R 899   U 675 

Beschreibung des Adelsgutes Klotzow, das im Distrikt Wolgast liegt und im September des Jahres 1694 geometrisch verfasst wurde 1 

Namen der Bewohner

1 . Herr von Horn Besitzer des Gutes

2 . Daniel Blanck
3 . Christian Panck
4 . Jochen Schött
5 . Claus Panck
6 . Marten Panck
7 . Christian Blanck
Diese sechs Einwohner sind Halbbauern, die jeder gleich viel Land zum Bewirtschaften haben, sie sind alle untertänig.

8 . Abraham Möller
9 . Jochom Darman
ZweiEinlieger

10 . Abraham Richter ist ein Kuhhirt

Klotzow ist ein Adelsgut, das im Wolgaster Distrikt, eine Meile von Lassan entfern, liegt. Das Dorf war seit alten Zeiten ein Dorf der von Neunkirchens.2  Doch nun seit einiger Zeit ist es im Besitz der Famlilie Horn, die es mit Erlaubnis der Regierung gekauft hat, wie der Brief vom Jahr 1671 beweist. Die Lehngerechtigkeiten haben die Horns vom Präsidenten Mevius gekauft. Mit seiner alten Hufenzahl wurde dieses Dorf für alle seine zwölf Hufen veranschlagt, von welchen viereinhalb Ritterhufen und siebeneinhalb Bauernhufen sind. Mit seinen Grenzen geht dieses Dorf im Süden und Osten bis zum Peenestrom , im Norden bis Jamitzow und Wangelkow, im Westen bis Pinnow. Es gehört zum Kirchspiel Lassan.

 R 900   U 695 

Arealausrechnung von Klotzow

DerAcker

wird in drei Felder geteilt

A Das Feld Der Kamp besteht aus

[A]   121M 150R
Aa  Sandhumus  50M 270R
Ab  Sandboden  4M 120R
Ac  reiner Sand, der jedes sechste Jahr besät wird  10M
Ad  Steinstücken Feld gehört zum selben Feld, es ist reines Sandland  40M 150R
Af  Humusboden, der zum einen hoch liegt, zum anderen schlüpfrig oder sumpfig ist  15M 210R

Feld B heißt Bansewitz Feld

[B]   121M 150R
Ba  Guter Sandhumus  21M 270R
Bb  Sandacker  8M 270R
Bc  mageresSandland  19M
Bd  Humusfelder  4M
Bf  reinesSandland  35M 270R
Bg  Barckhofs Feld , gehört auch zum Bansewitz Feld , darin gibt es humushaltigesSandland  22M 240R
Bh  Sandhumusland  9M

C. Löwenfeld

[C]   110M
Ca  Humusboden, etwas sandhaltig  12M 150R
 R 901   U 696  Cb  Sanderde  2M 270R
Cd  Langfeld gehört auch dazu, darin ist Sandhumus  19M 180R
Cf  Reines Sandland, das jedes sechste oder jedes vierte Jahr besät wird.  73M
Cg  ein Sandhumusfeld, das im Wald liegt, umfasst  2M

Wüster Acker

[D]   165M 90R
Da  Niedriges sandiges Ödland, zum Bestellen unbrauchbar  17M 150R
Db  altes Ödland, das mit Heide bewachsen ist und aus Sandboden besteht, der an einigen Stellen zu Acker gemacht werden kann.  116M 60R
Dc  altes sandiges Ödland mit Heide, das mit den Seiten beim Feld C liegt und dort durchaus zum Acker taugen kann.  31M 180R

Wiesen

[E]   61M 30R
Ea  Wiesenflecken, die in den Ackerfeldern liegen  3M 60R
Eb  eine sumpfige und etwas bewachsene Wiese, die unterhalb Barckhofs Feld liegt  24M 30R
Ec  Unten beim Peenestrom sind feuchte Wiesen mit viel grobem Heu. Die eine heißt die Fornwisch und umfasst an Fläche  6M 30R
Ed  Baurwisch ist von gleicher Natur wie die vorigen  4M 30R
Ef  Kätelwisch ist von gleicher Beschaffenheit  9M 150R
Eg  Die Slitz ist auch von dergleichen Art  3M
Eh  Die Große Koltzin und Kleine Koltzin sind von gleicher Art wie die vorigen  11M 60R

