R 342   U228 

Beschreibung des Adelsgutes Wehrland, das im August 1694 geometrisch vermessen wurde.1 

Dieses Adelsgut liegt im Distrikt Wolgast am Peenestrom , fünfviertel Weg von der Stadt Wolgast entfernt. Von dem Gut wird berichtet, dass es seit alten Zeiten ein Adelsgut war und immer im Besitz der Familie Lepel2  gewesen sei. Hier im Dorf steht auch eine aus Stein gebaute Kirche ohne Turm. Nachfolgende Dörfer grenzen hier an: im Norden Bauer, im Süden Klein Jasedow und Waschow, im Westen Zemitz.

Namen der Einwohner

1 . Der Adlige Lepel, der in der Nähe des Wassers wohnt.
2 . Tomas Böler.
3 . Tomas Backmester.
4 . Tomas Sleüg.
5 . Tomas Kiöp.
6 . Philip Cour.
Diese sind alle Kossaten3  und Untertanen.

7 . Schäfer.
8 . Der Schafstall.

Anmerkung: Bei der Karte ist zu beachten, dass sich die Besitzungen Bauers alle nördlich des Baches befinden, und so hat Wehrland seinen Besitz im Süden davon. Obgleich die Symbole beider oft den gleichen Charakter haben, ist der Bach als Grenze doch genug.

 R 343   U 229 

Arealausrechnung von Wehrland4 

Acker

[A]   69M 210R
Aa  Sandhumus, ebenes Land, war dieses Jahr Roggenfeld  45M 60R
Ab  niedriger Sandboden, lehmvermischt  14M 270R
Ac  magerer Sandkamp5   9M 180R

[B]   65M 180R
Ba  Sandhumus, wenig lehmvermischt, lag dieses Jahr als Brache  37M 180R
Bb  guter Sandhumus, wird meistens jedes Jahr besät  10M
Bc  neu aufgepflügter Sandboden  18M

[C]   57M 210R
Ca  Sandhumus, wenig lehmvermischt, war dieses Jahr Sommerfeld  19M 30R
Cb  guter, wohlgedüngter Sandhumus  20M 180R
Cc  mittelmäßig guter Sandboden  18M

D  zwei kleine Ackerstücke bei den Häusern, werden jedes Jahr besät  2M 180R

Wüster Acker

[E]   134M 185R
Ea  wüster Acker mit Heide bewachsen, wurde seit einigen hundert Jahren nicht bewirtschaftet  128M 170R
Eb  etwas tiefliegender wüster Acker  6M 15R

 R 344   U 230 

Die Wiesen

[F]  [Ertrag:] 80 Heufuder  55M 45R
Fa  sumpfige, moorige Wiesen  25M 45R
Fb  etwas sumpfige und buschige Wiese  16M 60R
Fc  gute Wiese, etwas buschig  5M 90R
Fd  flache Seewiese  8M 150R

Viehweide

[G]   53M
Ga  sumpfige Viehweide etwas bültig  30M
Gb  hohe Heidehügel, magere Weide  18M 150R
Gc  mit kleinem Gebüsch bewachsen  4M 150R

Wald

[H]   92M 240R
Ha  Hasel- und Eichenwald auf tiefliegendem Boden  41M 90R
Hb  Bruch mit Eichenwald bewachsen  13M
Hc  Bruch mit Erlenwald bewachsen  12M 150R
Hd  Eichenwäldchen in den Ackerfeldern  4M
He  hoher Berg mit Haselbüschen bewachsen, genannt Roeberg  6M
Hf  sumpfiger Bruch mit Erlenbüschen darin  16M

J  Grundstücke und Hofstellen

Grundstücke, auf denen die Bauernhäuser sowie das Herrenhaus gebaut sind  12M 150R

Summe

Acker: 195M 180R
Wüster Acker: 134M 185R
Wiese: 55M 45R
Heufuder: 80 Fuder
Viehweide: 53M
Wald: 92M 240R
Grundstücke: 12M 150R

 R 345   U 231 

Annotationen zu Wehrland

Über die Beschaffenheit des Ackers

Der Acker liegt in drei Schlägen und ist in drei Felder geteilt, von denen zwei jährlich besät werden, während das dritte als Brache liegt. Der Acker, welcher jedes Jahr besät wird, wird nicht zu dem anderen dreischlägigen Acker gerechnet; ebenfalls nicht der sandige, der nur jedes dritte Jahr einmal besät wird. Von welcher Güte oder Bodenart der Acker ist, wird genügend in der Ausrechnung beschrieben.

Aussaat

Die jährliche Aussaat des Hofes:
zwölf Drömt Roggen
neun Drömt Gerste
fünf Drömt Hafer
sieben Sch Weizen
zwei Sch Buchweizen
sechs Sch Erbsen

Die Kossaten haben nicht viel Acker und ihre Aussaat kann sich nicht steigern. Sie sagten auch, dass sie niemals nachgerechnet hätten, wieviel sie aussäen, außerdem seien ihre Ackerstücke, die am weitesten vom Dorf entfernt gelegenen, nämlich die Sandstücke.

Wiese und Viehweide

Die Wiesen sind etwas sumpfig und moorig, bis auf die Koppeln in den Ackerfeldern. Nach dem Bericht des Adligen, kann er nicht mehr als 30 Fuder Heu bekommen, was mir, wenn ich das mit der Ausrechnung vergleiche, unwahrscheinlich erscheint. Und was die Morgenzahl anbelangt, so sollen anderthalb Morgen nicht mehr als ein Fuder Heu tragen. Hier im Dorf ist gute Viehweide, nicht nur was in der Ausrechnung aufgeführt ist, sondern auch die Moraste sowie der wüste Acker sind für die Schafe.

