Beschreibung des Amtsdorfes Sassen, das zwischen dem 27. und dem 30. Juni des Jahre 1697 vermessen wurde.1
Sassen ist ein Amtsdorf sowohl im Distrikt als auch im Amt Loitz, eine Meile von der Stadt Loitz entfernt gelegen. Es grenzt
an
nachfolgende Orte: im Norden an Groß und Klein Zarnewanz sowie Pustow, im Süden an Zarentin und Damerow, im Westen an Schmietkow
und
Treuen.
In diesem Dorf wohnten sieben Bauern, die während der Kriegszeit ruiniert wurden und verschwanden, so dass das Dorf
lange Zeit wüst lag. Vor ungefähr fünf Jahren kam der Pächter hierher, der nun hier wohnt und für sich nicht viel kultivierten
Acker
vorfand, als er vor sechs Jahren das Gut pachtete. Für das erste Jahr sollte er 15 Rthl Pacht zahlen, für das zweite 20 Rthl,
so
dass sich für jedes darauffolgende Jahr die Pacht um fünf Rthl erhöht, aber für die beiden letzten 40 Rthl. Er gibt keine
Steuer.
Der Herr Besitzer hat hier im Dorf vor einem Jahr auch einen Krug bauen lassen, wofür die Bauern auch Abgaben zahlen
mussten. Dieses Jahr hat zum ersten Mal ein Krüger diesen übernommen, die ersten zwei Jahre soll er steuerfrei bleiben. Aber
danach
soll er jedes Jahr 25 Rthl und für eine reduzierte Hufe zahlen.2
Der Pastor besitzt hier im Dorf vier Landhufen, die zum größten Teil wüst liegen, nun hat er einen Pächter, der etwas
vom wüsten Acker etwas aufgebrochen hat. Ich sollte den Acker des Pastors teilen, aber niemand wusste wo seine Stücke liegen,
sondern sie sagten, dass der Pächter des Pastors den wüsten Acker aufteile, wie es ihm am besten erscheine, ungeachtet dessen,
ob es
dem Pastor gehöre oder nicht.
Namen der Einwohner
1. Christian Stut, Pächter.
2. Hans Harder, der Krüger.
3. Der Pächter des Pastors.
4. Der Küster.
5. Die
Kirche.
6. Ein Einlieger.
Arealausrechnung von Sassen.
Der Acker
[Aa-Ae, 5K, 4] 116M 270R
Aa Sandboden, in diesem und folgendem Jahr aufgebrochen 15M 105R
Ab Sandhumus, ebenes Land, drei
Stücke zu 44M 270R
Ac Sandhumus, ein wenig lehmvermischt, zwei Stücke zu 26M 120R
Ad magerer Sandboden, lag dieses Jahr
ungenutzt 13M 60R
Ae neun Stücke Acker, vorn bei den Häusern, bestehen aus gut gedüngtem Sandhumus, werden jedes Jahr besät 14M
285R
5k ein Ackerstück, das der Kirche gehört 270R
4 zwei Ackerstücke, die dem Küster gehören 1M 60R
Wüster Acker
[B] 693M 60R
Ba ebener wüster Acker, mit Heide bewachsen, an der Südseite etwas hügelig und mit kleinen Birkenbüschen
bewachsen, und daselbst sandiger 533M 33R
Bb wüster Acker, mit Heide und kleinen Birkenbüschen bewachsen 50R
Bc sandiger,
hügeliger, wüster Acker, mit kleinen Birkenbüschen bewachsen 59M 270R
Bd wüster Acker mit Heide bewachsen, der nicht den
Einwohnern hier im Dorf gehört, nun haben sie sich in Zetelvitz diesen zumessen lassen 50M
60R
Wiesen
[C] [Ertrag:] 12 Heufuder 8M
Ca sumpfige, bültige Wiese 4M 30R und 6 Heufuder
Cb gute, grasige Wiese 3M 270R 6 Heufuder
Wald, Viehweide und Moraste
[D] 202M 75R
Da tief liegendes, mooriges Heideland 18M 30R
Db sandige Heidehügel mit kleinem Birken- und Kiefernwald
bewachsen 71M 270R
U 289 Dc tief liegendes Weideland, das mit Erlenbüschen
bewachsen ist, geeignet um als Wiese gerodet zu werden 15M 270R
