U 219 

Beschreibung und Annotationen des Dorfes Prützmannshagen, das im Juli des Jahre 1697 vermessen wurde1 

Das Dorf gehört zum Amt Loitz. Eine Zeit gehörte Baumann aus Stralsund ein wenig mehr als die Hälfte und die andere gehörte zum Amt Hohenwarth.Vor 30 Jahren haben hier drei Bauern und drei Kossaten2  gewohnt, von denen zwei, nämlich zwei Vollbauern, zu Poggendorf gehörten. Die drei Kossaten und ein Vollbauer gehörten zu Hohenwarth und dienten in Barkow, das ein zu Hohenwarth gehörendes Ackerwerk3  ist. Ebenso ist Poggendorf ein Ackerwerk des Amtes Loitz. Dieses Ackerwerk hatte obengenannter Besitzer Baumann gepachtet. Nun ist dieser Hof, kurz gesagt, ganz wüst, außer dem, was die dortigen Einwohner seit acht Jahren aus dem Heideboden aufbrachen. Baumann vergönnte denselben Einwohnern den dort befindlichen Acker als Lohn, damit sie auf sein Vieh achteten, das dort weidete. Die Weide gehörte zuvor den umliegenden Höfen, aber seit Baumann dieses Haus bauen ließ, hat er genannte Weide für sein Vieh. Ebenso der Leutnant Mevius, er hat hier auch Vieh, nämlich 27 Rinder und fünf junge Ochsen auf der Koppel, und zwar aus dem Grund, weil Mevius der Pächter des Amtes Loitz ist und folglich auch für das, was unter dem Amt reduziert4  wurde.
Baumann hat hier 41 Rinder und fünf junge Ochsen. Die hiesigen Einwohner haben vier Rinder, die hier auch über den Winter gefüttert werden. Aber die obengenannten Herren nehmen ihr Vieh dann fort von hier, das nun aus Jungvieh besteht ohne eine Milchkuh dazwischen.

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Der Acker

Was den Acker betrifft, den man hier findet, so ist sein Grund und seine Lage ziemlich gut. Und man könnte hier sehr viel guten Acker aufreißen, wenn man wollte, da wo Macht und Mut ist, denn der Grund besteht überall aus gutem lehmig-humosen Boden und ist dazu von sehr guter Lage.

Die Aussaat

Die Aussaat der hiesigen Einwohner soll 14 Scheffel Roggen, zwei Scheffel Gerste, zehn Scheffel Hafer und zwei Scheffel Erbsen betragen.

Der Heuschlag

Die Heuernte soll insgesamt nicht mehr als elf Fuder Heu betragen, wovon sechs Fuder nach Poggendorf befördert werden und die übrigen werden hier verfüttert. Man könnte wohl mehr Wiesen einzäunen, wenn man dem Vieh mehr Weide nähme.

Die Weide

Die Weide ist hier die allerbeste, denn der Boden ist überall mit Heide bewachsen und auch überall mit grasreichem Weideland durchsetzt. Es ist eine gute Kuhweide und auch sonst für sowohl Klein- als auch Großvieh.

Der Grenzverlauf

Der Grenzverlauf ist ringsum richtig, im Norden grenzt der Ort an Barthmannshagen und Eldena, im Osten an Neuendorf, im Süden an Wüsteney und im Westen an Kaschow.

Einwohner

Martin Glagow.

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Arealausrechnung des Gutes Prützmannshagen

Der Acker

A  vier Stücke des hier befindlichen Ackers, sie liegen ziemlich gut, denn hier ist sowohl sehr hoch liegendes als auch sehr niedrig liegendes Land, sonst besteht der genannte Acker überall aus Lehmhumus  17M 150R

Wiese und Heuschlag

[C]  [Ertrag] 23 Heufuder  15M 270R
C  sind drei Stücke flache Wiesenflecken, die im Grunde recht grasreich sind  11M 150R
C1  ist ein Wiesenfleck, der teils buschig jedoch grasreich ist  4M 120R
Obengenannte Wiesenflecken können überall mindestens eineinhalb Fuder Heu pro Morgen geben. Insgesamt 23 Heufuder

Wüster Acker

B  fünf Stücke, sind überall flaches Heidesand- und Weideland, die auch ziemlich hoch liegend und recht geeignet als Acker sind. Der Boden ist überall Lehmhumus  195M 120R