 R 346   U 232 

Wald

Wald haben sie bei diesem Gut soviel, wie sie an Brennholz benötigen. Aber nichts was zum Bauen brauchbar wäre. Es gibt wohl etwas Kiefern- und Eichenwald, aber nichts zum Verkaufen. Der Eichenwald am Peenestrom trägt selten Mast, erzählte der Adlige.

Dienst

Der Hof hat einen Knecht, einen Jungen und zwei Mädchen. Die Kossaten6  dienen jeder vier Tage jede Woche nur zu Fuß, außer in der Erntezeit im Jahr, dann dienen sie die Woche ein und aus, solange genug Arbeit vorhanden ist.

Vieh

Der Adlige hält auf dem Hof zehn Pferde, acht Ochsen für die Ackerbewirtschaftung, 24 Kühe und die Schäferei, die aus 300 Schafen besteht.

Hufen

Der Adlige sagte, er wisse nicht, wieviele Ritterhufen zu diesem Dorf gehören, und auch nicht, wieviele steuerbar seien, nur dass jetzt für eine reduzierte Hufe versteuert werde.

 RRev 134   URev 215 

1704 ist das Dorf Wehrland revidiert und wie folgt befunden worden.

Im Feld A

Ad , vier Stücke, etwas hoch gelegenes und mageres Sandland, das jedes sechste oder siebente Jahr mit Roggen oder Buchweizen besät wird, von Gb aufgepflügt.  9M 165R

m Feld B

Bd , zwei Stücke, aus Sandboden, etwas mager, die laut Aussage nicht häufiger als alle fünf, sechs oder sieben Jahre besät werden können. Vom wüsten Land Ea aufgepflügt.  9M 90R
Im Feld A befindet sich ein Stück hochgelegener und magerer Sandboden, überall mit Steinen, soll nach Aussage nicht mehr als Acker bewirtschaftet werden. 2M 120R
Anmerkung: Ac, Bc und Cc können nicht häufiger als jedes fünfte oder sechste Jahr besät werden, umfassen 45M 180R

Arealausrechnung des Kirchenackers, Pastorenackers, Küsterackers und der Wiese, die bei der Revision abgeteilt wurden:

Ka  ein Stück, Kirchenacker im Feld A, von der Güte wie Ab und ein kleines bißchen neuer Acker zu 60 R, ergeben zusammen  3M
Pa  ein Stück, Wiese bei der Grenze zu Waschow und Ka gelegen, wie Fa, gehört dem Pastor  3M 120R
Pb  ein Stück, in Ga, etwas bewachsen von sumpfigem Grund, mittelmäßiger Graswuchs  1M 120R
 RRev 135 klock : ein Stück, ein Ackerstückchen, das dem Küster gehört, gleich neben der Kirche gelegen  195R
klock : eine Wiese an der Grenze zu Bauer gelegen, gehört nun dem Küster, aber früher hat der Pastor sie in Besitz gehabt.  1M
Notiz: Hier soll, soweit der Strom vorbeifließt, jedes Jahr etwas fortgespült werden, zumeist im Herbst, wenn sehr stürmisches Wetter ist.
 URev 216 Anmerkung: Was den übrigen wüsten Acker angeht, so ist er überall von sandigem Grund, mit Heide bewachsen sowie hier und da etwas hügelig. Beinahe wie Eb, ist sehr tiefliegend und gesamt als Acker unbrauchbar. Der wüste Acker kann auch der Schafe wegen, nicht als Weide entbehrt werden.

Summe

Neuer Acker: 18M 255R
Kirchenacker: 3M
Pastorenwiesen: 4M 240R
Küsteracker: 195R
Küsterwiese: 1M

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2008, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Johan Gabriel Höök
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Arvid Carlmerk vermessen.

2  Familie von Lepel: Vermutlich stammt das Adelsgeschlecht ursprünglich aus der Nähe von Clauen bei Hildesheim und nannten sich danach de Clowen. Für die Jahre 1236 bis 1241 ist der Ritter Gerhard als Truchseß des Herzogs von Mecklenburg bezeugt. Auf dieses Hofamt bezieht sich sein Spitzname „Lepell“ (plattdt.: Löffel). Die Söhne des genannten Ritters wurden auf Usedom ansässig und sind die Stammväter der mecklenburgisch-pommerschen Linie.Ulrich Joachim Lepel, geb. 1636 und gest. 1724 wurde vermutlich in der Nicolaikirche in Wehrland beigesetzt. Die Dörfer Wehrland und Bauer befanden sich bis 1823 im Besitz der Familie Lepel. Hey, Gerhard, in: NDB, Herausgegeben von der Historischen Kommission. Bei der Bayerischen Akademie der Wissenschften, Bd. 14, Berlin 1961, S. 301. Genealogisches Handbuch des Adels, Bd. VII, Limburg 1989, S. 290.

3  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

4 Arealausrechnung für das Adelsgut Wehrland. (Überschrift in der Urschrift).

5  Ritterhufen waren in Schwedisch-Pommern durch die zu leistenden Roßdienste bis 1715 von Abgabenlasten und Steuern befreit, außer wenn die Ritterschaft freiwillig Ritterhufensteuer zahlte. Der Haupt-Commißions-Receß, vom 12ten April 1681.  Dähnert, Johann Carl (Hg.): Sammlung gemeiner und besonderer Pommerscher und Rügischer Landesurkunden. Gesetze, Privilegien, Verträge, Constitutionen und Ordnungen. Erster Band. Stralsund 1765; No. 6, Seite 402 ff.

6  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.