R 770   U 545 

Beschreibung des Adelshofes Papendorf, das im Juni 1694 geometrisch vermessen wurde1 

Die Namen der Einwohner

1  Herr von Normann2 , Adelsmann
2  ein Schäfer

Papendorf ist ein Adelshof, im Distrikt Wolgast gelegen, anderthalb Meilen von Wolgast entfernt, liegt eine kleine Viertelmeile von Lassan entfernt. Mit seinen Grenzen stösst es im Westen mit Pulow zusammen, im Norden mit dem wüsten Hof Klein Jasedow, im Osten mit Vorwerk und Lassan, im Süden mit Streitheide , die auch zu Lassan gehört. Zur Kirche gehört es zu Lassans Gemeinde.
Dieser Hof oder das Dorf ist von alters her ein Kirchdorf unter Lassans Kirche gewesen, von der es von Major Weissensteins Vater gekauft worden ist, der auf Vorwerk wohnte und ist also eine Pertinenz3  unter Vorwerk geblieben.
Jetzt läßt der Besitzer, ein von Normann, dieses Dorf gegen Pacht4  verwalten, das jährlich dafür 150 Rthl Pacht gibt.
Von der Summe werden alle Kontributionen vom Besitzer vollständig beglichen, die der Krone jährlich zufallen und werden davon abgerechnet.

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Im letzten Krieg zwischen der Krone Schweden und Brandenburg5  ist dieser Hof vom Feind vollständig zerstört und verbrannt worden, wie der Eigentümer sagt, und sind die Häuser, die man jetzt wieder darin findet, von dem Eigentümer in solchen Zustand gebracht, was notwendig bei einem solchen Dorf ist. Und im selbigen Dorf sind keine Untertänigen oder freien Leute, sondern die beiden Kossaten des Pächters wirtschaften in seinem Dienst, sind von Vorwerk, und vom Eigentümer dazu bestimmt.

Die alte Hufenzahl dieses Dorfes beträgt gemäß Angabe der Kirchenmatrikel6  sechs Hakenhufen, wie der Eigentümer berichtet. Das Land ist der Art nach steuerpflichtig und wird nach der neuen Hufenzahl als Steuer für eine reduzierte Hufe7  berücksichtigt.

Als dieses Dorf mit Untertänigen besetzt war, haben zwei Kossaten darauf gewohnt, die den Acker nicht bewirtschaftet haben, sondern der verstorbene Weissenstein hat dieses Land auf eigene Faust für sich unter Vorwerk mit eigener Zucht bewirtschaften und besäen lassen.

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Arealausrechnung von Papendorf8 

Der Acker

wird in drei Felder geteilt und ist von folgender Beschaffenheit

Im Feld A

[A]   67M 240R
Aa  Sandhumus, rot beschaffen,  28M 270R
Ab  Humusland, etwas sandvermischt,  38M 270R

Das Feld B

[B]   85M
Ba  ebenes Humusland,  82M 120R
Bb  Sandhumusland9 ,  2M 180R

Das Feld C

[C]   63M 270R
Ca  sandvermischter Lehmhumus,  44M 240R
Cb  Sandhumus,  19M 30R

Wüster Acker

[D]   62M 240R
Da  wüster Acker, mit Heidekraut bewachsen, hochgelegenes Land, von Sandhumusboden, brauchbar zum bewirtschaften,  20M
Db  altes wüstes Land von Heideland zur Streitheide hin, kann zu Acker gemacht werden,  37M 60R
Dc  alter wüster Ackerberg bei der Grenze von Lassan,  5M 180R

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Weideland

[E]   44M 30R
Ea  Tümpel und kleine Moore mit anderem Buschwerk, die bei den Feldern im wüsten Acker zu finden sind,  12M 150R
Eb  bültiges, morastiges Land, das auch an einigen Orten bergig und mit Büschen bewachsen ist,  15M
Ec  Wolffberg ist eine Pferdekoppel, worin zwei Moore oder Moräste liegen,  16M 180R

