Beschreibung von Pustow, welches zwischen dem 5. und 7. August 1697
Pustow ist ein adliges Rittergut, liegt im Distrikt Loitz und im Kirchspiel Sassen, zwei Meilen von Greifswald, anderthalb
Meilen von
Loitz [entfernt], grenzt an nachfolgende Dörfer: im Norden an Zetelwitz, im Osten an Pansow und Groß Zastrow, im Süden an
Görmin und
Passow, im Westen an Damerow und Sassen.
Dieses Gut mit seinen Pertinentien1 ist ein Buggenhagen Lehn, welches Herr Heintze aus Vierow von Herrn
Oberstleutnant Mevius letzten Winter für 10.000
Rthl gekauft hat. Hier wohnt ein Pächter, der das Gut in Pacht hat und zahlt 110 Rthl., ist von allen Kontributionen befreit.
Jacob Remer Frid, Pächter, zahlt 110 Rthl. Pacht2 .
R 260 U 198Arealausrechnung von Pustow
Acker
[A] 20M 285R
Aa das Roggenfeld, Sandhumus, ebenes Land, 18M 240R
Ab erst kürzlich bewirtschafteter Sandboden, 2M 45R
B die Brache, etwas humoser Sandboden, 22M 195R
C das Gerstenfeld, Sandhumus, 25M 150R
D zwei Ackerkämpe3 , die der Schütze aus Damerow bestellt, hochgelegener Sandboden, 13M 270R
Wüster Acker
[E] 267M 270R
Ea flacher wüster Acker, mit Heidekraut bewachsen, zwei Stücke, 104M 180R
Eb flacher wüster Acker, mit
Heidekraut bewachsen, an der Nordseite sehr hügelig, 103M 180R
Ec flacher wüster Acker, mit Birkenbüschen und einigen jungen
Eichen bewachsen, drei Stücke, 42M 240R
Ed wüster Acker mit Heidekraut und jungem Kiefernwald bewachsen, drei Stücke, 16M
270R
Wiesen
[F] 10 Heufuder, 6M 150R
Fa sumpfige Ried- und Schachtelhalmwiese, 8 ½ Heufuder, 5M 60R
Fb mittelmäßig gute Graswiese, 1 ½
Heufuder, 1M 90R
Viehweide, Wald und Moraste
[G] 126M 240R
Ga großer Eichen- und Buchenwald, sowie allerlei Laubwald auf morastartigem Land, 40M 270R
Gb große Eichen,
sowie Erlen- und Haselwald auf trockenem Land, zwei Stücke, 45M 270R
Gc sehr sumpfiger Bruch mit Riedgras, Schilf, sowie Erlen-
und Haselbüschen bewachsen, war zum großen Teil in früheren Zeiten Wiese gewesen, 36M 270R
Gd, drei Tümpel mit Riedgras und
Erlenbüschen bewachsen, 3M 30R
Höfe
H das Gut mit den Höfen, worauf Häuser gebaut sind, sowie einige kleine Gärtchen und Koppeln bei den Häusern, 7M 240R
Summe
Acker: 83M
wüster Acker: 267M 270R
Wiese: 6M 150R
Heufuder: 10
Wald und Viehweide: 126M 240R
Höfe: 7M 240R
Annotationen von Pustow
Beschaffenheit des Ackers
Der Acker liegt in drei Schlägen, von denen einer mit Wintergetreide, einer mit Sommergetreide besät wird. Einer liegt brach. Dieses Jahr hat der Pächter 4 Drömt und 6 Scheffel Roggen, 2 Drömt Gerste, 2 Drömt Hafer ausgesät. Die Brache hat er noch nicht besät, meinte also nicht zu wissen, wieviel darin eingebracht werden kann, weil der Pächter noch kein Jahr auf diesem Gut gewohnt hat. Meinte nicht zu wissen, wieviel Getreide er wieder bekommen kann. Das Getreide stand sehr schlecht in diesem Jahr, meinte nicht mehr als das zweite Korn bekommen zu können.
[Wiesen]
Wiesen sind nur zwei Stück; die eine sehr sumpfig, sodass, wenn nasse Jahre sind, sie nicht gemäht werden kann; meinte 10 Heufuder bekommen zu können.
[Viehweide und Wald]
Die Viehweide ist knapp, weil hier nichts anderes vorhanden ist, als der wüste Acker und der Wald. Der Bruch ist zumeist so
sumpfig,
dass dort kein Vieh herankommen kann.
Den Wald kann er nicht mehr nutzen als für Brennholz. Ihm wurde nicht überlassen, einiges
zu verkaufen.
