Beschreibung des wüsten Dorfes Klein Jasedow, das im Wolgaster Distrikt liegt und im Juni 1694 geometrisch aufgerissen wurde1
Klein Jasedow ist ein zerstörtes Adelsdorf im Distrikt Wolgast, das anderthalb Meilen von Wolgast liegt. Seine Grenzen
gehen im Süden mit Papendorf zusammen, im Westen mit Wehrland, im Norden mit Waschow und im Osten mit Vorwerk. Es gehört zum
Kirchspiel Lassan.
Dieses Dorf war seit alters ein Bauernhof oder ein Bauerndorf unter
dem Rittersitz Vorwerk, und wurde, als es noch bestand, von sechs Kossaten2 oder Halbbauern bewohnt oder bewirtschaftet, die alle unter Vorwerk dienten. Diese Bewohner sind
durch die Kriegseinwirkungen umgekommen, durch die auch das ganze Land und die Häuser verwüstet
und bis auf den Grund zerstört wurden. Seit der polnischen Zeit3 , sagt der Besitzer, sei alles zerstört. Ruinen der Hofstellen sind noch am JasedowerSee zu finden. Die Hufenzahl war seit alters sechs Hakenhufen, dieses Land war der Natur nach steuerpflichtig,
wie es die Kirchenmatrikel ausweisen soll. Wie hoch dieses Anwesen früher in der Hufenveranschlagung lag, davon habe er, sagt
der
Besitzer, keine weitere Kenntnis, als dass das Land zusammen mit den anderen Hufen versteuert wird,
die ihm zugeschlagen sind. Diese Hufen werden wie andere wüste Höfe gegenüber bewirtschafteten
in dem jeweiligen Verhältnis zu den Abgaben steuerpflichtigen Lands betrachtet.
Arealausrechnung von Klein Jasedow
Acker
Das bewirtschaftete Land wird nicht in einer besonderen Weise genutzt, sondern an den einen oder anderen verpachtet, es ist nicht in Schläge oder Felder geteilt und von folgender Bodengüte
[A]
70M 30R
Aa
Sandhumusland
6M 90R
Ab
etwas lehmhaltige Humuserde,
19M 240R
Ac
Sandboden
4M 210R
Ad
Humuserde
3M 90R
Af
Humusboden, auf den Anhöhen sandhaltig
36M
Wüster Acker
[B]
154M 30R
Ba
Niedriges, mit Heide bewachsenes Ödland
von gutem Sandhumusgrund, etwas lehmhaltig, zum Bewirtschaften nutzbar
11M
Bb
tief liegendes, mit Bülten bestandenesÖdland
18M 60R
Bc
alter wüster Acker, mit Heide bewachsen,
liegt teils hoch, teils aber auch niedrig, von sandhaltigem Lehmhumus, kann zum Acker gemacht
werden
96M 240R
U 624 Bd
altes und hügeliges Ödland, das voller großer Steine ist, R 778 sandig und teils mit Laubbüschen bewachsen,
könnte an manchen Stellen durchaus taugen, wieder zum Acker gemacht zu werden
28M 30R
Viehweide
[C]
117M 90R
Ca
Tümpel und Morast, sowohl im
wüsten Acker als auch im bewirtschafteten Land
27M 90R
Cb
hügeliges Land, mit Eichen-
Hasel- und anderen Laubbäumen bewachsen
17M 240R
Cd
Waldland, das zum einen mit großen Eichen,
zum anderen mit Hasel- und Birkenbüschen bewachsen ist. Es ist an der Seite zur
Wehrlander Grenze hin morastig
72M 60R
Fischgewässer
Ea JasedowsSee , ist ein ausreichend tiefer See, reich an verschiedenen Fischarten 10M 60R
Summe
Acker: 73M 30R
Wüster Acker: 154M 30R
Wald undViehweide: 117M 90R
Fischgewässer: 10M
60R
Annotationen von Klein Jasedow
VomAcker
Das Ackerland in Klein Jasedow ist gutes Land. Wenn es wieder mit den nötigen Bewohnern besetzt würde, könnte der Acker mit Dünger und anderer erforderlichen Hilfe in stand gehalten werde, auch der vom wüsten Acker aufgebrochene Acker. Es gibt hier gutes Land, das von den umliegenden Dörfern bewirtschaftet wird, die nach der Morgenzahl jährlich eine festgelegte Summe dafür zahlen, das Land nutzen zu können. Nach Aussage des Besitzers, geben einige für jeden Morgen, der besät wird, einen Rthl, andere Zahlen vier pommersche Mark, einige wieder einen halben Rthl, ganz so, wie dort einst angebaut worden ist und es besseren Anbau gibt. Doch der Knecht des Besitzers berichtete mir bei der Vermessung, dass der Besitzer für jeden Morgen gleich viel bekomme, nämlich einen Rthl jährlich von denen, die das Land besäen. Der Besitzer sagte, er wünsche sehr, dass dieses Dorf wieder bewohnt würde, doch mangele es ihm an Leuten, die es annehmen wollten und alles wieder aufbauten, denn alle Untertänigen, die einst hier gelebt haben, sind in den Kriegswirren umgekommen. Die Aussaat kann pro Morgen bis zu drei Scheffeln betragen, der wüste Acker in Klein Jasedow ist zum größten Teil gutes, brauchbares Land, das wieder kultiviert werden kann, wie der Ausrechnung zu entnehmen ist.