Heufuderzahl

Von diesen Wiesen zusammen bekommen der Besitzer und die Bauern nach Angaben des Besitzers in gut tragenden Jahren allerhöchstens an Bauerfudern die Anzahl von bis zu 148 Heufuder

Viehweide

[F]   630M 240R
Fa  Tümpel und Moraste mit anderem Buschwerk, das es sowohl im wüsten und bebauten Land gibt  9M 90R
Fb  hartes Heideland, mit zwei Morasten, worin an einigen Stellen Gefahrenzeichen warnen  66M 180R
Fc  hartes Land mit Laubbüschen zugewachsen  10M 150R
 U 698  Fd  großer Eichenwald, der mit anderem Laubwald gemischt ist  117M 30R
 R 903  Fg  flaches feuchtes Weideland  23M 150R
Fh  flaches morastiges Land mit Gagelsträuchern3  bewachsen  84M
Fi  morastiges Land, mit Erlenbüschen überwachsen  319M 270R

Ga  Das eigentliche Dorf mit Wegen, Gemüse- und Obstgärten und einem kleinen Erlenbruch, der darin liegt  24M 120R
Anm: Die Seen sind bei Wangelkow aufgeführt

Summe

Acker: 353M
Wüster Acker: 165M 90R
Wiese: 61M 30R
Heuertrag: 148 Fuder
Wald undViehweide: 630M 240R
Grundstücke undGärten: 24M 120R

 R 904   U 676 

Annotationen zu Klotzow

DerAcker

Das Ackerland in Klotzow ist in drei Schläge oder Felder geteilt, deren Anteil jedoch jährlich wechselt, je nachdem, wie mehr oder weniger sandig der Acker vorgefunden wird, der besät wird.
An Bonität oder Güte kann dieser Acker in Klotzow wegen seines sandigen Bodens, nicht höher als das dritte Korn geschätzt werden. Denn obwohl dort der Acker letztlich natürlich aussieht und es bessere Schläge gibt, als die, die reiner Sandacker sind, kann doch aufgrund der Ungleichheit nicht alles was jährlich besät wird, wenig höher kommen, doch kommt das gute Land dem schwächeren zu Hilfe. Wo der Acker sehr sandig ist, wird er nur das vierte und sechste Jahr besät, wo er hingegen gedüngt wird, muss dies so oft geschehen, wie es möglich ist, darum wird vom Brachfeld jährlich ein Teil besät. In einen Morgen werden drei Scheffel gesät, wo der Acker am besten ist, aber nicht in den Sandacker. Der Sandacker liegt in keinen besonderen Schlägen.

Über die Aussaat

Auf dem Hofacker von Klotzow an Roggensaat 13 Drömt und 6 Sch
Sommersaat an Gerste beläuft sich auf 6 Drömt und 1 Sch
 R 905  Dort wird ein Teil des Brachlandes besät
Hafer wird gesät 6 Drömt 5 Sch
Erbsen 1 Drömt 8 Sch
Die Aussaat jedes Bauern an Wintersaat, von der sie aussähen können, beläuft sich auf 2 Drömt mit dem Sandacker einberechnet.
Sommersaat an Gerste jeder 8 Sch
an Hafer 1 Drömt
Die Summe an Aussaat für das ganze Dorf beläuft sich mit den Saatfeldern auf 602 Sch

 U 677 

VonWiesen

Die Wiesen sind niedrig und liegen am Peenestrom . Sie erleiden großen Schaden, wenn sie gemäht sind und der Fluss ansteigt, da das gemähte Heu mit dem Wasser fortgespült wird. Die Zahl an Heufudern bei den am Peenestrom liegenden Wiesen, die der Eigentümer selbst bewirtschaftet, ist in tragenden Jahren 60 oder 70 Bauerfuder. Von den Wiesen, die die Bauern nutzen, kann jeder zwölf bis 13 Fuder erhalten, mal mehr mal weniger. Das hängt vom jeweiligen Jahr ab.

