R 325   U 211 

Beschreibung des Adelsgutes Zemitz, das im Juli 1694 geometrisch vermessen wurde.1 

Zemitz ist ein Adelsgut im Wolgaster Distrikt gelegen, eine Meile von der Stadt Wolgast entfernt. Über dieses Gut wird berichtet, es sei von alters her das Gut der Familie Lepel2 . Der Besitzer hat es durch seine Ehefrau bekommen. Dieses Gut soll seit alters her zu 14 einhalb Landhufen berechnet sein, es ist kein Ritterland, sondern alles zusammen sind steuerbare Bauernhufen. Der Hof gehört zum Kirchspiel Hohendorf. In alten Zeiten haben Bauern auf dem Hof gewohnt.

Namen der Einwohner

1 .Herr von Lepel, Besitzer.
2 .Christian Christopher.
3 .Michael Chistopher.
4 .Paul Loppen, Häker.
5 .Hans Schultz, Schafhirte.
6 .Erman Estrick.

Dieser Hof grenzt an nachfolgende Dörfer: Im Norden an Hohensee, Seckeritz und Bauer, im Osten an Wehrland, im Süden an Buggow, Warnekow, und Pulow, im Westen an den Wald Hagen .

 R 326   U 212 

Arealausrechnung für Zemitz

Acker

A bezeichnet das Roggenfeld

[A]   86M 225R
Aa  guter Sandboden, ebenes Land  25M 270R
Ab  etwas hügeliger Sandboden  20M 15R
Ac  niedriger Sandboden  8M 90R
Ad  mittelmäßig guter Sandboden, ebenes Land  32M 150R

B gibt die Brache an

[B]   59M 30R
Ba  etwas tiefliegender Sandboden, ebenes Land  48M 120R
Bb  hochliegender Sandhügel  3M 150R
Bc  hochliegender, magerer Sand  2M 180R
Bd  etwas tiefliegender Sandboden  4M 180R

C bezeichnet das Sommerfeld

[C]   67M 150R
Ca  guter Sandhumus  6M
Cb  hochliegender Sand  2M 150R
Cc  guter Sandboden, ebenes Land  8M 30R
Cd . hochliegender Sandboden  6M 180R
Ce  neu bestellter Sandboden  4M 60R
Cf  guter Lehmhumus, ebenes Land  40M 30R

 R 327   U 213 

[D]   33M 90R
Da  zwei kleine Ackerstücke dicht bei den Häusern  3M 180R
Db  drei Sandstücke im Wald, zusammen:  29M 150R

Wiesen

[E]   15M 270R
Ea  gute Wiese im Feld A  4M 60R
Eb  etwas sumpfige Wiese beim Bach  9M 210R
Ec  sumpfige Wiese im Wald  2M

Wald und Viehweide

[Fa-Fb]   14M 90R
[Ga-Gd]   613M 210R3 
Fa  Pferdekoppel, flache Wiese  12M 150R
Fb  Sandhügel mit einem Stück sandigen, wüsten Acker  1M 240R
Ga  Heidekrautland mit sehr jungem, lichtem Kiefernwald bewachsen  168M 60R
Gb  Heidehügel mit sehr lichtem, jungem Kiefernwald darauf  384M 150R
Gc  hoher Sandberg mit Birken-, Hasel- und Erlenbüschen darauf  24M 30R
Gd  hohe Heidehügel und tiefe Täler  36M 270R

 R 328   U 214 

Brüche und Moraste

[H]   101M 105R
Ha  sumpfiger Bruch mit Laubwald bewachsen  30M 240R
Hb  sumpfiger Bruch mit Erlen und Weidebüschen bewachsen  20M 150R
Hc  zwei kleine Brüche mit Birkenbüschen darin  10M 45R
Hd  sumpfiger, bültiger Bruch mit kleinen Birkenbüschen bewachsen  34M 270R
He  sumpfiger Bruch beim Bach mit großen Eichen darin  5M

Grundstücke und Hausstellen

J  das Gut samt den Grundstücken, auf denen die Häuser gebaut sind. Zwischen den Häusern einige kleine Gärtchen  8M 165R

Über die Beschaffenheit des Ackers

Der Acker liegt in drei Schlägen, zwei Teile werden jährlich besät und der dritte liegt brach, außer die Stücke dicht bei den Häusern, die werden jedes Jahr besät. Sowie die Sandkampen4  im Wald, die nur jedes dritte Jahr besät werden.

