Boltenhagen1
Boltenhagen verzeichnet Herrn von Schmalensee, der dieses von seinem verstorbenen Vater einem Oberjägermeister erbte. Jetzt gehört ihm nur noch die Hälfte, die andere ist
durch die königliche Reduktion an das Amt zurückgefallen. Diese erstgenannte Hälfte des Dorfes bekam er zur Aufsicht, es war
wüst und konnte nur als Schafweide gebraucht werden. Und der Nutzen war nicht hoch bei den Abgaben, die der Herr davon hat
abtragen müssen. Noch sein Großvater von Schmalensee hat diese eine Hälfte als ein Buggenhagensches Lehen erworben mit Ober- und Unterjurisdiktion, wie es die alten und neuen Akten zeigen, die wegen der königlichen Reduktion2 beim Advokaten vorhanden sind.
Hier gab es vormals Landhufen,3 das genannte Gut wurde vom Besitzer mit zwei Höfen und dazugehöriger Scheune wieder aufgebaut und wird von zwei Pächtern
bewohnt. Sie heißen Claus Jürgens und Henning Jürgens, sowie ein Einlieger mit Namen Jacob Peters der Jüngere. An Abgaben
gibt jeder 50 Rthl Pacht jährlich. Die Akzise4 ist um die 16 Schilling, wie vermerkt steht.
Aussaat
Jeder der beiden Pächter kann fünf Drömt Roggen, vier Drömt Gerste und auch vier Drömt Hafer aussäen.
Sie können auch jeder 30 Rinder und sechs Pferde halten.
Die Schafweide wird von der Schäferei in Dönnie genutzt. Der Besitzer meint, sein Verwalter wurde oft nicht an sich erhandelt,
wenn es ihn nicht deswegen zu tun gewesen.
Abgaben
Hier wird kein Nebenmodus5 erhoben. Nach Aussage gibt nun jeder 45 ß Akzise, aber von der Abgaben wird jedem ein Rthl 15 ß angesagt.
Der Acker liegt in drei Schlägen
Das Feld A, der dieses Jahr das Gerstenfeld ist, ist das beste. Teilweise ist es mittelmäßig hoch, teilweise niedrig und kalt
und ein Teil ist
sandig.
Das Feld B ist dieses Jahr die Brache, sandiger, teils niedriger Acker.
Der Roggenschlag C liegt etwas höher, ist
sandvermengt und meistenteils hoch gelegener Boden. Kann in der Heide erweitert werden.
Wiese
Die Wiesen sind hier notdürftig vorhanden und jeder kann im Jahr, wenn alles eingehegt ist, an die zehn Fuder Heu bekommen. Die Wiese Klevenoer Holltz Berg ist sehr ertragreich, ebenso ist auch der Boden der Wiese Beim Kuhl sehr fruchtbar, aber sehr mit Erlen- und Weidenbüschen bewachsen, durch welche die Ausrechnung sehr verbessert werden könnte.
Wüster Acker
Das ist alles seit den kaiserlichen Zeiten verwüsteter Acker, zum guten Teil mit magerem Grund, jedoch war alles unter Kultur. Und dürfte die Arbeit, wenn sie begonnen würde, wohl lohnen.
Weide
Die Weide hier ist ziemlich gut, und die hier wohnenden Leute haben gut an ihr.
So gibt es hier auch notwendiges Brenn- und Zaunholz, aber wenig Bauholz, außer einigen Faulespen und Eichenstämmen.
Kirchenmatrikel
Laut der Loitzer Kirchenmatrikel6 soll hier ein Ort, der Vogelsang genannt wird, liegen mit neun Morgen Ackerland. Die Tochter eines hier wohnenden Müllers hatte es an die Kirche vermacht, wie aus dem beiligenden Extrakt zu lesen ist. Hier hat mir aber niemand den Ort Vogelsang zeigen können und es weiß auch niemand, wo eine Wassermühle gestanden haben soll. Es müsste ein Bruch an der Grenze zu Klevenow sein, wo vormals ein kleiner Bach gewesen sein soll, jetzt ist dort aber nichts anderes als ein Morast zu sehen. Auf dem Poggendorfer Feld sind noch Zeichen eines Baches zu finden, der Mühlenbach genannt wird, obwohl selten Wasser dort steht. Zuvor genannter Bruch floss dort hinein.
U 73Annotationen über Boltenhagen
Das Dorf wird nun von genannten Leuten bewohnt:
| Nr. 1
Henning Jürgens. Nr. 2 Claus Jürgens. |
Pächter und freie Leute. |
Nr. 3 Jacob Peters ein Kossate7 oder Einliger, Fremder.