R 780Wiesen
In Klein Jasedow gibt es keine Wiesen, weder auf der Feldmark des Dorfes noch anderswo.
Viehweiden
Gute Weide, sowohl für Großvieh als auch für Schafe, kann man aus dem U 551 wüsten Acker in Klein Jasedow erhalten. Sollte mit der Zeit aller wüster Acker bewirtschaftet sein, so gibt es recht gute Weide an den Orten, die kein Acker werden können.
Wald
Von dem Buschwerk kann man notdürftig Brennholz von den bewachsenen Orten auf der Gemarkung Klein Jasedows erhalten.
Fischgewässer
Ein guter, fischreicher See liegt in Klein Jasedow, an dem früher das Dorf stand. Allerlei Fische können gefangen werden, vor allem prächtige Karauschen. Der See ist ausreichend tief, so dass man mit Fischereigeräten darin gut zurecht kommt.
Von Abgaben
Der Besitzer berichtet, an Steuer in der Hufenzahl genau so veranlagt zu werden wie andere bewohnte und bewirtschaftete Dörfer.
RRev 220 URev 334Im Jahr 1704 wurde das Dorf Klein Jasedow revidiert und wie folgt befunden
[Ag-Ai]
21M 225R
Ag , zwei Stücke, Etwas hoch
liegender, steinig kiesiger Sandboden, der vom wüsten Land Bc aufgepflügt wurde, wird jedes dritte, manchmal jedes vierte Jahr
bewirtschaftet
12M 180R
Ah , fünf Stücke, leicht feucht
liegender Sandboden, bewirtschaftet wie Ag, von Ba und Bb aufgepflügt
5M 225R
Ai , ein Stück, leicht hoch
liegende magere Sanderde, die jedes dritte bis fünfte Jahr für Roggen oder Buchweizen genutzt wird, von Bc aufgepflügt
3M 120R
Anm: Was den übrigen wüsten Acker betrifft, so besteht er über das ganze Feld aus leicht hoch liegender Sanderde, hier und da magerem und kiesigem Boden. In der Nähe von Ba und Bd liegt feuchtes und zum Acker nicht nutzbares Land, aber die anderen wie Bc und Bd könnten durchaus bewirtschaftet werden, können aber nach Angabe des Einwohners nicht als Weide entbehrt werden.
Summe
NeuerAcker: 21M 225R
1 Laut Urkarte vermessen von Olaus Spaak.
2 Kossat, Kossät, Häusling (casati), Einlieger, Kätner. Kleinbauern, die nicht das zu einem eigentlichen Bauern gehörige Haus mit Land, sondern ein Häuschen, eine Kate, oder eine Hütte besitzen, zu dem Gärten und ein wenig Acker oder Weideland gehört. Abgaben, Dienste und Besitzverhältnisse oder andere „Gewohnheiten“ waren von Landstrich zu Landstrich verschieden. Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 154, Berlin 1831, Sp. 89.
3 Der Schwedisch-Polnische Krieg (Zweiter Nordischer Krieg): dauerte von 1655 bis 1660, daran beteiligte Parteien waren Schweden, Polen, Russland, Brandenburg und Frankreich. Vorrangig lieferten die polnischen Ansprüche auf den schwedischen Thron den Kriegsgrund. Allerdings rangen die beteiligten Kriegsparteien besonders um die Vorherrschaft im Baltikum. Dabei ging es Schweden besonders um die eroberten Gebiete Estland und Livland. Im Jahr 1655 fiel Karl X. Gustav von Schweden im Jahr 1655 in Polen ein. Mit dem Vertrag von Oliva 1660 wurde der Friedensschluss besiegelt. Darin verzichtet Polen auf Thronansprüche in Schweden. Livland und Estland verbleiben bei Schweden. Brandenburg musste sich aus Pommern, Holstein und Schleswig zurückziehen. Dafür erlangte das Kurfürstentum, mittlerweile ein politischer und militärischer Machtfaktor, die Souveränität über das Herzogtum Preußen. Frankreich garantierte für den Frieden. Branig, Hans: Geschichte Pommerns Teil 2. Von 1648 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Köln, Weimar, Wien 2000, S.11-15