Dd trockener Grund vorn bei den Häusern, mit Eichen-, Erlen- und
Haselwald bewachsen 20M 130R
Df zwei sumpfige Moore mit Riedgras bewachsen 58M 180R
De Kirckhoff , Heidehügel 4M 240R
Dg sumpfiges Moor 3M 90R
Dh sumpfiger Erlenbruch 2M 210R
Di sumpfiges
Moor, gute Viehweide, kann zur Wiese gerodet werden 5M 90R
Dk eine kleine Koppel bei Rode
Mölen , die der Müller vom Krüger gepachtet hat, dafür gibt er einen Rthl 1M 15R
Seen
[E] 15M
Ea Smed Soll 7M 120R
Eb ein Teil des Mühlenteiches bei Rode Möl 6M 270R
Ec ein Teil des Weten Solls an der
Grenze zu Treuen 210R
F das Dorf mit den Hofstellen, auf denen Häuser gebaut sind, sowie die wüsten Hofstellen und die Wege durch das Dorf 15M
Summe
Acker: 116M 270R
Wüster Acker: 693M 60R
Wiese: 8M
Heufuder: 12 Heufuder
Wald und Weideland: 202M 75R
Seen und
Fischgewässer: 15M
Hofstellen: 10M 150R
Annotationen von Sassen
Die Beschaffenheit des Ackers
Der Acker liegt nicht in Feldern oder Schlägen, sondern eines wird nach dem anderen besät. Ein Teil des Ackers wird vier Jahre besät, ein Teil wird jedes Jahr besät, wie er für dessen Qualität befunden wird.
Die Aussaat nach Aussage der Einwohner:
Der Pächter hat dieses Jahr vier Drömt Roggen, zwei Drömt Gerste, sechs Scheffel Hafer
und eineinhalb Scheffel Buchweizen gesät.
Der Krüger säte einen Drömt Roggen, acht Scheffel Gerste und Hafer aus.
Sie sagen,
sie achten nicht genau darauf, wieviel sie zurück bekommen können. Ausgenommen ist der Pächter, er meinte, das dritte Korn
bekommen
zu können.
Wiesen gibt es keine in diesem Dorf, nur eine, welche dem Pastor gehören müsste, von seinem Anteil erntet er vier Fuder Heu.
Der
Pächter hat einen Bruch, der mit Di gekennzeichnet ist, als Wiese einzäunen lassen, aber da die halbe Weide zu Treuen gehört,
hat
der Pächter Schmietkows darauf das Vieh weiden lassen. Denn er meint, diese nicht als Viehweide entbehren zu können.
Die Viehweide ist mager und knapp, sie haben nichts anderes als den wüsten Acker, der mit Heide bewachsen ist, die der Pächter aus Schmietkow mit seinen Schafen sehr ausgedünnt hat. Sonst gibt es wohl einige Brüche und Moraste, die so sumpfig und knapp sind, dass kaum Vieh dorthin gelangen kann.
Der Wald genügt für das notwendige Brennholz, das man hier auf der Feldmark findet.
Der Pächter hat vier Pferde, zwei Ochsen und zwölf Kühe sowie zehn Schafe.
Der Krüger hat vier Pferde und vier Kühe. Er sagt, er
wisse nicht, ob er diese über den Winter füttern kann oder nicht.
Der Pächter hat an Gesinde einen Knecht und eine Magd.
Der Krüger hat kein Gesinde.
Abgaben
Akzise3 gibt der Pächter jedes Quartal einen Rthl und sechs ß, das beträgt für das gesamte Jahr: vier Rthl und 24 ß.
An
Nebenmodus4 gibt er für jedes Rind acht ß, das ergibt für all sein Vieh drei Rthl und 16 ß.
Der Krüger zahlt jedes Quartal 42 ß, der
ergibt für das gesamte Jahr drei Rthl und 24 ß.
Nebenmodus gibt er drei Rthl acht ß.
Krupacht zahlt er zwei Rthl.
Der
Krüger berichtet, der Krug sei besonders im Sommer nicht einträglich. So habe er an Ostern eine Tonne Bier gekauft, die er
den
Sommer über hatte, diese sei nun etwas sauer geworden.
