Beschreibung und Annotation des Gutes Griebenow, das im August des Jahre 1697 vermessen wurde1
Griebenow liegt im Distrikt Loitz und gehört zum Kirchspiel Groß Bisdorf. Dieses Gut gehört dem General Major Reinschiöld, der dieses seinem Schwager dem Herrn Oberst Borck2 zur Verwaltung überlassen hat. Der Oberst pachtet auch einen Teil des Gutes, so dass er neben seiner Berechtigung auch 800 Rthl Pacht zahlt. Dieses Gut wird von den hiesigen Einwohnern bewirtschaftet, diese sind alle untertänig und ein Verwalter weist sie an.
Einwohner
1 . Paul Fischer, Verwalter.
| 2 . Jürgen Below,
Schulz. 3 . Dünies Poggendorf. 4 . Jochim Thürick. |
Vollbauern. |
| 5 . Jochim
Baumann. 6 . Bartholomeus Poggendorff. 7 . Martin Smitendorff. |
Kossaten |
Einlieger
8 . Klaes
Poggendorff.
9 . Hans Dähn,
Schäfer.
10 . Michel Witt,
Schmied.
11 . Hans
Hoffmeister, Kuhhirte.
12 . Görgen Schläger, Müller.
13 . Hind: Lott, Krüger.
14 . Niclas Dän, Gartenmeister.
15 . Die Kirche im Dorf.
Außer diesen Einwohnern hat der oben erwähnte Pächter hier sein eigenes Gesinde: R 324 Einen Knecht und drei Mägde. Über die verfügt der oben genannte Verwalter, der das gesamte Gut beaufsichtigt, nach Gutdünken seines Herrn.
U 269 Über die Hufen weiß niemand etwas genaueres zu berichten, als dass was zum Gut gehört, zu zwölf Hufen und vier Morgen versteuert wird.3
Der Acker
Der gesamte Boden ist durchweg Lehmhumus, mit Ausnahme dessen, was man als sandig beschrieben findet. In seiner Lage oder Fruchtbarkeit ist er so sehr falsch, denn man kann ihn selten so antrefeffen, dass man eine gute und wünschenswerte Erntezeit hat. Die Ursache dafür ist ohne Zweifel der sumpfige Boden, der sich an mehreren Stellen über das gesamte Feld hinweg erstreckt. Sonst ist der Acker in vier Felder oder Schläge aufgeteilt, wie das Mühlenfelt , das nun die Roggensaat trägt. Korchfelt trägt die Gertensaat und ist das beste, während das vorherige das schlechteste sein soll. Denn das letztgenannte ist zu meisten Teilen niedrig liegend und das andere zum Großteil höher liegend. Die Hafersaat trägt nun Dierschow Felt auch dieses ist wegen seines niedrigen Grundes schadhaft, dagegen ist das Ungnader Felt , das jetzt brach liegt, zu meisten Teilen höher liegend und gut
R 325Die Aussaat
Die Aussaat soll für jedes Feld des Hofes 15 Drömt betragen. Ein Vollbauer sät 20 Scheffel Roggen, 24 Scheffel Gerste und ebensoviel Hafer. Die Kossaten säen zusammen 36 Scheffel Roggen und ebensoviel Gerste und Hafer. Von jeder Art 36 Scheffel.
U 270Der Heuschlag
Die Wiesenflecken sind dem Anschein nach ziemlich gut und zahlreich, obgleich man sagt, man könne beim Hof nicht mehr als 37 Fuder Heu bekommen. Dieses Jahr sollen die Vollbauern jeder acht und die Kossaten jeder fünf Fuder geerntet haben, nach dem Bericht des Verwalters.
Weideland und Wald4
Hier beim Gut gibt es gutes Weideland, weil viel wüster Acker dazu gehört, und dieser ist grasreich. Jedoch soll man auf dem
Hof
nicht mehr als 30 Rinder und vier Zugtiere finden. Jeder Bauer hat drei Kühe und acht Pferde oder Zugtiere, die Kossaten besitzen
an
Kühen soviel wie die Bauern, aber sie haben nicht mehr als zwei Zugtiere.
Der Wald besteht zumeist aus Eichen, der bei der der
Grenze zu Ungnade ist Bookholtz und an der Grenze zu Levenhagen R 326 ist Ütterholtz . Der Wald, der sich
zwischen Derschow- und Kirchfelt befindet, ist
insgesamt Eichenwald, doch soll dessen Fruchtbarkeit nicht sehr beachtenswert sein. Sie bekommen ihr Holz und Brennholz daher,
berichten sie und auch die Ausrechnung zeigt es. Das Gut soll das Brennholz zumeist von anderen Orten bekommen.
