Beschreibung von Damerow, welches zwischen dem 9. und 11. August 1697 geometrisch vermessen wurde
Damerow ist ein Adelsdorf, liegt im Distrikt Loitz und im Kirchspiel Sassen, zwei Meilen von Greifswald, fünf Viertelmeilen
von
Loitz entfernt, grenzt an folgende Dörfer: im Norden an Sassen und Pustow, im Osten an Pustow, im Süden an Passow, im Westen
an
Vierow und Zarrentin.
Dieses Dorf gehört zu Vierow. Hier wohnt ein Pächter, der das ganze Dorf in Pacht hat und zahlt 40 Rthl
Pacht1 . Hier wohnt ein Schütze, der sich
um den Wald kümmert, hat auch einige Ackerkämpe2 . Von alters her haben hier im Dorf drei Bauern und drei Kossaten3 gewohnt, die in Pustow gedient haben. Das ganze Dorf besteht aus 3 ¾
Landhufen.
Namen der Einwohner
1. Ditlof Johan, Pächter, zahlt 40 Rthl Pacht
2. Lorentz Scheffer, Schütze
Arealausrechnung von Damerow
Acker
[I] 56M 210R
Ia etwas humoser Sandboden, neun Stücke, 37M 180R
Ib erst kürzlich bewirtschafteter Sandboden, sechs Stücke,
19M 30R
Wüster Acker
[K] 198M 150R
Ka flacher, sandiger wüster Acker, an der Nordseite hügelig und sandiger, 176M 240R
Kb wüster Acker mit
Heidekraut und kleinen Birkenbüschen bewachsen, 21M 210R
Wiesen
L gute Graswiese, 2 Heufuder, 1M 240R
Viehweide, Wald und Moraste
[M] 101M 180R
Ma großer Eichenwald, sowie Erlen- und Haselbüschen auf trockenem Land, 97M 210R
Mb niedriges Land mit
Erlenbüschen bewachsen, 3M 30R
Mc zwei Grassenken, 240R
Fischgewässer
N ein Teil von Rothemühlens Mühlenteich, 7M 210R
Höfe
O das Dorf mit den Höfen, worauf Häuser gebaut sind, sowie wüste Höfe und einige kleine Gärtchen und Koppeln bei den Häusern, 14M 240R
Summe
Acker: 56M 210R
wüster Acker: 198M 150R
Wiese: 1M 240R
Heufuder: 2
Wald und Viehweide: 101M 180R
Seen: 7M
210R
Höfe: 14M 240R
Annotationen von Damerow
Beschaffenheit des Ackers
Der Acker liegt nicht in Feldern oder Schlägen, sondern wird das eine um das andere besät, und der beste Acker wird jedes Jahr besät, zum Teil jedes dritte Jahr. Der Pächter meinte dieses Jahr 2 Drömt Roggen, 2 Drömt Sommergetreide ausgesät zu haben, und dass er nicht mehr als das zweite oder höchstens das dritte Korn bekommt.
[Wiesen]
Wiesen gibt es nur eine, von der der Pächter meint 2 Fuder Heu zu bekommen.
[Viehweide und Wald]
Die Viehweide ist mittelmäßig, jedoch nicht anders als auf dem wüsten Acker und im Wald. Holz ist ihm nicht überlassen zu verkaufen.
[Vieh und Gesinde]
Vieh hat er vier Pferde und 16 Rinder. Hat kein Gesinde.
Abgaben
Gezahlte Reitersteuer4 für das ganze Jahr 6
Rthl 26 ß,
zahlt Akzise5 pro Quartal 1
Rthl 1ß, beläuft sich für das ganze Jahr auf 4 Rthl 4ß,
gezahlter Nebenmodus6 und Kopfsteuer7 dieses Jahr 3 Rthl 4 ß.
Am 23. Juni 1705 wurde das Dorf Damerow revidiert und wie folgt befunden
Neuer Acker, seit der letzten Vermessung bewirtschaftet
[K1,K2,K3,K4] 44M 60R
K1 sieben Stücke vom wüsten Acker Ka bewirtschaftet, besteht aus reinem, steinig-kiesigem Sand, der
zumeist in drei Schlägen bestellt wird. Aber es scheint, dass es kaum jedes sechste Jahr besät werden könnte, wegen des schlimmen
sandigen Bodens. Der Pächter meint, gezwungen zu sein, es sooft zu bestellen aus Mangel an Futter im Winter für das Vieh,
28M
210R
K2 zwei Stücke von Ka bewirtschaftet, bestehen aus humushaltigem Sandboden, ist dreischlägiger Acker, 5M 150R
K3 von Ka
ein Stück bewirtschaftet und besteht aus niedrigem und kaltgründigem Sandboden und dreischlägigem Acker, 8M 240R
K4 vom wüsten
Acker Kb ein Stück bewirtschaftet und besteht aus kaltgründigem Sandboden, wird in drei Schlägen mit Ia bestellt, 1M 60R
Beschreibung vom übrigen wüsten Acker
Ka sechs Stücke von Ka mit Nr. 5 bezeichnet, bestehen aus Sandboden, kaum 1/8
Ellen tief und darunter ist reiner Sand, soll jedoch mit der Zeit bewirtschaftet werden, 40M 240R
Das Übrige von Ka ist sandig
und hügelig, als Acker ungeeignet wegen des losen Sandes. Aber unten an Passows Grenze gibt es ein Stück in der Urschrift
beschrieben, das sehr niedrig und kaltgründig ist, mit Birkenbüschen bewachsen.
Kb das Übrige von Kb ist ein sandiger Boden und auch morastig, mit Eichen und Birkenbüschen bewachsen, als Acker ganz ungeeignet
[Summe Nr.5:] 40M 240R
Summe
neuer Acker: 44M 60R
1 Pachtgeld ist der Betrag, den ein Pächter für die Nutzung einer gepachteten Sache an den Eigentümer zahlt, wie z.B. die Pacht für einen Hof, eine Mühle, einen Krug u.a.m Pachtgeld. In: Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 106. Berlin 1807. Sp. 64.
2 Kamp, ein mit einem Zaum oder Graben eingefasstes Stück Feld von unbestimmter Größe. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 34, Berlin 1785, Sp. 1.
3 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
4 Reitergeld, auch Tonnengeld genannt, ist in einigen Gegenden, diejenige Abgabe, welche den Strandreitern für die Bergung gestrandeter Güter gezahlt wird. Reitergeld. In: Grimm (Hg.): Deutsches Wörterbuch, Bd 14, Leipzig 1893. Sp. 783.
5 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
6 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.
7 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
8 Bd. 28 Fol. 205-208, in der Urschrift angehängtes Schreiben (deutsche Erläuterungen) die fünf Orte Pustow, Damerow, Rothemühle, Böken und Vierow betreffend.