Fa  das Dorf mit dem Weg und Hofstellen,  6M 150R

Fischgewässer

[G]   18M 120R
Ga  Gross Krebsee ist ein sehr tiefer See von sieben bis acht Faden an einigen Orten tief, jedoch ist er am Rand etwas flacher, wo man Krebse fangen kann, die reichlich darin zu finden sind,  14M 30R
Gb  Kleine Krebsee ist von gleicher Beschaffenheit wie der andere,  4M 90R

Summe10 

Acker: 216M 210R
Wüster Acker: 62M 240R
Viehweide: 44M 30R
Hofstelle: 6M 150R
Fischgewässer: 18M 120R

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Annotationen von Papendorf11 

Über den Acker

Der Acker wird in drei Schläge geteilt, die keine bestimmten Namen haben. Der Art nach ist das Land überall von mittelmäßig guter Natur und gut tragendem Acker, wo er gut mit Dünger versehen wird, besonders bei Wintergetreide und es scheint bestes Getreide in mittelmäßig nassen Jahren abzuwerfen. Der Lage nach ist es ebenes Land, etwas hochgelegen sind die Felder C und A. In einen Morgen können in dieses Land vier Scheffel ausgesät werden, laut Angabe des Eigentümers. Der wüste Acker ist mit Heideland bewachsen, der seit Banérs Zeiten12  wüst lag, ist von solcher Beschaffenheit, dass er wohl wieder als Acker taugen könnte um bewirtschaftet zu werden, was mit der Zeit geschehen wird. Der Boden besteht zumeist aus Sandhumus.

Über die Aussaat

Nach Angaben des Besitzers kann auf Papendorf an Wintersaat insgesamt anderthalb Last gesät werden, ergibt in Scheffel gerechnet 110 Sch
Die Sommersaat soll ebenso hoch steigen, bis zu anderthalb Last, ergibt 110 Sch
Die Summe beträgt insgesamt 220 Sch

Über Wiesen

Auf der Feldmark des Dorfes sind keine Wiesen zu finden. Auch liegen keine an anderen Orten, die dazu gehören.

 R 774   U 548 

Über Brenn- und Bauholz

Bei diesem Dorf ist kein Holz zum Brennen oder Bauen zu finden, sondern was dafür notwendig ist, muss von anderen Orten geholt werden.

Über Weideland

Solange das wüste Land unbestellt ist, kann es wohl mittelmäßig gute Weide für Schafe und Großvieh sein. Wenn es aber bestellt wird, gibt es keine andere Möglichkeit auf der Feldmark des Dorfes mehr als das, was man aus kleinen Grasmorästen haben kann und was die Pferdekoppel hergibt, die beim Dorf zu finden ist.

Über Mühlen

Eine Windmühle hat früher bei Papendorf gestanden, die im letzten Krieg abgebrannt ist.

Über Seen

Zwei Binnenseen gibt es auf der Feldmark des Dorfes, die reich an allerhand Fischen sind. Aber wegen ihrer Tiefe, die vom Ufer aus überall bis zu acht oder neun Faden beträgt, kann man mit Fischereigeräten keine  R 775  andere Netzfischerei ausüben als Krebsfang, die man beim Land, wo es zwei bis drei Faden zum Seegrund sind, fangen kann.

Über Schafherden

Schäferei kann als höchstes 300 Stück über Winter durchgefüttert werden, die ihr Futter den Sommer über vom Heideland auf dem wüsten Acker hat.

Über Abgaben

Die Abgaben an Geld stehen für Papendorf jährlich im Verhältnis zu einer reduzierten Hufe Land, die der Eigentümer nicht eigentlich als sein Quantum wahrgenommen hat. Magazinkorn13  entfielen auf diesen Hof letztes Jahr acht Scheffel.