 R 906 

ÜberViehweide

Gute Weide für Großvieh und Pferde gibt es in Klotzow, die jedoch sehr morastig ist. Für die Schafherde gibt es Weide, die allerdings nicht sehr üppig ist, auf den wüsten Äckern und den Sandackern.

Vom Wald

Brennholz gibt es genug im Laubwald auf der Dorfmark, auch ein großer Eichenwald wird genutzt. Aber Kiefernholz, das als Baumaterial dienlich wäre, ist nicht vorhanden, sondern muss woanders geholt werden.

Über Vieh

60 große Rinder und mit den Kälbern zusammen 70 Tiere, können auf dem Hof über den Winter gebracht werden.

VonFischgewässer

In den hier liegenden Seen fischt der Eigentümer, er hat die Rechte am halben GroßenSee , der zwischen hier und Pinnow liegt.  U 678  Darüber hinaus hat er auch das Recht, beim Bollwerk im Peenestrom mit Reusen zu fischen.

Vom Gesinde

Auf dem Hof werden zum Hofdienst drei Knechte, ein Fischer und  R 907  fünf Mägde gehalten. Jeder Bauer hat einen Knecht und eine Magd für seine Verrichtungen nötig.

Über Dienste

Die Bauern in Klotzow dienen die ganze Woche auf dem Hof.

Von Abgaben

Alle Arten von Abgaben, die der Eigentümer für Klotzow und Wangelkow vom Oktober 1693 bis zum ersten September 1694 ausgegeben hat, belaufen sich auf insgesamt 136 Rthl und 44 lß.

 RRev 326   URev 467 

Im Jahre 1704 wurde das Dorf Klotzow revidiert und wie folgt befunden

Im Feld A

Ag , drei Stücke, Etwas mager und tief liegende Sanderde von Db aufgepflügt, kann jedes sechste oder neunte Jahr mit Roggen oder Buchweizen besät werden  6M 30R

Im Feld C

[Cg-Ch]   14M 210R
Cg , zwei Stücke, etwas rötlich und lose, etwas mit Gras bestandene Sanderde, sehr mager und hügelig, manchmal jedes sechste bis zwölfte Jahr besät, von Dc umgepflügt  12M 150R
Ch  etwas bessere und tief liegende Sanderde, von Dc umgepflügt, wird öfter bewirtschaftet.  2M 60R

Summe

NeuerAcker: 20M 240R

 URev 468 

Hier wird jedes Jahr hier und dort auf Klotzows und Wangelkows Feldern etwas von den Äckern liegen gelassen, das nicht gleichfalls mit den anderen besät werden kann. Diese Stücke liegen dann fünf bis sechs Jahre und wohl darüber.
Sonst gibt es hier keine Gelegenheit mehr, Ackerland zu gewinnen, denn das gesamte übrige Ödland besteht aus reinem Sand, der sehr lose ist, wenn er umgepflügt werden sollte. Außerdem kann hier von der Weide nichts entbehrt werden.4 

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2008, Dr. Michael Busch
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Oloff (Olaus) Spaak
Revision:
Anmerkungen:

1 Laut Urschrift Fol. 660 vermessen von Olaus Spaak

2  Christoph von Neuenkirchen, Rat und Hauptmann (25. Juli 1567- 9. Juni 1641) und Johann (Hans) von Neuenkirchen , Pomm.-Wolgastischer Hofmarschall (?-14. Aug. 1624). Die Familie erlosch im 17. Jahrhundert.  

3  Das schwedische Wort pors steht für den botanischen Begriff Myrica Gale, welches im Deutschen Gagel bzw. den Gagelstrauch meint, eine Pflanze aus der Familie der Gagelstrauchgewächse. In norddeutschen Gegenden wird der Gagelstrauch häufig auch als Porst oder Post bezeichnet. Allerdings sollte der norddeutsche Porst nicht mit dem hochdeutschen Porst bzw. Sumpfporst, einer Pflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse, verwechselt werden. Frank Lorberg: Das Verschwinden des Gagels - Landschaft ein ephemeres Phänomen. In: Bellin, F., Gehlken B., u.a.: Gagel, Speik und Wegerich. Beiträge zur Landschafts- und Vegetationskunde. Kassel 1999, Seite 82ff.

4 Dieser Absatz findet sich nur in der Urschrift.