Die Windmühle
Hier ist auch eine Windmühle zu finden, kurz gesagt, zwischen der Grenze zu Kreutzmannshagen und hier. Sie wird an den oben
erwähnten Müller für eineinhalb Last Roggen verpachtet. Auf dem Feld von Kreutzmannshagen gibt es einen Morgen Acker der
Mühlenstelle, der mit dem Zeichen
gekennzeichnet ist, und ist im umliegenden Weideland eingschlossen, das auch
dort liegt.
Der Krug
Der erwähnte Krüger muss für die von ihm genutzte Freiheit, Bier zu verkaufen, jede Woche einen Knecht für Dienste zu Fuß5 für das Gut bereitstellen. Es soll nicht viel Gebrauch davon gemacht werden, da kein großer Landweg hier entlang führt.
Der Grenzverlauf
Im Norden grenzen Kreutzmannshagen und Levenhagen an das Dorf, im Osten Ungnade, im Süden Dersekow und Alt Pansow und im Westen Groß Bisdorf.
R 327 U 272Arealausrechnung von Griebenow
Der Acker
[Der Acker insgesamt] 448M 150R
Mühlenfelt
A ist oben zum Morast und den Häusern hin höher liegend, aber hinab zum Feldgraben, der hier entlangläuft, ist es ziemlich niedrig liegend. Der Boden ist durchweg Lehmhumus 106M 90R
Ungnader Felt
B
zur Weide hin zumeist niedrig liegend, aber zum Hof und Dierscows Feld hin ist es ziemlich hoch liegend, der Boden ist Lehmhumus
101M 90R
B1
sandiger Lehmhumus und höher liegend
1M
Dierscows Feld
C
ist zum Ungnader Felt hin höher liegend, aber
gegen Wiese und Weide hin recht niedrig liegender Lehmhumus
104M
C1
ist sandiger Lehmhumus
20M 180R
Kirchfelt
D
zum Hof hin ziemlich hoch liegend, dagegen aber bei der Grenze zu Groß Bis- R 328 dorf recht niedrig liegender, lehmig-humoser Grund
105M 270R
E
Ackergärten neben den Häusern, sind alle guter, lehmig-humoser Boden
9M 120R
Wüster Acker
[F]
140M 60R
F
ist höher liegendes, grasreiches Heideland, überall flach und von dem gleichen
lehmig-humosen Boden wie die daran anstoßenden Ackerfelder. Es befindet sich in und neben Dierscow- , Ungnader- und Mühlenfelt und ist als Acker recht geeignet
131M 210R
F1
neben dem Kirchfelt , es sind zum größten Teil
niedrig liegende, wüste Ackerstücke, aus grasreichem Heidesandland bestehend, jedoch zumeist Rasen
8M 150R
Wiese und Heuschlag
[G]
[Ertrag:] 94 Heufuder
63M 90R
G
Überdik ist überall eine niedrig liegende Wiese,
besonders an den Grenzen ist sie niedrig liegend, aber zum Feld hin ist sie ziemlich hoch liegender Wiesengrund
48M 120R
R 329 G1
Koppel , ist beim Wald buschig, aber neben dem
Acker ist es eine flache, gute Wiese, ist auch im Wald sehr tief liegend, aber sonst von festem Wiesengrund
8M 60R
g
sind elf kleine Wiesenflecken in und neben den Ackerfeldern liegend, alle mit festem
Wiesengrund
6M 210R
Diese erwähnten Wiesen und Wiesenflecken können wohl eineinhalb Fuder Heu pro Morgen geben, da sie alle mit gutem Boden sind, ergibt 94 Heufuder.
Wald und Weideland
[Wald und Weideland insgesamt]
248M 150R
H
Bokholtz , ist zumeist Eichenwald, doch dazwischen
gibt es einen Teil Haselwald, ist überall fester Weidengrund
18M 150R
H1
neben dem Hof an der Nordseite ist ein Bruch mit hohem Laub-, Eschen- und Eichenwald, alles
auf festem Grund. Hier- R 330 unter wird die zwischen dem Kirch- und Diercowfelt liegende Eichenwaldecke
verstanden
27M 90R
H2
Ütterholtz ist ziemlich guter Eichenwald, ein Teil
ist mit Haselwald vermischt, grasreicher Weidengrund
18M 150R
[H3 und 3 ergeben zusammen]
53M 60R
H3
Kaling ist ein Erlenbruch mit grasreichem Boden.
