R 336 

Beschreibung des Adelsgutes Bauer, das im Juli 1694 geometrisch vermessen wurde. 1 

Dieses Gut liegt im Distrikt Wolgast am Peenestrom, fünfviertel Weg von der Stadt entfernt. Hier im Dorf sind drei Eigentümer: der erste ist Ulrich Joachim Lepel2 , die andere ist Arent Dietloffs Witwe und der dritte ist Hans Georg Lepel. Der erste bewirtschaftet seinen Anteil selbst, die anderen beiden haben Verwalter oder Pächter für ihre Anteile. Dieses Gut grenzt an folgende Dörfer: im Norden an Seckeritz im Süden an Wehrland, im Westen an Zemitz und im Osten an den Peenestrom.

Namen der Einwohner

1 . Ulrich Joachim Lepel.
2 . Ernst Brumer,Kossat3  und Untertan.
3 . Petter Leel, Arent Dietloffs Pächter.
4 . Jacob Pråsens, Hans Georgen Lepels Pächter.
5 . Petter Telschow, Häker und Untertan.
6 . Michael Marten, Fischer und freier Mann.
7 . Michael Luht, Müller und freier Mann.
8 . Petter Holtz, Schäfer.
9 . Clas Johanson, Schneider.
10 . Jochom Smitt, Viehhirte und Untertan.

Dieses Dorf gehört zum Kirchspiel Wehrland.
Anmerkung: Schäfer und Viehhirte wohnen in einem Haus.

 R 337   U 223 

Arealausrechnung für Bauer,

dessen Besitzungen alle nördlich des Baches zu finden sind. Was südlich liegt, gehört zu Wehrland.

Acker

[A]   73M 60R
Aa  guter Sandboden, ebenes Land, war dieses Jahr dasRoggenfeld  71M 90R
Ab  hochgelegener Sand  1M 270R

[B]   74M 210R
Ba  mittelmäßig guter Sandboden, ebenes Land, war dieses JahrBrache  56M 15R
Bb  hochgelegener magerer Sandboden  14M 45R
Bc  neu aufgepflügter Sandboden  4M 150R

[C]   80M 150R
Ca  magerer Sandboden, war dieses Jahr Sommerfeld  5M 90R
Cb  mittelmäßig guter Sandboden, ebenes Land  58M 270R
Cc  hochgelegener magerer Sandboden  11M 90R
Cd  tiefgelegener Sandboden  5M

Da  guter, wohlgedüngter Sandhumus, der jedes Jahr besät wird  35M
Db  hochgelegener magerer Sandkamp4 , wird jedes dritte Jahr besät  11M 30R

 R 338   U 224 

WüsterAcker

[E]   71M 142 1/2R
Ea  wüster Acker mit Heide bewachsen, ist von gleicher Güte wie der bewirtschaftete Acker  36M 187 1/2 R
Eb  sandiger wüster Acker, mit Heide bewachsen  13M 15R
Ec  strittiger wüster Acker zwischen Bauer und Seckeritz, mit Heide bewachsen  15M 60R
Ed  wüster Acker mit Heide bewachsen  6M 180R

Wiese

[F]   31M 80 1/2R 50 Heufuder
Fa  sumpfige Riedgraswiesen  7M 180R
Fb  Wiese im Feld C  2M 270R
Fc  sumpfige Moorwiese  13M 15R
Fd  gute grasige Wiese  6M 7 1/2 R
Fe  sumpfigeWiese  1M 210R

Viehweide

[G]   81M 195R
Ga  flache Viehweide, etwas sumpfig und bültig  32M 150R
Gb  sandiger Heidehügel, magereWeide  46M 150R
Gc  Tümpel mit Riedgras darin  2M 195R

