R 379   U 255 

Beschreibung des Adelssitzes Jamitzow, der im August 1694 geometrisch vermessen wurde.1 

Dieser Adelssitz liegt im Distrikt Wolgast, nahe beim Peenestrom , dreiviertel Weg von der Stadt Lassan entfernt. Das Dorf gehört seit langer Zeit in den Besitz des Herrn Hofgerichtspräsidenten Owstin2 . Es grenzt an nachfolgende Dörfer: im Norden an Buggenhagen, im Osten und Süden fließt der Peenestrom vorbei, im Westen grenzt Jamitzow an Klotzow und Wangelkow.

Namen der Einwohner

1 . Michel Kröger, Kossat3 .
2 . Hans Bryhan, Kossat.
3 . Hans Morkin, Kossat.
4 . Michel Brühan, Kossat.
5 . Martin Haberk, Kossat.
6 . Brusto, Einlieger.
Dieses Dorf gehört zum Kirchspiel Lassan.

 R 380   U 256 

Arealausrechnung zu Jamitzow4 

Acker

[A]   95M 180R
Aa  Sandhumus, meist eben, Acker war dieses JahrRoggenfeld  54M 15R
Ab  sandiger Acker mit einem groben Sandkamp5  mitten darin  17M 15R
Ac  guter, wohlgedüngter Sandhumus  24M 150R

[B]   73M 60R
Ba  sandiger Humusboden, ebenes Feld, lag dieses Jahr brach  49M 120R
Bb  feinsandiger Acker, sandig doch ziemlich humushaltig  22M 270R
Bc  Sandkamp  270R

[C]   75M 37 1/2 R
Ca . Sandhumus, ebener Acker, war dieses JahrSommerfeld  39M 60R
Cb  guter wohlgedüngter Sandhumus  13M 270R
Cc  hochgelegener magerer Sand  3M 180R
Cd . schwarzer Sandboden, ebenerAcker  12M 7 1/2 R
Ce  zwei sumpfige Kampen im Wald  6M 120R

Wüster Acker

[D]   62M 60R
Da  wüster Acker mit Heide überwachsen, ziemlich sandig  16M 30R
Db  sandige Hügel, wurden in alten Zeiten als Acker bestellt  23M 30R
Dc  niedriger wüster Acker  4M 180R
 R 381  U 257 Dd  sandiges Land, wurde einige Jahre nicht bestellt  18M 120R

DieWiesen

[E]  [Heufuder] 130 Heufuder  66M 127 1/2 R
Ea  Radewisch  5M 7 1/2 R
Eb  Nett städen  1M 90R
Ec . Kalkenhagen  5M 15R
Ed . Grefwenwisch  2M 150R
Ee  Zierwisch  4M 15R
EF  Assenwisch  3M 90R
alles ziemlich gute Wiesen
EG  Ziegenwisch , flache gute Graswiese  23M 270R
EH  ViermorgenWisch , guteWiese  13M 240R
Ei  niedrige, sumpfigeWiese  7M 150R

Wald und Viehweide

[F]   644M 20R
Fa  Eichenwald am Rand sowie kleine Birken und Erlen, sind besser in derSenke  5M 60R
Fb  Stawen , sumpfiger Morast mit Erlenbüschen bewachsen  8M 270R
Fc  Morast mit allerhand kleinem Laubwald darin  22M 90R
Fd  trockener Hügel mit jungem, dünnem Eichenwald darauf  35M 60R
 R 382  U 258 Fe  Morast an vier Stellen mit allerhand Laubwald bewachsen  124M 255R
FF  sumpfiger Boden mit Eichenwald, darunter Kiefern, aber meistensEichenwald  198M 30R
Fg  Heideboden, darauf an drei Stellen mitWacholderbüschen  26M 105R
FH  Bruch mit Erlen und Haselbüschen bewachsen  49M 270R
Fi  Kiefernwald aufHeideboden  14M 90R
Fk  großer Kiefernwald, darunter Eichen, morastiger Boden  148M 140R
FL  feinsandiges Land mit Kiefernwald im Norden um Bb  10M 150R

