Beschreibung und Annotationen des Dorfes Prützmannshagen, das im Juli des Jahre 1697 vermessen wurde1
Das Dorf gehört zum Amt Loitz. Eine Zeit gehörte Baumann aus Stralsund ein wenig mehr als die Hälfte und die andere gehörte zum Amt Hohenwarth.Vor 30 Jahren haben hier drei Bauern
und drei Kossaten2 gewohnt, von denen zwei, nämlich zwei Vollbauern, zu Poggendorf gehörten. Die drei Kossaten und ein Vollbauer gehörten zu
Hohenwarth und dienten in Barkow, das ein zu Hohenwarth gehörendes Ackerwerk3 ist. Ebenso ist Poggendorf ein Ackerwerk des Amtes Loitz. Dieses Ackerwerk hatte obengenannter Besitzer Baumann gepachtet.
Nun ist dieser Hof, kurz gesagt, ganz wüst, außer dem, was die dortigen Einwohner seit acht Jahren aus dem Heideboden aufbrachen.
Baumann vergönnte denselben Einwohnern den dort befindlichen Acker als Lohn, damit sie auf sein Vieh achteten, das dort weidete.
Die Weide gehörte zuvor den umliegenden Höfen, aber seit Baumann dieses Haus bauen ließ, hat er genannte Weide für sein Vieh.
Ebenso der Leutnant Mevius, er hat hier auch Vieh, nämlich 27 Rinder und fünf junge Ochsen auf der Koppel, und zwar aus dem Grund, weil Mevius der Pächter
des Amtes Loitz ist und folglich auch für das, was unter dem Amt reduziert4 wurde.
Baumann hat hier 41 Rinder und fünf junge Ochsen. Die hiesigen Einwohner haben vier Rinder, die hier auch über den Winter
gefüttert werden. Aber die obengenannten Herren nehmen ihr Vieh dann fort von hier, das nun aus Jungvieh besteht ohne eine
Milchkuh dazwischen.
Der Acker
Was den Acker betrifft, den man hier findet, so ist sein Grund und seine Lage ziemlich gut. Und man könnte hier sehr viel guten Acker aufreißen, wenn man wollte, da wo Macht und Mut ist, denn der Grund besteht überall aus gutem lehmig-humosen Boden und ist dazu von sehr guter Lage.
Die Aussaat
Die Aussaat der hiesigen Einwohner soll 14 Scheffel Roggen, zwei Scheffel Gerste, zehn Scheffel Hafer und zwei Scheffel Erbsen betragen.
Der Heuschlag
Die Heuernte soll insgesamt nicht mehr als elf Fuder Heu betragen, wovon sechs Fuder nach Poggendorf befördert werden und die übrigen werden hier verfüttert. Man könnte wohl mehr Wiesen einzäunen, wenn man dem Vieh mehr Weide nähme.
Die Weide
Die Weide ist hier die allerbeste, denn der Boden ist überall mit Heide bewachsen und auch überall mit grasreichem Weideland durchsetzt. Es ist eine gute Kuhweide und auch sonst für sowohl Klein- als auch Großvieh.
Der Grenzverlauf
Der Grenzverlauf ist ringsum richtig, im Norden grenzt der Ort an Barthmannshagen und Eldena, im Osten an Neuendorf, im Süden an Wüsteney und im Westen an Kaschow.
Einwohner
Martin Glagow.