 RRev 219   URev 333 

1704 ist das Dorf Papendorf revidiert und wie folgt befunden worden

Im Feld A

[Ac,Ad]   5M 270R
Ac , zwei Stücke, Sandboden, etwas grob und mager, vom wüsten Acker Da aufgepflügt worden, jedes dritte bis vierte Jahr bestellt,  2M 270R
Ad , ein Stück, Sandboden, von Db aufgepflügt, wird wie vorbenanntes Ac bestellt,  3M

Im Feld C

Cc , ein Stück, hochgelegener Sandboden, etwas mager, wird jedes dritte bis vierte Jahr besät, ist von Db bewirtschaftet,  2M 270R

Anmerkung: Sonst ist der übrige wüste Acker überall von sandigem Boden, mit Kies dazwischen, besteht zumeist aus mageren und hohen Sandhügeln, die nicht sonderlig zur Rodung des Ackers nützlich sind und, laut Bericht, nicht als Weide entbehrt werden können.

Summe

Neuer Acker: 8M 240R

Bestandssignaturen: anzeigen
Übersetzung: 2011, Anke Maiwald M.A.
Namen der Landmesser:
Hauptvermessung: Oloff (Olaus) Spaak
Revision:
Anmerkungen:

1 Papendorf wurde von Oloff (Olaus) Spaak vermessen.

2  Die Familie von Normann (auch Narmann, Nahrmann und Norrmann) zählte zu den ältesten Adelsgeschlechtern auf der Insel Rügen und im Gebiet des Herzogtums Pommern-Wolgast. Sie hatten Güter u.a. im Gebiet von Rügen, Anklam, Grimmen und Demmin. Bereits im 13. Jahrhundert zählten sie zum auf Rügen gesessenen Adel und über pommersche Grenzen hinaus waren Teile der Familie in späterer Zeit auch in Dänemark, Schweden, Schlesien, Ostpreußen, Mecklenburg, Württemberg u.a. ansässig.  Normann. In: Kneschke, Ernst Heinrich (Hg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon. Bd. 6, Leipzig 1865. S. 527ff.

3  Pertinenz ist ein Zubehör im rechtlichen Sinn: "Sache oder Recht als rechtlicher Bestandteil einer anderen Sache".  Deutsches Rechtswörterbuch: Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache, Bd 10. Weimar 1997 – 2001. Sp. 619f.

4  Pachtgeld ist der Betrag, den ein Pächter für die Nutzung einer gepachteten Sache an den Eigentümer zahlt, wie z.B. die Pacht für einen Hof, eine Mühle, einen Krug u.a.m Pachtgeld. In: Krünitz, D. Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd 106. Berlin 1807. Sp. 64.

5  Der Brandenburgische Krieg (Schonenkrieg) 1675-1679: Trotz des Großmachtstatus war die Situation Schwedens unsicher, im Osten bedrängte Russland die schwedischen Provinzen, Polen war ein Unsicherheitsfaktor, Brandenburg spähte nach Schwedisch-Pommern während Dänemark die verloren Gebiete in Südschweden zurückgewinnen wollte. Bereits 1672 ging Schweden ein Bündnis mit Frankreich ein, das gegen die Niederlande gerichtet war. Dafür sagte Frankreich seinem Bündnispartner finanzielle Unterstützung für die kontinentalen Truppen zu und versprach im Falle eines dänischen Angriffs militärische Hilfe. Im selben Jahr fiel Frankreich in die Niederlande ein, die sich daraufhin mit Brandenburg verbündeten. Dänemark tat sich mit dem Kaiser zusammen und war bereit, in den Krieg einzugreifen, sobald eine andere Macht Frankreich zur Hilfe eilen sollte. Dennoch stationierte Schweden auf Drängen des französischen Bündnispartners Truppen in Pommern. Allerdings suchte Schweden erfolglos den Ausgleich mit seinem nordischen Nachbarn. Im Dezember 1674 fiel der Reichsmarschall Wrangel ohne Angriffsbefehl in brandenburgisches Gebiet ein. Das Vorhaben endete mit der Niederlage bei Fehrbellin 1675. Daraufhin erklärten der Kaiser und einige Zeit später auch Dänemark dem schwedischen Reich den Krieg. Für Schweden sah die Lage kritisch aus, trotzdem gelang Schweden im Dezember 1676 bei der blutigen Schlacht um Lund ein knapper Sieg. Weitere Erfolge schließen sich an. Im Jahr 1679 kommt es zu Friedensschlüssen, dabei verpflichtete sich Brandenburg, die in Schwedisch-Pommern eroberten Gebiete zurückzugeben. Die beiden skandinavischen Reiche verhandelten ihren Frieden allein, das Schutz- und Trutzbündnis ratifizierte Karl XI. schließlich am 8. Oktober 1679. In: Busch, Michael: Krieg – Krise – Absolutismus. Die Entstehung königlicher Alleinherrschaft in Dänemark und Schweden.  