[Vieh]
Vieh hat er, das ihm gehört, 4 Kühe, 3 Jungrinder, 4 Ochsen und 3 Pferde. Sonst hatte er vom Oberstleutnant Mevius 24 Kühe, für die er pro Stück 3 Rthl zahlt und die Hälfte für die Kälber. Daraus ist ersichtlich, dass hier einiges, auch 30 Rinder durchgefüttert werden können.
R 263[Gesinde]
Gesinde hatte er keins, sondern seine eigenen Kinder.
U 200[Bienen]
Die Bienen haben hier gute Weide, nicht nur den Sommer über im Wald, sondern auch im Herbst auf dem Heideland, welches dann blüht. Der Pächter versteht es sehr gut mit solchen Tieren umzugehen, hat 30 Bienenstöcke.
Abgaben
Zahlt Akzise4 pro Quartal 1 Rthl 3 ß, beläuft
sich für das ganze Jahr auf 4 Rthl 12 ß.
Zahlte Nebenmodus5 für jedes Rind 8 ß, sind 11 Stück, beläuft sich auf 1 Rthl 40
ß
Kopfsteuer6 1 Rthl 24 ß
Am 17. Juni 1705 wurde das Dorf Pustow revidiert und wie folgt befunden
Neuer Acker, seit der letzten Vermessung bewirtschaftet
[E1,E2,E3] 11M 195R
E1, zwei Stücke, vom wüsten Acker Ea bewirtschaftet, und besteht aus Sandboden, der in zwei Jahren bestellt
wird und das dritte als Brache liegt, 10M 210R
E2, ein Stück, von Eb bewirtschaftet, ist Sandboden, dreischlägiger Acker, wird
jetzt vom Schützen in Damerow bestellt, 180R
E3, von Ec bewirtschaftet, Sandboden, wird im Feld C bestellt, 105R
Beschreibung vom übrigen wüsten Acker
Ea, vier Stücke von Ea mit Nr. 3 bezeichnet, sind als Acker geeignet und bestehen aus etwas humushaltigem Sandboden zu einem
Viertel
tief, aber darunter findet man reinen Sand, 76M 240R
Das Übrige von Ea ist als Acker ungeeignet, ist sehr niedrig und
tiefliegend, teilweise reiner Sand, wie man in der Urschrift sehen kann, wo es zugewiesen und beschrieben ist.
Eb, das Stück von Eb mit Nr. 4 bezeichnet, ist zu einer halben Viertelelle tief, schwärzlich, darunter aber reiner Sand, der
zur Not
bewirtschaftet werden könnte, aber nicht öfter als jedes vierte, fünfte bis sechste Jahr besät zu werden, 51M
URev 88 Das Übrige von Eb besteht aus reinem Sand, die Hügel und Täler sind, sowie sehr
niedrig und kaltgründig sind, die an Passows Grenze, dort auch mit Birkenbüschen bewachsen sind.
Ec, zwei Stücke von Ec mit Nr. 5 bezeichnet, besteht aus Sandboden, der als Acker geeignet ist, aber wegen der großen Eichen
und
Birkenbüsche, die darauf stehen, wird es kaum bewirtschaftet werden können, 30M
Das Übrige von Ec ist als Acker ungeeignet und
besteht teilweise aus einem hohen Hügel und einer Grassenke und teilweise aus niedrigem Land, als Acker ungeeignet.
Ed ist sandiger Boden und als Acker ganz ungeeignet, denn es ist mit großen Eichen und Kiefern bewachsen, und es sollte fast mehr kosten es zu roden, als es einbringen könnte.
[Summe Nr.3, Nr.4, Nr.5]: 157M 240R
Summe
neuer Acker: 11M 195R
1 Pertinenz ist ein Zubehör im rechtlichen Sinn: "Sache oder Recht als rechtlicher Bestandteil einer anderen Sache". Deutsches Rechtswörterbuch: Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache, Bd 10. Weimar 1997 – 2001. Sp. 619f.
2 Pachtgeld ist der Betrag, den ein Pächter für die Nutzung einer gepachteten Sache an den Eigentümer zahlt, wie z.B. die Pacht für einen Hof, eine Mühle, einen Krug u.a.m Pachtgeld. In: Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 106. Berlin 1807. Sp. 64.
3 Kamp, ein mit einem Zaum oder Graben eingefasstes Stück Feld von unbestimmter Größe. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 34, Berlin 1785, Sp. 1.
4 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
5 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.
6 Das Kopfgeld ist eine Personensteuer, eine Abgabe an die Obrigkeit, die jeder Einwohner zu entrichten hatte, wobei die Höhe der Abgabe sich nach dem jeweiligen Stand der Person richtete. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 44. Berlin 1788. Sp. 34ff.
7 Bd. 28 Fol. 205-208, in der Urschrift angehängtes Schreiben (deutsche Erläuterungen) die fünf Orte Pustow, Damerow, Rothemühle, Böken und Vierow betreffend.