 R 339   U 225 

Wald

[H]   87M 150R
Ha  Eichenwaldberg, mit großen Eichen darauf, am Peenestrom  12M 120R
Hb  Bruch mit kleinen Birken und Erlenbüschen sowie einigen großen Eichen bewachsen  43M 30R
Hc  sumpfiger Bruch mit kleinem Busch bewachsen  22M 30R
Hd  Bruch mit Weiden und Erlenbüschen bewachsen  9M 270R

Grundstücke und Hofstellen

[J]   9M 60R
Ja  der Mühlenteich bei derMühle  1M 60R
Jb  Grundstücke auf denen die Häuser gebaut sind, sowie einige kleine Obstgärten und Ackerstücke dazwischen  8M

Über die Beschaffenheit desAckers

Der Acker liegt in drei Schlägen und ist in drei Felder geteilt, von denen zwei jährlich besät werden, während das dritte als Brache liegt. Ausnahme ist der Acker, der dicht bei den Häusern liegt und jedes Jahr besät wird. Er ist nicht in die drei Ackerfelder eingeschlossen, wie auch die hochgelegenen mageren Sandhügel nicht, die nur jedes dritte und siebente Jahr besät werden. Dieses findet man alles in der Ausrechnung aufgeführt.

Summe

Acker: 274M 150R
Wüster Acker5 : 71M 142 1/2R
Wiese6 : 31M 82 1/2R
Heu: 50 Fuder
Viehweide: 87M 195R
Wald: 89M 150R
Grundstücke: 9M 60R

 R 340   U 226 

Annotationen zu Bauer

Aussaat

Auf dem Hof wurden dieses Jahr elf Drömt Roggen, ein Drömt Weizen, acht Drömt Gerste, drei Drömt Hafer und ein Drömt Erbsen ausgesät.

Über die Güte und Fruchtbarkeit derWiesen

Die Wiesen sind etwas sumpfig, es sind zumeist Moorwiesen, außer die Koppeln in den Feldern und die Wiesen unten vor den Häusern. Nach dem Bericht des Besitzers, können nicht mehr als 20 Fuder Heu geerntet werden, welches sich nicht ganz auf zwei Fuder auf einen Morgen beläuft, wie ich es mit der Ausrechnung verglichen habe.

Wald und Viehweide

Hier bei diesem Dorf ist gute Viehweide unten am Peenestrom und außerdem im Wald und den Morasten, sowie für die Schafe auf dem wüsten Acker und den Heidehügeln. Wald hat man auf diesen Besitzungen nicht soviel, dass davon das notwendige Brennholz geholt werden kann. Und auch nichts, was zum Bauen brauchbar ist, die Eichen sind davon das Beste.

Gesinde

Der Acker muss mit den Leuten und dem Vieh des Hofes bewirtschaftet werden. Denn von den freien Leuten hat niemand Dienst, sie geben Pacht für den Acker, den sie haben.

Vieh

An Arbeitsvieh werden zehn Pferde und acht Ochsen gehalten. An anderem Vieh können sowohl im Winter als auch im Sommer 20 Stück Groß- und Kleinvieh gehalten werden. Schäferei zu 300 Schafen.

 R 341   U 227 

Fische

Eigene Fische haben sie nicht auf dem Gut, sondern sie pflegen im Kronwasser des Peenestroms zu fischen und geben im Jahr einen Rthl 16 ß. Für die Art Fischereigerätschaft, die Streunetz genannt wird, geben sie dem Kieper7  der Fischgewässer in Pudagla einen Rthl.

Hufen

Seit alters her soll dieses Gut zu fünf Ritterhufen und einer steuerbaren Hufe berechnet worden sein. Und nun werden 25 Morgen versteuert.

Mühle

Hier im Dorf ist eine Wassermühle, die der Müller selbst aufgebaut hat. Dafür gibt er dem Gutsbesitzer jährlich sechs Drömt Gerste.

 RRev 132   URev 212 

1704 ist das Dorf Bauer revidiert und wie folgt befunden worden.

Im Feld B.