Summe

Acker: 246M 135R
Wiese: 15M 207R
Wald und Viehweide: 728M 105R5 
Grundstücke: 8M 165R

 R 329   U 215 

Annotationen zu Zemitz

Über die Beschaffenheit und Fruchtbarkeit der Wiesen

Hier gibt es nicht sehr viele Wiesen, und die Wiesen, die am Bach liegen sind sehr sumpfig, aber doch fruchtbar, so dass man 30 Fuder Heu bekommen kann. Die Wiese, die beim Acker liegt, trägt gutes Gras.

Viehweide

Im Wald und in den Morasten haben sie gute Viehweiden, so dass den Sommer über eine ziemlich große Menge Vieh gehalten werden kann. Den Winter über kann nicht soviel gefüttert werden, wie im Sommer gehalten werden kann.

Gesinde

Hier auf dem Gut haben sie einen Knecht, zwei Mägde und einen Jungen. Mit diesen Leuten kann die Arbeit nicht durchgeführt werden, insbesondere in der Erntezeit im Jahr. Dann müssen viele Tagelöhner geholt werden, denn hier gibt es keine Bauern, die dienen. Sondern die Arbeit muss mit eigenen Leuten und Vieh verrichtet werden.

 RRev 129   URev 206 

1704 ist das Dorf Zemitz revidiert und wie folgt befunden worden.

Im Feld A

Ae  zwei Stücke, von Sandboden, etwas tiefliegend, vor zwei Jahren gerodet  1M 90R

Im Feld B

[Be-Bf]   14M 240R
Be  zwei Stücke, von reinem Sand, gerodeter Acker von dem symbol Gb, wird jedoch meistens alle drei bis vier Jahre bewirtschaftet  3M 105R
Bf  drei Stücke, von etwas grobem und steinig-kiesigem Sandboden, der jetzt von dem symbol Gb gerodet ist, soll zur Probe kommendes Jahr zumeist besät werden; und dann alle drei bis vier Jahre mit Roggen und Buchweizen  11M 135R

Im Feld C

Cg  drei Stücke, von reinem Sand, und das was beim Morast Die Kreüs liegt ist etwas fein und rötlich, ist nun von Gb und Gd aufgepflügt.  4M 210R

Im Feld D

[Dc-Dd]   23M 240R
Dc  zwei Stücke, hochgelegener, etwas steinig-kiesiger Sandboden, aber beim Morast Die Uhl etwas tiefliegend, werden meisten jedes dritte bis vierte Jahr dazwischen besät, Gb und Gd aufgepflügt  19M 90R
Dd  drei Stücke, ebenso, etwas tiefliegend  4M 150R

Anmerkung: Hier findet man nichts besonderes mehr, was zum Roden brauchbar sein könnte.

Summe

Neuer Acker: 44M 180R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2008, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Arvid Carlmark
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Arvid Carlmark vermessen.

2  Familie von Lepel: Vermutlich stammt das Adelsgeschlecht ursprünglich aus der Nähe von Clauen bei Hildesheim und nannten sich danach de Clowen. Für die Jahre 1236 bis 1241 ist der Ritter Gerhard als Truchseß des Herzogs von Mecklenburg bezeugt. Auf dieses Hofamt bezieht sich sein Spitzname „Lepell“ (plattdt.: Löffel). Die Söhne des genannten Ritters wurden auf Usedom ansässig und sind die Stammväter der mecklenburgisch-pommerschen Linie.Ulrich Joachim Lepel, geb. 1636 und gest. 1724 wurde vermutlich in der Nicolaikirche in Wehrland beigesetzt. Die Dörfer Wehrland und Bauer befanden sich bis 1823 im Besitz der Familie Lepel. Hey, Gerhard, in: NDB, Herausgegeben von der Historischen Kommission. Bei der Bayerischen Akademie der Wissenschften, Bd. 14, Berlin 1961, S. 301. Genealogisches Handbuch des Adels, Bd. VII, Limburg 1989, S. 290.

3 In der Reinschrift falsch 613M

4  Kamp, ein mit einem Zaum oder Graben eingefasstes Stück Feld von unbestimmter Größe.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 34, Berlin 1785, Sp. 1.

5 Als verkehrte Summe in der Reinschrift 729M 195R