U 221Arealausrechnung des Gutes Prützmannshagen
Der Acker
A vier Stücke des hier befindlichen Ackers, sie liegen ziemlich gut, denn hier ist sowohl sehr hoch liegendes als auch sehr niedrig liegendes Land, sonst besteht der genannte Acker überall aus Lehmhumus 17M 150R
Wiese und Heuschlag
[C]
[Ertrag] 23 Heufuder
15M 270R
C
sind drei Stücke flache Wiesenflecken, die im Grunde recht grasreich sind
11M 150R
C1
ist ein Wiesenfleck, der teils buschig jedoch grasreich ist
4M 120R
Obengenannte Wiesenflecken können überall mindestens eineinhalb Fuder
Heu pro Morgen geben. Insgesamt 23 Heufuder
Wüster Acker
B fünf Stücke, sind überall flaches Heidesand- und Weideland, die auch ziemlich hoch liegend und recht geeignet als Acker sind. Der Boden ist überall Lehmhumus 195M 120R
U 222Wald und Weideland
[D,
]
110M 150R
D
Bornbruk ist ein Erlenbruch mit tiefem, morastigen
Grund, jedoch sehr grasreich
30M 150R
D1
sind vier Stücke Waldbruch, bestehen zumeist aus Erlenwald, jedoch teils auch aus Weiden-,
Espen- und Birkenwald, sind teilweise mooriger, jedoch meistens fester Boden
54M 60R
D2
ist niedrig liegende Weide und an einigen Stellen auch mit Erlen- und Weidenbüschen, an zwei
Stellen, die wohl recht als Weide eingezäunt und gerodet werden könnten
18M 30R
sind alte Hofstellen und Koppeln, überall grasreicher Grund, und teilsweise mit
Kirschbäumen besetzt
7M 210R
Summe
Acker: 17M 150R
Wüster Acker: 195M 120R
Wiese: 15M 270R
Heufuder: 23 Heufuder
Wald und Weideland: 110M 150R
Am 8. Juli des Jahres 1705 wurde das Dorf Prützmannshagen revidiert und wie folgt befunden
Neuer Acker seit der vorigen Vermessung
[Ba-Bd]
142M 135R
Ba
drei Stücke des wüsten Ackers B, aufgepflügt, bestehen aus guter, schwarzer, weicher Erde,
sind eben und etwas niedrig gelegen, tragen gut Sommer- und Winterkorn
31M 255R
Bb
fünf Stücke des wüsten Ackers B, aufgepflügt, bestehen aus guter, schwarzer und an etlichen
Stellen mit etwas Sand vermengter Erde, sind hoch und eben gelegen
80M 105R
Bc
ein Stück des wüsten Ackers B, aufgepflügt, besteht aus sandvermengter Erde, ist hoch und
eben gelegen und sehr für Winter- und Sommersaat geeignet
17M 165R
Bd
ein Stück des wüsten Ackers B, aufgepflügt, besteht aus sandiger Erde und trägt Roggen und
Hafer gut
12M 210R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
B1 ein Stück, der Grund besteht aus guter, sandvermengter Erde, ist hoch und eben gelegen, und zu Kultur geeignet 10M 240R
RRev 385 B2 drei Stücke, bestehen aus sandiger Erde, sind eben gelegen und zur Kultur geeignet 8M 285R
B3 fünf Stücke, sind sehr niedrig liegend, schlammig und mit Moorbülten bewachsen, in trockenen Sommern mit Wasser überlaufen, sind eher als Wiese denn als Acker zu rechnen.
URev 84 B4 drei Stücke, der Grund besteht aus guter, schwarzer, weicher Erde, ist eben und hoch gelegen, wird zum Bauen gebraucht 7M 285R
B5 zwei Stücke, der Boden besteht aus sandvermengter Erde, sind aber mit starken Gehölz bewachsen und zur Kultur ungeeignet.
Summe
Neuer Acker: 142M 135R
1 Wurde laut Urschrift von Anders Jernström vermessen.
2 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
3 Ackerhof (auch Ackerwerk oder Vorhof): ein Nebenhof, der zu einem Gutshof gehört und zum Ackerbau oder zur Viehwirtschaft genutzt wird. Der Ackerhof, In: Adelung, Johann Christoph: Grammatisches kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Bd. 1. Wien 1811. Sp. 159.
4 Vor allem während des Dreißigjährigen Krieges und auch danach durch Königin Christina waren viele Domänengüter auf Rügen und in Vorpommern verpfändet worden. Um die früheren Verhältnisse wiederherzustellen, ordnete der schwedische König Karl XI. die Reduktion, das heißt die Wiederzurückführung, der verpfändeten Kammer- und Tafelgüter für Rügen und Vorpommern an. 1692 wurde diese Aufgabe einer Reduktions – Kommission übertragen. Königl. Instruction, an die Reductions-Commißion in Pommern. Vom 8. März 1692. In: Dähnert, Johann Carl (Hg.): Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landesurkunden. Gesetze, Privilegien, Verträge, Constitutionen und Ordnungen. Erster Band. Stralsund 1765; No. 18, Seite 953 ff.