6  Eine Kirchenmatrikel ist ein Verzeichnis über die Eigentums- und Einkommensverhältnisse von Kirchen und ihren Kirch- und Schuldienern.  Deutsches Rechtswörterbuch: Wörterbuch der älteren deutschen Rechtssprache, Bd 7. Weimar 1974-1983. Sp. 883.

7  Die übliche Steuerform in Vorpommern war die Besteuerung des ländlichen Grund- und des städtischen Hausbesitzes, der so genannte Hufen- und Häusermodus. Da die Landschaft nur die überholte Kahldensche Matrikel aus dem Jahre 1631 besaß und da die Arbeit an einer neuen Hufenmatrikel mehrfach gescheitert war, einigten sich die Stände 1658 in Anklam auf eine Übergangsregelung, nach der die Steuern bis auf weiteres verteilt werden sollten. Sie legten einen fiktiven Bestand von 10 000 Hufen (reduzierte Hufen) zugrunde, von dem die Ritterschaft und die Ämter im Verhältnis 5:2 die eine Hälfte und die Städte die andere Hälfte übernahmen. Eine Steuereinheit der reduzierten Hufe entsprach für die Ämter 3 Landhufen, für die Städte 2 1/2 Landhufen. Dähnert, Johann Carl: Platt-Deutsches Wörter-Buch nach der alten und neuen Pommerschen und Rügischen Mundart, Stralsund 1781, S. 459.

8 In der Urschrift wird Papendorf als Adelshof beszeichnet.

9 Die Gesamtfläche von Feld B beträgt laut Urschrift 85 M. In der Reinschrift sind fälschlicherweise 84 M eingetragen worden.

10 Die Summe für den Acker beträgt laut Urschrift: 216 M 210 R. In der Reinschrift wurden 215 M und 210 R notiert.

11 In der Urschrift wird Papendorf als Adelshof beszeichnet. Die Foliozählung 773 in Band 4 wurde doppelt vergeben.

12  Nach dem Tod des letzten pommerschen Herzogs Bogislaw XIV im März 1637, forderte der Kurfürst von Brandenburg die vertraglich zugesicherte Sukzession in Pommern, das aber weiterhin von Schweden besetzt blieb. Verbündete brandenburgische und kaiserliche Armeen drangen in Pommern ein, die schwedischen Generäle Wrangel und Banér konnten das Land mit Mühe halten. Als 1638 der Gouverneur Sten Bielke starb, regierten Banér und seine Offiziere für drei Jahre faktisch das Land. Die Forderungen des Militärs, die Kriegslasten, die Pommern leisten musste, stiegen ständig an. Dies änderte sich erst 1641 mit einer Beruhigung der kriegerischen Lage und der Berufung Torstenssons zum Generalgouverneur und Axel Lilies zum Gouverneur von Hinterpommern.  Lange, Edmund: Die Greiffswalder Sammlung Vitae Pomeranorum. Alphabetisch nach Geschlechtern verzeichnet. (Baltische Studien, Erste Folge. Ergänzungsband ) Greifswald 1898. S. 86. Stadtarchiv Wismar, Prozeßakten des Tribunals 1653-1803 (x), Rep 3 (1) 0698.

13  Das Magazinkorn war eine Abgabe in Form von Getreide, Mehl oder ähnlichen Agrarprodukten, die in einigen Ländern in das obrigkeitliche Kornmagazin geliefert werden musste. Im Magazin wurde das Getreide gelagert, als Vorrat für schlechte Zeiten, wie Missernten, Teuerungen oder Belagerungen für die Versorgung der Einwohner und der Besatzung.  Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Bd. 45, Berlin 1789, Sp. 441ff.