Beschreibung des Adelsgutes Bauer, das im Juli 1694 geometrisch vermessen wurde. 1
Dieses Gut liegt im Distrikt Wolgast am Peenestrom, fünfviertel Weg von der Stadt entfernt. Hier im Dorf sind drei Eigentümer: der erste ist Ulrich Joachim Lepel2 , die andere ist Arent Dietloffs Witwe und der dritte ist Hans Georg Lepel. Der erste bewirtschaftet seinen Anteil selbst, die anderen beiden haben Verwalter oder Pächter für ihre Anteile. Dieses Gut grenzt an folgende Dörfer: im Norden an Seckeritz im Süden an Wehrland, im Westen an Zemitz und im Osten an den Peenestrom.
Namen der Einwohner
1 . Ulrich
Joachim
Lepel.
2 . Ernst
Brumer,Kossat3 und Untertan.
3 . Petter
Leel, Arent
Dietloffs
Pächter.
4 . Jacob
Pråsens, Hans Georgen
Lepels
Pächter.
5 . Petter
Telschow, Häker und Untertan.
6 . Michael
Marten, Fischer und freier Mann.
7 . Michael
Luht, Müller und freier Mann.
8 . Petter
Holtz, Schäfer.
9 . Clas
Johanson, Schneider.
10 . Jochom
Smitt, Viehhirte und Untertan.
Dieses Dorf gehört zum Kirchspiel Wehrland.
Anmerkung: Schäfer und Viehhirte wohnen in einem Haus.
Arealausrechnung für Bauer,
dessen Besitzungen alle nördlich des Baches zu finden sind. Was südlich liegt, gehört zu Wehrland.
Acker
[A]
73M 60R
Aa
guter Sandboden, ebenes Land, war dieses Jahr dasRoggenfeld
71M 90R
Ab
hochgelegener Sand
1M 270R
[B]
74M 210R
Ba
mittelmäßig guter Sandboden, ebenes Land, war dieses JahrBrache
56M 15R
Bb
hochgelegener magerer Sandboden
14M 45R
Bc
neu aufgepflügter Sandboden
4M 150R
[C]
80M 150R
Ca
magerer Sandboden, war dieses Jahr Sommerfeld
5M 90R
Cb
mittelmäßig guter Sandboden, ebenes Land
58M 270R
Cc
hochgelegener magerer Sandboden
11M 90R
Cd
tiefgelegener Sandboden
5M
Da
guter, wohlgedüngter Sandhumus, der jedes Jahr besät wird
35M
Db
hochgelegener magerer Sandkamp4 , wird jedes dritte Jahr besät
11M 30R
WüsterAcker
[E]
71M 142 1/2R
Ea
wüster Acker mit Heide bewachsen, ist von
gleicher Güte wie der bewirtschaftete Acker
36M 187 1/2 R
Eb
sandiger wüster Acker, mit Heide
bewachsen
13M 15R
Ec
strittiger wüster Acker zwischen Bauer und Seckeritz, mit Heide bewachsen
15M 60R
Ed
wüster Acker mit Heide bewachsen
6M 180R
Wiese
[F]
31M 80 1/2R 50 Heufuder
Fa
sumpfige Riedgraswiesen
7M 180R
Fb
Wiese im Feld C
2M 270R
Fc
sumpfige Moorwiese
13M 15R
Fd
gute grasige Wiese
6M 7 1/2 R
Fe
sumpfigeWiese
1M 210R
Viehweide
[G]
81M 195R
Ga
flache Viehweide, etwas sumpfig und bültig
32M 150R
Gb
sandiger Heidehügel, magereWeide
46M 150R
Gc
Tümpel mit Riedgras darin
2M 195R
Wald
[H]
87M 150R
Ha
Eichenwaldberg, mit großen Eichen
darauf, am Peenestrom
12M 120R
Hb
Bruch mit kleinen Birken und Erlenbüschen sowie einigen großen Eichen bewachsen
43M 30R
Hc
sumpfiger Bruch mit kleinem Busch bewachsen
22M 30R
Hd
Bruch mit Weiden und Erlenbüschen bewachsen
9M 270R
Grundstücke und Hofstellen
[J]
9M 60R
Ja
der Mühlenteich bei derMühle
1M 60R
Jb
Grundstücke auf denen die Häuser gebaut sind, sowie
einige kleine Obstgärten und Ackerstücke dazwischen
8M
Über die Beschaffenheit desAckers
Der Acker liegt in drei Schlägen und ist in drei Felder geteilt, von denen zwei jährlich besät werden, während das dritte als Brache liegt. Ausnahme ist der Acker, der dicht bei den Häusern liegt und jedes Jahr besät wird. Er ist nicht in die drei Ackerfelder eingeschlossen, wie auch die hochgelegenen mageren Sandhügel nicht, die nur jedes dritte und siebente Jahr besät werden. Dieses findet man alles in der Ausrechnung aufgeführt.
Summe
Acker: 274M 150R
Wüster Acker5 : 71M 142 1/2R
Wiese6 : 31M 82 1/2R
Heu: 50 Fuder
Viehweide: 87M 195R
Wald:
89M 150R
Grundstücke: 9M 60R
Annotationen zu Bauer
Aussaat
Auf dem Hof wurden dieses Jahr elf Drömt Roggen, ein Drömt Weizen, acht Drömt Gerste, drei Drömt Hafer und ein Drömt Erbsen ausgesät.
Über die Güte und Fruchtbarkeit derWiesen
Die Wiesen sind etwas sumpfig, es sind zumeist Moorwiesen, außer die Koppeln in den Feldern und die Wiesen unten vor den Häusern. Nach dem Bericht des Besitzers, können nicht mehr als 20 Fuder Heu geerntet werden, welches sich nicht ganz auf zwei Fuder auf einen Morgen beläuft, wie ich es mit der Ausrechnung verglichen habe.