Von den wüsten Hof- oder Kossatenstellen ist noch deutlich etwas zu sehen, fünf Stellen unter der Signatur Gc sollen dem Bericht nach zum Kirchspiel Groß Rackow gehört haben, ohne die jetzt bewohnten.
Gd soll der Krüger bewohnt haben und es soll zum Kirchspiel Grimmen gehört haben.
Mehr Nachrichten gibt es nicht, denn die Leute wohnen noch nicht lange hier. Es gibt hier auch keine alten Leute, von denen man etwas hätte erfahren können.
U 119Arealausrechnung des adligen und jetzt halb reduzierten Gutes oder Dorfes Boltenhagen, das im Kirchspiel Groß Rakow lieg und im Juni des Jahres 1697 vermessen wurde.
Der Acker liegt in drei Schlägen
Acker : Berken=Schlagh , wird für das beste gehalten
[A]
68M 30R
A
ein Stück von mittelmäßiger Höhe, in der Mitte um einen kleinen Berg herum sandig, sonst
ziemlich vermischt
14M
Aa
sieben Stücke sehr mit Lehm vermischt, aber etwas niedrig und kalt
34M 90R
Ab
zwei Stücke, eben, fein vermengter, ertragreicher Acker
8M 270R
Ac
ein Stück, hoch und eben, sandvermengter Acker, wird nicht gedüngt, sondern wenn es zwei
oder drei Jahre geruht hat, wird es einige Jahre wieder mit Hafer und Roggen besät
10M 270R
B Die Brache
wird außerhalb der bestimmten Schläge genutzt.
[B]
55M 150R
B
zwei Stücke auf etwas niedrigem, sandvermengten, etwas eisenrostigen Grund, jedoch in
trockenen Jahren für Roggen und Hafe nutzbar, nicht uneben
41M
Ba
fünf niedrige und nasse Stücke, dazu sandig und kaltgründig
14M 150R
C Roggen-Schlag
[C]
52M 105R
C
ein Stück, liegt ziemlich hoch und ist eher sandig als lehmig, jetzt insgesamt genutzt
und mager, scheint sonst ein durchschnittliches Roggenfeld zu sein
34M 120R
Ca
zwei Stücke, noch etwas schlechter, grob-sandiger vermischt und deshalb kälter
10M 165R
Cb
zwei Stücke aus der Heide gebrochener, sandvermengter Acker
7M 120R
D ein Stück liegt auch außerhalb der festgelegten Schläge, war früher einer Bauernwurt,8 ist hier bestes Land mit grauem, lehmvermengten Grund 15M
E: Wiesen
[E]
[Ertrag] 20 Heufuder
39M 120R
E
ein Stück niedrige und fruchtbare Wiese, die Hälfte davon liegt im Klevenower Holz , gehört aber hierher
2M 210R
Ea
ein Stück ziemlich fruchtbarer Grund, aber sehr mit Holz und Büschen bewachsen
7M 210R
Eb
sieben Stücke grüne Weide im schlechten Zustand, werden nur manchmal zur Not, wenn Futter
benötigt wird und Korn umher steht, gemäht
27M 240R
Ec
ein Stück, das der Kapelle gehört und von dem Pastor aus Groß Rakow genutzt wird, nicht
ertragreich
1M 60R
[F-Fa]
333M 105R
F
fünf Stücke wüster Acker, liegen bei den anderen Stücken, meistenteils sehr niedrig und
mager
3M 235R
Fa
zwei Stücke sehr alter mit Heide bewachsener wüster Acker, auf sandvermengten Grund, dabei
eben und könnte zum großen Teil mit Nutzen aufgebrochen werden
52M
U 120
[Fb-Fl]
333M 105R
Es folgen die Heide, Holz, Brüche, Morasttümpel und Moore, unterschieden in
Qualität:
Fb
sechs Stücke sehr alter, mit Heide bewachsener wüster Acker, auf sandvermengten Grund,
größtenteils zum Aufbrechen ungeeignet, ist jetzt Schafweide
178M 60R
Fc
acht Stücke grüne Weide, vereint durch einen grünen Graben
52M 120R
Fd
drei Stücke mit allerhand hohem, jedoch weichen Holz auf durchschnittlich festem Grund
18M 270R
Ff
ein Stück mit einigen Eichen-, Hasel- und Erlenbüschen
1M 240R
Fg
drei Stücke mit Erlenbüschen auf morastigem Grund, als Weide ungeeignet
27M 60R
Fh
zwei Stücke, ebenso. Aber sie können, weil der Grund fest ist, als Weide genutzt werden,
besonders hinauf entlang der Grenze eine gute Weide, hinunter stehen auch am Rand einige Eichen- und Haselbüsche
32M 255R
Fj
20 Stücke mit Söllen und Tümpeln, zum großen Teil mit Wasser Riedgras, zur Weide
ungeeignet
8M 240R
Fk
ein Moorstück, das mitten im wüsten Acker liegt, unbrauchbar
3M
Fl
neun Stücke mit Büschen auf ebenem, festen Grund, zum großen Teil mit Erlen
10M 60R
G: Straßen, Höfe, Gärten neben dem Weg
[G]
13M 120R
Ga
eine insgesamt als Weide genutzte Straße, die wüsten Häuserstellen sind noch zu sehen, so
ist auch der Kirchhof oder die Kapellenstelle von den obengenannten
unterschieden
13M 120R
Gb
die verwüstete Kapellenstelle , die bewohnten und
wüsten Bauernstellen sowie andere, werden in den Annotationen angemerkt und sind mit ihren Signaturen
verzeichnet.