Bd  ein schmaler Ackerrücken, von Ea aufgepflügt, besteht aus Sandboden  150R

Im Feld C.

Ce  ein Stück, Sandboden, etwas hochliegend, von Ea aufgepflügt  37 1/2R

Arealausrechnung für den Pastorenacker und ein Stück des Küsterackers, die bei der Revision abgeteilt wurden:

Pastorenacker im Feld A

Pa  drei Stücke, von der Güte wie Aa  7M 225R

Im Feld B

[Pb, Pc, Pd]   11M 165R
Pb  vier Stücke, von gleicher Beschaffenheit wie Ba  6M 195R
Pc  zwei Stücke wie Bb  2M
Pd  ein Stück wie Bc  2M 270R

Im Feld C

[Pe, Pf, Pg]   9M 105R
Pe  sechs Stücke, von der Güte wie Cb  7M 210R
Pf  ein Stück wie Cc  165R
Pg  ein Stück wie Cd  1M 30R

 RRev 133 

Im Feld D

[Feld D gesamt]   3M 255R
Ph  vier Stücke wie Da  2M 195R
Pi  ein Stück, gelegen zwischen Da und Db in Gb; von der Güte wie Db  1M 60R
P  zwei Stücke, wüster Acker am Ende von Pb und Pd von der Güte wie Ea und Ec  3M 120R
klock : ein Stück Küsteracker ist gelegen in Db und von dessen Güte  2M 225R

 URev 213 

Anmerkung: Was den wüsten Acker anbelangt, so besteht er überall aus einem sandigen Grund. Ea und Eb könnten wohl aufgepflügt und alle drei bis vier Jahre besät werden. Aber man kann diese wie auch Ec nicht als Schafweide entbehren. Ec ist etwas tief liegend und überall mit kleinen Bülten. Ed sind zwei etwas hoch gelegene, magere Sandhügel, die die Mühe, sie aufzupflügen, nicht sonderlich lohnen würden.

Notiz: Hier wird jedes Jahr etwas vom Land fortgespült, besonders im Herbst und im Frühling, wenn die starken Stürme sind.

Summe

NeuerAcker: 187 1/2R
Pastorenacker: 32M 150R
Küsteracker: 2M 225R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2008, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Arvid Carlmark
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Arvid Carlmark vermessen. Die erste Folioseite der Urschrift fehlt.

2  Familie von Lepel: Vermutlich stammt das Adelsgeschlecht ursprünglich aus der Nähe von Clauen bei Hildesheim und nannten sich danach de Clowen. Für die Jahre 1236 bis 1241 ist der Ritter Gerhard als Truchseß des Herzogs von Mecklenburg bezeugt. Auf dieses Hofamt bezieht sich sein Spitzname „Lepell“ (plattdt.: Löffel). Die Söhne des genannten Ritters wurden auf Usedom ansässig und sind die Stammväter der mecklenburgisch-pommerschen Linie.Ulrich Joachim Lepel, geb. 1636 und gest. 1724 wurde vermutlich in der Nicolaikirche in Wehrland beigesetzt. Die Dörfer Wehrland und Bauer befanden sich bis 1823 im Besitz der Familie Lepel. Hey, Gerhard, in: NDB, Herausgegeben von der Historischen Kommission. Bei der Bayerischen Akademie der Wissenschften, Bd. 14, Berlin 1961, S. 301. Genealogisches Handbuch des Adels, Bd. VII, Limburg 1989, S. 290.

3  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

4  Kamp, ein mit einem Zaum oder Graben eingefasstes Stück Feld von unbestimmter Größe.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 34, Berlin 1785, Sp. 1.

5 Falsche Summe in der Reinschrift: 71M 112 ½R.

6 Falsche Summe in der Reinschrift: 31M 80 ½R.

7  Der Kiper ist der Aufseher über die Fischerei und der Einnehmer der Wasserpacht.  Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 534.