Am 3. Juli des Jahres 1705 wurde das Dorf Sassen revidiert und wie folgt befunden
Bei der vorigen Vermessung lag dieses Dorf zum größten Teil wüst, und der aufgebrochene Acker wurde nicht in festgelegten
Feldern
oder Schlägen genutzt. Aber vor zwölf Jahren hat der Verwalter aus Treuen dieses Dorf übernommen und sieben Bauern hier angesiedelt
und folglich haben alle in diesem Jahr bereits einen großen Teil des Ackers aufgebrochen und den gesamten Acker in vier Schläge
aufgeteilt, nämlich:
Aa und ein Teil Abs sowie was dazu aufgebrochen ist, war in diesem Jahr der Sommerschlag. Das übrige von Ab
und Ad wurde dieses Jahr mit Roggen besät oder war der Winterschlag. Der dritte Schlag, der in diesem Jahr auch Sommerschlag
war,
ist seit der vorigen Messung ganz aufgebrochen und wird mit B6 gekennzeichnet. Der vierte Schlag, der dieses Jahr brach lag
gehört
zu Ac und was dazu seit der letzten Messung aufgebrochen wurde.
Neuer Acker seit der vorigen Messung
[B1-B2, D3, B4, B6, B7, B8] 76M 120R
B1 drei Stücke von Ba aufgebrochen, Sandboden etwas humos, war dieses Jahr mit Sommerkorn
besät und wird in vier Schlägen beim Feld Aa besät 4M 240R
B2 fünf Stücke von Bb aufgebrochen, bestehen aus ebenem Sandboden,
waren dieses Jahr mit Sommerkorn besät und werden in vier Schlägen beim Feld Aa bewirtschaftet 7M 180R
D3 ein Stück von Dd
aufgepflügt, Sandboden, der in vier Schlägen beim Feld Aa bewirtschaftet wird 75R
B4 drei Stücke von Ba aufgebrochen, bestehen
aus ebenem Sandboden, waren dieses Jahr mit Roggen besät und werden in vier Schlägen beim Feld Ab bestellt 13M 150R
B6 vier
Stücke von Ba aufgebrochen, bestehen aus durchschnittlich hoch gelegenem Sandboden, waren dieses Jahr mit Sommerkorn besät
und es
ist der dritte Schlag, der seit der vorigen Messung aufgebrochen wurde 21M 240R
RRev 403
URev 105 B7 neun Stücke von Ba aufgebrochen, bestehen aus ebenem Sandboden,
lagen dieses Jahr brach und können in vier Schlägen beim Feld Ac genutzt werden, wenn sie gedüngt werden 21M 120R
B8 fünf Stücke
von Bc aufgebrochen, sind ebener Sandboden, der in vier Schlägen beim Feld Ac genutzt werden können, wenn sie gedüngt werden
7M
15R
Pastorenacker, der bei dieser Messung abgeteilt wurde
[Pa-Pg] 34M 62R
Pa ein Stück in Aa 235R
Pb zwei Stücke in Ba 13M 15R
Pc drei Stücke in Ac 4M 150R
Pd ein Stück in Ae
1M 180R
Pe sieben Stücke neu aufgebrochener Acker von Ba, besteht aus ebenem Sandboden 10M 15R
RRev 404
URev 106 Pf vier Stücke von Bb aufgebrochen, von gleicher Beschaffenheit wie B2
3M 195R
Pg ein Stück neu von Bc aufgebrochen, wie B8 122R
Wüster Pastorenacker
[Ph-Pl] 35M 135R
Ph sieben Stücke in Ba 27M 270R
Pi zwei Stücke in Bb 3M 90R
Pk zwei Stücke in Bc 2M 210R
Pl ein
Stück in Db 1M 165R
Kirchenacker, der bei der letzten Messung abgeteilt und mit 5K gekennzeichnet wurde
Der Küsteracker
Es sind zwei Stücke Küsteracker, die bei der vorigen Messung abgeteilt und mit 4 gekennzeichnet wurden.