[G]   13M 170R
Ga  Koppel und eine kleine bei Bc  5M
Gb  Tümpel mit Riedgras im Feld Ba, sowie ein kleiner bei Ga  1M 60R
Gc  sandiger, steinigerHeidehügel  3M 120R
Gd . Lange Sool und Strus Soll , die kleineren Grassenken  3M 120R
sowie ein Tümpel in Ab zu 180 Ruten 180R

Seen

[H]   25M 60R
Ha  Seen unten bei denHäusern  22M 60R
Hb  Teile des BerlinerSee s  2M
Hc  Teile des Scholwersee s  1M

Hofstellen

Ja  Das Gut sowie die Grundstücke, auf denen die Häuser gebaut sind. Sowie zwei schöne Obstgärten, und einige kleine Gemüsegärtchen am Rand der Häuser, ohne großen Wert  9M 15R

Summe

Acker6 : 243M 277 1/2 R
Wüster Acker: 62M 60R
Wiese: 66M 127 1/2 R
Heufuder: 130 Heufuder
Wald7 : 657M 190R
Seen: 25M 60R
Grundstücke: 9M 15R

 R 383   U 259 

Annotationen zu Jamitzow

Über die Beschaffenheit desAckers

Der Acker liegt in drei Schlägen und ist in drei Felder aufgeteilt, von denen zwei jährlich besät werden, während das dritte als Brache liegt. Ausgenommen der Acker, der sehr sandig ist, dieser wird nur jedes dritte Jahr mit Roggen besät. Von welcher Bodenart der Acker ist, findet man genügend in der Ausrechnung vermerkt.

Aussaat desHofes

Nach Aussage des Hofschreibers wurden im vergangenen Jahr acht Drömt Roggen, sechs Drömt Gerste, sechs Drömt Hafer und vier Sch Erbsen ausgesät. Jeder Kossat säte einen Drömt Roggen, sechs Sch Gerste und drei Sch Hafer aus.

Über die Beschaffenheit und Fruchtbarkeit derWiesen

Die Wiesen liegen entlang des Peenestrom s, sie sind etwas sumpfig, so dass man in nassen Jahren nicht soviel Heu bekommen kann, wie in trockenen Jahren. Der Schreiber sagte, im vergangenen Jahr habe es nicht mehr als 50 Fuder Heu gegeben, aber er meinte, dieses Jahr solle man über 100 Fuder bekommen.

Wald undViehweide

Wald hat man hier einen guten Teil, aber es wird nichts verkauft, sondern für den Hausbedarf genutzt. Hier im Wald haben sie gute Viehweide für das Großvieh, und auf den Heidehügeln für die Schafe. Wenn Mast ist, können in diesem Wald über 300 Schweine gefüttert werden.

 R 384   U 260 

Gesinde

Auf dem Hof sind zwei Knechte, ein Junge und zwei Mädchen zur Ackerbewirtschaftung. Außerdem dienen die Kossaten vier Tage jede Woche mit Ochsen oder Pferden.

Vieh

Auf dem Hof werden acht Pferde und vier Ochsen zur Ackerbewirtschaftung gehalten, sowie 14 Kühe und eine Schäferei mit 250 Schafen. Die Kossaten haben jeder ein paar Ochsen und drei Kühe.

Fische

Sie pflegen im Peenestrom zu fischen, aber nicht weiter als der Schilf- oder Rohrrand reicht. Sie fischen nur mit Reusen und die beste Nahrung der Kossaten besteht aus Fisch.

Jagd

Hier im Dorf ist sowohl die hohe als auch die niedere Jagd8  unbeträchtlich, da es nicht viel Wild gibt. Über die rechtsprechende Gewalt verfügt die Herrschaft auf dem Gut.