Hierunter wird auch der bei der Wiese Koppel liegende Erlenbruch verstanden, da er
von gleicher Natur ist. Man versteht hierunter auch vier kleine, buschige Weidenflecke im Feld,
3
mit der Nr. 3, sind zumeist fester Grund und an Areal 16 Morgen. Ergeben zusammen:
53M 60R
U 274
H4
ist eine flache, niedrige Wiesenweide, an der Grenze zu Levenhagen mit überaus grasreichem
Grund
88M
H5
neben dem Hof ist eine Pferdekoppel mit gutem Wiesengrund, darunter werden auch zwei
Wiesenweideflecken verstanden R 331 die sich zwischen den Ackergärten befinden
18M 30R
[
, = ergeben zusammen]
17M 90R
H6
in und neben den Ackerfeldern sind sechs Tümpel und Moraste
7M 150R
Weg- und Hofstellen, wovon die erstgenannten mit grasreichem Weidengrund sind. Hierunter
werden alle Wege verstanden, die sich vom Hof her ausweiten und auslaufen sowie
=
zwei Gräben im Mühlen- und Kirchfelt mit der Signatur: = Ergeben zusammen
17M 90R
Fischgewässer
i im und neben dem Hof sind vier Karauschenteiche zu finden, die reich an Karauschen sind 3M 210R
Obst- und Gemüsegärten
K die zwei Obstgärten neben dem Hof bestehen aus überaus seltenen und sehr schönen Bäumen, die bei den Bauernhäusern sind nicht zu verachten 14M 270R
Summe
Acker: 448M 150R
Wüster Acker: 140M 60R
Wiese: 63M 90R
Heufuder: 94 Heufuder
Wald und Weideland: 248M
150R
Fischgewässer: 3M 210R
Obst- und Gemüsegärten: 14M 270RR
Am 29. Mai des Jahres 1705 wurde das Dorf Griebenow revidiert und wie folgt befunden
Neu aufgebrochener Acker seit der vorigen Vermessung.
[Fa-Fe, Ga, Hc-Hd]
30M 30R
Fa
zwei Stücke des wüsten Ackers F1, aufgebrochen, besteht aus kaltgründigem, lehmvermischten
Sandboden, etwas tief liegend, in vier Schlägen beim Feld D
2M 210R
Fb
drei Stücke von F aufgebrochen, bestehen aus lehmvermischtem Sandboden, etwas niedrig
gelegen, werden beim Feld A bewirtschaftet
6M 270R
Fc
ein Stück von F aufgebrochen, besteht aus Sandhumus, wovon der Sand jedoch vorherrscht.
Wird beim Feld B bewirtschaftet
4M 240R
Fd
ein Stück von F aufgebrochen, besteht aus Sandhumus, wird beim Feld C bewirtschaftet
2M 120R
Fe
vier Stücke von F aufgebrochen, bestehen aus kaltem und eisenrostigem Sandhumus, sehr
niedrig, werden beim Feld C bewirtschaftet
3M 180R
RRev 380 URev 78 Ga ein Stück der Wiese G aufgebrochen, ist kaltgründiger und eisenrostiger Sandhumus, wird beim Feld C bewirtschaftet 1M
Hc
vier Stücke des Weidelandes H3 aufgebrochen, bestehen aus niedrigem jedoch guten Sandhumus,
werden beim Feld C bewirtschaftet
6M 120R
Hd
ein Stück des Weidelandes H4 aufgebrochen, besteht aus reinem Sand, soll mit der Zeit als
Acker genutzt werden
2M 90R
Küsterwiese
K ist eine Wiese, die der Küster aus Groß Bisdorf besitzt. Für diese mag er mit nach Griebenow reisen, wenn dort gepredigt wird. Er hält selbst ein Pferd. 90R
RRev 381 URev 79ÜBeschreibung des übrigen wüsten Ackers
F zwei Stücke von F mit der Nr. 2 gekennzeichnet, als Acker geeignet, denn sie bestehen aus durchschnittlichem Sandboden, etwas humos von einem halben Viertel dicke, und umfassen 32M
Das übrige von F scheint als Acker unbrauchbar zu sein, wegen seinen niedrigen und kalten Grundes.
F1 das übrige von F1 wäre als Acker geeignet, ist jedoch etwas schwärzlicher Sandboden.
Summe
Neuer Acker: 30M 30R
Küsterwiese 90R
1 Wurde laut Urschrift von Anders Jernström vermessen.
2 Zur Zeit der schwedischen Landesvermessung war Paul Wedig von Borck (geb. 1641) Schlosshauptmann von Alt-Stettin. Seine Karriere begann als königlich-schwedischer Rittmeister, er war Hauptmann auf Pudagla, 1682 wurde er zum Oberjägermeister von Pommern und Rügen ernannt. Schließlich wurde er 1691 Schlosshauptmann und Regierungsrat von Alt-Stettin und 1696 Obrist über die Lehnspferde in Pommern und Rügen. v.Borck, In: Bagmihl, J. T.: Pommersches Wappenbuch. Bd. 4, Stettin 1854, S. 121-140.
3 Hufensteuer bezeichnet die Steuer, die von den Feldern nach Hufen gerechnet gezahlt wird. Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 25. Berlin 1782. Sp. 602 ff.
4 In der Urschrift lautet die Überschrift: Weideland und Vieh
5 Dienste, die zu Fuß verrichtet werden. Dazu zählen besonders Fron- und Hofdienste, sowie Gänge, die geleistet werden müssen. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 15, Berlin 1778, Sp. 543.