Wald und Viehweide
Hier bei diesem Dorf ist gute Viehweide unten am Peenestrom und außerdem im Wald und den Morasten, sowie für die Schafe auf dem wüsten Acker und den Heidehügeln. Wald hat man auf diesen Besitzungen nicht soviel, dass davon das notwendige Brennholz geholt werden kann. Und auch nichts, was zum Bauen brauchbar ist, die Eichen sind davon das Beste.
Gesinde
Der Acker muss mit den Leuten und dem Vieh des Hofes bewirtschaftet werden. Denn von den freien Leuten hat niemand Dienst, sie geben Pacht für den Acker, den sie haben.
Vieh
An Arbeitsvieh werden zehn Pferde und acht Ochsen gehalten. An anderem Vieh können sowohl im Winter als auch im Sommer 20 Stück Groß- und Kleinvieh gehalten werden. Schäferei zu 300 Schafen.
R 341 U 227Fische
Eigene Fische haben sie nicht auf dem Gut, sondern sie pflegen im Kronwasser des Peenestroms zu fischen und geben im Jahr einen Rthl 16 ß. Für die Art Fischereigerätschaft, die Streunetz genannt wird, geben sie dem Kieper7 der Fischgewässer in Pudagla einen Rthl.
Hufen
Seit alters her soll dieses Gut zu fünf Ritterhufen und einer steuerbaren Hufe berechnet worden sein. Und nun werden 25 Morgen versteuert.
Mühle
Hier im Dorf ist eine Wassermühle, die der Müller selbst aufgebaut hat. Dafür gibt er dem Gutsbesitzer jährlich sechs Drömt Gerste.
RRev 132 URev 2121704 ist das Dorf Bauer revidiert und wie folgt befunden worden.
Im Feld B.
Bd ein schmaler Ackerrücken, von Ea aufgepflügt, besteht aus Sandboden 150R
Im Feld C.
Ce ein Stück, Sandboden, etwas hochliegend, von Ea aufgepflügt 37 1/2R
Arealausrechnung für den Pastorenacker und ein Stück des Küsterackers, die bei der Revision abgeteilt wurden:
Pastorenacker im Feld A
Pa drei Stücke, von der Güte wie Aa 7M 225R
Im Feld B
[Pb, Pc, Pd]
11M 165R
Pb
vier Stücke, von gleicher Beschaffenheit wie Ba
6M 195R
Pc
zwei Stücke wie Bb
2M
Pd
ein Stück wie Bc
2M 270R
Im Feld C
[Pe, Pf, Pg]
9M 105R
Pe
sechs Stücke, von der Güte wie Cb
7M 210R
Pf
ein Stück wie Cc
165R
Pg
ein Stück wie Cd
1M 30R
Im Feld D
[Feld D gesamt]
3M 255R
Ph
vier Stücke wie Da
2M 195R
Pi
ein Stück, gelegen zwischen Da und Db in Gb; von der Güte wie Db
1M 60R
P
zwei Stücke, wüster Acker am Ende von Pb und Pd von der Güte
wie Ea und Ec
3M 120R
klock : ein Stück Küsteracker ist gelegen in Db und von dessen Güte
2M 225R
Anmerkung: Was den wüsten Acker anbelangt, so besteht er überall aus einem sandigen Grund. Ea und Eb könnten wohl aufgepflügt und alle drei bis vier Jahre besät werden. Aber man kann diese wie auch Ec nicht als Schafweide entbehren. Ec ist etwas tief liegend und überall mit kleinen Bülten. Ed sind zwei etwas hoch gelegene, magere Sandhügel, die die Mühe, sie aufzupflügen, nicht sonderlich lohnen würden.
Notiz: Hier wird jedes Jahr etwas vom Land fortgespült, besonders im Herbst und im Frühling, wenn die starken Stürme sind.
Summe
NeuerAcker: 187 1/2R
Pastorenacker:
32M 150R
Küsteracker: 2M 225R
1 Wurde laut Urschrift von Arvid Carlmark vermessen. Die erste Folioseite der Urschrift fehlt.
2 Familie von Lepel: Vermutlich stammt das Adelsgeschlecht ursprünglich aus der Nähe von Clauen bei Hildesheim und nannten sich danach de Clowen. Für die Jahre 1236 bis 1241 ist der Ritter Gerhard als Truchseß des Herzogs von Mecklenburg bezeugt. Auf dieses Hofamt bezieht sich sein Spitzname „Lepell“ (plattdt.: Löffel). Die Söhne des genannten Ritters wurden auf Usedom ansässig und sind die Stammväter der mecklenburgisch-pommerschen Linie.Ulrich Joachim Lepel, geb. 1636 und gest. 1724 wurde vermutlich in der Nicolaikirche in Wehrland beigesetzt. Die Dörfer Wehrland und Bauer befanden sich bis 1823 im Besitz der Familie Lepel. Hey, Gerhard, in: NDB, Herausgegeben von der Historischen Kommission. Bei der Bayerischen Akademie der Wissenschften, Bd. 14, Berlin 1961, S. 301. Genealogisches Handbuch des Adels, Bd. VII, Limburg 1989, S. 290.
3 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
4 Kamp, ein mit einem Zaum oder Graben eingefasstes Stück Feld von unbestimmter Größe. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 34, Berlin 1785, Sp. 1.
5 Falsche Summe in der Reinschrift: 71M 112 ½R.
6 Falsche Summe in der Reinschrift: 31M 80 ½R.
7 Der Kiper ist der Aufseher über die Fischerei und der Einnehmer der Wasserpacht. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 534.