 RRev 221   URev 336 

1704 ist das Dorf Jamitzow revidiert und wie folgt befunden worden9 

Im Feld A

Der wüste Acker Da  wird überall bewirtschaftet, besteht aus hochgelegenem etwas groben Sandboden, kann alle sechs bis neun Jahre besät werden  16M 30R
Dd  ist auch ganz aufgepflügt, darin einige magere und lose Sandhügel. Und ist von sehr flachem und wenig geschätztem Sandland, das nicht häufiger als jedes zwölfte bis 15. Jahr besät werden kann, und dann kaum die Mühe lohnt.  16M
Bd  ein Stück zwischen Ba und Bc, Sandboden; wird mit B besät, vom Wald Fd her bestellt  1M 270R
Ce  zwei Kampen im Eichenwald, die nicht mehr als Acker genutzt werden, sondern als Weide. Dafür ist De am besten brauchbar.
Anmerkung: Sonst ist der übrige wüste Acker von viel unbrauchbarem Sand, der nicht als Acker genutzt werden kann. Und hier findet sich keine Möglichkeit, mehr zum Acker zu roden, da die Bauern nicht Willens sind, den Wald von Ff her abzuschlagen. Das wäre die Mühe um den sandigen Grund kaum Wert.

Summe

Neuer Acker: 34M

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2008, Verena Schmidtke M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Arvid Carlmark
Revision:
Anmerkungen:

1 Wurde laut Urschrift von Arvid Carlmark vermessen.

2  von Owstin, Joachim Rüdiger von Owstin (14. Oktober 1634 - 13. Okt. 1698). In den Jahren 1663 bis 1671 war von Owstin als Assessor tätig, daran anschließend übernahm er den Posten als pommerscher Regierungsrat. In der Zeit 1680 bis 1693 wirkte er als Vizepräsident des Wismarer Tribunals. Schließlich bekleidete er den Posten eines Geheimen Rats am Hofgericht des Herzogs von Würtemberg. Owstin starb 1698 und wurde in der St. Nicolaikirche zu Greifswald beigesetzt.  Asmus Ivo, Das Testament des Grafen – Die pommerschen Besitzungen Carl Gustav Wrangels nach Tod, förmyndarräfst und Reduktion, in: Asmus, Ivo; Droste, Heiko; Olesen, Jens E.: Gemeinsame Bekannte. Schweden und Deutschland in der Frühen Neuzeit, Münster 2003, S. 242. Lang, Edmund: Die Greiffswalder Sammlung Vitae Pomeranorum. Alphabetisch nach Geschlechtern verzeichnet. (Baltische Studien, Erste Folge. Ergänzungsband ) Greifswald 1898. S. 237.

3  Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.

4 In der Reinschrift steht die falsche Zwischensumme 74M 60R (statt 73M 60R), sowie die falsche Endsumme 244M 277 1/2 R.

5  Kamp, ein mit einem Zaum oder Graben eingefasstes Stück Feld von unbestimmter Größe.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 34, Berlin 1785, Sp. 1.

6 In der Reinschrift steht die falsche Summe 244M 277 1/2.R

7 In der Reinschrift steht als Zwischensumme falsch 64M 15R und als falsche Endsumme 657M 185R.

8  Die hohe und niedere Jagd: Die Unterscheidung in „hohe“ und „niedere“ Jagd stammt aus dem Mittelalter. Dabei war dem Adel die Jagd auf das Hochwild (u.a. Wildschweine, Hirsche) vorbehalten, während der niedere Adel kleiner Tiere wie Hasen, Fasane und Rehe erlegen durfte. Die Unterscheidung in Hoch- und Niederwild hat sich bis in den heutigen Sprachgebrauch erhalten. Grimm, Johann und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, Bd. 10, Leipzig 1854-1960, Sp. 2205. Adelung, Johann Christoph: Grammatisch kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Wien 1811, Image 0707.

9 Arealausrechnung für den Acker, der in Jamitzow seit 1694 bewirtschaftet wird und bei der Revisionsvermessung 1704 besichtigt worden ist. (Überschrift der Revisionsurschrift).