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Wald und Weideland

[D, Symbol 29  ]  110M 150R
D  Bornbruk ist ein Erlenbruch mit tiefem, morastigen Grund, jedoch sehr grasreich  30M 150R
D1  sind vier Stücke Waldbruch, bestehen zumeist aus Erlenwald, jedoch teils auch aus Weiden-, Espen- und Birkenwald, sind teilweise mooriger, jedoch meistens fester Boden  54M 60R
D2  ist niedrig liegende Weide und an einigen Stellen auch mit Erlen- und Weidenbüschen, an zwei Stellen, die wohl recht als Weide eingezäunt und gerodet werden könnten  18M 30R
Symbol 29  sind alte Hofstellen und Koppeln, überall grasreicher Grund, und teilsweise mit Kirschbäumen besetzt  7M 210R

Summe

Acker: 17M 150R
Wüster Acker: 195M 120R
Wiese: 15M 270R
Heufuder: 23 Heufuder
Wald und Weideland: 110M 150R

 RRev 384   URev 83 

Am 8. Juli des Jahres 1705 wurde das Dorf Prützmannshagen revidiert und wie folgt befunden

Neuer Acker seit der vorigen Vermessung

[Ba-Bd]   142M 135R
Ba  drei Stücke des wüsten Ackers B, aufgepflügt, bestehen aus guter, schwarzer, weicher Erde, sind eben und etwas niedrig gelegen, tragen gut Sommer- und Winterkorn  31M 255R
Bb  fünf Stücke des wüsten Ackers B, aufgepflügt, bestehen aus guter, schwarzer und an etlichen Stellen mit etwas Sand vermengter Erde, sind hoch und eben gelegen  80M 105R
Bc  ein Stück des wüsten Ackers B, aufgepflügt, besteht aus sandvermengter Erde, ist hoch und eben gelegen und sehr für Winter- und Sommersaat geeignet  17M 165R
Bd  ein Stück des wüsten Ackers B, aufgepflügt, besteht aus sandiger Erde und trägt Roggen und Hafer gut  12M 210R

Beschreibung des übrigen wüsten Ackers

B1  ein Stück, der Grund besteht aus guter, sandvermengter Erde, ist hoch und eben gelegen, und zu Kultur geeignet  10M 240R

 RRev 385  B2  drei Stücke, bestehen aus sandiger Erde, sind eben gelegen und zur Kultur geeignet  8M 285R

B3  fünf Stücke, sind sehr niedrig liegend, schlammig und mit Moorbülten bewachsen, in trockenen Sommern mit Wasser überlaufen, sind eher als Wiese denn als Acker zu rechnen.

 URev 84  B4  drei Stücke, der Grund besteht aus guter, schwarzer, weicher Erde, ist eben und hoch gelegen, wird zum Bauen gebraucht  7M 285R

B5  zwei Stücke, der Boden besteht aus sandvermengter Erde, sind aber mit starken Gehölz bewachsen und zur Kultur ungeeignet.

Summe

Neuer Acker: 142M 135R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Anders Jernström
Revision: Samuel Griese
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Anders Jernström vermessen.

2  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

3  Ackerhof (auch Ackerwerk oder Vorhof): ein Nebenhof, der zu einem Gutshof gehört und zum Ackerbau oder zur Viehwirtschaft genutzt wird.  Der Ackerhof, In: Adelung, Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Bd. 1. Wien 1811. Sp. 159.

4  Vor allem während des Dreißigjährigen Krieges und auch danach durch Königin Christina waren viele Domänengüter auf Rügen und in Vorpommern verpfändet worden. Um die früheren Verhältnisse wiederherzustellen, ordnete der schwedische König Karl XI. die Reduktion, das heißt die Wiederzurückführung, der verpfändeten Kammer- und Tafelgüter für Rügen und Vorpommern an. 1692 wurde diese Aufgabe einer Reduktions – Kommission übertragen.  Königl. Instruction, an die Reductions-Commißion in Pommern. Vom 8. März 1692. In: Dähnert, Johann Carl (Hg.): Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landesurkunden. Gesetze, Privilegien, Verträge, Constitutionen und Ordnungen. Erster Band. Stralsund 1765; No. 18, Seite 953 ff.