60R
[J, ö und T ergeben
zusammen:]
36M 150R
J
das Dorf mit den mit Häusern bebauten Grundstücken, sowie den Wegen durch das Dorf und
einigen kleinen Koppeln bei den Häusern.
ö
wüste Hofstellen
T
Obstgärten. Ergeben zusammen
36M 150R
Summe
Acker: 375M 105R
Wüster Acker: 222; 210R
Wiese: 19M 90R
Heufuder: 26 Heufuder
Wald und Weideland: 184M
90R
Hofstellen: 36M 150R
Annotationen von Groß und Klein Lehmhagen
Über die Beschaffenheit des Ackers
Der Acker liegt in vier Schlägen, von denen einer mit Roggen besät wird, der zweite mit Gerste und dritte mit Hafer und Erbsen, während der vierte brach liegt. Der Acker wird zwar in vier Schlägen gehalten, aber er ist nicht in bestimmte Felder geteilt, denn ein jeder hat seine Hufe oder Acker gesondert. Also kann ein jeder seinen Teil nach eigenem Gutdünken bewirtschaften, wie man es bei Ackerbedarf findet.Die Aussaat nach ihrer eigenen Aussage: Nr. 1 hat dieses Jahr zehn Drömt Roggen, acht Drömt Gerste sowie zwölf Drömt Hafer und Erbsen ausgesät. Nr. 2 hat zwei einhalb Drömt Roggen, zwei Drömt Gerste und drei Drömt Hafer ausgesät. Die Aussaat von Nr. 3 betrug elf Scheffel Roggen, zwölf Scheffel Gerste, zwei Drömt Hafer und einen Scheffel Erbsen. Nr. 4 säte 20 Scheffel Roggen, 16 Scheffel Gerste und drei Drömt Hafer. Nr. 5 säte acht Scheffel Roggen, fünf Scheffel Gerste und 16 Sch Hafer aus. Nr. 6 säte fünf Drömt Roggen, vier Drömt Gerste und sechs Drömt Hafer. Anderes Getreide wird auf diese Felder nicht gesät, manchmal jedoch Weizen, aber der will hier nicht besonders gedeihen. Sie sagen, sie wissen eigentlich nicht, wieviel Korn sie wieder bekommen.
Wiesen
Im Acker haben sie nicht viele Wiesen liegen, die dann auch nicht jedes Jahr bewirtschaftet werden können, wenn der Acker brach liegt. Folglich wissen sie mir nicht zu berichten, wieviel Heu von den Wiesen geerntet werden kann.
Weideland und Wald
Weideland ist sehr knapp, und nun soll es noch weniger werden, da nicht so viel Acker wüst liegt, aber der wüste Acker ihre beste Weide ist. Das Weideland, das mit Hf und Hg gekennzeichnet ist hat auch zu diesem Dorf gehört, aber Familie Küssow auf Quitzin hat es an Schönenwalde verkauft, mit der Auflage, dass sie im Wald, der darauf ist, nicht schlagen dürfen. Denn dieser gehört zu Groß und Klein Lehmhagen, die Weide gehört zu Schönenwalde. Auf dem Feld haben sie notwendiges Holz zum Brennen, aber nichts besonderes zum Bauen.
U 16Vieh
Nr. 1 hat acht Pferde, 20 Rinder und 40 Schafe. Nr. 2 besitzt acht Pferde sowie elf junge und ältere Rinder. Nr. 3 hat vier Pferde und fünf Kühe. Nr. 4 hat vier Pferde und zwölf Rinder. Nr. 5 besitzt zwei Pferde und sieben Rinder. Nr. 6 hat acht Pferde, 20 Rinder und 150 Schafe, hier können bis zu 200 Stück gehalten werden. Er hat keine Dienstbauern, sondern bewirtschaftet den Acker mit seinem eigenen Vieh.
Abgaben
Diese Einwohner geben keine Hufensteuer2 , nur Nebenmodus3 , Viehsteuer4 und Akzise5 und zwar wie folgt:
Nr. 1 hat an Nebenmodus und Klassensteuer für seinen gesamten Haushalt, sowohl Gesinde als auch Vieh 15 Rthl und 27 ß gegeben. Akzise gibt er für jeden Scheffel, den
er mahlt: für einen Scheffel Roggen gibt er sieben Witten und für einen Scheffel Malz gibt er drei einhalb Scheffel. Die anderen
geben auch obengenannte Steuern, man weiß aber nicht wieviel.
Am 16. Oktober des Jahres 1704 wurde das Dorf Groß und Klein Lehmhagen revidiert und wie folgt befunden
[Neuer Acker insgesamt] 21M 75R
Gc
ist ganz aufgebrochen und wurde schon bei der vorherigen Vermessung ausgerechnet. Es
besteht aus schwarzer, lehmiger Erde und wird wie die anderen Schläge kultiviert.
Anmerkung: Die Einwohner hier
sagen, dieses Stücke gehöre der der Stadt Grimmen.
Ee liegt insgesamt wüst, besteht aus sandiger Erde und ist mit Heidekraut bewachsen.
1D von 1E aufgebrochen, besteht aus lehmvermischter Erde. Das übrige davon liegt noch wüst und ist mit Heidekraut bewachsen, der Grund ist von gleicher Qualität wie der aufgebrochene. 165M
2D von 2E aufgebrochen, besteht aus lehmvermengter Erde, das übrige davon liegt noch wüst und ist mit Heidekraut bewachsen. Der Boden ist von gleicher Qualität wie der aufgebrochene. 120R
3C von 3E aufgebrochen, besteht aus lehmvermischter Erde, das übrige davon liegt noch wüst und der Grund ist von gleicher Qualität. 4M 210R
4d von 4E aufgebrochen, besteht aus lehmvermischter Erde, das übrige davon liegt noch wüst und ist mit Heidekraut bewachsen. Der Grund ist von gleicher Beschaffenheit wie der vorige. 270R
5c von 5E aufgebrochen, besteht aus lehmvermischter Erde, das übrige davon liegt noch wüst und ist mit Heide bewachsen. Der Grund ist von gleicher Art. 240R
6c von 6E aufgebrochen, besteht aus lehmvermischter Erde und war schon drei Jahre unter Kultur. Das übrige davon liegt noch wüst und ist mit Heidekraut bewachsen, der Grund gleicht dem aufgebrochenen. 13M 270R
Summe
Neuer Acker: 21M 75R
1 Wurde laut Urschrift von Arvid Carlmark vermessen.
2 Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.
3 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.
4 Viehsteuer, auch Viehschatz genannt, ist in einigen Orten eine Abgabe für das Vieh, das gehalten wird. Adelung; Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, bd. 4, Wien 1811, Sp. 1196.
5 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.