Das übrige ist nun abgeteilt
[Ka-Kc] 2M 60R
Ka ein Stück in Ab 210R
Kb ein Stück in Ac 180R RRev 105
URev 107 Kc ein Stück neu von Ba aufgebrochen, Sandboden 270R
Kd ein Stück wüster Küsteracker in Ba 210R
Beschreibung des übrigen wüsten Ackers
Ba
Von Ba, mit Nr. 9 gekennzeichnet, besteht zumeist aus eben gelegenem Sandboden, der eine halbe Elle tief list. Hier und da mit kleinen Anhöhen, die aus grobkörnigem Sand bestehen, überall mit hoher Heide bewachsen und könnte insgesamt aufgebrochen werden, wenn sie es als Weideland entbehren könnten. 404M 30R
Das übrige von Ba ist als Acker ungeeignet, ein Teil besteht aus sumpfigen Grastümpeln und tief gelegenem Grund, ein Teil besteht aus Viehtriften und ein Teil besteht aus bloßen Sandbergen, die man alle im Konzept abteilt findet.
RRev 406 URev 408Bb
Von Bb, mit Nr. 10 gekennzeichnet, ist durchschnittlich hoch gelegener Sandboden, der mit Heide bewachsen ist, soll mit der Zeit aufgebrochen werden 21M 15R
Das übrige von Bb ist nicht als Acker nutzbar, denn es besteht teils aus Grastümpeln, teils aus tief gelegenem Boden, der als Weide genutzt werden kann. Ein Teil ist fester Grund, der mit durchschnittlich großen Eichen bewachsen ist. 21M 15R
Bc
Von Bc, mit Nr. 11 gekennzeichnet, besteht aus ebenem Sandboden, der eine halbe Elle tief ist sowie mit einigen kleinen Kiefernbüschen bewachsen ist. Kann mit der Zeit auch aufgebrochen werden. 46M 165R
Das übrige von Bc ist unbrauchbar, es besteht aus einem großen Grastümpel und zwei Sandhügeln.
Bd
Bd lag nun weiterhin wüst, es kann insgesamt aufgebrochen werden, besteht aus mit Heide bewachsenem Sandboden, darin zwei kleine Grastümpel, umfasst 105 Ruten.
URev 109Db
Von Db, mit Nr. 12 gekennzeichnet, war Acker und besteht aus gutem, ebenen Sandboden, der eine halbe Elle tief ist und nun mit hoher Heide und einigen Kiefern bewachsen ist. Kann wohl aufgebrochen werden, wenn man es als Weide entbehren könnte.
Das übrige von Db besteht aus hohen mit kurzer Heide bewachsenen Sandhügeln, es ist als Acker nicht nutzbar.
[Summe]
Wüster Acker:] 514M 60R
Seit der vorigen Messung wurden hier im Dorf zwei Bauernhöfe aufgebaut. und den, den man auf der Karte mit Nr. 4 gekennzeichnet findet, und der zuvor Kossate war, ist nun Vollbauer und heißt Peter Lange. Nun wohnen auch zwei Einlieger hier, die ein Haus neu gebaut haben, ihre Namen sind:
| 6. Michel Franck 7. Jacob Prahls. |
Vollbauern. |
8. Casten Brun, Leinenweber.
9. Jochim Brun, Einlieger, er hat das Stück
Kirchenacker, das mit 5K gekennzeichnet ist.
Summe
Neuer Acker: 76M 120R
Pastorenacker: 34M 60R
Wüster Pastorenacker: 35M 135R
Küsteracker: 2M 60R
Wüster Küsteracker:
210R
1 Wurde laut Urschrift von Arvid Carlmark vermessen.
2 Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.
3 Akzise, auch Verbrauchssteuer, war eine Steuer oder Abgabe, die dem Landesherren von allen ein- und ausgehenden Waren, die dem Unterhalt dienten, entrichtet werden musste. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 1 Leipzig 1732. Sp. 276f.
4 Nebenmodus: eine besondere Kopfsteuer (Personen- und Viehsteuer), die 1681 von der pommerschen Regierung zur Finanzierung der Landesverteidigung erhoben wurde. Sie betraf alle nicht possessionierten Leute, die im Bereich der städtischen und adligen Güter ansässig waren. Olesen, Jens: Auswirkungen der dänischen Herrschaft auf Verständnis und Praxis der Tribunatstätigkeit, in: Alvermann, Dirk und Regge, Jürgen (Hg.): Justitia in Pommern, Berlin 2004, S. 124 -126.