Summe
Acker: 190M 285R
Wüster Acker: 55M 285R
Wiese: 39M 120R
Heufuder: 20 Heufuder
Wald und Weideland: 333M 105R
Hofstellen: 13M 120R
Am 15. Juli des Jahres 1705 wurde das Dorf Boltenhagen revidiert und wie folgt befunden
Neuer Acker seit der vorigen Vermessung
[F1-F3, E2]
23M 280R
F1
ein Stück des wüsten Ackers Fa aufgepflügt, besteht aus schwarzer, guter, sandvermischter
Erde, ist mit Roggen besät
210R
F2
drei Stücke aufgepflügt, besteht aus sandvermischter Erde und ist etwas hoch gelegen
21M 180R
F3
zwei Stücke von Fc aufgepflügt, besteht aus sandvermengter Erde und ist eben liegend
1M 90R
E2
zwei Stücke von Eb aufgepflügt, bestehen aus schwarzer Erde und st etwas kaltgründig und
niedrig liegend
100R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Fb mit LK gekennzeichnet ist wüster Kirchenacker und gehört der Kirche in Loitz, die seit 25 Jahren keine Nachricht darüber bekommen hat. Jetzt hat der Besitzer Hennick Jürgens am frühen Morgen in Gegenwart des Vorstehers von der Osten, der Kastenschreibers Hanen und mir, frei bekannt, dass dieses Land, das Vogelsang genannt wird, der Kirche gehört und in den Matrikeln steht. 8M 210R
Fa der Boden besteht aus guter, schwarzer, weicher Erde und ist für Winter- und Sommersaat geeignet, es liegt eben und ist mit wenig Heidekraut bewachsen.
Fb ist insgesamt zur Kultur geeignet und der Grund besteht teils aus sandvermengter, teils aus lehmiger Erde.
Summe
Neuer Acker: 23M 280R
Wüster Kirchenacker: 8M 210R
1 Wurde laut Urschrift von Johan Petersen vermessen.
2 Vor allem während des Dreißigjährigen Krieges und auch danach durch Königin Christina waren viele Domänengüter auf Rügen und in Vorpommern verpfändet worden. Um die früheren Verhältnisse wiederherzustellen, ordnete der schwedische König Karl XI. die Reduktion, das heißt die Wiederzurückführung, der verpfändeten Kammer- und Tafelgüter für Rügen und Vorpommern an. 1692 wurde diese Aufgabe einer Reduktions – Kommission übertragen. Königl. Instruction, an die Reductions-Commißion in Pommern. Vom 8. März 1692. In: Dähnert, Johann Carl (Hg.): Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landesurkunden. Gesetze, Privilegien, Verträge, Constitutionen und Ordnungen. Erster Band. Stralsund 1765; No. 18, Seite 953 ff.
3 Die Zahl der Landhufen ist nicht lesbar.
4 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
5 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.
6 Eine Kirchenmatrikel ist ein Verzeichnis über die Eigentums- und Einkommensverhältnisse von Kirchen und ihren Kirch- und Schuldienern. Deutsches Rechtswörterbuch: Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache, Bd 7. Weimar 1974-1983. Sp. 883.
7 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
8 Worte, Wurte, Wortland In Pommern ein kleines zu einem Haus oder einem Katen gelegenes Stück Land, das von dem übrigen Dorfacker abgesondert ist. Busch, Michael: Krieg-Krise-Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden. Ein Vergleich. In: Wegner, Bernd (Hg.): Wie Kriege enden. Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000, S. 93-120, hier S. 106-109.